Titel: Ueber Hrn. Radiguet's Fabrik von Spiegeln und gefärbten Gläsern mit parallelen Flächen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. LXXIV./Miszelle 5 (S. 315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044074_5

Ueber Hrn. Radiguet's Fabrik von Spiegeln und gefärbten Gläsern mit parallelen Flächen.

Die gegossenen Spiegelgläser sind, nachdem sie polirt und abgeschliffen worden, doch nichts weniger als vollkommen eben, und noch weniger sind die gegenüberstehenden Flächen derselben einander parallel. Man kann sich hievon sowohl durch Instrumente, als durch die Wirkungen des Lichtes überzeugen. An Spiegeln, die bloß zur Verzierung von Zimmern oder zur Toilette bestimmt sind, hat diese Ungleichheit zwar nichts zu sagen; allein bei Instrumenten, die zu genauen Beobachtungen dienen sollen, müssen die Spiegelgläser, wenn sie die Gegenstände weder vergrößern, noch nähern sollen, vollkommen parallele Flächen haben. So darf z.B. zu einem Reflexionskreise oder Sextanten kein Spiegelglas genommen werden, dessen Flächen auch noch so wenig gegen einander geneigt sind, weil sonst die gebrochenen Strahlen nicht mehr mit den einfallenden Strahlen parallel seyn würden, und das Bild daher nothwendig eine kleine Ortsveränderung erleiden müßte, durch welche der Winkel, den das Instrument messen soll, eine merkliche Veränderung erleiden würde. Die sogenannten künstlichen Horizonte werden mittelst eines Luftblasen-Nivellir-Instrumentes horizontal gestellt; dadurch versichert man sich jedoch nur, daß die obere Fläche horizontal ist; ist nun aber die untere Fläche, welche die Bilder zurükwirft, nicht mit der oberen parallel und nicht horizontal, so erhält man nur irrige Resultate. Aus diesem Grunde wendet man daher oft nur den Reflex der oberen Fläche des Spiegels an, indem man die entgegengesezte. Seite nicht polirt, und ein sehr dunkles Glas nimmt, welches die Strahlen, die nicht zurükgeworfen wurden, absorbirt. Auch die Spiegelgläser der Camera obscura müssen parallele Flächen haben, weil sonst das Bild undeutlich wird; man hat daher in diesem Falle die Anwendung der Glasprismen vorgezogen. Ferner ist es bei vielen anderen Instrumenten, wenn nicht unumgänglich nothwendig, jedoch sehr nüzlich, wenn die Spiegelgläser vollkommen parallele Flächen haben. Aus diesen Gründen verwenden die Künstler auch sehr große Sorgfalt auf die Verfertigung solcher Gläser, die eben deßwegen auch immer sehr theuer sind. Allein dessen ungeachtet sind sie bisher meistens unvollkommen, besonders wenn sie einige Größe haben. Die Gläser der Sextanten sind sehr klein, und doch fehlt es ihnen nicht selten an Genauigkeit. Frankreich bezog bisher seine besten Gläser dieser Art aus England; die Fabrik, welche Hr. Radiguet, Optiker zu Paris, am Boulevart des Filles du Calvaire Nr. 17 errichtete, enthebt es aber dieser Einfuhr, da aus derselben Gläser kommen, welche noch besser als die englischen, und zugleich wohlfeiler sind. Die Commission, welche die Société d'encouragement zur Untersuchung der Gläser des Hrn. Radiguet ernannte, und in deren Namen Hr. Francoeur im Bulletin Januar 1832 S. 9 Bericht erstattete, hat diese Gläser sorgfältig mittelst des Reflexes des Sonnenbildes in einem Fernglase geprüft, und gefunden, daß man kein doppeltes Bild sah, was den sichersten Beweis ihrer Güte gibt. Hr. Gambey wendet zu seinen Instrumenten, die gegenwärtig allgemein als die besten anerkannt sind, durchaus Gläser aus der Fabrik des Hrn. Radiguet an. Die Methode, deren sich dieser Künstler zur Fabrikation der Spiegelgläser mit vollkommen parallelen Flächen bedient, wird von dem Erfinder noch geheim gehalten, und nicht ein Mal der Commission wurden Details über dieselbe mitgetheilt.

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