Titel: Englische Recepte zur Bereitung eines wohlfeilen Bieres.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. LXXIV./Miszelle 9 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044074_9

Englische Recepte zur Bereitung eines wohlfeilen Bieres.

Das Repertory of Patent-Inventions April 1832 S. 212 gibt aus dem Gardener's Magazine folgende Recepte, nach welchen sich Landleute, Landwirthe, Gärtner und dergl. wohlfeiles Bier bereiten können. Wir geben diese Recepte nicht als Muster für unsere Landsleute, sondern um ihnen zu zeigen, was man anderwärts als Bier trinkt, und um den Sachsen und Norddeutschen den Trost zu gewahren, daß man in England so schlechtes Bier fabricirt, und sogar trinkt, als bei ihnen.

1) Bier aus roher Gerste und Melasse. Man bringe ein Viertel (peck) Gerste oder Hafer in einen Bakofen, aus welchem das Brod genommen worden, oder in eine Röstpfanne, und treibe so die Feuchtigkeit aus demselben. Dann mahle man dieses Getreide grob (nicht sein), und gieße 2 1/2 Gallons Wasser so heiß darauf, daß man den Finger nicht darin erleiden kann; damit meische man die gemahlenen Samen gut ab, und lasse sie dann 3 Stunden stehen. Nach dieser Zeit ziehe man die Flüssigkeit ab, und seze auf 2 Gallons derselben 9 Gallons Wasser zu, welches etwas heißer als das erste, aber doch nicht siedend (d.h. nicht über 180° F. heiß) ist. Nun mische man die Flüssigkeit gut, und lasse sie 2 Stunden stehen, bevor sie abgezogen wird. Dann seze man 2 Gallons kaltes Wasser zu, mische wieder gut und ziehe die Flüssigkeit, die beiläufig 5 Gallons geben wird, ab. Hierauf vermenge man 7 Pfund westindische Melasse mit 5 Gallons Wasser, mische diese mit der bereiteten Gerstenwürze, seze noch 4 Unzen Hopfen zu und lasse das Ganze 1 1/2 Stunden lang sieden. Wenn die Flüssigkeit bis zur Blutwärme abgekühlt ist, so seze man ihr eine Obertasse voll Hefen zu, bedeke sie mit einem Sake, und lasse sie 18 Stunden lang gähren. In 14 Tagen wird solches Bier so gut, so stark und so gesund seyn, als Londoner Porter oder gutes Ale. Die 9 Gallons Bier, die man auf diese Weise erhält, werden kosten: 1 Viertel Gerste zu 1 Schill. 3 Den., 7 Pfund Melasse zu 1 Schill. 6 Den. bis 2 Schill., 4 Unzen Hopfen zu 3 Den., in Summa 3 Schill. (1 fl. 18 kr.) oder höchstens 5 Schill. 6 Den. (2 fl. 6 kr.)

2) Bier aus Malz und Melasse. Man gieße 8 Gallons Wasser von einer Hize von 175° F. (+ 63,56 R.) auf einen Bushel Malz, meische es gut ab, lasse es 3 Stunden lang ruhig stehen, ziehe die Flüssigkeit ab, und seze dann 8 Gallons Wasser von 196 F. (+ 72,89° R.) zu. Damit meische man wieder; diese Meische lasse man 2 Stunden lang stehen, worauf man 8 Gallons kaltes Wasser auf die Körner gieße, und es 3 1/2 Stunden lang damit stehen lasse. Nun vermenge man 28 Pfund westindische Melasse mit 20 Gallons Wasser, und siede dann das Ganze zwei Stunden lang mit 2 Pfund Hopfen. Wenn die Flüssigkeit bis auf 85° F. (+ 23,56° R.) abgekühlt ist, so menge man eine halbe Pinte Hefen darunter, bedeke sie mit einem Sake, rühre sie gut um, und lasse sie 24 Stunden lang gähren. Man erhält auf diese Weise nach einiger Zeit 36 Gallons gutes Ale, welche kosten: 1 Bushel Malz zu 9 Schill., 28 Pfund Melasse zu 6–8 Schill., 2 Pfund Hopfen zu 2 Schill.; mithin in Summa 17 oder höchstens 19 Schill. (40 fl. 12 kr. – 11 fl. 24 kr.).

3) Bier aus westindischer Melasse allein. Man vermenge 14 Pfund westindische Melasse mit 11 Gallons Wasser und koche dieß 2 Stunden lang mit 6 Unzen Hopfen. Dann lasse man die Flüssigkeit ganz abkühlen, seze ihr eine Obertasse Hefen zu, rühre sie um, und bedeke sie, um sie warm zu erhalten, mit einem Sake. Wenn sie 16 Stunden gegohren hat, so ziehe man sie in ein Faß ab, welches gut aufgefüllt und in zwei Tagen zugespundet wird. Nach 6 Tagen wird dieß Bier trinkbar, und stärker als der beste Londner Porter seyn. Dieß ist die einfachste von allen Methoden; man braucht dabei nur einen Waschkessel, oder im Nothfalle einen großen Theekessel. Man erhält auf diese Weise aus 14 Pfunden Melasse zu 3 oder höchstens 4 Schill., und aus 6 Unzen Hopfen zu 4 1/2 Den. 9 Gallons Bier, welche zusammen 3 Schill. 4 1/2 Den. oder höchstens 4 Schill. 4 1/2 Den. (2 fl. 1 1/2 kr. – 2 fl. 37 1/2 kr.).

Man kann statt der Melasse auch Syrup nehmen, nur muß man von diesem |318| eine größere Menge anwenden, und zwar bei 6–7 Pfunden um 4 Pfund mehr. Am besten, aber etwas theurer, ist der gröbste braune oder Rohzuker; von diesem kommen 5 Pfund 6 Pfunden Melasse gleich.

Um diesem Biere einen besseren und angenehmeren Biergeschmak und eine sogenannte Schneide zu geben, räth der englische Receptenfabrikant dem Biere eine kleine Messerspize voll Eisenvitriol zuzusezen!! Dieser Zusaz ist zwar in geringer Menge für die Gesundheit im Allgemeinen nicht schädlich, allein er beweist, welche Begriffe in England über den Biergeschmak herrschen. Nach diesen Daten wird wohl nicht leicht Jemand bei uns Luft bekommen auf englische Methode gebrautes Bier zu trinken.

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