Titel: Ueber das Beschneiden von Bäumen, welche Bauholz geben sollen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. CIV./Miszelle 11 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044104_11

Ueber das Beschneiden von Bäumen, welche Bauholz geben sollen.

Hr. Blakie sagt über das Beschneiden der Bäume in Wäldern und an Zäunen Folgendes:

„Wenn die Aeste von Bäumen dicht an ihren Stämmen weggeschnitten werden, so schließt sich die Rinde oft bald über den Wunden, und dieß veranlaßt dann unvorsichtige Baumbeschneider zu glauben, daß die Stämme und das Holz auch nach einer solchen barbarischen Behandlung noch ihre Vollkommenheit erreichen und gesund bleiben werden. Die einzige verständige Entschuldigung für das Beschneiden der Bäume in Wäldern und Alleen findet dann Statt, wenn sie zu üppige |467| Seitenäste treiben, die dem Hauptstamme zu viel Nahrung entziehen, und dem Gedeihen des Unterholzes und der umliegenden Felder schaden. In diesem Falle müssen diese Bäume beschnitten werden, aber ohne ihnen dabei in ihrem Holze zu schaden. Man schneide die Aeste daher nicht an dem Ursprunge, sondern in einer gewissen Entfernung vom Stamme, und unmittelbar über solchen Stellen ab, aus denen Seitenäste entspringen. Auf diese Weise wird die Strömung des Saftes unterbrochen, und aus den starken Seitenästen wieder dem Stamme zugekehrt, so daß sowohl dieser, als die höheren Aeste eine größere Ausdehnung erreichen können. Die eingekürzten Aeste nehmen bei dieser Behandlung immer mehr ab, und sterben zulezt von selbst ab, ohne daß das Holz des Stammes den geringsten Nachtheil davon hat. Die Entfernung vom Stamme, in welcher die Aeste abgeschnitten werden sollen, muß sich nach der Größe derselben richten; man soll sie so lang lassen, daß die gehörige Menge Saft oder Nahrung auch noch nach dieser Seite gezogen und das zu frühe Absterben des Astes und das Faulen im Kerne gehindert wird.“ Das Beschneiden in Wäldern tritt bei uns wohl selten oder nie ein; allein bei unseren Alleen dürften die Rathschläge des Hrn. Blakie besser beachtet werden. Die Individuen, die unsere Alleen gewöhnlich beschneiden, dürften füglich als wahre Baumfrevler behandelt werden; ihnen haben wir es großen Theils zu verdanken, daß wir, troz der enormen Zahl von Bäumen, die schon an unsere Straßen gepflanzt wurden, und noch gepflanzt werden, fast nirgendwo eine mittelmäßige Allee haben, sondern überall durch den Anblik mißhandelter, von Außen verkrüppelter und von Innen ausgefaulter Bäume beleidigt werden.

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