Titel: Fortschritte der Schifffahrt auf dem Mississippi und Ohio.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. CIV./Miszelle 5 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044104_5

Fortschritte der Schifffahrt auf dem Mississippi und Ohio.

Das Edinburgh new philosophical Journal und aus diesem auch das Repertory of Patent-Inventions April 1832, S. 225 enthalten einen Aufsaz des Hrn. J. J. Audubon Esq. über die Fortschritte der Schifffahrt auf dem Mississippi, welcher für Jedermann, der den Gang der Cultur auf dem ganzen Erdkreise zum Gegenstande seiner Beachtung gemacht hat, sehr Interessantes enthält, und den wir besonders unseren süddeutschen Wasserbau-Inspectoren zur Nachlese empfehlen, damit sie sich daraus überzeugen, daß sich auch auf ungestümen Bergströmen etwas zur Verbesserung der Schifffahrt thun läßt. Hr. Audubon gibt als Ginleitung eine Schilderung des Flußbettes des Mississippi, wie es im Jahre 1808, besonders oberhalb Natchez, war. Seine Ufer waren damals noch eine Wüste, ein Land, an welches bisher nur die Natur ihre Hand gelegt hatte. Der Strom selbst war reißend, und sehr gefährlich zu befahren; er änderte nach jedem Hochwasser seinen Lauf und seine Tiefe, schweifte in zahllosen Windungen umher, und verschlang jährlich ganze Aeker Landes, die mit den herrlichsten Wiesen und schönsten Wäldern bewachsen waren, um dafür auf einer anderen Seite eine dürre und für die Schifffahrt verderbliche Sandbank zusammenzuführen, durch welche gerade wieder zu neuen Verwüstungen Anlaß gegeben wurde. Das Flußbett war überall mit ungeheuren Baumstämmen verpestet, die jedem Schiffe schon von Weitem drohten, oder die unter dem Wasser verborgen waren, und dann um so sicherer zum Verderben führten. So sah der Mississippi im J. 1808 aus, und wer erinnert sich bei dieser Schilderung nicht unserer Isar, unseres Lechs, unseres Inns, der Salzach und auch vieler österreichischer Gebirgsflüsse? Wir dachten uns bei unseren Fahrten auf diesen Flüssen oft, daß es an den Flüssen der Urwälder Amerika's nicht viel ärger aussehen könne, und finden unsere Muthmaßung durch Hrn. Audubon's Schilderung ganz und gar bestättigt. So sehr nun der Zustand unserer Flüsse dem ehemaligen Zustande des Mississippi, des Ohio, und anderer nordamerikanischer Flüsse gleicht, so wenig kommen leider die Verbesserungen derselben den Verbesserungen an lezteren gleich. – Im J. 1808 brauchte ein Schiff zur Fahrt von Neu-Orleans stromaufwärts bis zu den Katarakten des Ohio 5, zuweilen sogar 8 Monate; eine Fahrt von 3 Monaten war ein wahres Wunder! Es fuhren um diese Zeit jährlich höchstens 25–30 Fahrzeuge, von denen keines über 100 Tonnen trug. Im J. 1810 kam das erste Dampfboth, der Orleans, unter Capitän Ogden den Ohio herab nach Neu-Orleans, und seither hat die Schifffahrt auf dem Mississippi und Ohio so sehr an Leichtigkeit und Ausdehnung gewonnen, daß:

Dampfbothe Tonnen Ladung Fahrten Tonnen
vom 1. Jan. bis 31 Dec. 1823 42 von 7860 98 machten, und 19,453
1. – – 25. Nov. 1824 36 6393 118 20,291
1. – – 15. Aug. 1825 42 7484 140 24,102
1. – – 31. Dec. 1826 51 9388 182 28,914

von Neu-Orleans und den Zwischenorten an den Ohio führten.

Die Zahl der Barken und anderen Schiffe steht hiermit im Verhältnisse; und gegenwärtig ist diese Zahl noch weit größer und noch immer im Zunehmen. Der Tecumseh von 210 Tonnen machte die Fahrt von Neu-Orleans bis zu den Katarakten des Ohio, eine Streke von 1650 Meilen, in 9 Tagen 7 Stunden; der Philadelphia von 300 Tonnen brauchte 9 Tage 9 1/2 Stunden; gewöhnlich macht man die Fahrt in 10 bis 14 Tagen. Als die Dampfschifffahrt zuerst zwischen Shipping-Port und Neu-Orleans empor kam, zahlte man in der Cajüte für die Fahrt 100 Dollars und stromaufwärts 150 Dollars. Im J. 1829 fuhr Hr. Audubon mit seiner Frau von Neu-Orleans nach Shipping-Port, und bezahlte für 2 Zimmer, die er hatte, nur 60 Dollars. Er vollendete die Fahrt von 1650 Meilen in 14 Tagen, indem dieselbe durch einen geringfügigen Zufall etwas verlängert |464| wurde. Es verlief kein Tag, an welchem er auf dieser Reise nicht einem oder mehreren Dampfbothen begegnete.

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