Titel: Chemische Analyse des Blutes von Cholerakranken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. CIV./Miszelle 8 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044104_8

Chemische Analyse des Blutes von Cholerakranken.

Da man zu Glasgow die Cholerakranken ebenso wie an anderen Orten Anfangs durch Blutentleerungen heilen zu können glaubte, bis man endlich auf andere |465| Ansichten kam, so benuzte der berühmte Professor der Chemie zu Glasgow, Dr. Thom. Thomson, diese Gelegenheit, um das Blut der Cholerakranken genau chemisch zu untersuchen. Hr. Thomson hat seine Untersuchungen in dem Philosophical Magazine and Annals of Philosophy Mai 1832 S. 347 in einer ausführlichen und höchst interessanten Abhandlung mitgetheilt, aus welcher wir hier, da sie sich in ihrer ganzen Ausdehnung nicht für das Gebiet unseres Journales eignet, die wichtigsten Resultate ausheben.

Das Blut der Cholerakranken, welches Hrn. Thomson gebracht wurde, war immer beinahe schwärzlich und weit dunkler, als das gewöhnliche Blut aus den Blutadern; es nahm an der Luft nicht, wie dieses leztere, eine hellere Farbe an, sondern behielt seine schwärzliche Farbe bei. Dieses Blut schied sich gleichfalls in Blutwasser und in einen Blutkuchen; ersteres war jedoch in weit geringerer Menge vorhanden und immer mehr oder weniger stark gefärbt. Das specifische Gewicht des Serums des aus den Blutadern von Cholerakranken gelassenen Blutes betrug 1,0446 bis 1,057; ein Paar aus dem Herzen von Leichen, die an der Cholera gestorben waren, genommenen Blut-Coagula hatten ein spec. Gewicht von 1,0938 bis 1,1020. Da das Blut von Gesunden nur ein spec. Gewicht von 1,0287 besizt, so ergibt sich hieraus, daß jenes der Cholerakranken bedeutend schwerer ist.

In dem Blute von Gesunden verhalt sich die Menge des Blutwassers zur Menge des Blutkuchens im Durchschnitte, wie 55 zu 45; in dem Blute der Cholerakranken hingegen verhält sich ersteres zu lezterem wie 33,2 zu 66,8; so daß das Cholerablut zwei Mal so viel Blutkuchen enthält, als das Blut von Gesunden.

In dem Blutwasser von Gesunden befinden sich nach Berzelius in 100 Theilen 90,5 Wasser und 9,5 Eiweiß und Salze; in dem Blutwasser der Cholerakranken beträgt der Gehalt an Eiweiß und an Salzen hingegen 16,05 bis 19,18. Die Salze, die im Durchschnitte nur 1,2 betrugen, bestanden aus Kochsalz, phosphorsaurem Kalke, aus einigen unbedeutenden in Alkohol auflöslichen Salzen, und aus etwas Eisenperoryd.

Der Blutkuchen des Cholerablutes bestand in 100 Theilen aus 35,43 bis 39,34 festen Bestandtheilen; das übrige war Wasser.

Die Bestandtheile des Cholerablutes im Vergleiche mit jenen des gesunden Blutes ergeben sich aus folgender Tabelle, in welcher die Menge des Wassers in beiden zu 100 angenommen ist.

Gesundes Blut. Cholerablut.
Kranker N. 1. Kranker N. 4.
Wasser 100 100 100
Eiweiß 10,79 7,34 9,28
Faserstoff oder Fibrine 5,67 0,57 1,97
Färbestoff mit Eiweiß 9,42 41,51 34,08
Salze 1,65 1,81 1,85
–––––– –––––– ––––––
127,53 151,23 147,18.

Der Mangel an Faserstoff oder Fibrine ist in dem Cholerablute höchst auffallend, und ebenso merkwürdig, wie der Ungeheure Ueberschuß an Färbestoff, der beinahe vier Mal so viel beträgt, als in dem gesunden Blute.

Hr. Thomson schließt aus seinen Untersuchungen, daß die Cholera die Functionen der Lungen so störe, daß das Blut nicht mehr die gehörigen Veränderungen durch dieselben erleidet; daß es mithin das Herz nicht mehr zur Thätigkeit reizen könne, und daß auf diese Weise der Tod erfolge. Da die Respiration, welche durch das Durchschneiden des 8ten Nervenpaares aufgehoben wird, wieder hergestellt werden kann, wenn man einen. galvanischen Strom durch die Lungen strömen läßt, so meint Hr. Thomson, man solle längere Zeit hindurch eine galvanische Strömung durch die Brust der Cholerakranken gehen lassen, indem auf diese Weise die Thätigkeit der Lungen kräftiger unterhalten, und den Veränderungen in der Blutmasse vorgebeugt werden dürfte.

So viel wir wissen, wurden in Deutschland bereits Versuche mit der Anwendung des Galvanismus gemacht; eine weitere Ausdehnung dieser Versuche wäre gewiß weniger schädlich, als die immer wiederholten Versuche mit den grellsten innerlichen Mitteln, die doch zu nichts führten.

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