Titel: Ueber den Einfluß der Blizableiter auf die Vegetation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 44, Nr. CIV./Miszelle 9 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj044/mi044104_9
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Ueber den Einfluß der Blizableiter auf die Vegetation.

Es wurde schon öfter behauptet, daß die Pflanzen in der Nähe von Blizableitern viel üppiger wachsen, und daß die Unterhaltung der elektrischen Strömung zwischen der Erde und den höheren Regionen mit dem Wachsthume der Pflanzen in Verbindung stehe. Um sich nun hievon zu überzeugen, und um die Art der Wirkung der Elektricität kennen zu lernen, machte Hr. P. Matthew Esq. mehrere Versuche, die wir hier in Kürze anführen wollen. Er nahm große Pfähle, befestigte an diesen zugespizte Eisenstangen von 8–9 Fuß Länge, und ließ von dem unteren Ende dieser Stangen an beiden Seiten der Pfähle bis auf den Boden dike, ganz rostfreie Eisendrahte herablaufen. Einen solchen Conductor, der zwischen 30 und 40 Fuß hoch war, stekte er mitten in ein großes, ebenes, in einer flachen Gegend gelegenes, frisch angebautes Gerstenfeld. An dem unteren Ende der beiden starken Drähte brachte er 10 kleinere Drähte an, die er so mittelst hölzerner Pflöke in die Erde brachte, daß sie eine Oberfläche von mehreren Fußen einschlossen. Das Resultat hievon war, daß die von den Drähten umgebene Gerste weder beim Keimen, noch beim Wachsen, noch beim Reifen, noch im Ertrage von der Gerste der übrigen Theile des Feldes den geringsten Unterschied zeigte. Das einzige Merkwürdige bei dem Versuche war, daß einzelne Theile des Drahtes roth oxydirt waren, während andere Stellen, die dem Einflusse des Wetters in gleichem Grade ausgesezt waren, ihre bläuliche Farbe in eine mehr silberweiße veränderten, ähnlich jener Weiße, die durch einen gewissen Grad von Hize erzeugt wird. Hr. Matthew machte einen ähnlichen Versuch an einem Haferfelde; allein auch hier zeigte sich nicht die geringste Wirkung der Elektricität. Bei einem dritten Versuche brachte er einen seiner Conductoren, der weit über den Baum hinausragte, in einer Entfernung von 3 Fuß vom Stamme neben einen Apfelbaum; die Drähte führte er in einem Kreise in gleicher Entfernung um die Basis, und ließ sie dann 4 Zoll tief in den Boden gegen die Wurzeln eindringen. Der Baum zeigte in Folge dieser Behandlung weder größere, noch lebhafter gefärbte Blätter, noch größere Jahrestriebe, noch irgend etwas Anderes, was sich nicht noch bei einem anderen Apfelbaume von gleichem Alter gezeigt hätte. Bei einem vierten Versuche endlich befestigte Hr. Matthew an einem Apfelbaume mittelst kleiner Stükchen Holz und Bast überall lange eiserne Nägel so, daß der Kopf der Nägel auf der Rinde auflag, und der Baum wie ein Stachelschwein ausgestattet war. Auch in diesem Falle zeigte sich jedoch nicht der geringste Erfolg. Hr. Matthew schließt hieraus, daß das üppigere Wachsen der Pflanzen in der Nähe von Blizableitern nicht von der Elektricität, sondern wahrscheinlich davon herrühre, daß der Boden beim Sezen der Blizableiter tief aufgegraben und daher lokerer und für die Vegetation zuträglicher wird. (Aus dem Edinburgh new philosophical Journal 1831. Nr. 22, S. 386.)

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