Titel: Engelmann's lithographische Presse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. LXX. (S. 260–267)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/ar046070

LXX. Beschreibung der neuen eisernen lithographischen Presse des Hrn. Engelmann.70)

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. April 1831, S. 202

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Fig. 1 zeigt einen Längenaufriß der Presse von der Seite des Drehekreuzes her gesehen.

Fig. 2 ist ein Aufriß von Rükwärts gesehen.

Fig. 4 stellt einen senkrechten Durchschnitt des oberen Theiles der Presse vor.

Fig. 5 ist ein Aufriß derselben von Vorne.

Fig. 3 stellt das Streichbrett für sich allein dar.

An allen diesen Figuren beziehen sich gleiche Buchstaben und Zahlen auch auf gleiche Gegenstände.

ABCD ist ein Gestell aus Gußeisen, welches durch die eisernen Bolzen EFG, die an beiden Enden mit Schrauben-Windungen und Schraubenmuttern versehen sind, zusammengehalten wird. In Folge dieser sehr einfachen Einrichtung läßt sich leicht einer der Bolzen abnehmen, ohne daß die übrigen Theile der Maschine dadurch in Unordnung gerathen. Ueberhaupt zeigt die ganze Maschine von dem erfolgreichen Bestreben des Erfinders, die größte Genauigkeit mit der größten Einfachheit zu verbinden. Aller Luxus ist an derselben vermieden, damit der Preis der Maschine so niedrig als möglich, und die Maschine selbst dadurch für Jedermann geeignet wird.

HI ist der Wagen, welcher zur Aufnahme des Steines bestimmt ist. Der Boden dieses Wagens besteht aus 6 parallel gelegten Brettchen von gleicher Dike, die an ihren Enden auf den eisernen Querriegeln 1 und 2 befestigt werden. Diese Brettchen sind nicht zusammen geleimt, damit, wenn sie sich auch werfen, doch der Stein nicht bricht. Denn, gesezt es wirft sich auch das eine oder das andere ein wenig, so kann der Widerstand doch nicht so stark seyn, daß dadurch der Stein zerbrechen könnte.

Der Stein J wird durch die beiden gußeisernen Querriegel 3 und 4 an seiner Stelle erhalten; die Enden dieser Querriegel greifen in die Riefen, die in den gußeisernen, die beiden Seiten des Wagens bildenden Stüke angebracht sind. An dem Riegel 3 befinden sich 2 |261| Drukschrauben, durch welche der Stein festgestellt wird. Bei dieser Einrichtung erspart man die Einleghölzer, deren man sich bisher gewöhnlich zum Befestigen des Steines bediente, und deren Anwendung weit mehr Zeit und Mühe kostet. Denn, will der Druker die Platte wechseln, so braucht er nur die Drukschrauben nachzulassen, um den Stein wegheben zu können; legt man einen neuen Stein ein, so schraubt man die Schrauben vor oder zurük, und schraubt dann den Stein wieder fest.

Der Wagen rollt sich auf den Walzen KLMNO. Das Stük 3, welches in die Klinke 6 eingreift, dient dazu den Wagen während des Auftragens der Schwärze festzustellen; der Druker befreit dasselbe nur in dem Augenblike, in welchem er den Wagen unter das Streichbrett stößt.

P ist der gußeiserne Streichbrett-Träger; dieser wird von der Schraube 7, die zugleich zur Regulirung des Drukes desselben dient, getragen. Diese Schraube endigt sich an ihrem unteren Ende mit einem sphärischen Kopfe, der sich in einer Nuß befindet, so daß dem Streichbrett-Träger eine Schaukel-Bewegung gesichert ist, in Folge der er genau die Richtung des Steines annehmen kann, wenn der Stein auch auf der einen Seite etwas höher seyn sollte, als auf der anderen. In seiner queren Richtung wird der Streichbrett-Träger durch die Zapfen 8, welche sich in eigenen, in dem Gestelle angebrachten Falzen bewegen, erhalten. Das Streichbrett 9 besteht aus 4 Federplatten, die so auf einander gelegt werden, daß die untere immer um 1 1/2 Linien vor der oberen vorsteht, und die durch zwei kleine, bis zur Fläche der Platten eingenietete Stifte in dieser Stellung erhalten werden. Um dieses Streichbrett an die gehörige Stelle zu bringen, braucht man nur die vier Schrauben 10, 11, 12, 13 aufzuschrauben, und das Streichbrett zwischen den Streichbrett-Schieber und das eiserne Lineal 14 zu schieben, in welchem sich vier ausgeschraubte, zur Aufnahme der Schrauben dienende Löcher befinden. In dem Streichbrette sind zur Aufnahme der Schrauben Ausschnitte 15 Fig. 3 gelassen, die von verschiedener, den Dimensionen der Steine entsprechender Länge sind. Damit das Streichbrett sich sanfter auf dem Drukleder reibe, und vorzüglich, damit das Leztere geschont werde, bringt man unter dem Streichbrette einen mit Fett bestrichenen Lederstreifen 16 an. Der Streichbrett-Träger ist überdieß mit dem Cylinder 17 versehen, der dem Leder als Führer dient; er gibt demselben nämlich, so wie sich das Streichbrett nähert, eine beinahe horizontale Richtung, wodurch die Falten, die die Abdrüke beim zu schnellen Eintritte unter das Streichbrett erhalten würden, vermieden werden.

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Q ist das Leder oder das Rähmchen, welches als Dekel dient; es rollt sich auf den hölzernen Cylinder 18, der von der Schnur 19 getrieben wird. Diese Schnur ist mit dem einen Ende auf die Walze 20 aufgerollt, und trägt an dem anderen Ende das Gewicht 21, durch welches nicht bloß das Leder gespannt, sondern auch der Wagen sogleich wieder zurükgeführt wird, so wie der Druk aufgehört hat. An dem unteren Rande des Leders ist eine eiserne Stange 22, die sich in die Haken 23 einhakt, befestigt. In Folge dieser Einrichtung läßt sich das Leder sehr leicht aushaken; es erhebt sich dann von selbst, wenn man einen neuen Stein in die Presse einsezt, und wenn man das Streichbrett in derselben richten will.

R ist eine gußeiserne Walze, durch welche der Stein gegen das Streichbrett gedrükt wird. Diese Walze wird von dem gußeisernen Hebel 24, dem der eiserne Querriegel 25 als Stüzpunkt dient, getragen. Das entgegengesezte Ende dieses Hebels steht durch den Schaft 27 (an welchem der Seil- und Kloben-Hebel 28, der in dem Augenblike, in welchem das Streichbrett den Stein berührt, seinen höchsten Druk erreicht, angebracht ist) mit dem Fußtritte 26 in Verbindung. Wenn der Druker den Fuß auf den Fußtritt sezt, so senkt sich das Ende des Hebels, welches an demselben befestigt ist, herab, während das andere Ende die beiden gußeisernen Walzen 29, welche die Achse des Cylinders tragen, emporhebt: dadurch wird dieser Cylinder gegen den Wagen, und mithin der Stein gegen das Streichbrett gedrükt. In dem Augenblike, in welchem der Druk die gehörige, von der Schraube 7 regulirte Stärke erreicht hat, begibt sich das Kinnstük 30, welches an dem Pfosten 31 befestigt ist, auf die Schraubenmutter 32, und hält dadurch das Ende des Hebels 24 zurük. Der Riemen 33 ist mit dem einen Ende an dem Wagen befestigt, mit dem anderen hingegen um eine Welle aufgewunden, die an dem Ende des Pfostens 31 aufgezogen ist, und die das Sperrrad 34 trägt. Dieses Sperrrad braucht man bloß mit der Hand umzudrehen, um die Länge des Riemens der Länge des Laufes, die man dem Wagen geben will, anzupassen. Wenn der Wagen nämlich an dem bestimmten Ziele angelangt ist, so zieht der Riemen das Kinnstük nach Rükwärts, und befreit dadurch den Hebel, wodurch der Cylinder R sogleich wieder an jene Stelle zurüksinkt, die er früher einnahm. Der Wagen, welcher durch das Nachlassen des Drukes frei geworden ist, und der durch das Gewicht 21, welches mittelst des Leders Q auf ihn wirkt, getrieben wird, kommt dann gleichfalls wieder an seine Stelle zurük. Diese Einrichtung gewährt den Vortheil, daß der Druker das Drehekreuz T schnell und kek drehen kann, ohne daß er den Wagen an einem bestimmten Punkte aufzuhalten braucht, |263| indem der Druk an diesem Punkte von selbst aufhört. Um den Anfang des Drukes mit derselben Genauigkeit zu reguliren, wurde an der Presse das Stük S angebracht, welches sich um den Zapfen 35 bewegen läßt, und welches sich gegen eine der Walzen 29 stemmt. Das Kinnstük 36, welches sich in einem Falze des Stükes S bewegt, wird durch die Drukschraube 40 an dem gehörigen Punkte befestigt, um den Wagen in dem Augenblike aufzuhalten, in welchem er, indem er unter das Streichbrett gestoßen wird, jene Stelle erreicht, an der der Druk beginnen soll. Ist dieß geschehen, so sezt der Druker den Fuß auf den Fußtritt, wo sich dann der Cylinder R und mit ihm auch das Stük S hebt, so daß der Wagen seinen Lauf so weit fortsezen kann, bis das Streichbrett an das Endender Zeichnung gelangt ist, und bis der Riemen 33 den Ausheber in Thätigkeit brachte.

Die Oberfläche des Cylinders R ist leicht gefurcht, damit derselbe etwas rauh wird, und damit folglich der Wagen der Bewegung desselben im Augenblike des Drukes folgt. Diese Bewegung erhält der Cylinder durch das Drehekreuz T, dessen Welle ein Getrieb trägt, welches in das an der Achse des Cylinders angebrachte Zahnrad 41 eingreift.

42 ist ein Gewicht, welches die Schwere des Fußtrittes compensirt, und dazu beiträgt, daß dieser Tritt sich im Momente des Aushebens wieder hebt.

U ist eine kupferne Büchse für den Schwamm und das Wasser, welches zum Befeuchten des Steines nöthig ist. In dieser Büchse befindet sich auch das Fläschchen mit Essenz, mit Säure, und andere Dinge, die der Druker bei der Hand haben muß.

V ist der Zähler. An dem Stüke S ist eine Stange angebracht, die bei jeder Bewegung der Presse einen Zahn des Sperrrades vorwärts treibt. Dieses Sperrrad steht mit dem Zeiger in Verbindung, der mithin bei jedem Abdruke um einen Grad vorwärts schreitet. Ist der Zeiger auf 50 gekommen, so schlägt die Glöke, damit der Druker ein Zeichen zwischen die Abdrüke legen, und sie auf diese Weise leicht in Pakete zu 50 Exemplaren abtheilen kann.

X ist der Lampenträger. Da diese Presse keinen Dekel hat, welcher über einen Rahmen gespannt ist, und der, theils durch seine Bewegung selbst, theils durch den Wind, den er erzeugt, eine größere Entfernung der Lampe nöthig macht, so kann man die Lampe dem Steine nähern so weit man will, und daher mit einer kleineren Lampe eine bessere Beleuchtung erhalten, als früher mit einer größeren.

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YZ sind die Tafeln, auf welche das Papier und die Abdrüke gelegt werden, und die so eingerichtet sind, daß sie leicht weggehoben werden können.

Die vorzüglichen Vortheile der neuen Presse sind:

Vervollkommnung des Abdrukens. Das Abdruken geschieht auf einer schlechten Presse beinahe eben so vollkommen, als auf einer guten, wenn die Presse nur die Bewirkung des gehörigen Drukes gestartet, und wenn das Streichbrett gehörig eingerichtet ist. Es ist nämlich bekannt und anerkannt, daß die Vollkommenheit eines Abdrukes ganz von dem Auftragen der Schwärze abhängt. In dieser Hinsicht war also nichts zu verbessern, wenn man nicht allenfalls die Anwendung eines Streichers aus Stahl einem hölzernen Streichbreite vorzieht, indem ersteres beständig in gehörigem Stande bleibt.

Schnelligkeit des Abdrukens. Auf einem gewöhnlichen. Steine braucht ein Arbeiter von mittelmäßiger Festigkeit zum Abziehen einer mit der Feder gezeichneten Platte folgende Zeit:

Zum Befeuchten des Steines 3 Sekunden
Zum Schwärzen 12
Bei einer Zeichnung mit der Kreide von derselben
Größe erfordert das Schwärzen ungefähr 30
Secunden.
Zum Einlegen des Papieres 4
Zum Abziehen 14
Zum Wegnehmen des Abdrukes 3
–––––––––––
Zusammen 36 Secunden.

Nur an den 14 Secunden allein, die der Arbeiter zum Abziehen nöthig hat, läßt sich etwas ersparen, denn alles Uebrige ist von der Einrichtung der Presse unabhängig. Der Erfinder hat diesen Zwek dadurch erreicht, daß er statt des Dekels, der bei jedem Abdruke geöffnet und geschlossen werden mußte, ein Leder anbrachte, welches sich selbst aufrollt, und daß er das Streichbrett so einrichtete, daß es beständig an seiner Stelle bleibt, während man an den alten Pressen den Streichbrett-Träger bei jedem Abdruke senken und heben mußte. Durch diese Vorrichtungen hat Hr. Engelmann bei jedem Abdruke 6 Secunden erspart, so daß der Druker bei der neuen Presse nur mehr 8 Secunden für jeden Abdruk braucht. Daraus ergibt sich für die Federzeichnungen eine Ersparung von 1/6 der Kosten des Abdrukes; bei den Zeichnungen mit der Kreide hingegen nur eine Ersparung von 1/10.

Zerspringen der Steine. Das Zerspringen der Steine ist eine jener Unannehmlichkeiten des Steindrukes, welcher noch nicht |265| ganz abgeholfen werden konnte. Wer daher die Pressen wirklich verbessern will, hat sein Augenmerk vorzüglich darauf zu richten, diese Unfälle so viel als möglich zu verhindern.

Die ersten Erbauer von lithographischen Pressen kamen natürlich auf die Idee, den Druk mit einer Walze zu bewirken, da deren Druk viel schwächer als jener eines Streichbrettes wäre, und da dieselbe zugleich das Drukleder entbehrlich machte. Bald zeigten sich jedoch zahlreiche Mängel bei dieser Methode.

1) Kann man mit einer Walze, die natürlich aus Metall bestehen muß, wenn sie rund bleiben soll, nur dann einen vollkommenen Abdruk erhalten, wenn der Stein vollkommen eben ist; denn wenn der Stein nur etwas concav oder convex ist, so kann die Walze, welche unbiegsam ist, nicht in die vertieften Stellen gelangen. Durch die Zwischenlage eines elastischen Körpers, wie z.B. Tuch u. dgl., läßt sich zwar diesem Uebelstande in etwas abhelfen; allein nie wird derselbe dadurch ganz beseitigt, weil die höheren Theile doch immer mehr gedrükt werden, als, die tiefer liegenden, und der Druk daher beständig mehr oder weniger unvollkommen bleiben muß. Das hölzerne Streichbrett mußte daher dem Cylinder vorgezogen werden, weil dasselbe, ohne eben elastisch zu seyn, doch weniger hart als eine metallene Walze ist, und sich beim Pressen mehr dem Steine anpaßt, wenn derselbe auch nicht vollkommen eben seyn sollte. Diese Streichbretter müssen aber bei jedem neuen Steine, der in die Presse kommt, und oft sogar während des Abziehens eines und desselben Steines, frisch zugerichtet werden; denn ein Knötchen oder irgend ein fester Körper, welcher sich im Papiere findet, ist hinreichend um in dem Streichbrette eine Vertiefung zu erzeugen, die bei den folgenden Abdrüken eine weiße Linie läßt, und der man nur durch Abhobeln des Brettes abhelfen kann. Abgesehen von dem Zeitverluste, welcher hiebei entsteht, nüzen sich die hölzernen Streichbretter auch noch schnell ab, so daß sie sehr oft erneuert werden müssen.

2) Hat eine Drukwalze den Nachtheil, daß sie viele Steine zerbricht, und zwar aus folgendem Grunde. Die Tangente, welche die Walze im Augenblike des Drukes mit dem Steine bildet, nimmt, wenn man den elastischen Körper, den man nothwendig dazwischen bringen muß, hinzu rechnet, nach dem Durchmesser der Walze eine größere oder geringere Breite ein, die man wenigstens auf 6 Linien schäzen kann. Die Breite hingegen, auf welche ein hölzernes Streichbrett sammt dem Drukleder drükt, beträgt beiläufig nur eine halbe Linie. Der mittlere Druk, welcher auf das Streichbrett wirkt, beträgt beiläufig 25 Centner; um mithin mit einer Walze dieselbe Wirkung |266| hervorzubringen, wird man einen Druk von 100 Centnern nöthig haben.

Hieraus ergibt sich nothwendig, daß ein Stein, der mit einem vier Mal größeren Gewichte belastet ist, leichter zerspringen wird; denn, wenn dieses Gewicht auch im Verhältnisse zu der Oberfläche, die es einnimmt, nicht größer wäre, so wirkt dasselbe doch nicht minder mit seiner ganzen Schwere auf den Stein. Die Erfahrung hat diese Theorie auch wirklich bestättigt. Diejenigen, welche die Walze anwendeten, waren gezwungen die Steine auf eine Schichte Gyps zu legen: ein Verfahren, welches, da die Steine doch mehrere Male des Tages gewechselt werden, einen großen Zeitverlust veranlaßt. Statt des hölzernen Streichbrettes hat der Erfinder aber nun ein anderen ausgedacht, welches aus vier stählernen Platten besteht, deren Kraft so berechnet ist, daß es den nöthigen Druk auszuhalten, und dessen ungeachtet in Folge seiner Elasticität den wellenförmigen Unebenheilen eines unvollkommen zugerichteten Steines zu folgen vermag. Die untere Platte, welche auf das Leder drükt, ist nur 1/4 Linie dik; mit Inbegriff des dazwischen gelegten Leders kann der Druk kaum die Breite einer Linie erreichen. Es ist mithin bei dieser Einrichtung weit weniger Gefahr vorhanden; denn, um mit dem neuen Streichbrette denselben Druk zu erhalten, den eine Walze mit 100 Centnern ausübt, braucht das stählerne Streichbrett nur 15–20 Centner.

Raum für die Presse. Da die Werkstätten in größeren Städten, und besonders in Paris, einen sehr hohen Miethzins zahlen; da ferner in einem kleinen Raume weit leichter die Aufsicht zu führen ist, so ist es von großem Nuzen, wenn man die Pressen so klein als möglich macht, ohne dabei die Dimensionen der Steine, die man abziehen will, vermindern zu dürfen. Eine Presse mit gewöhnlichem Drehkreuze, deren Wagen 2 Fuß 6 Zoll auf 3 Fuß hat, braucht mit Einschluß des Farbtisches, des Tisches, auf welchen die Abdrüke gelegt werden, und des Raumes für den Arbeiter, einen Raum von 10 Fuß Länge und 6 Fuß Breite. Die neue eiserne Presse mit einem Wagen von gleicher Größe und mit denselben Nebengeräthen braucht hingegen nur 5 Fuß auf 6 Fuß: mithin nur die Hälfte des Raumes, welcher für eine alte Presse nöthig ist.

Außer diesen Vortheilen kommen der neuen Presse auch noch jene der größeren Genauigkeit zu gut; denn, da die Presse ganz aus Schmied- oder Gußeisen erbaut ist, so ist sie den vielen Veränderungen, die die Temperatur und vorzüglich die Feuchtigkeit an den hölzernen Pressen erzeugt, nicht ausgesezt.

Die neue Presse läßt sich überdieß außerordentlich leicht handhaben; das Wechseln der Platten läßt sich sehr schnell bewerkstelligen; |267| der Arbeiter braucht seinen Plaz nicht zu verlassen, und hat Alles, was er braucht, in der Nähe. Um das Drehkreuz zu drehen, braucht man endlich nur halb so viel Kraft, als bei einer Presse nach dem alten Systeme nöthig ist.

Da sich die Bewegung der Walze erst in dem Augenblike dem Lagen mittheilt, in welchem sie denselben hebt und gegen das Streichbrett drükt, und da diese Bewegung in dem Augenblike aufhört, in welchem der Riemen den Sperrer losließ, so könnte man der Walze durch irgend eine Triebkraft auch eine beständige drehende Bewegung mittheilen, so daß dann das Abziehen der Abdrüke ohne Mitwirkung des Arbeiters geschähe. Allein die Anwendung einer solchen Triebkraft wäre ein reiner Verlust, weil während des Ganges der Presse der Arbeiter müßig stehen müßte, und weil der Druk deßwegen doch nicht schneller vor sich gehen würde.

Der Erfinder erhielt für diese lithographische Presse von der Société d'encouragement in der allgemeinen Sizung vom 29. December 1820 eine goldene Medaille zuerkannt.

A. d. O.

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