Titel: Ueber die Steinkohlen-Bergwerke zu Epinac.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. LXXXVII. (S. 338–342)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/ar046087

LXXXVII. Notiz über die Steinkohlen-Bergwerke zu Epinac, Dept. de Saone et Loire. Vorgetragen in der Société industrielle de Mulhausen.84)

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen N. 23. S. 251.

Die Steinkohlenbergwerke von Epinac liegen in einer Entfernung von 4 Stunden von Autun, von 6 Stunden von Beaune und von 7 Stunden vom Canal de Bourgogne, mit welchem sie durch eine Eisenbahn in Verbindung gesezt werden sollen. Bei dieser glüklichen Lage im Mittelpunkte der wichtigsten Consumtionspunkte, und bei der Leichtigkeit des Transportes, die sich nach allen Richtungen herstellen lassen dürfte, läßt sich mit Zuversicht erwarten, daß deren Betrieb in Kurzem eine außerordentliche Ausdehnung erreichen wird.

Die Steinkohlen, welche diese Bergwerke liefern, sind so verschiedenartig, daß man beinahe zu jedem Behufe taugliche finden kann; ihre Menge ist den einstimmigen Berichten mehrerer Bergmänner zu Folge buchstäblich unerschöpflich.

Die Ausbeutung der Werke hat bisher nicht die geringsten Schwierigkeiten dargeboten, und aus der Natur des Bodens läßt sich schließen, daß auch die Zukunft deren nicht viele mit sich bringen dürfte. Hauptvortheile bei denselben sind die geringe Menge Grubenwassers und der Umstand, daß die Stollen nur äußerst wenig Zimmerung bedürfen.

Von den entdekten und ausgebeuteten Lagern ist das eine 33 Fuß mächtig; drei andere sind 7 bis 8 Fuß mächtig; alle stehen sie von einem Schachte zum anderen durch Stollen mit einander in Verbindung.

Der Eigenthümer dieser Bergwerke hat zum Betriebe derselben |339| eine Aktiengesellschaft gegründet, und zwar unter dem Namen der Steinkohlen-, Bergwerk- und Eisenbahn-Compagnie von Epinac. Die Zahl der ausgegebenen Actien, jede Actie zu 10,000 Franken, beträgt 600, was zusammen ein Capital von 6,000,000 Fr. gibt.

Für dieses Capital hat der Eigenthümer der Compagnie, die dadurch Eigenthümerin des Ganzen wird, Folgendes ausgeliefert:

1) Eine Domäne von beiläufig 80 Hectaren Wald, Wiesen und Aekern.

2) Die Erlaubniß des Betriebes von Steinkohlenbergwerken in einem Umfange von 40 Quadratkilometern.

3) Die Erlaubniß der Eisenbahn, die von Epinac an den Canal de Bourgogne führt, für alle Ewigkeit, und das Recht von allen Waaren und Gegenständen, welche von Epinac nach dem Canal geschafft werden, von den 1000 Kilogrammen einen Zoll von 3 Frank. 64 Cent., und von jenen, die von dem Canale zu den Steinkohlenbergwerken zurükkehren, einen Zoll von 3 Franken zu erheben.

4) Macht er sich anheischig, auf seine Kosten und Gefahr alle die Ländereien anzukaufen, durch welche die Eisenbahn laufen wird, und dieselbe gleichfalls auf seine Kosten und Gefahr so herzustellen, daß die Gesellschaft dieselbe nur zu übernehmen braucht.

5) Endlich macht er sich verbindlich der Compagnie, im Maße als sie es zum Betriebe der Steinkohlenbergwerke bedarf, ein bewegliches Capital von 600,000 Franken zu liefern.

Die drei ersten dieser Bedingungen sind bereits vollkommen erfüllt; die vierte und fünfte sind es zum Theile, und als Garantie für deren vollkommene Leistung wurden auf dem Sekretariate der Gesellschaft für 2,000,000 Actien hinterlegt.

Bei dem Grade der Ausdehnung, den die Bergwerke jezt schon erreicht haben, lassen sich jährlich leicht 800,000 bis 1,000,000 Hectoliter Steinkohlen ausbeuten. Es sind gegenwärtig vier Schachte vorhanden, von denen zwei mit Dampfmaschinen, jede zu 28 Pferdekräften versehen sind; zwei neue Schachte sind aber bereits begonnen, und wenn diese vollendet seyn werden, läßt sich die jährliche Ausbeute leicht auf 1,600,000 bis 1,700,000 Hectoliter treiben.

Die Eisenbahn ist in einer Streke von 2 3/4 Stunden gänzlich vollendet; eben so ist es auch eine Dampfmaschine von 25 Pferdekräften, welche die Wagen und Karren auf die Höhe des Hügels von Yvry zu schaffen hat.

Der bereits fertige Theil der Eisenbahn reicht bis Yvry, einem großen Marktfleken an der Heeresstraße zwischen Paris und Lyon.

Diese Verbindung verschafft der Compagnie Gelegenheit, jährlich 350 bis 400,000 Hectoliter Steinkohlen und vielleicht noch mehr abzusezen, |340| so daß sie bereits am Schlusse des Jahres 1832 ihren Actionären eine Dividende wird ausbezahlen können.

Ist die Eisenbahn aber ein Mal bis zum Canal de Bourgogne vollendet, so wird sich der Absaz und mit ihm der Vortheil der Gesellschaft von Jahr zu Jahr mehren und steigern. Die Eisenbahn könnte in weniger als einem Jahre vollendet seyn, und zu deren Vollendung mögen wohl 600,000 Franken hinreichen. Nach dieser Vollendung kann die Gesellschaft gewiß auf einen jährlichen Absaz von mehr als einer Million Hektoliter rechnen; er dürfte sich sogar auf zwei Millionen steigern, wenn ein Mal der Canal de Bourgogne fertig seyn wird, so daß sich alle Hüttenwerke Burgunds, und alle von Montbard bis Paris an diesem Canale gelegenen Orte von Epinac aus mit Steinkohlen zu versehen im Stande sind. Paris selbst wird seinen Bedarf dann leichter von Epinac, als von Saint-Etienne und Belgien aus, beziehen, woher es sich denselben bisher verschaffen mußte. Paris verbraucht gegenwärtig bereits jährlich eine Million Hectoliter Steinkohlen, und in wenigen Jahren wird man sich nicht bloß in den meisten Fabriken, sondern auch in den Privathäusern der Steinkohlen als Heizmittel bedienen, so daß sich deren Verbrauch in Kurzem verdoppeln dürfte.

Zur Vollendung des Canales von Burgund, und um denselben von der Saone bis zur Yonne schiffbar zu machen, braucht nur mehr die kurze Streke von Montbard bis Pouilly ausgeführt zu werden, und auch hier werden gegenwärtig die Arbeiten auf's Lebhafteste betrieben, da die Regierung kürzlich neuerdings 1,000,000 Franken dafür bewilligte. Es läßt sich daher mit Grund erwarten, daß der ganze Canal bis zum 1. Januar 1833, wie es auch das Gesez fordert, vollendet seyn wird.

Mit der Beendigung dieses Canales wird von Mülhausen bis Paris eine ununterbrochene Wasserstraße hergestellt seyn. Schon gegenwärtig kann man zu Wasser von Pont-Douche nach Mülhausen und Gray fahren, und dieß sind zwei der wichtigsten Absazpunkte, welche schon ihrer Lage nach ausschließlich von den Bergwerken zu Epinac mit Kohlen werden versehen werden müssen. Am besten wird man alle die Vortheile, welche diese Bergwerks-Unternehmung gewähren dürfte, jedoch aus folgender Uebersicht ersehen.

Wenn man bloß eine Ausbeutung von 500,000 Hectoliter annimmt, und wenn man auf den Hectoliter außer den Gewinnungskosten und außer den Transportkosten bis zum Canale noch 10 Centimen für verschiedene allgemeine Kosten schlägt, so kann die Gesellschaft 13 Hectoliter Steinkohlen für 7 Franken nach Pont-Douche |341| stellen.

Der Transport von da bis nach Pain beträgt auf den
Canälen

17 Fr.
Mithin kommen 13 Hectoliter Steinkohlen, welche
15 Pariser Maß geben, nach Charenton gestellt,

–––––
in Summa auf 24 Fr.

zu stehen.

13 Hectoliter Kohlen von Angin kosten aber noch gegenwärtig, nach Killette gestellt, von den sogenannten groben Kohlen, 50 Frank., und von den kleinen Kohlen (charbon galeteux menu) 39 Fr. 50 C. bis 40 Fr. Die Kohlen von Saint-Etienne kommen noch höher zu stehen.

Dabei darf man aber nicht vergessen, daß die Kosten des Transportes von Pont-Douche nach Paris bei 1000 Kilogrammen um 3 bis 4 Frank. geringer werden dürften, wenn die Schifffahrt auf dem Canale von Burgund ein Mal gehörig geregelt seyn wird, so daß auf diese Weise der Vortheil auf Seite der Kohlen von Epinac noch größer seyn wird.

Da 13 Hectoliter Steinkohlen nach Pont-Douche gestellt auf 7 Fr.
zu stehen kommen, und da der Transport hievon auf den
Canälen von Burgund und dem Rhone und auf dem
Rheine bis Mülhausen.


14 –
betragen wird, so werden die 13 Hectoliter, welche mehr –––––
als 1100 Kilogr. wiegen, zu Mülhausen nicht mehr als 21 Fr.

kosten, während daselbst 1000 Kilogr. Kohlen von Saint-Etienne selbst gegenwärtig noch, wo Alles so niedrig im Preise steht, 40 Fr. gelten.

Zu Gray werden 13 Hectoliter, da der Transport von Pont-Douche bis Gray auf dem Canale und auf der Saone nur 8 Fr. beträgt, 15 Fr. kosten. Dieß verdient vorzüglich deßwegen Berüksichtigung, weil Saint-Etienne die Kohlen für sämmtliche Hämmerwerke der Champagne nach Gray liefert, und weil der Hectoliter Steinkohlen von Saint-Etienne zu Gray auf 2 Fr. 25 Cent. zu stehen kommt.

Die Vortheile, die sich aus diesen Vergleichungen ergeben, sind so offenbar und einleuchtend, daß sie den Actionären unmöglich entgehen können. Es gibt deren jedoch noch mehrere, deren Früchte sie in Bälde ernten dürften. Darunter gehört z.B. vor Allem die Errichtung von Hochöfen zu Epinac, in denen man das Eisen mit Kohks ausschmelzen könnte. Bei dem höchst günstigen gleichzeitigen Vorhandenseyn von Steinkohlen, Eisenerzen und Flußmitteln (die man in sehr großer Menge und von vorzüglicher Güte überall in der Nähe |342| der Eisenbahn findet), bei dieser vortheilhaften Vereinigung aller günstigen Umstände an Einem Orte, läßt sich nicht zweifeln, daß an diesem Orte mehrere Hochöfen erstehen werden und müssen. Es ist dieß um so wahrscheinlicher, als sich unter den Steinkohlen von Epinac eine befindet, die sich ganz vorzüglich zur Verwandlung in Kohks eignet. Ein Hochofen braucht des Jahres 150,000 Hectoliter Steinkohlen, und zwar größten Theils kleine Steinkohlen.

In der Gegend von Epinac befinden sich ferner alle Materialien zur Glasfabrikation in großem Ueberflusse und von gehöriger Güte, so daß daselbst bald auch Glasfabriken erstehen dürften, welche sowohl Burgund als Paris mit ihren Fabrikaten versehen könnten. Jede Glasfabrik verbraucht des Jahres 25 bis 30,000 Hectoliter Steinkohlen.

Die Errichtung einer Eisenbahn von Saint-Léger über den Canal du Centre nach Epinac würde der Gesellschaft gleichfalls unendliche Vortheile zuführen. Diese Eisenbahn, welche nur vier Stunden lang zu seyn brauchte, und welche mit jener von Epinac zusammentreffen würde, würde Epinac zum Vereinigungspunkte der Rhône, der Loire, des Rheins und der Seine machen. Epinac könnte auf diese Weise nicht nur seine Kohlen auch auf der Loire absezen, sondern seine Eisenbahn würde auch zum Transporte einer großen Menge von Waaren, von denen die Compagnie einen Zoll von 3 Fr. 64 C. für die Tonne zu erheben berechtigt ist, benuzt werden. Der Compagnie erwüchse hieraus eine bedeutende Vermehrung ihres Einkommens, und der Handel könnte auf diesem Wege seine Waaren weit schneller beziehen und versenden. Die Regierung wurde bereits vor einem Jahre um die Erlaubniß zur Errichtung einer Eisenbahn von St. Léger nach Epinac angegangen, und bei dem großen Nuzen, den diese Eisenbahn dem Lande gewähren würde, läßt sich nicht zweifeln, daß die Regierung endlich auch hier den Interessen einer großen Menge von Menschen und eines der schönsten Theile Frankreichs entgegen kommen dürfte.

Wir geben diese Notiz, theils weil dieselbe wirklich sehr viel Interessantes enthält, theils um unsere Landsleute neuerdings wieder darauf aufmerksam zu machen, von welcher hohen Wichtigkeit ein Steinkohlenbergwerk ist, und was es für dessen Eigenthümer sowohl, als für das ganze Land werden kann. Wir haben noch in jedem Jahrgänge unseres Journales mehrere Male auf die Schäze verwiesen, welche auch in dieser Hinsicht in dem schönen Boden unseres Vaterlandes verborgen liegen; wir haben aber leider nicht nur tauben Ohren gepredigt, sondern mußten sogar die bereits begonnenen Arbeiten wieder aufgeben sehen. Wozu auch Steinkohlenbergwerke in einem Lande, in welchem nur wenige Industrie kümmerlich vegetirt, und in welchem nicht viel zur Emporbringung derselben gethan wird! Der freie Handel, mit dem uns einige Staaten, denen unsere sonstige Freiheit so sehr viel zu verdanken hat, wird uns ja Alles gewähren, was uns nüzen und frommen kann! Bei solchen Aussichten und Ansichten müssen wir leider darauf verzichten, unsere Steinkohlenlager zum Vortheile des Landes benuzt zu sehen, obschon dieselben auf das Günstigste gelegen sind, so daß die Kohlen beinahe an den Gruben selbst zu Wasser verladen, und nach München und Augsburg geschafft werden könnten, und obschon, wie man uns an Ort und Stelle versicherte, deren Gestehungspreis äußerst niedrig kam.

A. d. Ueb.

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