Titel: Strombon's Patent-Arzneimittel oder Patent-Einreibung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. XIV./Miszelle 15 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046014_15

Strombon's Patent-Arzneimittel oder Patent-Einreibung.

Wir haben uns bei der unglaublichen Frechheit, mit welcher in England Quaksalberei getrieben wird und getrieben werden darf, schon lang gewundert, daß die Cholera nicht mehrere Patent-Mittel zu Tage gefördert hat. Hr. Isaac Strombon, Kaufmann in der City zu London, ist der erste, der sich um 105 Pfd. Sterl. (1260 fl.) ein Patent auf ein solches Mittel von seiner Regierung erkaufte, und der dadurch einen neuen Beweis gab, daß man von den Regierungen um Geld so ziemlich Alles haben kann, was den Absolutismus unberührt läßt. – Hrn. Strombon's Mittel, welches, wie es scheint, äußerlich und innerlich gebraucht werden soll oder kann, besteht aus Weingeist, Laudanum, Gewürznelkenöhl, Cajeputöhl, Hirschhorngeist, Kamphergeist und Terpenthingeist, welche er in bestimmten, geheim gehaltenen Verhältnissen unter einander mischt. Er preist diese schöne Mischung in seinem Patente nicht geradezu gegen die Cholera, sondern gegen verschiedene Krankheiten, die er aber doch so ehrlich war, nicht öffentlich anzugeben! Wir wollen über die Schädlichkeit solcher Compositionen und den Unfug, der mit ihnen getrieben wird, kein Wort verlieren; die zahlreichen Arcana, die man in allen unseren Kramerläden findet, oder welche Hausirer, Schinder und alte Weiber überall feilbieten, beweisen, daß auch deutsche Medicinalbehörden in dieser Hinsicht oft blind und taub sind. Allein fragen wollen wir, wie eine Regierung um Geld ein Patent auf ein Arzeneimittel verkaufen kann, welches jeder Arzt, wenn er es gut fände, nicht nur täglich ordiniren dürfte, sondern pflichtgemäß ordiniren müßte, und welches jeder Apotheker troz aller Patente machen müßte? Ist dieß nicht ein Betrug, der noch schmählicher ist, als jener, den der Quaksalber mit seinem Arcanum treibt?

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