Titel: Ueber die Anwendung der Chlorüre zur Heilung der Trommelsucht an Thieren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. XXXVII./Miszelle 31 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046037_31

Ueber die Anwendung der Chlorüre zur Heilung der Trommelsucht an Thieren.

Hr. Charlot glaubte, auf die alte, von Fremi und Lamegran angestellte Analyse der Gase, die sich bei der Trommelsucht im Darmkanale der Thiere entwikeln, gestüzt, daß die Auflösung verschiedener Chlorüre weit wirksamer gegen dieses Uebel seyn müßte, als der bisher allgemein empfohlene Ammonium. Nach den genannten Chemikern besteht nämlich dieses Gas aus 80 Theilen Schwefelwasserstoffes, 15 Theilen Kohlenwasserstoffgas und 5 Theilen Kohlensäure. – Da nun Gasgemische dieser Art von einer gewissen Menge Sodiumoxyd-Chlorür schnell absorbirt werden, so schlägt Hr. Charlot vor, bei frisch entstandenen Zufällen eine halbe Unze Sodiumoxyd-Chlorür in einer Flasche Wasser oder kalter Lauge, und bei chronischen oder veralteten Zufällen eine doppelt so große Dosis anzuwenden. Hr. Charlot will auf diese Weise mehrere Widerkäuer gerettet haben. Hr. |160| Lassaigne, welcher der Société de Pharmacie Bericht hierüber erstattete, zieht zwar die Resultate des Hrn. Charlot nicht in Zweifel, widerlegt aber die Theorie dieses Verfahrens, indem er nachweist, daß das in dem Gedärme der trommelsüchtigen Thiere enthaltene Gas oft zu 27 bis 70 Procent aus Kohlensäure besteht, während das Kohlenwasserstoffgas nur 1 bis 6 Procent beträgt; daß zuweilen auch freies Wasserstoff- und Stikgas in bedeutender Menge darin enthalten ist; daß man manchmal wohl etwas freies Sauerstoffgas findet, welches beim Kauen und beim Schlingen in den Darmkanal gekommen seyn mochte; daß man aber fast nie mehr als Spuren oder höchstens 1 bis 2 Procent Schwefelwasserstoffgas darin entdeken konnte. Hr. Lassaigne schließt hiernach, daß wenn die von Charlot gegen die Trommelsucht angewendeten Chlorüre sich auch wirklich nüzlich gezeigt haben, diese Wirkung sich doch keineswegs auf eine chemische Weise durch Wirkung des Chlors auf das Schwefelwasserstoffgas erklären und nachweisen lasse. (Aus dem Journal de Pharmacie.)

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