Titel: Eisenbahn von Paris nach Rouen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. XXXVII./Miszelle 5 (S. 149–151)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046037_5

Eisenbahn von Paris nach Rouen.

Ein Beschluß des Hrn. Präfecten von Rouen vom 13. Julius beauftragt eine Commission mit der Untersuchung des Planes zur Anlage einer Eisenbahn von Paris nach Rouen, und ladet alle, welche von diesem Plane Einsicht zu nehmen wünschen, ein, sich deßhalb bei dem General-Sekretariat der Präfectur zu melden. Wir theilen hierüber einige Nachrichten mit, welche wir uns auf diesem Wege verschafft haben.

Die Länge dieser Bahn wird 122 Kilometer (ungefähr 30 Lieues oder französische Poststunden) betragen, nämlich:

1) Von Paris bis zur Oise, über Saint-Denis, Enghien,
Ermont, Pierre-laye und Pontoise

28 Kilometer,
2) Von der Oise zur Epte, über das Thal de la Viorme,
das Plateau von Bouviers und das Thal von Réveillon,
bis nach Gisors


27 –
3) Von der Epte zur Andelle, durch Estrépagny, den
Forst von Lions und Croisy

35 –
4) Von der Andelle zur Seine oder nach Rouen, durch
das Thal von Robec und Darnetal

22 –
––––––––––––
Im Ganzen 122 –

Der gegenwärtige Frachtpreis von Paris nach Rouen beträgt für die Tonne:

auf gewöhnlichen Güterwagen 30 bis 35 Frank.
auf schnellerem Fuhrwerk 55 60 –
auf Postwagen 80 150 –
zu Wasser auf der Seine, nach Beschaffenheit der
Wagen und nach dem Stande des Wassers

10


16 –

Nach dem im erwähnten Plane entworfenen Tarif wird das Maximum der |150| Fracht auf der Eisenbahn von Paris nach Rouen 18 Frank. 30 Centimen, und von Rouen nach Paris 24 Fr. 40 Cent. nicht übersteigen. Die Kosten der Anlage sind folgender Maßen berechnet:

Ankauf von Gründen, Erdarbeiten und Herstellung von 122 Kilometern eiserner Schienen, im Durchschnittspreise von 84 Frank, für den laufenden Meter57)

10,248,000 Frank.
Allgemeine Kosten, Aufsicht und Bauführung, 1 Fr. 20
Cent. per Meter

512,400 –
Vorrichtungen an den Ladungspläzen zu Paris, Pontoise
und Rouen

600,000 –
Dampfwagen, Transport von Materialien, Wachthäuser 1000,000 –
Interessen des Capitals während des Baues 1000,000 –
Unvorhergesehene Auslagen 1000,000 –
–––––––––––––
zusammen 14,300,000 –
–––––––––––––
oder in runder Zahl 14,500,000 –

Da der Transport durch Dampfwagen bewerkstelligt werden, und das Gefälle der Bahn durchaus weniger als 3 Millimeter per Meter (1/333) betragen soll, so wird es, wenn man dieselben Leistungen wie auf der Eisenbahn zwischen Liverpool und Manchester annimmt, leicht seyn, Kaufmannsgüter mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 12 Kilometer (3 bis 3 1/2 Lieues) in einer Stunde, und Reisende mit einer Geschwindigkeit von 25 bis 30 Kilometer (7 1/2 bis 9 Lieues) fortzuschaffen 5 so daß Kaufmannswaaren von Paris nach Rouen, oder zurük, in 7 bis 8 Stunden, und Reisende in 3 1/2 Stunden gebracht werden könnten.

Nach einem Mitteldurchschnitte von mehreren Jahren beträgt die Menge der transportirten Gegenstände:

Aufwärts (von Rouen nach Paris) 248,800 Tonnen,
Abwärts (von Paris nach Rouen) 285,500 –
––––––––––––––
zusammen 634,300 –

Man hat im Entwurfe angenommen, daß nur 200,000 Tonnen auf der Eisenbahn verführt werden, wovon 110,000 Tonnen der Schifffahrt, und 90,000 dem gewöhnlichen Landfuhrwerk entzogen würden. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der Transport auf dieser Bahn zu 400,000 Tonnen steigen werde, und dann wird man den Tarif leicht auf 7 Fr. 50 Cent. per Tonne für den ganzen Weg herabsezen könen.58)

Dieß ist die Uebersicht eines Projectes, welches, wie ungeheuer auch seine Resultate, für den Wohlstand unseres Departements seyn müssen, doch nichts Riesenhaftes oder für die Einbildungskraft Abschrekendes darbietet, indem die Ausführung desselben nur ein Capital von 14 1/2 Millionen Franken in Anspruch nimmt. Nehmen wir aber auch an, daß in den Voranschlägen einige Irrthümer sich befinden, und daß die wirklichen Kosten um ein Viertel mehr betragen werden, so sehen wir doch, daß mit einem Aufwande von weniger als 20 Millionen eine so schnelle Communication zwischen Paris und Rouen hergestellt werden kann, daß nichts leichter wäre, als von Rouen nach Paris zum Frühstük zu kommen, dort seine Geschäfte zu machen, im Palais-Royal zu Mittag zu speisen, und in Rouen wieder zu schlafen.

Diese Wunder werden, wir sind davon fest überzeugt, verwirklicht werden; und es ist hiezu nichts weiter nöthig, als daß die Regierung die Capitalisten, welche ihr ihre Capitalien und ihre Industrie anbieten, machen lasse, und daß die |151| Landeigenthümer, durch deren Gründe die Eisenbahn geführt werden muß, mit überspannten Entschädigungsforderungen die Gesellschaft nicht brandschazen, und der Unternehmung nicht tausend Chikanen in den Weg legen, wie dieß nur zu oft in solchen Fallen geschieht, (Journal de Rouen und Constitutionel vom 14. August 1832.)

Bemerkung des Uebersezers.

Da die Entfernung von Paris nach Rouen, in bayrischem Maße, 329/10, Stundenlängen und die Kosten der Anlage dieser Eisenbahn 6,645,826 fl. unseres Geldes betragen, so kommt eine Stundenlänge oder halbe deutsche Meile derselben auf 202,000 fl. zu stehen; eine Auslage, die zwar um Vieles geringer, als die für die gewöhnlichen englischen (doppelten) Eisenbahnen ist, und bei einem beständigen Verkehre von 8 bis 4 2 Millionen Centner jährlich sich vortheilhaft genug verzinsen mag, aber für die meisten Binnenländer, in welchen aller Verkehr bloß auf den inneren Handel beschränkt ist, noch viel zu bedeutend wäre. Nach einem früheren Projecte des Hrn. Navier zur Herstellung einer Eisenbahn von Paris bis Havre auf einer Länge von 220 Kilometer (59 bayrische Stundenlängen) wären die Kosten der Anlage zu 31 Millionen Franken gerechnet, 140 Franken für den laufenden Meter. Man sehe: De l'établissement d'un chemin de fer entre pris et le havre, lu à l'académie des Sciences le 1er Mai 1826, par M. Navier, Ingénieur en chef des ponts et chaussées, membre de l'institut. Paris, 1826.

|150|

In dem Entwürfe des Hrn. Blum für eine in Zeit von vier Jahren herzustellende Eisenbahn von Dieppe nach Marseille, und von Nantes nach Straßburg und Basel, sind die Kosten des laufenden Meters zu 97 Frank. 30 Cent. angeschlagen, also um 13 Fr. 80 Cent. höher; was auf die Länge von 122 Meter einen Mehraufwand von 1,677,600 Fr. betragen würde. Dieß wäre jedoch ein Maximum, welches die wirkliche Auslage nicht erreichen würde.

A. d. O.

|150|

In diesem Falle wäre die jährliche Einnahme 3 Millionen Franken, den Zinsen eines Capitales von 69 Millionen gleich.

A. d. Ueb.

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