Titel: Friedrich VI. von Dänemark, als Begünstiger der Wissenschaften ein Vorbild für Monarchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. LXII./Miszelle 1 (S. 222)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046062_1

Friedrich VI. von Dänemark, als Begünstiger der Wissenschaften ein Vorbild für Monarchen.

Dänemark gehört zu jenen glüklichen Ländern, die in der politischen Welt wenig Lärm machen, und deren Regierung mehr in der Förderung des physischen Wohles und der wahren Aufklärung der Nation, als in dem ängstlichen Festhalten an den veralteten Einrichtungen den Hebel und das Ziel ihrer Thätigkeit findet. Dänemark hat der Welt schon von jeher eine große Menge der ausgezeichnetsten Gelehrten und Künstler geschenkt; es kann auch gegenwärtig mit Stolz eine große Reihe derselben aufzählen, und wird nie Mangel an solchen leiden, so lange seine Könige ihren Vorfahren nacheifern, und vorzüglich so lange sie das Beispiel Friedrich's des VI. vor Augen behalten. In welchem blühenden Zustande die wissenschaftlichen Institute und Sammlungen Dänemark's sind, weiß Jedermann; weniger bekannt ist es aber, welche hohe Achtung die dänischen Gelehrten von Seite ihres Monarchen und ihrer Regierung genießen, und wie sehr König Friedrich der VI. auch die Leistungen ausländischer Männer von Verdienst anerkennt. Um Beweise hierfür anzugeben, brauchen wir nur zu erinnern, daß Friedrich den sel. General Mudge, den General Müffling, den Admiral Krusenstern, den Hrn. Baron von Humboldt, den Hrn. Baron von Lindenau etc. mit goldenen Chronometern aus der Fabrik der berühmten dänischen Mechaniker Jurgensen und Keffels, die z.B. die einfache Inschrift: „Friedrich VI. dem Bernhard von Lindenau trugen, beschenkte; daß er dem österr. General Fallon eine prächtige Pendeluhr, und dem Engländer Troughton die goldene Medaille, mit der Inschrift: Merito zustellen ließ; daß er unsere Reichenbach und Frauenhofer, so wie Gauß, Arago, Olbers, Bessel, Encke, Struve und viele andere der ausgezeichnetsten Männer zu Rittern des Dannebrog-Ordens machte, und auf diese Weise die schönsten Beweise gab, wie sehr er die Talente in allen Nationen achtet. Friedrich wollte denselben Orden auch dem General Mudge ertheilen, der englische Gesandte lehnte ihn aber ab, da ein englischer Militär einen ausländischen Orden nur dann annehmen darf, wenn er denselben für Kriegsdienste erworben! Die englischen Journale vergleichen nun bei dieser Gelegenheit das Benehmen der englischen Regierung gegen jenes Friedrich's des VI., und bemerken dabei, daß erstere ihren vaterländischen Gelehrten nicht nur selbst keine Beweise ihrer Hochachtung und Dankbarkeit geben, sondern diese sogar hindern will, jene Ehre anzunehmen, die ihnen ein fremder, von Sinn für Wissenschaft erfüllter Fürst erweist. Sie erheben laut ihre Stimme, und erklären, daß es keine Macht in England gebe und geben darf, die über die Ehre von irgend Jemandem so frech disponiren kann.

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