Titel: Außerordentlicher Reichthum der amerikanischen Cocons an Seide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. CIII./Miszelle 17 (S. 397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046103_17

Außerordentlicher Reichthum der amerikanischen Cocons an Seide.

Hr. Peter S. Duponceau Esq. zu Philadelphia, sandte im October 1831 an das Franklin Institute eine Partie Cocons, welche bei der Ausstellung, die dieses Institut veranstaltete, vorgezeigt wurden, und welche Alles übertrafen, was in Europa noch sonst irgendwo je in der Seidenzucht erreicht wurde. Von diesen Cocons, welche Hr. Heinrich Bry zu Monroe im Districte Ouachita von Louisiana erzog, gaben, obschon sich die Cocons eben durch keine besondere Größe auszeichneten, 14 Pfunde und 6 Unzen nach dem Abhaspeln die unerhörte Menge von 3 Pfunden und 11 Unzen feiner roher Seide, so daß folglich 3 3/4 Pfunde Cocons 1 Pfund rohe Seide lieferten! Bedenkt man, daß man in Europa im Durchschnitte nur aus 12 Pfunden lebender oder beiläufig aus 9 Pfunden getödteter Cocons 1 Pfund Seide erhält, so springt hieraus der Vortheil, den die Amerikaner in den südlichen Theilen der Vereinigten Staaten bei der Seidenzucht vor den Europäern voraus haben, Jedermann in die Augen. Daß das Resultat, welches Hr. Bry erhielt, eben nicht von einer ganz außerordentlichen Sorgfalt, die er seinen Seidenraupen widmete, herrührte, erhellt daraus, daß Lady Sumter zu Statesbury in Südcarolina Cocons erntete, von denen 5 Pfunde 1 Pfund Seide gaben, obschon diese Dame längere Zeit hindurch durch Kränklichkeit gehindert wurde über die Pflege und Fütterung der Raupen zu wachen. – Diese seidenreichen Cocons waren Hrn. Duponceau zu Folge sehr fest und compact; sie ließen sich vollkommen bis auf die Puppe und ohne allen Verlust an Seide abhaspeln. – Auch die Verarbeitung der rohen Seide macht, wie aus Hrn. Duponceau's Bericht hervorgeht, nach und nach Fortschritte. Zu Manayunk wurde im Jahre 1830 eine Spinnmühle errichtet, welche die von Amerikanerinnen abgehaspelte Seide spann, und die beim Spinnen dieser Seide doch nur einen Verlust von 6 bis 7 Procent gab. Das Abhaspeln geht nun nach einem zweijährigen Unterrichte schon sehr gut; allein die Weberei, die Verfertigung von Nähseide und einige andere Operationen wollen noch nicht recht von Statten gehen. Der reiche Ertrag, den die amerikanische Seidenzucht im Vergleiche mit der europäischen gibt, erregt jedoch so großen Eifer, daß, wie Hr. Duponceau hofft, in wenigen Jahren auch die Verarbeitung des rohen Materiales auf einer weit höheren Stufe stehen dürfte. (Aus dem Repertory of Patent-Inventions. October 1832, S. 278.)

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