Titel: Ueber das Härten schneidender Instrumente.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. CIII./Miszelle 8 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046103_8

Ueber das Härten schneidender Instrumente.

Das Repertory of Patent-Inventions, October 1832, S. 234 enthält folgende Notiz über das Härten schneidender Instrumente, welche zwar nichts ganz Neues, aber doch einige Dinge enthält, die Vielen unbekannt geblieben seyn dürften. Jeder aufmerksame Fabrikant, sagt dasselbe nämlich, der sich mit der Fabrikation feinerer schneidender Instrumente abgab, wird sich überzeugt haben, wie schwer es ist bei den Gegenständen, welche gehärtet werden sollen, jene gleichförmige Hize, die zur Erzeugung einer vollkommenen Schneide nöthig ist, hervorzubringen. „Diese Schwierigkeit, sagt Hr. Nicholson, vereitelte mir lange Zeit das Gelingen mehrerer zarter Stahlarbeiten, mit denen ich mich beinahe 7 Jahre hindurch beschäftigte. Erst nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es mir, dieselbe dadurch zu überwinden, daß ich mich eines Bades aus geschmolzenem Blei bediente. Ich nahm zu diesem Bade, welches ich aus sehr zu entschuldigenden Gründen lange Zeit geheim hielt, reines Blei, d.h. solches, welches gar kein oder nur sehr wenig Zinn enthielt, erhizte dieß bis zu einer mäßigen Rothglühhize und rührte es dann gut um. In dieses Bad nun tauchte ich die Stüke einige Secunden lang unter, d.h. so lange, bis sie sich, wenn ich sie wieder an die Oderflache brachte, nicht weniger glühend zeigten, als der übrige Theil. des Bades. Dann rührte ich die Stüke schnell im Bade um, worauf ich sie herauszog und in eine große Masse Wasser untertauchte. Auf diese Weise konnte ich Stahlplatten so härten, daß sie vollkommen brüchig. wurden, und dabei doch so gut beschaffen blieben, daß sie wie Gloken klangen: ein Erfolg, den ich auf keine andere Weise zu erreichen im Stande war.“ – Der Härtungsproceß kann auf dieselbe Weise durch Anrauchen eines Gegenstandes in ein geschmolzenes Bleibad, dessen Temperatur, wenn sie den Siedepunkt des Queksilbers nicht übersteigt, mit einem Thermometer bestimmt werden kann, vollbracht werden. Für Rasirmesserklingen oder Scalpelle empfiehlt Hr. Stodart eine Temperatur von 430° F., bei welcher der Stahl eine schwache geldliche Farbe erhält. – Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß die Härtung des Stahles nicht nothwendig von dem Eintauchen des Metalles in irgend eine Flüssigkeit abhängt, sondern eben so gut auch durch Anwendung von Kälte hervorgebracht werden kann. Das Härten von gußeisernen Artikeln durch das Abkühlen ihrer Oberfläche ist bekannt; die Messerschmiede |394| wissen sehr gut, daß dasselbe auch dann erfolgt, wenn man eine dünne erhizte Klinge zwischen die kalten Flächen eines Amboßes und eines Hammers bringt. Reisende erzählen auch, daß die berühmten Damascener Klingen vorzüglich nur zu jener Zeit fabricirt werden, zu welcher die Nordwinde herrschen. Hr. Anozoff machte daher auch viele Versuche über das Härten stählerner Instrumente durch einen starken Luftzug, statt durch Untertauchen derselben in kaltes Wasser.

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