Titel: Brillen aus Bernstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1832, Band 46, Nr. CXIII./Miszelle 15 (S. 434–435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj046/mi046113_15

Brillen aus Bernstein.

Die HH. Georg und Elias Solomons zu Bedford Square, in der Pfarre Stepney, Grafschaft Middlesex, ließen sich bekanntlich am 16. Februar 1832 ein Patent auf die Zubereitungsart gewisser durchsichtiger Substanzen zu Brillen geben. Wir waren sehr begierig zu erfahren, woraus diese durchsichtigen Substanzen bestünden, bis uns endlich das Repertory of Patent-Inventions, September 1832, S. 148 lehrte, daß die Patent-Träger den Bernstein unter derselben verstanden wissen wollen. Das Verfahren, dessen sie sich hierbei bedienen, ist in Kürze folgendes. Sie wählen solche Stüke Bernstein, welche weder Floken, noch Sprünge im Inneren zeigen, aus, und entfernen an diesen mittelst eines Meißels die äußerste Schichte, die sogenannte Rinde, worauf sie sie wieder gegen das Licht halten, und neuerdings untersuchen, ob sie keine Fleken, keine Streifen, keine Sprünge und keine fremden Körper enthalten. Diesen Stüken geben sie hierauf, je nachdem die sogenannten Gläser oder Linsen eine kreisförmige, elliptische, oder sonstige Form erhalten sollen, mit dem Meißel die beliebige Form, um dieselben dann mit einer sehr feinen kleinen Säge in Blätter von gehöriger Dike schneiden zu können. Dieser Theil der Arbeit fordert große Behutsamkeit, da der Bernstein wegen seines muscheligen Bruches und seiner Brüchigkeit sehr leicht Sprünge bekommt. Die Blätter werden dann, je nachdem die Gläser convexe, concave, ebene oder zusammengesezte Oberflächen erhalten sollen, mit stählernen, fein polirten und vollkommen glatten Instrumenten von gehöriger Größe und Form behandelt; d.h. sie müssen sorgfältig auf eines dieser in einem Schraubstok festgemachten Instrumente gebracht und mit der Hand langsam, sachte und sorgfältig polirt werden. Das untere Ende des Instrumentes ist dabei in einen kleinen Wassertrog mit Schmirgelpulver untergetaucht, und mit diesem Wasser und Schmirgel wird die Linse sorgfältig abgerieben. Dann werden die Ränder zugefeilt, |435| und hierauf wird eines der Instrumente mit einem Stüke feinem Tuche überzogen, welches man mit feinem Oehle einreibt, und mit welchem man die Linsen dann mit feinem Schmirgelpulver, Oehl und Pappelkohle polirt. Die lezte Politur gibt man ihnen endlich mit etwas weicher Seife und Zinnaschenpulver, oder mit dem feinsten, mit etwas Weingeist befeuchteten Pariser Weiß. – Die Patent-Träger versichern, daß man auf diese Weise sehr schöne und vollkommen durchsichtige Bernstein-Augengläser erhält, welche wegen ihres milden und angenehmen Lichtes sehr wohlthätig auf die Augen wirken sollen. Wir überlassen es unseren Optikern hierüber zu entscheiden, erlauben uns aber vor der Hand an der Güte dieser Brillen zu zweifeln.

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