Titel: Beschreibung einer neuen Art von Bombe.
Autor: William,
Pier, V.
Mark, Andrew
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XI. (S. 35–36)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/ar049011

XI. Beschreibung einer neuen Art von Bombe oder Haubiz-Granate, welche die gewöhnliche Bombe oder Haubiz-Granate, und selbst die Flintenkugeln von jedem Caliber, ersezen kann, und auf welche sich die HH. William, V. Pier und Andrew Mark von Detroit, Michigan, Ver. Staaten, am 6. April 1832 ein Patent ertheilen ließen.

Aus dem Recueil industriel. April 1833, S. 50.

Die Erfinder unterscheiden zwei Arten ihrer Geschosse; sie nennen nämlich jenes, welches von einem Mörser oder einer Haubize geworfen werden soll, verlängerte Bombe oder Haubiz-Granate mit spiralförmigen Flügeln (bombe ou obus alongée à ailes en spirale); jenes hingegen, welches für Musketen bestimmt ist, verlängerte Kugel mit spiralförmigen Flügeln (balle alongée à ailes en spirale).

Die verlängerte Bombe hat, ohne die Flügel, die Form eines Eis, welches an seinem dünnen Ende vierekig zugeschnitten ist. Ihre Länge kann 1 1/2 oder 2 Mal so groß seyn, als der Durchmesser des Calibers des Gewehres, für welches sie bestimmt ist. Will man ihr eine größere Länge geben, so geschieht dieß bloß, um unter gewissen Umständen in deren Innerem einen größeren hohlen Raum zu erzielen. Das dike Ende dieser Bombe, welches der Mündung des Gewehres zunächst zu liegen kommt, und welches diese Mündung beinahe ausfüllt, bildet einen Halbcylinder aus solidem Eisen, dessen Gewicht die Bombe zwingt, wenn sie fortgeschleudert wird, der gehörigen Richtung zu folgen.

An der äußeren Oberfläche der Bombe sind vorspringende Ränder oder Flügel angegossen; es sind deren vier oder mehrere, welche sich von dem kleinen Ende bis zu dem Bauche des halbkugelförmigen Endes erstreken, und welche dabei schief verlaufen, so daß die Bombe eine drehende Bewegung gleich jener einer Karabinerkugel erhält. Jene dieser Ränder, welche die Luft treffen, bilden mit dem Körper der Bombe, von welchem sie so weit hervorragen, daß sie überall dem Caliber des Mörsers oder des Gewehres entsprechen, rechte Winkel. Diese Flügel bilden mit einer Linie, welche durch die beiden Enden der verlängerten Bombe geht, einen Winkel, der, je nachdem man |36| es zur Erreichung dieses oder jenes Zwekes am zuträglichsten hält, 5 bis 20° mißt. Der Durchmesser des kleinen Endes kann nur halb oder den dritten Theil so groß seyn, als jener des diken Endes; die Flügel werden dann um so höher seyn, je kleiner dieser Durchmesser ist. Um die Bombe zu laden, wird entweder an dem kleinen Ende oder zwischen den Flügeln eine Oeffnung gelassen, die, wenn die Ladung geschehen ist, entweder mit einer Schraube oder mit einem hölzernen oder eisernen Pfropfe verschlossen wird.

Die Explosion der Bombe erfolgt mittelst einer vorher regulirten Percussionskraft. Es befindet sich zu diesem Behufe an dem Ende ihres diken halbkugelförmigen Endes ein Loch von 7 bis 8 Millimeter im Durchmesser, welches in der Richtung der Achse der Bombe bis auf eine geringe Entfernung von deren Höhle reicht, und dann von hier aus dünner fortläuft, um als Zündloch zu dienen. Oben auf dem Percussions- oder Zündpulver bringt man einen eisernen oder stählernen, mit Leder oder irgend einer anderen elastischen Substanz umgebenen Zapfen oder Pflok an. Der Kopf dieses Zapfens, der sich wie der Kopf eines Nagels erweitert, ragt etwas über das dike Ende der Bombe hervor; in dem Augenblike daher, in welchem die Bombe gegen einen festen Körper trifft, wird der Zapfen lebhaft nach Einwärts gestoßen, so daß das Pulver dadurch entzündet wird und die Bombe folglich zum Bersten kommt.

Die verlängerte Kugel, wenn man sich dieses widersinnigen Ausdrukes bedienen will, ist der äußeren Form nach der eben beschriebenen Bombe vollkommen ähnlich; sie ist aber, da sie nicht zerplazen soll, nicht hohl. Für Gewehre von geringem Caliber soll man sie, um ihr die gehörige Schwere zu geben, aus Blei verfertigen. Eine solche verlängerte Kugel trägt weiter und steigt schneller als eine runde, wenigstens versichern dieß die Patentträger.

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