Titel: Amies, Verbesserungen an den zur Papierfabrikation gehörigen Apparaten.
Autor: Amies, Joseph
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XXXVIII. (S. 198–201)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/ar049038

XXXVIII. Verbesserungen an den zur Papierfabrikation gehörigen Apparaten, auf welche sich Joseph Amies, Papierfabrikant zu Loose in der Grafschaft Kent, am 9. September 1832 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Mai 1833, S. 216.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Meine Erfindungen, sagt der Patentträger in seiner Patenterklärung, bestehen in einer eigenen Bauart des Bodens des Siebes, und in der zwekmäßigen Anwendung dieser Siebe, um mit deren Hülfe alle Knötchen und Klümpchen aus dem Zeuge, der zur Papierfabrikation dienen soll, zu entfernen.

Es ist allgemein bekannt, daß kleine Theilchen Mist, Klümpchen oder Knötchen, oder andere zufällig mit dem Zeuge vermengte Unreinigkeiten dem Papier, welches daraus verfertigt werden soll, fehl nachtheilig werden. Man hat daher bereits verschiedene Siebe angewendet |199| um zu verhindern, daß diese Unreinigkeiten nicht mit den seinen Zeugfäserchen in die Bütte gelangen, aus der das Papier geschöpft wird. Die Boden dieser Siebe waren jedoch bisher unvollkommen: sie bestanden nämlich aus Metallstäben, welche an ihren beiden Enden in den Rahmen befestigt waren, so daß sie folglich, wenn die Siebe in Thätigkeit gesezt wurden, nicht unbedeutende Schwingungen zuließen. In Folge dieser Schwingungen wurden die Stangen mit der Zeit nothwendig mehr oder weniger gekrümmt oder lose, so daß dann die Knötchen und anderen Unreinigkeiten zugleich mit dem Zeuge durch dieselben entweichen konnten. Durch meine Erfindung soll nun diesem Uebelstande abgeholfen werden.

Ich verfertige die Boden meiner Siebe nämlich aus Messing- oder anderen Metallplatten, und erzeuge in diesen die zum Durchtritte der feinen Zeugfäserchen nöthigen Oeffnungen dadurch, daß ich kleine Spalten oder Rizen in dieselben schneide, und zwar in der Art, daß zwischen den Enden einer jeden dieser kurzen Spalten so viel Raum bleibt, als nöthig ist, um dem Siebe die gehörige Festigkeit und Stärke zu geben. Ich finde es am besten, diese Spalten so anzubringen, daß das Ende der einen der Mitte der beiden nächstgelegenen Spalten gegenüber zu stehen komme, d.h., daß die Spalten, wie man zu sagen pflegt, im Verbande, stehen. Alles dieß trägt sehr zur Festigkeit der Siebe bei, und gehört mit zu meinen Erfindungen.

Fig. 55, 56, 57 stellen einen Theil des Bodens eines Siebes vor, in welchen auf die angegebene Weise kurze Spalten geschnitten sind. Fig. 55 zeigt nämlich die obere und Fig. 56 die untere Fläche oder den Rüken eines solchen Bodens, während Fig. 57 einen Querdurchschnitt derselben vorstellt. Um nun Siebe dieser Art zu verfertigen, ziehe ich, nachdem ich mir vorher eine Messing- oder andere Metallplatte von 1/2 Zoll Dike so zubereitet habe, daß deren Oberfläche glatt und eben ist, eine Reihe paralleler Linien quer über diese Platte, und zwar in Entfernungen von 1/4 Zoll von einander. In die untere Fläche dieser Platten schneide ich dann mir Hülfe eines Hohlhobels oder irgend eines anderen Instrumentes nach der Richtung dieser Linien Furchen, mit der Vorsicht, daß das Ende jeder abwechselnden Furche bis zur Mitte der beiden benachbarten Furchen reicht. Ist dieß geschehen, so schneide ich mittelst einer kreisförmigen Säge schmale Spalten von beiläufig 1/30 Zoll Weite durch den Grund dieser Furchen, so daß auf diese Weise längliche Oeffnungen in den Platten erzeugt werden, durch welche wohl die zarten Zeugfasern, keineswegs aber Knötchen oder sonstige Unreinigkeiten dringen können. Dadurch, daß an den Enden der Spalten Theile der Platte undurchschnitten bleiben, und daß diese undurchschnittenen Theile |200| mit anderen gleichfalls soliden, zwischen den mittleren Theilen der benachbarten beiden Spalten befindlichen Stüken der Platte zusammenhängen, erhält die ganze Platte die gehörige Festigkeit, so daß sich Siebe dieser Art gewiß weniger schwingen und biegen, als jene, die aus langen, bloß an den Enden festgemachten Stäben bestehen, oder als jene, an denen die Längenspalten durch die ganze Platte laufen.

Das auf diese Weise verfertigte Sieb ziehe ich in einem Rahmen auf, dem ich, um den Durchgang der zarten Zeugfasern durch die Spalten zu befördern, eine schaukelnde oder schüttelnde Bewegung mittheile. Fig. 58 ist eine horizontale Ansicht oder ein Grundriß eines solchen gehörig aufgezogenen Siebes; in Fig. 59 hingegen sieht man dasselbe in senkrechtem Durchschnitte. a, a, a, a ist nämlich ein rechtekiger, hölzerner Rahmen, welcher am Scheitel und am Grunde offen ist. b, b ist die bereits beschriebene durchlöcherte Metallplatte, welche beiläufig 2/3 von dem Scheitel des Rahmens entfernt quer durch denselben läuft, und welche durch die Bolzen c, die senkrecht durch den hölzernen Rahmen und durch die Metallplatte gehen, festgehalten wird. Der gehörig zubereitete Zeug gelangt durch eine Röhre bei d in das Sieb, welches sich in einem Behälter oder Troge eee befindet, und von den gegliederten Armen f, f und dem Stüke g getragen wird. Wenn der Zeug nun, wie aus Fig. 59 ersichtlich ist, in das Sieb gegossen worden, so laufen die flüssigen und zartfaserigen Theile desselben durch die in dem Boden des Siebes befindlichen Spalten in den unteren Theil des äußeren Behälters oder Troges ee, und aus diesem durch den Trichter h und die Röhre i in die Bütte oder in den sonstigen Behälter, aus welchem das Papier geschöpft, oder auf eine sonstige Weise geformt wird. Die Höhe des Standes des Zeuges in dem Behälter e wird durch Umdrehen des am Halse des Trichters h befindlichen Schraubenringes k regulirt. Dieser Ring hat außen eine kegelförmige Gestalt, und bestimmt, indem er in einer am Boden des Gefäßes befindlichen Oeffnung angebracht ist, die Höhe des Abfluß-Niveau's.

Um nun den Durchgang der feinen Zeugfasern durch das Sieb zu erleichtern, wird dasselbe in eine schaukelnde und zugleich etwas schüttelnde Bewegung versezt, die durch mannigfaltige Vorrichtungen erzeugt werden kann. Ich fand die in Fig. 58 und 59 abgebildete Methode am zwekmäßigsten. Nach dieser wird nämlich das Sieb auf die bereits erwähnte Weise an den Hebeln oder gegliederten Armen ff aufgehängt, welche Arme an dem hölzernen Rahmen des Siebes angebracht sind, und sich mit Zapfen in Zapfenlagern drehen, die sich am Rüken des Gefäßes e befinden. Quer über den mittleren Theil des Siebes läuft ein Arm l, welcher mittelst Bolzen daran befestigt ist; mit diesem Arme steht ein zweiter Arm m in |201| Verbindung, der auch als eine Verlängerung des ersteren betrachtet werden kann, und an welchem das Stük g mit seinem Zahne oder gebogenen Ende n angebracht ist. Es erhellt hieraus, daß die Stüke l, m, g und n, wenn sie fest an einander und an das Sieb a selbst gebolzt sind, einen Hebel bilden, mit dessen Hülfe das Sieb in dem Behälter e gehoben werden kann. An der horizontalen, durch irgend eine geeignete Triebkraft in Bewegung gesezten Welle oo ist ein Klopf- oder Stirnrad p befestigt, welches, indem es sich unter dem Zahne n umdreht, den Hebel und folglich auch das Sieb jedes Mal emporhebt, so oft das Rad um einen Zahn vorwärts schreitet. Der an dem Ende des Hebels befindliche Zahn n veranlaßt, daß, wenn er von einem Zahne des Klopf- oder Sperrrades herabfallt, der Theil g auf den Scheitel des Pfostens q schlägt. Wenn nun diese Bewegungen schnell auf einander folgen (z.B. 200 Mal in einer Minute), so werden dadurch leichte Schwingunzen und Erschütterungen entstehen, die den Durchgang der Zeugfasern durch das Sieb sehr begünstigen werden.

Ich beschränke mich jedoch durchaus auf keine bestimmte Länge und Breite der Spalten, welche in die den Boden der Siebe bildenden Platten geschnitten werden sollen, noch auch auf irgend eine Entfernung derselben von einander, oder auf eine bestimmte Dike der Platten, da alles dieß eigentlich von der Beschaffenheit des Zeuges, mit welchem man arbeitet, von der Geschwindigkeit, mit der die Siebe bewegt werden, so wie von deren Dimensionen abhängt. Nur so viel bemerke ich, daß die Spalten nie der ganzen Quere nach durch die Platten gehen dürfen, und daß es am besten ist, wenn die Spalten in dem angegebenen Verhältnisse zu einander stehen, obschon dieselben übrigens auch in unterbrochenen Linien angebracht werden können.

Was die Erzeugung der Bewegung der nach meiner Methode verfertigten Siebe betrifft, so beschränke ich mich gleichfalls nicht auf die Anwendung des Hebels und des Klopfrades, in dem zu diesem Behufs eben so gut auch jede andere taugliche, mechanische Vorrichtung angebracht werden kann.

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