Titel: Gaultier de Claubry, über lithographische Kreide.
Autor: Gaultier de Claubry, Henri François
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XLIII. (S. 227–230)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/ar049043

XLIII. Einiges über die lithographische Kreide. Von Hrn. Gaultier de Claubry.

Aus dem Journal des connaissances usuelles. Junius 1833, S. 341.

Die wesentlichste Eigenschaft der lithographischen Kreide ist das Eindringen derselben in die Poren der Steine. Zu diesem Resultate führt die Anwendung des Fettes und der Seife; nimmt man aber zu viel Fett, so dringt die Kreide zu tief in den Stein ein, und die Zeichnung wird zu schwer. Eben diesen Nachtheil bringt auch ein Ueberschuß an Seife unter dem Einflüsse der Feuchtigkeit hervor. Kreide, zu deren Bereitung Gummilak, Mastix oder Wachs verwendet worden, verschmiert sich zwar nicht so, wie die vorhergehende, dringt aber dafür nicht tief genug in den Stein ein.

Einer unserer besten Lithographen, Hr. Lemercier, der bereits seit längerer Zeit lithographische Kreide bereitet, die von den gewandtesten Künstlern geschäzt und gesucht ist, ist gegenwärtig in Hinsicht auf die Bereitung dieser Kreide, bei Verhältnissen stehen geblieben, welche allen Anforderungen Genüge zu leisten scheinen.43). Er verfertigt dieselben nämlich aus:

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32 Theilen gelbem Wachse,
24 weißer Marseiller Seife,
4 gereinigtem Hammelfette,
1 Salpeter in 7 Theilen Wasser aufgelöst,
7 Schwärze.

Die zur Verfertigung der Kreide aus diesen Bestandtheilen nöthigen Geräthschaften bestehen aus einer gußeisernen Casserole mit Dekel, aus einer Spatel und aus einem eisernen Löffel. Man läßt das Wachs und den Talg zergehen, und sezt dann die Seife nach und nach in kleinen Quantitäten zu, indem sich die Masse bei einem größeren Zusaze aufblähen und leicht überlaufen würde. Ist dieß Gemenge gehörig geschmolzen, so sezt man nach und nach die gehörig erhizte Salpeterauflösung zu, worauf man so lange feuert, bis sich die Masse entzündet. In diesem Zustande nimmt man sie von Feuer, um sie zwei Minuten lang brennen zu lassen. Hat man die Ingredienzien in den oben angegebenen Verhältnissen zu Unzen genommen, so dekt man die Masse dann mit dem Dekel zu, und sezt hierauf die Schwärze zu, wobei man dieselbe, damit die Mischung so innig als möglich erfolge, so lange umrührt, bis sie kalt geworden. Dann dringt man die Mischung wieder auf das Feuer, läßt sie 20 Minuten lang bei einer gelinden Hize kochen, und gießt sie dann bei einer solchen Temperatur, bei welcher die Masse weder Kügelchen bildet, noch auch Risse oder Sprünge bekommt, aus.

Die Kreide vom ersten Gusse ist weicher und zarter, als die später gegossene, weßwegen man dieselbe bei Seite legt. Der Schaum und die Abfalle werden zusammengeschmolzen, denn sie geben noch sehr gute Kreide.

Wenn man sich zu einer lithographischen Zeichnung verschiedener Arten von Kreiden bedient, zu welchen die Ingredienzien in verschiedenem Verhältnisse genommen wurden, so geschieht es öfter, daß die feineren Striche beim Abziehen der Probeabdrüke verschwinden.

Auf welche Art man die Kreide auch bereitet, so darf die Caserole |229| doch nie weiter, als bis zum dritten Theile gefüllt seyn, weil sich die geschmolzene Masse stark aufbläht, und leicht übergehen könnte.

Eine andere Bereitung der Kreide hat kürzlich Hr. Tudot 44) angegeben; nach dieser kommen gar keine fetten oder öhligen Substanzen zu deren Bereitung, denn er bedient sich zu derselben nur des gereinigten Talges, der beinahe ganz als aus Stearine und Wachs, welches zum Theil verseift wird, bestehend, betrachtet werden kann. (?) Die Verhältnisse, die Hr. Tudot angibt, bedürfen einiger Modificationen, da er dieselben nur approximativ andeutet. Zu bemerken ist jedoch, daß die von ihm verfertigte Kreide von den ausgezeichnetsten Künstlern, die sie auf Verlangen der Société d'encouragement versuchten, als der besten bekannten Kreide vergleichbar erklärt wurde; sie schien denselben nur etwas hart.45)

Das von Hrn. Tudot angegebene Verhältniß ist nun:

Reines gelbes Wachs 30 Theile,
Wachsseife mit Soda 8
Talgseife mit Soda 17
Salpeter 1 in 7 Theilen Wasser aufgelöst,
Calcinirter Kienruß 7

Anstatt der Talgseife könnte man auch schöne Seife aus thierischem Fette anwenden.46) Die im Handel vorkommenden rohen Substanzen sind nicht immer von gleicher Beschaffenheit; so ist z.B. das Wachs sehr oft mit Stärkmehl verfälscht. Bedenkt man nun noch, wie schwierig es ist, immer eine vollkommen gleiche Kochung zu erhalten, so wird man sich die Verschiedenheit der Kreide, selbst wenn sie nach einer und derselben Formel bereitet worden, leicht erklären. Man soll daher, wenn man gute und gleiche Kreide erhalten will, immer mit einer großen Menge auf ein Mal arbeiten.

Hr. Tudot hat eine Menge interessante Beobachtungen über |230| die Bereitung der lithographischen Kreide angestellt, von denen wir hier nur einige anführen wollen.

Das Wachs verhindert, daß die Seife vom Wasser aufgelöst werde, und conservirt die Striche des Künstlers. Die Stearine ist nöthig, um ein festeres Ankleben zu erzielen; die Oehle hingegen schaden der Wirkung des Wachses bedeutend, woher es denn auch kommt, daß der Talg um so weniger schädlich wirkt, je weniger Oleine er enthält. Eine zu große Menge Stearine zerstört die Zähigkeit, die das Wachs gibt, während ein Ueberschuß an Wachs dem Ankleben nachtheilig wird. Würden diese beiden Substanzen, wenn sie auch unter sich im gehörigen Verhältnisse stünden, in Bezug auf die Seife in zu großer Menge genommen, so würden die Abdrüke nicht genug Durchsichtigkeit erhalten, indem die Säure die Kreide nicht durchdringen könnte. Ein Ueberschuß von Seife hingegen bewirkt, daß die Kreide zu tief in den Stein eindringt, wenn derselbe vor dem Säuren etwas befeuchtet wird, wo dann die Züge aus einander stießen. Kreiden, in denen das Fett vorherrscht, haben den Nachtheil, daß die Schmierfleken, die sie auf dem Steine lassen, beim Abziehen der Abdrüke gleichfalls zum Vorschein kommen, in dem sie durch das Säuren nicht vollständig zerstört werden konnten. Eine höhere Temperatur veranlaßt ein Auseinanderfließen der Züge, wo ihnen dann die gehörige Durchsichtigkeit fehlt. Bei einer trokenen und länger fortgesezten Temperatur von 20 bis 25° dringt die Oleine fortwährend in den Stein ein; die Zeichnung reinigt sich, kann eine starke Säuerung vertragen, und gibt dann Abdrüke von ausgezeichneter Schönheit. Die geringste Feuchtigkeit hingegen bewirkt, daß die Seife tiefer in den Stein eindringt, daß die Züge zerfließen, und daß man nur mittelst einer sehr starken Säuerung Abdrüke erhält, wobei die Zeichnung schnell erschöpft wird. Die besten Abdrüke geben immer jene Zeichnungen, die nur mit einer Kreide gezeichnet werden.

Was die Bereitungsart der Tudot'schen Kreide betrifft, so ist sie ganz so, wie die bei der Lemercier'schen Methode angegebene.

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Hr. Lemercier legte bei dem auf das Jahr 1832 von der Société |228| d'encouragement ausgeschriebenen Concurse für die beste lithographische Kreide eine solche Kreide vor, für die er jedoch keinen Preis in Anspruch nahm, da dieselbe nicht lediglich seine Erfindung ist. Sie stammt nämlich, wie im Berichte der Prüfungs-Commission (Bulletin de la Société d'encouragement December 1832, S. 476) gesagt ist, von einem Deutschen, der längere Zeit bei einem Lithographen zu Paris arbeitete, und der deren Recept, als er Paris verließ, an mehrere Künstler verkaufte, unter denen sich auch Hr. Lemercier befand. Hr. Lemercier hat daher nur das Verdienst, an diesem Recepte einige geeignete Verbesserungen angebracht, und dasselbe je nach dem Grade der Harte, den man der Kreide geben will, verschieden modificirt zu haben. Ob nun diese im Berichte der Preis-Commission angeführte Lemercier'sche Kreide dieselbe ist, die hier beschrieben ist, wissen wir nicht, da Hr. Gaultier de Claubry, welcher sowohl den Bericht erstattete, als auch diesen Aufsaz anfertigte, nichts hierüber bemerkt. Wahrscheinlich dürfte es jedoch seyn.

A. d. Ueb.

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Hr. Tudot, dessen Leistungen in der Lithographie wir schon mehrere Male zu erwähnen Gelegenheit hatten, und der erst im Jahre 1831 von der Société d'encouragement für die von ihm entdekte Schwarzkunst auf Stein und für seine Walze den Preis erhielt, gab kürzlich auch einen Manuel pratique de la Lithographie heraus, der sehr gepriesen wird, und um den äußerst billigen Preis von 2 Franken zu haben ist.

A. d. Ueb.

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Hr. Tudot erhielt für die von ihm verbesserte Bereitungsart der lithographischen Kreide, auf den Gericht einer Commission (Bulletin de la Société d'encouragement. December 1832, S. 477), einen Preis von 300 Franken. Die Commission glaubte nämlich, daß die Tudot'sche Formel bei einigen Modificationen, deren sie fähig seyn dürfte, noch zu sehr schäzenswerthen und Aufmunterung verdienenden Resultaten führen könne.

A. d. Ueb.

|229|

Wir wissen nicht recht, was der Verfasser hiemit sagen will; denn nach dem einfachen Sinne dieses Sazes käme es heraus, als wäre der Talg kein thierisches Fett. Vielleicht wollte Hr. Gaultier de Claubry, dessen Schreibart überhaupt etwas verworren ist, statt Talgseife Wachsseife sagen. A. d. Ueb.

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