Titel: Converse, Verbesserungen an den Schienen der Eisenbahnen.
Autor: Converse, Sherman
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XLVII. (S. 251–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/ar049047

XLVII. Verbesserungen an den Schienen der Eisenbahnen, worauf Sherman Converse von New-York in den Vereinigten Staaten von Amerika, gegenwärtig in London, welchem diese Verbesserungen von einem im Auslande wohnenden Fremden mitgetheilt worden, am 29. September 1822 sich ein Patent ertheilen ließ.

(Aus dem Repertory of Patent-Inventions, vom Monat April 1833).

Das große Uebel der Eisenbahnen besteht in ihrer beständigen Abnüzung – ihren unaufhörlich nöthigen Reparaturen. Da nun jedes Mittel, wodurch die Schienen langer in ihrer gehörigen Stellung erhalten werden können, nicht nur zum Vortheile der Actionnäre, sondern auch zur Verhütung von Unglüksfällen dienen muß, so wird dasselbe eine öffentliche Angelegenheit, und das Publikum ist in dem Projecte des Hrn. Converse auf eine doppelte Art interessirt. Sein Plan besteht darin, die Schienen, die Stühlchen oder Untersazstökel (chairs) 57) sowie sie gegenwärtig sind, unverändert zu lassen, die Schienen in den Stühlchen, und diese lezteren auf den Steinblöken eben so zu befestigen und mit einander zu verbinden. Zur größeren Sicherheit aber soll an dem Theile der Schiene, welche im Stühlchen stekt, und darin durch Keile oder Bolzen befestigt ist, eine lange Stange von geschmiedetem Eisen in senkrechter Richtung so befestigt werden, daß sie durch ein im Mittelpunkte des Stühlchens gemachtes Loch geht, und die Schiene mit dem Stühlchen zusammenhält. Ferner soll in der Mitte zwischen zwei Stühlchen an jeder Schiene ein Band oder eine Klammer angebracht werden, worin die Enden zweier Stangen sich vereinigen, deren andere Enden an den Enden der Schiene befestigt werden. Auf diese Art wird jede Schiene an ihren beiden Enden durch die senkrechten Stangen und in ihrer Mitte |252| durch Diagonalstangen festgehalten, welche da, wo sie mit der Schiene verbunden sind, aufwärts, und an den Stülchen niederwärts stehen.

Da es aber auch nöthig ist, die beiden Schienen der Bahn in ihrer richtigen (parallelen) Lage gegen einander zu erhalten, so soll dieses durch andere hinlänglich starke Stangen von geschmiedetem Eisen bewirkt werden, welche (in horizontaler Richtung) an den Bändern der Schienen von einer Seite zur anderen festgemacht, beide Schienen mit einander verbinden. Oder die beiden gegen einander befindlichen Stuhlchen selbst können durch solche Stangen verbunden werden.

Das ganze System dieser Bänder, Klammern und Stangen bildet, was wir eine combinirte Eisenbahn (a compound railroad) nennen; und obwohl hiedurch anfänglich die Kosten der Anlage vermehrt werden, so müssen wir doch, da hiedurch die Nothwendigkeit von Reparaturen beseitigt, und die Sicherheit, Dauer und Brauchbarkeit der Bahn in einem hohen Grade befördert wird, diesen Vorschlag für wichtig halten.

Hr. Converse nimmt bloß die Klammern und Stangen als seine Erfindung in Anspruch, nicht aber die Art ihrer Verbindung, noch ihre Form oder ihren Stoff. Alles kann bleiben wie es ist, und diese Stangen und Klammern oder Bänder können an jeder vorhandenen Eisenbahn als eine gründliche und dauerhafte Reparatur angebracht werden.

Bemerkung des Uebersezers.

Wir sind mit der Redaction des Repertory of Patent-Inventions, von welcher wir die vorstehende, nicht sehr deutliche Beschreibung wörtlich übersezt haben, vollkommen darüber einverstanden, daß ein großes Uebel der Eisenbahnen, nach ihrer gegenwärtigen Bauart, im Mangel an hinlänglicher Festigkeit bestehe, wodurch unaufhörliche Reparaturen und Flikereien nöthig gemacht, und nicht selten Unglüksfälle verursacht werden. Wir haben über das Fehlerhafte und Ungereimte dieser, seit 60 Jahren mit einer unbegreiflichen (fast religiösen) Anhänglichkeit an einen alten Schlendrian beibehaltenen, Bauart schon bei mehreren Gelegenheiten und neuerlich im 1sten Heft des XLVIII. Bandes des polyt. Journ. in einer Note, S. 19–21, auf eine bestimmte und deutliche Art uns ausgesprochen, und müssen uns nur darüber wundern, daß die Redaction des Repertory und die englischen Mechaniker überhaupt noch immer nicht auf den einfachen Gedanken gekommen sind, jene längst erkannten und gefühlten Mängel durch eine zwekmäßigere Bauart der Schienen und ihrer Unterlagen gründlich zu beseitigen, statt dieselben durch eine complicirte und kostbare Flikerei einiger Maßen zu verbessern oder unschädlich zu machen.

Das von Hrn. Converse hier vorgeschlagene System ist eigentlich nichts anderes als eine künstliche Armatur oder Befestigung einer |253| schwachen und schlechten Construction, durch welche zwar der Zwek gewisser Maßen erreicht werden kann, die aber zu den vielen senkrechten, schrägen, horizontalen und diagonalen Verbindungsstangen, Bändern und Klammern mehr Eisen und Arbeit erfordern wird, als die Schienen selbst, und welche jedenfalls weniger leisten und weit mehr losten wird, als die von mir schon langst vorgeschlagene und empfohlene Bauart von zwei massiven, ununterbrochen neben einander fortlaufenden und zusammenhangenden Unterlagmauern, auf welchen die eisernen Schienen, ohne die gewöhnlichen Stühlchen und ohne alle andere Künstelei, auf die solideste und dauerhafteste Art, und mit einer bedeutenden Ersparung an dem kostbarsten Material, dem Eisen, befestigt werden können.

J. v. Baader.

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Im Original steht: Chains, Ketten, statt Chairs, Stühlen, was offenbar ein Drukfehler ist.

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