Titel: Dr. Fuchs, über den hydraulischen Mörtel.
Autor: Fuchs, Johann Nepomuk
Kaiser, Cajetan Georg
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. LIII. (S. 271–296)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/ar049053

LIII. Ueber die Eigenschaften, Bestandtheile und chemische Verbindung der hydraulischen Mörtel. Eine gekrönte Preisschrift vom Akademiker und Conservator Dr. J. N. Fuchs in München.

Aus den Natuurkundige Verhandelingen van de Hollandsche Maatschappy der Wetenschappen te Haarlem XX. Deel Bl. 173–218.

Uebersezt von Dr. C. G. Kaiser in Landshut.

Die holländische Société des Sciences zu Haarlem hat im Jahre 1830 folgende Preisfrage zur Beantwortung ausgeschrieben:

„Quels sont les caractères, auxquels on réconnaîtra les Ciments, qui s'endurcissent sous l'eau? Quels en sont les principes constituans et quelle est la combinaison chimique, qui s'opère pendant leur solidification?“

Der geistreiche Hr. Verfasser, berühmt als unermüdet eifriger Murforscher durch die Genauigkeit seiner Versuche und Beobachtungen, so wie durch die Klarheit und Deutlichkeit seiner Abhandlungen, hat die vorstehende Frage, nachdem Er schon ein Jahr vorher in Erdmann's Journal für technische und ökonomische Chemie Bd. VI. Heft 1 S. 1–26 und Bd. VI. Heft 2 S. 132–162 eine höchst interessante Abhandlung über denselben Gegenstand geliefert hätte, binnen 2 1/2 Monaten unter nachstehendem Motto auf eine so gründliche Weise gelöst, daß die genannte Gesellschaft bei ihrer 79sten Versammlung am 19. Mai 1832 Ihm den Preis, bestehend in einer goldenen Medaille, zuerkannt, und die Beantwortung in den oben angeführten Verhandlungen in holländischer Sprache bekannt gemacht hat. Wenn es dem Uebersezer auch immer erfreulich war, dem deutschen Publikum aus französischen und holländischen Zeitschriften interessante Notizen auf dem Gebiete der Chemie etc. mitzutheilen, so ist es demselben beim Empfange der naturwissenschaftlichen Verhandlungen der Haarlemer Gesellschaft doppelt erfreulich, daß er der Erste seyn kann, der die lichtvolle Darstellung dieses wichtigen Gegenstandes, wofür der hochgelehrte Hr. Verfasser, auf welchen Bayern stolz seyn kann, einst den Dank vieler Nationen genießen wird, auf deutschem Boden verbreitet, und dadurch Gelegenheit findet. Demselben als seinem hochgeachteten Lehrer seine innigste Verehrung öffentlich auszudrüken.

Involuta latet in alto veritas.

Das Wort Cement wird nicht immer in derselben Bedeutung aufgefaßt; bald versteht man darunter das Materiale (den Zuschlag), |272| welches mit dem Kalk den im Wasser erhärtenden Mörtel (hydraulischen oder Wassermörtel) darstellt, bald bezeichnet man damit diesen Mörtel selbst. In dem lezteren Sinne ist dieses Wort wahrscheinlich in der vorliegenden Preisfrage genommen; ich werde es aber hier durchgängig in dem ersteren Sinne nehmen und daher unter Cementen alle diejenigen Substanzen verstehen, welche geeignet sind, mit Kalk ein in Wasser erhärtendes Product zu bilden, was immer wohl unterschieden werden muß von seinen Factoren. Da aber das Cement nur Bezug auf diese Art von Mörtel hat, nur dadurch als solches bestimmt und erkannt wird, so ergibt sich von selbst, daß der hydraulische Mörtel den Hauptgegenstand ausmachen müsse von dem, was hier verhandelt werden soll.

Das Erste, was in Betrachtung kommen muß, ist der Proceß des Erhärtens des hydraulischen Mörtels. Obschon hierüber sehr viele Versuche gemacht wurden, so wurde diese Sache doch bis jezt noch nicht in das gehörige Licht gesezt, und es herrschen über diesen Punkt verschiedene Ansichten. Einige sind der Meinung, daß das Erhärten bloß eine Wirkung der Adhäsionskraft sey; Andere glauben, daß es auf einer chemischen Anziehung beruhe, sezen aber Dieses nicht gehörig auseinander, und zeigen nicht deutlich, welche Substanzen dabei vorzüglich wirksam sind, welches die Umstände sind, unter denen sie chemisch auf einander wirken, und geben überhaupt zu erkennen, daß ihnen das Wesentliche von dem ganzen Vorgange noch verborgen ist. Bisweilen wird so davon gesprochen, daß man glauben möchte, es müsse ein eigenthümliches hydraulisches Princip geben.

In dem Nachfolgenden wird man, wie ich glaube, genügende Beweise finden, daß das Erhärten des hydraulischen Mörtels im Wesentlichen auf einer chemischen Verbindung der Kieselerde und des Kalkes, welche sich auf dem nassen Wege allmählich herstellt, beruhe, und daß es folglich kein Cement ohne Kieselerde geben könne.

Ehevor ich die Beweise für diesen Saz anführe, muß ich auf einige der vorzüglichsten, zum Theil schon lange bekannten, zum Theil von mir ausgemittelten Verhältnisse der Kieselerde aufmerksam machen, welche wohl beachtet werden müssen, wenn man das Verhalten dieser Erde zum Kalk und ihrer Verbindungen auf nassem Wege gehörig beurtheilen will.

Die Kieselerde spielt in ihren Verbindungen die Rolle einer Säure, und diese werden daher Silicate genannt. Mit den Basen vereinigt sie sich in mehreren quantitativen Verhältnissen, und sie hat ein vorzügliches Bestreben, mehrere Basen zugleich in sich aufzunehmen. Die Zahl der Silicate ist daher sehr groß; es läßt sich da |273| gar keine Gränze bestimmen, und es gibt keine so fixen Sättigungspunkte, wie bei anderen Körpern. Die meisten bekannten Silicate sind auch so zusammengesezt, daß unter günstigen Umständen noch basische Körper in größerem oder geringerem Maße damit in Verbindung treten können.

Von den meisten Silicaten macht die Thonerde einen wesentlichen Bestandtheil aus, und, obschon diese Erde zu den schwächsten Vasen gehört, so bildet sie doch mit der Kieselerde mehrere schwer zu zersezende Verbindungen, wie uns unter Anderen der Andalusit, Disthen und mehrere Sorten von Thon beweisen. Besonders auffallend ist, daß kein Thonerdesilicat in Kali aufgelöst werden kann, da doch jede dieser beiden Erden für sich darin auflöslich ist. Bringt man daher die Auflösungen beider zusammen, so scheiden sie sich wieder mit einander vereinigt in Form einer schleimigen Masse ab, und es bleibt in der Flüssigkeit fast gar nichts zurük, wenn nicht die eine oder die andere in zu großer Quantität vorhanden war. Dieser Niederschlag ist aber nicht, wie Guyton Morveau geglaubt hat, eine bloße Verbindung von Kieselerde und Thonerde, sondern enthält, wie ich schon bei einer anderen Gelegenheit gesagt habe, eine beträchtliche Quantität Kali chemisch gebunden, und nähert sich in Hinsicht seiner chemischen Constitution oft dem Leucit. Wenn ein Thonerdesilicat. z.B. Porcellanthon, anhaltend mit Kalilauge gekocht wird, so nimmt es ebenfalls viel Kali in sich auf und verbindet sich chemisch damit. Es hat überhaupt den Anschein, als ob die Thonerde gleichsam ein Band ausmache, wodurch in den meisten Fällen die übrigen Basen (die Bittererde vielleicht ausgenommen) kräftiger mit der Kieselerde vereinigt werden, als sie sich für sich mit ihr verbinden. Da die Thonerde unter gewissen Umständen sich auch wie eine schwache Säure verhält und gleichsam ein amphoterischer Körper ist, so kann man, wenigstens in manchen Fällen, das Thonerdesilicat wie eine Doppelsäure betrachten, d.h. mit stärkerer Acidität begabt, als jeder dieser beiden Erden für sich eigenthümlich ist. Daher geben auch die Silicate, welche Thonerde enthalten, bessere Cemente ab, als diejenigen, welche davon frei sind, wenn auch in beiden Fällen die Kieselerde gleich gut aufgeschlossen ist, wovon sogleich die Rede seyn wird.

Was die Verwandtschaftsordnung anbelangt, in welcher die Basen in Bezug auf die Kieselerde stehen, so läßt sich darauf nicht aus der Ordnung schließen, welche die meisten Basen, gegen die anderen Sauren betrachtet, beobachten; denn es kann beinahe als ausgemacht angenommen werden, daß z.B. der Kalk den Alkalien und die Bittererde dem Kalk in der Verwandtschaft zur Kieselerde vorgeht. Ueberhaupt hat diese Erde ein von den meisten anderen Körpern abweichendes |274| Verhalten; das Auffallendste aber ist, daß diese schwach Säure aus vielen ihrer Verbindungen durch die stärksten Säuren nicht abgeschieden werden kann. Der Grund hievon kann in nichts Anderem liegen, als in der verschiedenen Cohärenz, welcher die Kieselerde fähig ist, und die sie in verschiedenen Graden auf ihre Verbindungen übertragt, so daß mehrere derselben von den Säuren gar nicht, einige schwach, und manche stark angegriffen werden, und gewisse dadurch sogar vollkommen zersezt werden können, wobei wieder der Unterschied Statt findet, daß sich die Kieselerde aus einigen pulverförmig oder schleimartig, aus anderen als eine steife Gallerte abscheidet, nachdem sie vorher selbst in die Auflösung übergegangen war.

Diejenigen Silicate, welche mit Sauren geradezu keine Gallert bilden, werden in diesen Zustand versezt, wenn sie mit einem feuerbeständigen Alkali oder Baryt gehörig geglüht oder geschmolzen werden. Durch diese Operation, welche man ganz schiklich das Ausschließen nennt, wird ein Theil des Aufschließungsmittels mit den Silicat, oder vielmehr mit der Kieselerde des Silicates in Verbindung gebracht, und ein neues Product gebildet; wobei zugleich die Cohärenz derselben so geschwächt wird, daß sich das Ganze, die Kieselerde mit den vorhandenen Basen, in den geeigneten Säuren auflöst, und wenn die Flüssigkeit nicht zu sehr verdünnt ist, eine steife zitternd Gallerte bildet. Das Nämliche, was die Chemiker aus guten Gründen gewöhnlich nur mit den angeführten Aufschließungsmitteln zu erreichen suchen, kann man auch durch andere basische Körper bezweken und insbesondere eignet sich dazu der Kalk, wodurch die Silicate in gehöriger Hize eben so gut aufgeschlossen werden, als durch die Alkalien und den Baryt, so daß sie dann ebenfalls mit Säuren gelatiniren. Auf ähnliche Weise wirkt auch das Eisenoxyd und die Bittererde, und wenn auch dadurch nicht alle Silicate in den Zustand versezt werden, daß sie mit Säuren eine Gallerte bilden, so wird die Cohärenz der Kieselerde doch so geschwächt, daß sie dem leicht durch Sauren zersezt werden können.

Es ist nicht nothwendig, allen Silicaten einen Zuschlag zu geben, um sie aufzuschließen; ich habe schon vor mehreren Jahren die Entdekung gemacht, daß mehrere, welche geradezu von den Säuren nur schwach oder gar nicht angegriffen werden, durch Glühen oder Schmelzen sich so verändern, daß sie dann mit Säuren eine ausgezeichnete Gallerte bilden, und durch dieselben vollkommen zersezt werden. Dazu gehören z.B. der Zoisit, Pistacit (Epidot), Vesuvian, der edle und gemeine Granat, der Prehnit etc. Viele andere, wie der Glimmer, die Hornblende, der Turmalin, mehrere Sorten von Thon etc. werden zwar nach dem Glühen |275| in den Säuren nicht auflöslich, aber doch viel stärker von ihnen angegriffen und größten Theils zersezt.

Die Cohärenz der Kieselerde in den Silicaten wird also auch durch das Glühen oder Schmelzen für sich geschwächt, und so wie dann auf sie die Sauren leichter einwirken, so müssen sie auch anderen chemischen Agentien zugänglicher werden.58) Dieses ist in Bezug auf den hydraulischen Mörtel von großer Wichtigkeit.

Noch weit wichtiger aber ist das, daß der Kalk auf nassem Wege auf sehr viele Silicate, besonders auf die geglühten und mehrere geschmolzene fast eben so wirkt, wie auf trokenem Wege.

Dieses geht unwiderleglich daraus hervor, daß solche Silicate, welche für sich mit Sauren keine Gallerte geben, wenn sie mit Kalk gemengt längere Zeit hindurch unter Wasser liegen, dann mit Säuren ebenso ausgezeichnet gelatiniren, wie wenn sie mit Kalk im Feuer wären behandelt worden. Darin liegt der Beweis für meinen vorhin aufgestellten Saz; auf diesem Processe, den ich wegen seiner Aehnlichkeit mit der Cementation auf trokenem Wege nasse Cementation nennen will, beruht das Erhärten des hydraulischen Mörtels. Aus dem Erhärten läßt sich daher auch umgekehrt auf die gegenseitige chemische Einwirkung des Kalkes und der Sillicate schließen, denn Beides steht in nothwendiger Verbindung, wie Ursache und Wirkung.

Wenn ein Silicat schon, bevor es der nassen Cementation mit Kalk unterworfen worden, mit Säuren eine Gallerte bildet, so kann man dann nur aus dem Erhärten der Masse abnehmen, daß darin ein chemischer Proceß Statt findet, was auch vollkommen genügt, weil bei den übrigen Silicaten das Erhärten mit Kalk und das Gelatiniren stets zugleich Statt hat. Indessen werde ich, um in dieser Hinsicht gar keinem Zweifel Raum zu lassen, in der Folge doch noch ein anderes, für die chemische Einwirkung des Kalkes auf die Kiesels eck und Silicate auf nassem Wege sprechendes Factum darlegen.

Ueberhaupt werde ich noch Manches in Bezug auf diesen Proceß in ein besseres Licht sezen, wenn ich von den einzelnen Versuchen sprechen werde, welche ich hierüber angestellt habe. Zuvor noch Folgendes im Allgemeinen darüber:

Wenn die Versuche gelingen sollen, so ist vor Allem nothwendig, daß die Silicate oder Cemente zu einem feinen Pulver zerrieben |276| werden. Auf grobes Pulver, was dem Kalk nur wenige Berührungspunkte darbietet, wirkt es nur äußerst langsam und schwach, so daß man leicht auf die Vermuthung kommen könnte, daß gar keine Einwirkung Statt fände. Ich habe daher, um ganz sicher zu gehen, die meisten Körper zu diesen Versuchen durch Schlammen in das feinste Pulver verwandelt. Dabei erlangte ich den Vortheil, daß ich fast immer nach wenigen Tagen schon sehen könnte, ob ein günstiges oder ungünstiges Resultat zu erwarten war. Um den Proceß zu beschleunigen, sezte ich auch bisweilen die mit Kalk gut gemengten und in das Wasser versenkten Proben einer gelinden Digestionswärme aus.

Auf vier bis fünf Theile Cement wurde gewöhnlich ein Theil Kalk, in trokenem Zustande gewogen, genommen. Dieser muß vollkommen gelöscht seyn, wenn die Probe sogleich unter Wasser gut stehen soll.

Zum Anmachen der Proben wird nur so viel Wasser genommen, daß sie einen ziemlich steifen Teig bilden, welcher mit einem Pistill oder mit der Hand gut durchgearbeitet werden muß. Wenn aber zu viel Wasser hinzugekommen ist, so muß man den Ueberfluß mittelst eines absorbirenden Körpers wieder zu entfernen trachten, und dabei die Masse gut zusammen drüken; denn je näher die Theile einander gebracht werden, desto schneller und kräftiger wirken sie auf einander ein. Bei übrigens ganz gleichen Umständen bleibt diejenige Masse, auf welche kein Druk ausgeübt wird, stets weit hinter derjenigen zurük, welche comprimirt wird. Ein auffallender Unterschied ist auch dann schon zu bemerken, wenn die Masse, bevor sie in das Wasser gebracht wird, nur einige Tage in feuchtem Zustande unter einer Presse gelegen hat. Dadurch können auch mit Cementen, welche nur schwach anziehen, gute Resultate erzielt werden. Dieser Umstand kommt sehr in Anschlag, wenn mit hydraulischem Mörtel Mauern aufgeführt werden, wobei er durch den Druk der Bausteine zusammengedrükt und zu einem bedeutenden Grab von Härte gebracht wird, wenn er auch nicht von bester Qualität ist. Auch ein sehr schwacher Druk vermehrt die Consistenz schon merklich, was ich daraus schließe, weil meine frei in Wasser liegenden Proben an den unteren Theilen harter wurden, als an den oberen. Der mit gebranntem Dolomit bereitete Wassermörtel erlangt durch Compression eine ungewöhnliche Harte, so daß man daraus sehr gute Steine verfertigen könnte.

Wenn man dieses Alles beobachtet, so ist es in den meisten Fällen nicht nöthig, die Masse in ein Gefäß hineinzudrüken, sondern man kann ihr eine beliebige Form geben, und sie frei in das Wasser legen. |277| Mir ist selten eine Probe zerfallen, wenn ich es auch mit einem sehr langsam anziehenden Cemente zu thun hatte.

Nach Verlauf eines Monates ist der Proceß gewöhnlich schon so weit vorgerükt, daß die Masse eine beträchtliche Consistenz erhalten hat, und mit Salzsäure eine Gallerte bildet, wobei man jedoch nicht erwarten darf, daß sich Alles in der Säure auflöse. Um die Gallerte deutlich zu bekommen, muß man die Masse pulverisiren, mit mäßig verdünnter Salzsäure übergießen, einige Minuten unter beständigem Umrühren gelinde erwärmen und dann in einem offenen Gefäße eine Zeit lang ruhig stehen lassen. Sie zeigt sich manchmal erst am zweiten oder dritten Tage, so daß man das Gefäß umkehren kann, ohne daß etwas herausläuft.

Die wenigsten natürlichen Silicate sind, mit Ausnähme einiger vulkanischen Producte, so beschaffen, daß der Kalk auf nassem Wege ohne weitere Behandlung darauf einwirken kann; sie müssen fast alle durch das Feuer und einige sogar zugleich mit etwas Kalk aufgeschlossen werden, wenn man je ein gutes Resultat erhalten will. Selbst die meisten derjenigen Silicate, welche für sich gekannt Cemente abgeben, werden durch Aufschließen mit etwas Kalk noch besser. – Bei einigen ist ein gelindes Glühen schon hinreichend; andere aber müssen sehr stark geglüht und manche sogar geschmolzen werden. Starkes Glühen fand ich fast nie nachteilig; man soll es aber doch nicht anwenden, wenn es nicht unumgänglich nothwendig ist, weil dadurch die Körper zu compact werden, und sich dann nur mit Schwierigkeit in ein feines Pulver verwandeln lassen. Uebrigens ist es ganz gleichgültig, ob diese Körper mit oder ohne Zutritt der Luft geglüht werden, wenn man sie nachher nur stets sein pulverisirt. Es haben zwar einige behauptet, daß dieß einen wesentlichen Unterschied ausmache, und daß die beim Zutritte der Luft geglühten Cemente viel besser seyen, als die in verschlossenen Räumen geglühten; allein sie haben dieselben im ersten Falle ohne Zweifel bloß schwächer geglüht als im zweiten, und auf das Zerreiben der stark geglühten nicht die nöthige Sorgfalt verwendet. Am sorgfältigsten müssen die geschmolzenen oder verglasten Körper zerrieben werden; sie ziehen auch dann in der Regel mit Kalk nur langsam an, geben. aber gar oft viel härtere Producte als die übrigen nicht geschmolzenen.

Auf diesen Proceß hat auch, abgesehen von der Cohärenz der Kieselerde, die chemische Constitution der Silicate einen großen Einfluß, und es kommt viel auf die Quantität und Qualität der Basen an, mit welchen die Kieselerde verbunden ist. Ich mußte daher meinen Versuchen eine große Ausdehnung geben, und dabei insbesondere |278| auf solche Stoffe Rüksicht nehmen, welche am öftesten als Bestandtheile derjenigen Körper vorkommen, die gewöhnlich als Cemente zum hydraulischen Mörtel in Anwendung gebracht werden. Es dürfte auch nicht übersehen werden, daß der Kalk nicht selten mit fremdartigen! Substanzen gemengt ist, wodurch ebenfalls die Resultate modificirt werden können.

Nun will ich die Versuche anführen, welche das bisher Vorgetragene bestätigen, und darüber, wie ich glaube, noch mehr Licht verbreiten werden.

Da die Kieselerde und der Kalk die beiden Hauptfactoren des hydraulischen Mörtels sind, so muß es vor Allem interessiren, das gegenseitige Verhalten dieser beiden Körper auf nassem Wege kennen zu lernen. Das, was ich schon oben von der Cohärenz der Kieselerde gesagt habe, bestätigt sich hier auf eine sehr auffallende Weise, und es zeigt sich deutlich, daß die chemisch zubereitete Kieselerde, wie man sie bei Analysirung der Silicate, oder durch Präcipitation aus dem Kieselkali mit Salmiak nach dem gehörigen Aussüßen und Troknen in Form eines höchst feinen Pulvers erhält, sehr verschieden ist von der des reinen Quarzes oder Bergkrystalles, wenn dieser durch Reiben und Schlammen auch in das feinste Pulver verwandelt worden ist.59) Auf dieses Pulver wirkt der Kalk nicht im Mindesten ein, während er sich mit jener zu einem sehr consistenten Product verbindet, welches mit Salzsäure eine ausgezeichnete Gallerte bildet. Man erhält dasselbe, wenn man einen Theil Kalk mit zwei Theilen Kieselerde gut mengt und die Masse vier bis fünf Wochen lang im Wasser liegen läßt.

Auffallend verschieden von dem Quarz verhält sich der Opal, welcher nichts Anderes als Kieselerde mit etwas Wasser ist, aber eine viel geringere Cohärenz besizt, als der Quarz, und sich daher schon bei gewöhnlicher Temperatur langsam in Kalilauge auflöst.60) Er zieht zwar mit Kalk langsamer unter Wasser an, gibt aber zulezt ein merklich konsistenteres Product als die chemisch präparirte Kieselerde, was ebenfalls die Eigenschaft zu gelatiniren besizt.

Da der Quarz bloß seiner Cohärenz wegen auf nassem Wege so |279| sehr dem Kalk widersteht, so kann man ihm dadurch beikommen, daß man ihn zuerst mit etwas Kalk im Feuer aufschließt, und erst dann, indem man ihm noch etwas Kalk zugesezt, im Wasser behandelt. Auf diese Weise erhielt ich auch wirklich eines der besten Producte dem wenig andere gleich gekommen sind. Ich habe dazu drei Theile fein pulverisirten Quarz und einen Theil Kalk gemengt, und vor dem Gebläse einer so starken Hize ausgesezt, daß die Theile anfingen zusammenzusintern und sich zu verglasen. Diese Masse wurde wieder sehr sein zerrieben, und mit Kalk im Verhältniß = 6 : 1 gemengt und unter Wasser gebracht.

Obwohl sie anfangs nur langsam anzog, so war sie doch nach Verlauf von fünf Monaten so hart geworden, daß sie beinahe dem Marmor gleichkam. Ein anderer Versuch, wobei die Masse keinem so hohen Hizgrade ausgesezt worden war, so daß die Theile nur schwach zusammenballen, hat mir bei weitem kein so gutes Resultat gegeben; denn die Probe war, nachdem sie fünf Monate lang im Wasser gelegen hätte, kaum merklich härter als Gyps (Alabaster).

Der mit Kalk gehörig aufgeschlossene Quarz könnte demnach ein sehr gutes Cement abgeben zur Verfertigung von allerlei Gegenständen der Kunst und der Zierde; denn diese Masse ist weiß, sehr compact und hält sich gut in der Luft, was mit derjenigen, welche die chemisch präparirte Kieselerde gibt, nicht der Fall ist.

Man könnte vielleicht dem Quarz etwas mehr Kalk zusezen, als ich angegeben habe; allein man muß sich doch sehr in Acht nehmen, daß ein gewisses Maß nicht überschritten wird, weil die Kieselerde, wenn sie vor der nassen Cementation zu viel Kalk aufgenommen hat, dann mit diesem im Wasser nicht mehr gut bindet. Dieses bewies mir sehr augenfällig der Wollastonit (Tafelspath), welcher aus 2 Atomen Kieselerde und 1 Atom Kalk besteht.61) Dieses Silicat, dessen Kieselerde schon voraus so aufgeschlossen ist, daß es mit Säuren eine Gallerte bildet, bindet mit Kalk auf nassem Wege gar nicht. Wird es geschmolzen, wodurch die Eigenschaft zu gelatiniren bei demselben noch mehr erhöht wird, so verhalt es sich merklich besser, liefert aber doch kein sehr gutes Product. Die Kieselerde scheint demnach auf nassem Wege nicht gern mehr Kalk aufnehmen zu wollen, als im Wollastonit damit verbunden ist.

Etwas Anderes ist es, wenn ein Theil des Kalkes durch Thonerde ersezt wird. Es kann dann selbst verhältnißmäßig weniger Kieselerde vorhanden seyn, ohne daß der Körper aufhört als Cement zu dienen. Einen Beleg dazu gibt uns unter anderen der Prehnit.

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Dieser enthält in 100 Theilen 44 Kieselerde, 27,2 Kalk, 24,5 Thonerde und 4,3 Wasser, und ist daher beinahe ein neutrales Silicat. Den Säuren widersteht er hartnäkig; wenn er aber stark geglüht oder geschmolzen worden ist, so löst er sich vollkommen in Salzsäure auf und bildet eine Gallerte. Mit Kalk erhärtet er dann stark im Wasser, zieht aber damit fast gar nicht an, wenn er nicht zuvor durchs Feuer gegangen ist. –

Wenn das Verhältniß der Kieselerde größer ist als im Prehnit und ihre Cohärenz einen gewissen Punkt nicht übersteigt, so fällt das Resultat noch günstiger aus, wie mir der Desmin (Stilbit) bewies, welcher auch im ungebrannten Zustande ein gutes Cement abgibt.

Der Feldspath müßte seiner chemischen Constitution gemäß zu den besten Cementen gehören, wenn er kein so cohärenter Körper wäre;62) so aber steht er auf der niedrigsten Stufe. Daß jedoch der Kalk nicht ohne alle Wirkung auf ihn ist, ersah ich daraus, daß er damit doch in Zeit von 10 Monaten beinahe die Consistenz des Gypses angenommen hätte, und mit Salzsäure eine Gallerte bildete, was mich wirklich sehr überraschte. Wird er geschmolzen, so bindet er weit schneller und starker mit Kalk und kann zu den Cementen von mittlerer Güte gerechnet werden. Wollte man ihn noch mehr verbessern, so müßte man ihn wie den Quarz mit etwas Kalk im Feuer aufschließen.

Fast eben so wie der geschmolzene Feldspath verhält sich der Pechstein und der Bimsstein, und da der leztere sich um so wirksamer zeigt, je feiner er zerrieben wird, so widerlegt sich dadurch von selbst die Meinung derjenigen, welche die Porosität der Cemente als vorzüglich wirksam beim Erhärten des hydraulischen Mörtels betrachten.

Das gemeine Glas übertrifft die ebengenannten Körper noch etwas an Güte; es zieht zwar langsam an, gibt aber zulezt ein Product, welches dem Marmor an Harte beinahe gleichkommt. Da jedoch das Glas weder in Hinsicht der Cohärenz noch der chemischen Constitution immer gleich ist, so will ich hiemit nicht behauptet haben, daß jede Sorte das nämliche Resultat geben werde, welches ich erhalten habe.

Da die Thonerde fast von allen denjenigen Körpern, welche beim Bauwesen als Cemente in Anwendung kommen, einen wesentlichen Bestandtheil ausmacht, so mußte ich auf sie ein besonderes Augenmerk richten. Daß sie in beträchtlicher Menge vorhanden seyn kann, ohne |281| zu schaden, ist schon vorhin dargethan worden; aber es ist noch ausfindig zu machen, ob die reine Thonerde mit dem Kalk auf nassem Wege sich chemisch verbinde und damit erhärte, und wie sich die Silicate verhalten, worin sie in sehr großer Menge oder mehr als die Kieselerde angetroffen wird.

Die reine Thonerde geht mit den feuerbeständigen Alkalien auf nassem Wege Verbindungen ein, was allerdings zu dem Schlusse berechtigen kann, daß sie sich auf ähnliche Weise zum Kalk verhalten müsse. Allein ich habe es bis jezt noch nicht so gefunden; wenigstens läßt sich nach meinen bisherigen Erfahrungen mit dieser Erde und dem Kalk kein im Wasser erhärtendes Product darstellen.

Von den wenigen Silicaten, welche die Thonerde vorwaltend über die Kieselerde enthalten, wählte ich den Disthen (Cyanit), welcher aus 1 Atom Kieselerde und 2 Atomen Thonerde besteht. Las unter Wasser gebrachte Gemenge von diesem Minerale und Kalk fand ich nach 4 Monaten noch so weich, wie es anfangs war; ich gab daher nach Verlauf dieser Zeit die Hoffnung auf, mit diesem Körper ein erhärtendes Product zu erhalten. Da jedoch die Cohärenz desselben auch Ursache seines Widerstandes gegen den Kalk auf nassem Wege seyn könnte, so beschloß ich ihn mit etwas Kalk im Feuer aufzuschließen und dann wieder der nassen Cementation zu unterwerfen. Auf 5 Theile Disthen nahm ich 1 Theil Kalk und ließ ein sehr starkes und anhaltendes Feuer darauf wirken. Die Masse kam zusammengebaken aus dem Feuer, und könnte nur mit Mühe zu einem feinen Pulver zerrieben werden. Fünf Theile dieses Pulvers gaben nun mit 1 Theil. Kalk unter Wasser ein Product von mittelmäßiger Consistenz. Daraus geht so viel hervor, daß ein Uebermaß von Thonerde für die nasse Cementation eher etwas nachtheilig als vortheilhaft ist. Uebrigens kommt dieses Verhältniß der Kiesel- und Thonerde ohnehin äußerst selten vor, und in allen den Körpern, welche als Cemente gebraucht werden, waltet mehr oder weniger die Kieselerde vor, und ein solches Gemisch von Kiesel- und Thonerde, worin jene vorwaltet, fand ich immer besser als Kieselerde allein, wenn sie sich auch vollkommen in dem Zustande befindet, daß sie dem Kalk auf nassem Wege zugänglich ist. Dazu gehört vorzüglich der Thon, der Traß, die Puzzolana etc., worüber ich Einiges sagen muß.

Die unter dem Namen Thon begriffenen Mineralsubstanzen sind bekanntlich von sehr verschiedener chemischer Constitution; Kieselerde und Thonerde sind die stets darin sich einfindenden Bestandtheile, und zwar in verschiedenem quantitativen Verhältnisse, jedoch so, daß meines Wissens nie die Thonerde über die Kieselerde vorwaltet. |282| Die leztere überwiegt die erstere manchmal so sehr, daß der Thon bloß als ein feines mit etwas Thonerde verunreinigtes Quarzpulver betrachtet werden kann. Er ist nicht ganz frei von Eisenoxyd und führt nicht selten kohlensauren Kalk und kohlensaures Eisenoxydul etc. mit sich. Es kann daher auch nicht jede Sorte gleich gut zum hydraulischen Mörtel seyn; mir ist aber noch keine unter die Hände gekommen, welche dazu ganz untauglich wäre, oder nicht durch schikliche Behandlung in ein brauchbares Cement hätte verwandelt werden können. Fast aller Thon muß zu diesem Zwek mehr oder weniger stark, mancher selbst bis zur anfangenden Verglasung geglüht werden; und demjenigen, welcher ein großes Uebermaß von Kieselerde enthält und gleichsam ein zermalmter Quarz ist, muß man zugleich etwas Kalk zusezen, um ihn aufzuschließen. Man hat zwar die Ansicht aufgestellt, daß der Thon und andere Silicate, wenn damit Kalk auf trokenem Wege verbunden worden, im Wasser dadurch hart werden, daß sie Krystallisationswasser aufnehmen. Allein diese Ansicht wird dadurch widerlegt, daß von den natürlichen wasserhaltigen Silicaten – den sogenannten Zeolithen – keines nach dem Ausglühen sein Krystallisationswasser wieder aufnimmt, noch weniger unter Wasser hart wird. Hievon überzeugte ich mich durch mehrere Versuche, welche ich mit diesen Mineralien angestellt habe. Es enthält allerdings jeder erhärtete Wassermörtel chemisch gebundenes Wasser, allein dieses wird von ihm stets nur gleichzeitig mit dem Kalk während des Cementations-Processes aufgenommen, worauf sich lediglich das Erhärten gründet. Uebrigens bliebe es bei dieser Ansicht unerklärt, warum für sich (ohne Kalk) gebrannter Thon mit Kalk im Wasser erhärtet, – warum er (so wie auch andere Silicate) nachher mit Säuren eine Gallerte bildet, – warum während des Erhärtens die in den Cementen vorhandenen Alkalien zum Theil freigemacht werden, – warum die mit Kalk oder anderen Vasen bis auf einen gewissen Punkt gesättigte Kieselerde mit Kalk unter Wasser nur noch schwach oder gar nicht mehr anzieht etc.

Es würde zu weitläuftig und von keinem Nuzen seyn, wenn ich von allen den Versuchen sprechen wollte, welche ich mit verschiedenen Sorten von Thon gemacht habe; ich führe daher nur folgende als Beispiele an:

Ein Porcellanthon (Porcellanerde), dessen Bestandtheile bloß Kiesel- und Thonerde waren im Verhältnisse von 14:11, gab, gelinde geglüht, ein vortreffliches Cement, und der damit gebildete hydraulische Mörtel gab mit Salzsäure eine ausgezeichnete Gallerte. Im ungebrannten Zustande erhärtete er mit Kalk nur wenig, erlangte aber doch die Eigenschaft mit Säuren zu gelatiniren.

|283|

Ein sehr fetter und feuerfester Thon, worin sich Kiesel, und Thonerde ungefähr im Verhältnisse = 2 : 1 nebst etwas Eisenoxyd fanden, wurde durch gelindes Glühen in ein Cement von vorzüglicher Güte verwandelt, welches einen hydraulischen Mörtel lieferte, der nach 5 Wochen nur mit Mühe schwache Eindrüke vom Fingernagel annahm. Dieser Mörtel gelatinirte ebenfalls mit Sauren. Es schadete diesem Thon auch nicht, wenn er sehr stark gebrannt wurde.

Eine Sorte von Thon, die viel Eisenoxyd enthielt, und eine gelbe Farbe hätte, mußte bis zur anfangenden Verschlakung geglüht werden, um die Eigenschaft zu erlangen, mit Kalk im Wasser zu binden. Darauf werde ich nachher wieder zurükkommen.

Der Traß und die Puzzolana sind längst als gute Cemente bekannt, und seit undenklichen Zeiten mit Vortheil zum Wasserbau verwendet worden. Zu diesem Zwek hat man sie oft in weit von ihrer Lagerstätte entfernte Gegenden verfahren, weil man glaubte, daß in diesen nichts Aehnliches zu finden wäre. Man hat sie gleichsam für, dem Schöße der Erde entstiegene, Wunderdinge angesehen, und sich, ich weiß nicht was für, sonderbare Vorstellungen von ihrem inneren Wesen gemacht. Gegenwärtig, da wir wissen, woraus diese Körper bestehen, da wir von den Modificationen, welche die Silicate, zu denen sie gehören, im Feuer erleiden, Kenntniß haben, und uns nicht mehr verborgen ist, was beim Erhärten des hydraulischen Mörtels vorgeht, – haben diese natürlichen Feuerproducte auch nichts Räthselhaftes für uns, und wir sind im Stande, sie vollkommen durch andere Körper zu ersezen. Da sie, wie die Thone, denen sie überhaupt sehr ähnlich sind, verschiedene chemische Constitution haben, und nicht auf alle gleich starkes Feuer gewirkt hat, so können sie auch nicht ein ganz gleiches Verhalten zum Kalk haben. Diejenigen, welche lange dem Einfluß der Atmosphärilien ausgesezt waren, konnten auch wieder eine rükgängige Veränderung erlitten, und die ihnen durch das unterirdische Feuer ertheilten Eigenschaften zum Theil wieder verloren haben; diese werden sich daher auch durch Ausglühen als Cemente um Vieles verbessern lassen. Ich habe nicht versäumt, auch mit diesen Körpern Versuche anzustellen, welche mir das bestätigten, was längst von ihnen bekannt ist; und da ich mich über den Proceß des Erhärtens schon hinlänglich erklärt habe, so halte ich es für unnöthig, hier länger zu verweilen.

Ich habe bisher bloß von den Hauptagentien bei diesem Processe gesprochen, und alle anderen Dinge, die dabei noch in's Spiel kommen, außer Acht gelassen; es müssen nun auch noch diese, um feine Lüke zu lassen, zur Sprache gebracht werden. Dazu gehören |284| Eisenoxyd, Titanoxyd, Bittererde, Alkalien, Schwefelsäure, Krystallisationswasser und Kohlensäure.

Ueber das Eisenoxyd als Agens beim hydraulischen Mörtel ist sehr verschieden geurtheilt worden. Einige haben es für die conditio eine qua non betrachtet; Andere Haben es für indifferent oder gar für nachtheilig angesehen. Die Wahrheit liegt in der Mitte, wie ich glaube darthun zu können. Keines der Eisenoxyde – das Oxydul, das Oxyd und Oxyd-Oxydul – wirkt auf nassem Wege chemisch auf die Kieselerde oder den Kalk ein, wie ich mich durch eigens deßhalb angestellte Versuche überzeugt habe. Auf trokenem Wege verbindet sich aber damit die Kieselerde und wird dadurch so aufgeschlossen, daß sie mit Säuren eine Gallerte bildet; und in diesem Zustande habe ich sie auch in manchen Eisenschlaken angetroffen. So ist sie ebenfalls im Lievrit enthalten – nämlich aufgeschlossen durch Eisenoxydul, zum Theil aber auch durch Kalk. Im edlen Granat (Almandin) bewirke das Eisenoxyd nebst einer Portion Thonerde, daß er nach dem Schmelzen für sich in Salzsäure sich vollkommen auflöst und damit gelatinirt, was im gemeinen grünen Granat ebenso der Kalk bewirkt. Hieraus – und wenn man zugleich das oben schon Gesagte in Erwägung zieht – läßt sich leicht beurtheilen, was für eine Rolle das Eisenoxyd im Cemente spielt, und was es für einen Einfluß auf den hydraulischen Kalk haben könne. Es schließt nämlich die Kieselerde auf wie andere Basen, oder hält sie, um mich so auszudrüken, offen, so daß sie dem Kalk auf nassem Wege zugänglich wird. Es darf aber doch ein gewisses Maß nicht übersteigen, und nicht in so großer Menge vorhanden seyn, wie es z.B. im Lievrit enthalten ist, der aus 32,2 Kieselerde, 56,5 Eisenoxydul und 11,3 Kalk besteht. Dieses Silicat gibt auch, wenn es geschmolzen wird, kein gutes Cement ab. Eben dasselbe gilt von den Eisenschlaken, welche sehr viel Eisenoxyd enthalten. Diejenigen aber, worin die Kieselerde vorwaltend ist, sind sehr gute Cemente, besonders wenn sie wenig oder gar keinen Kalk enthalten. Hiebei muß ich erinnern, daß sich die Kieselerde immer lieber mit zwei oder mehreren Basen verbindet, als mit einer, und lieber noch von einer anderen etwas aufnimmt, als von derjenigen, mit welcher sie schon verbunden und bis auf einen gewissen Punkt gesättigt ist. Es ist daher nicht gleichgültig, ob im Cemente mit einer gewissen Quantität Kieselerde ein gewisses Quantum Kalk oder statt desselben ein äquivalenter Antheil Eisenoxyd verbunden ist. Im ersteren Falle wird die Verbindung ein minder gutes Cement abgeben, als im zweiten, wobei jedoch das Quantitätsverhältniß wohl zu berüksichtigen ist. Würde man z.B. dem Kalk des Wollastonits |285| Eisenoxyd substituiren, so würde er ohne Zweifel in ein gutes Cement verwandelt werden.

Sind Eisenoxyd und Thonerde zugleich vorhanden und in einem solchen Verhältnisse, daß die Kieselerde das Uebergewicht über beide bleibt, so ist das Gemisch stets geeignet bei gehöriger Behandlung ein gutes Cement zu geben. Dieses beweisen mir mehrere sehr eisenhaltige Thonsorten und absichtlich gemachte Gemenge von feuerfestem Thone und Eisenoxyd, welche, gehörig gebrannt und mit Kalk angemacht, fast ohne Ausnahme einen hydraulischen Mörtel lieferten, der nichts zu wünschen übrig ließ. – In Betreff der eisenhaltigen Thone ist noch zu bemerken, daß das Eisenoxyd größten Theils nicht chemisch gebunden, sondern bloß eingemengt ist – gewöhnlich als gelbes Hydrat oder zuweilen auch als kohlensaures Oxydul. Wird ein solcher Thon nicht so stark gebrannt, daß nicht wenigstens ein Theil des Eisenoxydes mit der Kieselerde in chemische Verbindung gebracht wird, so gibt er selten ein gutes Cement ab, und ist manchmal als solches gar nicht zu gebrauchen. Dieses trifft besonders dann zu, wenn wenig Thonerde und sehr viel Kieselerde vorhanden ist, wie es gerade bei den sehr eisenhaltigen Thonsorten fast immer der Fall ist. Dergleichen Thone müssen oft bis zur anfangenden Verschlakung geglühet werden, wenn sie mit Kalk im Wasser gut binden sollen. Dabei ändert sich ihre Farbe in's Graue, oder, wenn sie sehr eisenhaltig sind, in's Braune oder Schwarze um, in dem das Eisenoxyd mit der Kieselerde chemisch sich verbindet, und sie ausschließt. Geschieht dieses nicht, so versagt mancher eisenhaltige Thon als Cement seinen Dienst, und man kann leicht auf den Gedanken verfallen, es sey das Eisenoxyd Schuld daran, welches doch gewiß in diesem Falle höchst unschuldig ist.

Die meisten Bauleute rühmen das Pulver von Ziegelsteinen, die gewöhnlich aus sehr eisenhaltigem Thon verfertigt werden, als ein vorzügliches Cement. Ich habe gefunden, daß es manchmal sehr gut, oft aber auch ganz verwerflich ist, besonders wenn es von schlecht gebrannten Ziegeln kommt, da diese nämlichen Ziegel starker gebrannt oder geschmolzen immer ein brauchbares Cement geben. Der Schluß aus Allem, was nun in Betreff des Eisenoxyds gesagt worden ist, ist: daß dasselbe für die nasse Cementation nachtheilig ist, wenn es sich in zu großer Menge im Cemente einfindet, dagegen aber in den meisten Fällen vortheilhaft, wenn es in geringerem Maße vorhanden ist, und daß es sich ganz indifferent verhalt, wenn es bloß einen Gemengtheil des Cementes ausmacht, oder, was auf das Nämliche hinauskommt, wenn es mit dem Kalk hinzukommt. Ebendasselbe gilt auch von dem Manganoxyde.

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Das Titanoxyd findet sich öfters auch unter den Bestandtheilen derjenigen Materialien, welche als Cemente gebraucht werden, und ich habe es sogar in einigem Mergel angetroffen. Daher glaubte ich auch das Verhalten dieses Metalloxydes zum Kalk und einigen Silicaten auf nassem Wege prüfen zu müssen, um nichts unversucht zu lassen, was einen Einfluß auf den Cementationsproceß ausüben oder die Resultate desselben modificiren kann.

Da das Titanoxyd sich mehr wie eine Säure als wie eine Basis verhält und im Sphen (Titanic) mit Kalk und Kieselerde ein Product von bedeutender Cohärenz darstellt, so war vorauszusehen, daß es sowohl mit Kalk allein, als auch mit Kalk und Silicaten consistente Producte geben werde, was auch die damit angestellten Versuche vollkommen bestätigten. Diese wurden damit angefangen, daß ich ein Gemeng von 6 Theilen Titanoxyd mit 2 Theilen Kalk gelinde glühete, dann dasselbe noch mit 1 Theil Kalk versezte und der nassen Cementation unterwarf. Nach Verlauf von 6 Wochen hätte diese Masse eine solche Consistenz erlangt, daß sie nur mit Mühe Eindrüke annahm. Späterhin wurde sie noch etwas härter.

Die Versuche, welche ich hierauf mit Gemengen von Kalk und verschiedenen Thonsorten, denen etwas Titanoxyd beigegeben wurde, machte, gaben alle gute Resultate, und dieses Oxyd schien sich da besonders wirksam zu zeigen, wo nur wenig Thonerde vorhanden war, welche übrigens immer als der wirksamste Nebenbestandtheil der Cemente betrachtet werden muß. Daraus ergibt sich der Schluß: daß die Gegenwart des Titanoxydes in den Cementen nicht nur nicht nachtheilig ist, sondern in manchen Fällen sogar sehr vorteilhaft seyn kann.

Um die Wirkung der Bittererde bei der nassen Cementation gehörig zu beurtheilen, muß man voraus wissen, daß diese Erde eine starke Verwandtschaft zur Kieselerde hat, und höchst wahrscheinlich sogar eine stärkere als der Kalk, daß sie auch von der Thonerde stark angezogen wird, und mit dieser und der Kieselerde sehr innige und schwer zu zersezende Verbindungen bildet; was Alles aus der analytischen Chemie und Mineralogie hinlänglich bekannt ist. Sie läßt sich auch unter den gehörigen Umständen auf nassem Wege mit der Kieselerde in Verbindung bringen. Es entsteht mithin hier die doppelte Frage: wie verhält sich der Kalk zu den bittererdehaltigen Silicaten, und wie der bittererdehaltige Kalk zu den Silicaten überhaupt?

Die bittererdehaltigen Silicate zeigten sich gegen den Kalk auf nassem Wege am allerwiderspenstigsten, und die feinsten Pulver von Diopsid, Tremolit, Talk und Spekstein bekamen mit demselben |287| im Wasser nicht den mindesten Zusammenhang, weder vor noch nach dem Glühen. Daraus zog ich den Schluß, daß der Kalk auf diese Körper darum nicht einwirken könne, weil die Bittererde mit der Kieselerde zu nahe verwandt und zu innig mit ihr verbunden sey. Indessen gab ich doch die Hoffnung nicht auf, dieses Band, um mich so auszudrüken, durch ein heftiges Feuer lokerer zu machen, und somit dem Kalk Eingang zu verschaffen. Dieses gelang mir auch wirklich mit dem Spekstein, den ich vor dem Gebläse einer so starken Hize aussezte, als ich nur hervorzubringen im Stande war. Er verhielt sich mm wie ein gutes Cement, was um so merkwürdiger ist, da er durch das Brennen eine solche Härte erlangt hätte, daß er lebhafte Funken mit dem Stahle gab.63)

Auch der geschmolzene Tremolit, welcher nebst Bittererde auch Kalk enthält, zeigte sich nicht ganz schlecht.64) Es möchten jedoch auf keinem Falle die Silicate, welche viel Bittererde enthalten, als Cemente sehr zu empfehlen seyn, weil ihnen immer schwer beizukommen seyn wird.

Wegen dieses Widerstandes der bittererdehaltigen Silicate gegen den Kalk, ließ sich im Voraus vermuthen, daß, wenn die Bittererde den Silicaten gegenüber gestellt wird, wie es geschieht, wenn zur Cementation bittererdehaltiger Kalk angewendet wird, die Resultate noch besser ausfallen werden, als mit reinem Kalk, und dieses bestätigten mir auch zahlreiche Versuche, welche ich mit gebranntem Dolomit angestellt habe.65) Die meisten Proben zogen schneller an, und viele bekamen eine größere Härte, als mit Kalk, und selbst einiger ungebrannter Thon, namentlich der Porcellanthon, bekamen nach längerer Zeit eine nicht unbedeutende Consistenz. Auch auf das Glas und den ungebrannten Feldspath wirkte der gebrannte Dolomit viel stärker |288| ein, als der Kalk. Die bittererdehaltigen Silicate widerstanden ihm aber eben so hartnäkig wie diesem.

Diejenigen Silicate, welche ein Alkali – Kali, Natron oder Lithion – enthalten, haben außerdem, daß sie, wenn sie gehörig aufgeschlossen sind, in der Regel gute Cemente abgeben, noch ein eigenes sehr merkwürdiges Verhalten bei der nassen Cementation. Wenn nämlich ein solches Silicat diesem Processe unterworfen wird, so wird durch den Kalk ein nicht unbedeutender Theil des Alkali allmählich ausgeschieden und geht in das Wasser über. Der gebrannte Dolomit zeigt sich dabei noch viel wirksamer als der reine Kalk. Dieses in mancher Hinsicht interessante Factum liefert auch noch einen unumstößlichen Beweis, daß der Kalk auf nassem Wege chemisch auf die Kieselerde einzuwirken fähig ist. Das Alkali kommt nicht in den ersten Tagen, sondern immer erst nach einigen Wochen zum Vorschein. Anfangs bildet sich, wie bei jeder anderen Probe, auf der Oberfläche des Wassers ein Kalkrahm. Wenn man diesen nach einiger Zeit entfernt, oder in der Flüssigkeit niederdrükt, so zeigt er sich nicht wieder, und die Flüssigkeit fährt doch fort, alkalisch zu reagiren, was ein sicherer Beweis ist, daß das Wasser schon etwas Alkali aufgenommen hat, womit sich der Kalk im Wasser nicht verträgt. Der Alkaligehalt des Wassers nimmt dann Immer mehr zu, und verräth sich auch sehr deutlich durch den Geschmak, so wie durch Trübung des Kalkwassers. Wie weit es aber geht, und ob alles Alkali auf diese Weise aus den Silicaten ausgeschieden werden kann, habe ich noch nicht untersucht. So viel ist aber gewiß, daß alle, welche ein Alkali enthalten, es mag viel oder wenig seyn, einen Theil davon fahren lassen, und so hat sich mir in manchem Thone die Gegenwart eines Alkali kund gethan, worin ich es vorher gar nicht vermuthet hätte. Auch der Pechstein und Bimsstein, welche nur 2–3 Procent Kali oder Natrum enthalten, ließen es auf diese Weise deutlich wahrnehmen; es vergingen aber beinahe 3 Monate, bis es bemerkbar wurde. Der geschmolzene Feldspath entließ es ebenfalls nur langsam; viel schneller und beträchtlicher entwikelte es sich aus dem Leuzit und vorzüglich aus dem Analzim und Natrolith, welche auch im gebrannten Zustande als Cemente zu gebrauchen wären, wenn sie nicht so selten vorkamen.

Der geschmolzene Lithionglimmer, der auch mit Kalk gut bindet, gab Kali und Lithion zugleich von sich.

Den Alkalien kann man keinen directen Einfluß auf das Erhärten des Wassermörtels zuschreiben, weil sie sich nicht chemisch mit dem Kalk verbinden. Da sie aber die Kieselerde in einem gewissen aufgeschlossenen Zustande erhalten und ihren Plaz allmählich dem Kalk überlassen, |289| so möchte ihre Gegenwart in so fern als vortheilhaft zu betrachten seyn.

Zu den Ingredienzien des hydraulischen Mörtels gesellt sich auch bisweilen Schwefelsäure, indem sie entweder schon mit Kalk vereinigt oder mit anderen Basen – Thonerde, Eisenoxyd etc. – verbunden hinzukömmt, wie es z.B. der Fall ist, wenn man gerösteten Alaunschiefer als Cement anwendet. Auf jeden Fall wird dann Gyps gebildet, wenn er nicht schon vorher vorhanden war, und dieser befördert sehr das Anziehen der Masse. Dieses geschieht auch, wenn man zum Anmachen derselben anstatt des Wassers eine verdünnte Auflösung von Eisenvitriol nimmt; und ich glaubte früher, daß man dieses mit großem Vortheil thun könne. Allein später habe ich mich überzeugt, daß kein Gewinn dabei ist, indem ich fand, daß der hydraulische Mörtel durch dieses Mittel selten eine beträchtliche Härte erlangt, und gewöhnlich in der Folge wieder nachläßt und weicher wird.

Als Agentien beim Erhärten des hydraulischen Mörtels kommt auch noch das Wasser und die Kohlensäure in Betrachtung. Das Wasser ist für's Erste das Medium, in welchem der Proceß vorgeht. Wird es entfernt, und dringt die Luft zwischen die Theile der Masse, so tritt Stillstand ein. Das Wasser ertheilt auch den Theilen einen gewissen Grad von Geschmeidigkeit, wodurch einiger Maßen der Zustand der Flüssigkeit ersezt wird, in welchem sonst gewöhnlich nur der chemische Proceß Statt findet. Anfangs entzieht es immer der Masse etwas Kalk, und es entsteht Kalkwasser und Kalkrahm; und dieses dauert um so langer, je schwacher und langsamer das Cement und der Kalk auf einander wirken. Solche Massen zerfallen auch manchmal ganz im Wasser, was leicht auf den Gedanken bringen kann, daß man es mit einem unwirksamen Cement zu thun habe, wenn es auch wirklich ein gutes ist. Dieses geschieht am öftesten bei verglasten Cementen, die stets langsam anziehen, besonders wenn sie nicht sehr sein pulverisirt sind, und ihnen zu viel Kalk beigesezt worden ist. Las Wasser dringt dann, vom Kalke angezogen, in die Masse ein verwandelt ihn in einen dünnen Brei, bringt ihn außer die Anziehungssphäre der Theile des Cementes, und so kann der chemische Proceß gar nicht beginnen. Dieses findet noch um so mehr Statt, wenn der Kalk noch nicht vollkommen gelöscht war.

Während sich der Kalk mit dem Cemente verbindet, wird auch ein Theil des Wassers in den festen Zustand versezt, und es entsteht gleichsam eine zeolithartige Zusammensezung, und das Wasser ist mithin als Krystallisationswasser auch ein Ingredienz des hydraulischen Mörtels. Man kann sich davon leicht überzeugen, wenn man einen alten hydraulischen Mörtel, nachdem er gut ausgetroknet |290| worden, in einer Retorte bis zum Glühen erhizt; es kommt dabei stets eine nicht unbedeutende Quantität Wassers zum Vorschein. Die Menge des Krystallisationswassers ist verschieden nach der verschiedenen chemischen Constitution des Mörtels, hängt aber auch zum Theil von seiner Dichtigkeit so wie von der Dichtigkeit und Cohärenz des Cementes ab. Die mit verglasten Cementen bereiteten Mörtelsorten, welche die dichtesten und schwersten sind, enthalten in der Regel das wenigste Krystallisationswasser.

Da der Kalk sich nie sehr schnell mit dem Cemente vereiniget, so findet er auch leicht Gelegenheit, Kohlensäure anzuziehen, was besonders dann geschieht, wenn das Wasser oft gewechselt wird. Es gesellt sich somit zum Silicat auch Kalkcarbonat, welches leztere oft ziemlich tief in das Innere der Masse eindringt, besonders wenn sie nur langsam anzieht. Das Aeußere bekommt dadurch in kürzerer Zeit eine größere Consistenz als das Innere, was den Vortheil gewährt, daß das Wasser nicht weiter störend auf das Innere einwirken kann, und Kalk und Cement dort ihre gegenseitige Thätigkeit ruhig fortsezen können. Nimmt man nach einiger Zeit – nach 6 bis 8 Monaten – die äußere Kruste weg, und bringt die Masse wieder in's Wasser, so entsteht gewöhnlich von Neuem wieder Kalkwasser, zum Beweise, daß noch freier Kalk vorhanden, und der Proceß noch nicht beendigt ist. – Diese Bildung von basischem Kalkcarbonat findet auch Statt, wenn man den Kalkstein in mäßiger Rothglühhize brennt, wobei er ungefähr nur die Hälfte seiner Kohlensäure verliert, oder wenn man Aezkalk zwischen Kohlen eine Zeit lang gelinde glüht, wobei er nahe halb so viel Kohlensäure auf: nimmt. Wird dieses pulverisirt und mit Wasser angemacht, so zieht es fast ebenso an wie der gebrannte Gyps, indem sich eine eigene Verbindung von Kalkcarbonat und Kalkhydrat darstellt. Befindet sich dieses basische Carbonat in einer hydraulischen Masse, wie es bei schwach gebranntem Mergel gar oft der Fall ist, so bewirke es, daß diese bei weitem schneller anzieht, als sie sonst anzuziehen pflegt. In diesem Falle hat man zwei Acte wohl zu unterscheiden, den ersten eben genannten und den darauf folgenden, nämlich den Act der Silicatbildung oder Cementation, wobei sich der Kalk des Hydrates allmählich mit der Kieselerde vereinigt, und erst der eigentliche hydraulische Mörtel entsteht, von welchem das vorhandene Kalkcarbonat eingehüllt wird.

Hr. Vicat hat behauptet, daß der in der Luft zerfallene Kalk hydraulische Eigenschaften besize; allein die Versuche, welche ich damit angestellt habe, haben mir das Gegentheil bewiesen, was auch nicht auffallen kann, wenn man weiß, was beim Zerfallen des Kalkes |291| vorgeht, und was für eine chemische Constitution er hat, wenn er längere Zeit in einem trokenen Orte der Luft ausgesezt war. Der Kalk zieht nämlich aus der Luft Kohlensäure und Wasser zugleich an, was anfangs ziemlich rasch von Statten geht, dann aber immer abnimmt, bis endlich Stillstand eintritt. Untersucht man ihn in diesem Zustande, so findet man ihn zusammengesezt aus Kalk-Hydrat und Kalkcarbonat, was in trokener Luft keine weitere Veränderung erleidet. Daß dieser Körper mit Wasser nicht mehr binden kann, scheint mir eben so begreiflich zu seyn, als es klar ist, daß der gebrannte Gyps seine bindende Kraft verloren haben muß, wenn er sein Krystallisationswasser aus der Luft wieder angezogen hat.

Hier muß ich noch bemerken, daß man das Zusammenbaken pulverförmiger Körper unter Wasser, wobei das Ganze bloß durch Annäherung und Adhäsion der Theile eine gewisse Consistenz bekommt, wie es z.B. bei der Kreide der Fäll ist, nicht verwechseln darf, mit dem eigentlichen Anziehen, wobei die Theile durch chemische Verwandtschaft und Cohäsion vereinigt werden. Dieses scheint Hr. Vicat überhaupt nicht gehörig beachtet und unterschieden zu haben.

Uebrigens kann die Kohlensäure auch zersezend auf den hydraulischen Mörtel einwirken, und das vorzüglich dann, wenn ein sehr lokeres Cement dazu genommen worden ist, womit sich selten ein sehr cohärentes Product bildet, wie es z.B. der Fall ist, wenn man sehr feine und lokere chemisch präparirte Kieselerde als Cement anwendet. Die Kohlensäure bemächtigt sich allmählich des Kalkes und die Kieselerde wird ausgeschieden, und somit der Zusammenhang ganz aufgehoben, wie es mit dem unter dem Namen Laumonit bekannten Mineral geschieht, wenn es der Luft ausgesezt wird. Auch bei dem hydraulischen Mörtel erfolgt diese Zersezung gewöhnlich nur in der Luft, weßwegen man dazu auch nur compacte Cemente wählen soll, wenn er mit der Zeit in die Luft kommen soll.

Ich glaube mich nun hinlänglich über das verbreitet zu haben, was beim Erhärten des hydraulischen Mörtels vorgeht, und was darauf einen näheren oder entfernteren Einfluß hat. Es hat sich dabei ergeben, daß nur solche Körper als Cemente dienen, welche eine beträchtliche Quantität von Kieselerde enthalten, übrigens aber sehr verschiedenartig seyn können.66) Wenn man also einen Körper als Cement |292| gebrauchen will, so muß man vor Allem überzeugt seyn, daß er zu den Silicaten gehört. Aeußere oder physische Charaktere lassen sich im Allgemeinen dafür nicht angeben, weil sehr heterogene Silicate als Cemente dienen können. Man muß eben die einzelnen Silicate kennen und wissen, wie sie sich auf nassem Wege verhalten, und wenn man es mit einem Gemenge zu thun hat, so wird man sein Verhalten ziemlich richtig nach seinen Gemengtheilen beurtheilen können. Der Basalt z.B. ist ein feines Gemenge von Augit, einer Art Feldspath und Magneteisenstein. Daraus läßt sich schließen, daß er nur dann ein gutes Cement abgeben könne, wenn er zuvor einer starken Glühhize ausgesezt und das Eisenoxyd mit den beiden anderen Gemengtheilen in chemische Verbindung gebracht worden ist.

Deßhalb glaube ich dieser Sache auch dadurch einigen Dienst erwiesen zu haben, daß ich das Verhalten mehrerer Silicate zum Kalk kennen gelehrt habe; und ich darf nicht fürchten getadelt zu werden, weil ich zu meinen Versuchen auch solche gewählt habe, welche nur sparsam in der Natur vorkommen. Dieses war nothwendig, um die Theorie zu begründen, und die Umstände kennen zu lernen, welche dieselbe modificiren. Ist das Mischungsverhältnis eines Körpers constant, und ist sein Verhalten ein Mal ausgemittelt, so weiß man auch, daß es für alle Mal das nämliche ist, wenn die Umstände die nämlichen sind. Anders ist es bei denjenigen Körpern, welche unbestimmt gemischt67) oder gemengt sind. Diese müssen, wenn man wissen will, ob sie als Cemente zu gebrauchen sind, stets untersucht und unter verschiedenen Umständen – vor und nach dem Glühen oder Schmelzen – der Cementation unterworfen werden, wie ich oben schon angegeben habe. Hiebei muß ich noch ein Mal erinnern, daß man sich die Mühe ja nicht verdrießen lasse, die Körper so fein als möglich zu zerreiben, besonders die geschmolzenen. Will man etwas schneller zum Ziele gelangen, so seze man die Proben einer Temperatur von 30° – 40° R. aus. Wenn sie ein Mal angezogen haben, so kann man sie auch noch stärker erwärmen, und dadurch den Proceß der Cementation noch mehr beschleunigen.

Nach Hrn. Vicat sollen kräftige Cemente aus dem Kalkwasser den Kalk abscheiden und absorbiren. Dieses hat sich mir nur bei der chemisch präparirten Kieselerde bewährt und besonders dann, wenn ich sie im schleimartigen Zustande anwendete.

Sehr vorteilhaft ist es immer, wenn man die chemische Constitution |293| des Körpers kennt, mit dem man zu thun hat; allein ich würde mich, wenn ich von der Ausmittelung derselben sprechen wollte, zu weit von meinem Gegenstande entfernen. Jedoch kann ich nicht umhin ein leichtes und einfaches Verfahren anzugeben, den Bittererdegehalt ausfindig zu machen, weil die bittererdehaltigen Silicate es vorzüglich sind, welche der Einwirkung des Kalkes am hartnäkigsten widerstehen, und es daher, wenn man einen widerspenstigen Körper vor sich hat, interessiren muß zu wissen, ob er Bittererde enthält, um ihn, falls es so ist, auf eine angemessene Weise behandeln zu können. Das bittererdehaltige Silicat wird fein pulverisirt, ein Theil davon mit sechs Theilen saurem schwefelsaurem Kali gut gemengt, und in einem geräumigen Platintiegel 1–1 1/2 Stunden bei mäßigem Feuer im Flusse erhalten, bis sich keine schwefelsauren Dampfe mehr entwikeln. Die geschmolzene Masse wird mit einer reichlichen Menge kochenden Wassers behandelt und filtrirt. In der Auflösung befindet sich alle Bittererde (bisweilen mit etwas Eisenoxyd und Kalk), und sie kann daraus mit kohlensaurem Kali in der Siedhize präcipitirt werden.

Ich muß nun noch von einem Körper sprechen, welcher oft sehr geeignet ist zum hydraulischen Mörtel. Dieses ist der Mergel, welcher auch von Einigen hydraulischer Kalk genannt wird.

Der Mergel ist ein Gemenge von kohlensaurem Kalk und Thon, führt aber auch öfters kleine Quarzkörner, Glimmerschuppen, kohlensaures Eisenoxydul etc. mit sich, und ist fast nie ganz frei von kohlensaurer Bittererde. Er ist, abgesehen von den seltenen in ihm vorkommenden Substanzen, sehr verschieden in Hinsicht des Thongehaltes und der physischen und chemischen Beschaffenheit des Thones. Den Thongehalt erfahrt man, wenn man den Kalk mit verdünnter Salzsäure auszieht, den Rükstand, welcher der Thon ist, gut ausfüßt, und wenn er scharf ausgetroknet oder schwach geglüht worden ist, sein Gewicht bestimmt. Das Wenige, was sich von Thonerde und Eisenoxyd bisweilen in Salzsäure auflöst, kommt hier nicht in Anschlag. Der Thon des Mergels mag wie immer beschaffen seyn, so enthält er nach dem, was ich darüber erfahren habe, immer so viel Kieselerde, daß er als Cement dienen kann; ja manchmal ist er fast nichts als feines Quarzpulver. Cement und Kalk sind also hier schon zugleich vorhanden. Wird der Mergel gebrannt, so verbindet sich der Kalk zum Theil mit dem Thon, und wenn er nachher mir Salzsäure behandelt wird, so bildet er eine Gallerte. Im starken Feuer verschlakt oder verglast er sich mehr oder weniger leicht. Die Beschaffenheit des gebrannten Mergels und sein Verhalten zum Wasser kann sehr verschieden seyn; er modificirt sich nach dem verschiedenen Thongehalt, nach dem verschiedenen quantitativen Verhältnisse der Kiesel- |294| und Thonerde im Thone, und darnach, je nachdem der Thon gröber oder feiner, cohärenter oder minder cohärent, inniger oder weniger innig mit dem kohlensauren Kalk gemengt ist. Einen vorzüglichen Einfluß hat darauf die Stärke und Dauer der Hize, welcher der Mergel beim Brennen ausgesezt wird. Derselbe Mergel kann darnach sehr verschiedene Resultate geben, indem sich mehr oder weniger Kalt auf trokenem Wege mit dem Thone chemisch verbindet, der Kalk seine Kohlensäure völlig oder nur zum Theil verliert, und ein basisches Kalkcarbonat sich bildet, welches auch die Eigenschaft besizt, im Wasser für sich eine gewisse Consistenz anzunehmen. Daß auch andere Substanzen – Eisenoxyd, Bittererde etc. – das Resultat merklich abändern können, wenn sie in bedeutender Menge im Mergel vorhanden sind, versteht sich von selbst.

Aus allem dem geht hervor, daß sich über die Güte und Tauglichkeit des Mergels zum hydraulischen Mörtel überhaupt wenig sagen läßt, und daß man keine allgemeinen Regeln aufstellen kann, wie er zu diesem Zweke im Feuer zu behandeln sey. Man muß sich eben mit der zu Gebote stehenden Sorte durch mehrere Versuche vertraut machen, wobei es immer gut ist, wenn man weiß, was er enthält, und in welchem Verhältnisse die verschiedenartigen Substanzen darin zu einander stehen. Ich will nur Weniges noch darüber sagen.

Wenn der Mergel nur 18–20 Procent Thon enthält, und so gebrannt wird, daß er alle, oder fast alle Kohlensäure verliert, so bleibt stets so viel freier Kalk übrig, daß er sich mit Wasser gut löscht. Er bildet aber bei weitem keinen so zarten und voluminösen Brei, wie der reine (fette) Kalk, und erhärtet für sich ziemlich gut unter Wasser. Man kann ihm auch noch etwas Cement zusezen, und ich fand, daß das Erhärten dann fast immer besser von Statten ging. Einen Zusaz von Cement fordert er besonders dann, wenn der Thongehalt geringer, oder wenn er bloß ein sogenannter magerer Kalk ist. Steigt der Thongehalt auf 25–30 Procent, so erwärmt er sich nur mehr oder weniger mit Wasser, zerklüftet sich und zerfallt bloß in Stüke und muß daher pulverisirt werden, wenn man ihn zum Mörtel gebrauchen will. Er zieht oft sehr schnell und stark an, und gibt ein gutes Product. Erhebt sich der Thon bis auf 40 Procent und darüber, und wird er stark und anhaltend gebrannt, so wird fast aller Kalk vom Thon verschlukt, und er erhärtet nur dann mehr oder weniger gut unter Wasser, wenn ihm etwas Kalk beigegeben wird. Durch mäßigen und nicht zu lange andauernden Brand haben mir oft dergleichen Mergelsorten Producte gegeben, welche, nachdem sie pulverisirt und mit Wasser angemacht worden, für sich sehr gut erhärteten, und vortrefflichen hydraulischen Mörtel abgaben. Merkwürdig |295| war mir besonders eine Sorte, welche 33 Procent sehr groben Thones hatte, und worin sich auch kleine Glimmerschuppen wahrnehmen ließen. Im raschen Feuer kurze Zeit gebrannt, löschte er sich größten Theils ziemlich gut mit Wasser und gab für sich einen guten hydraulischen Mörtel, weil sich wegen der kurzen Dauer des Brandes nur wenig Kalk mit dem Thone vereinigen konnte; starker und länger gebrannt, so daß er anfing sich zu verschlaken, konnte er nur mehr wie ein Cement gebraucht werden, indem er nur mit Kalk wieder einen guten Mörtel bildete. Dieser so wie mancher andere mit Mergel bereitete Mörtel sezte Kali an das Wasser ab, zum Beweise daß der Thon des Mergels manchmal dieses Alkali, bisweilen vielleicht auch Natrum enthält. Der hydraulische Mörtel aus Mergel wird in der Regel sehr compact und hält sich immer sehr gut, wenn er nach dem Erhärten im Wasser der Luft ausgesezt wird; er verdient daher vorzüglich berüksichtigt zu werden.

In Ermangelung des Mergels kann man sich auch durch Vermengung von Thon und Kalk oder Kreide und gehöriges Brennen dieses Gemenges (künstlichen Mergel) einen sehr guten hydraulischen Mörtel verschaffen, wie zuerst die HH. John und Vicat 68) gezeigt haben.

Hr. Vicat rühmt dieses Verfahren sehr, und es wird in Frankreich nach seiner Angabe sehr viel hydraulischer Mörtel auf diese Art im Großen bereitet. Dagegen läßt sich nichts einwenden; es möchte aber doch nur dann nothwendig seyn, so zu verfahren, wenn der zu Gebote stehende Thon, für sich gebrannt, kein gutes Cement abgibt, sondern zuvor durch Kalk im Feuer aufgeschlossen werden muß.

Der auf was immer für eine Weise dargestellte hydraulische Mörtel |296| verträgt auch einen ziemlich großen Zusaz von Sand (Kalk-, Quarz- oder Feldspathsand), wodurch nicht nur bezwekt wird, daß man mit der hydraulischen Masse viel weiter reicht, sondern auch daß dieselbe dem Froste viel besser widersteht, was ein wohl zu beachtender Umstand ist. Keine der Proben, welche ich mit Sand gemengt habe, (ich habe von züglich den Kalksand dazu geeignet gefunden), bekam Risse, wenn ich sie im Wasser einfrieren ließ, während mehrere andere, denen kein Sand beigemengt worden war, nach verschiedenen Richtungen zerklüftet wurden.

Geschrieben den 2. December 1830.

|275|

Man könnte vielleicht auch annehmen, daß die Kieselerde im Feuer eine ähnliche Veränderung erleide, wie die Phosphorsäure, welche in Pyrophosphorsäure umgewandelt wird.

Anmerk. d. Verf.

|278|

Der Unterschied zwischen der chemisch präparirten Kieselerde und im Quarzpulver gibt sich auch dadurch kund, das jene nach dem Ausglühen schnell 18–20 Procent Wasser aus der Luft anzieht, dieses aber keines aufnimmt; – ferner daß jene sich schon bei der gewöhnlichen Temperatur in Kali auflöst, dieses zuvor damit geschmolzen werden muß. Anmerk. d. Verf.

|278|

Siehe die geistreiche Abhandlung des Hrn. Verfassers über den Opal und den Zustand der Gestaltlosigkeit (Amorphismus) fester Körper in Schweigger-Seidel neuem Jahrb. der Chem. und Ph. Bd. VII. Heft 7 und 8 S. 418–434; oder in den bayerischen Annalen 1833 No. 51, S. 345–351.

Anmerk. d. Uebers.

|279|

Procentgehalt = Kieselerde 52, Kalkerde 48.

|280|

Er wird selbst von der Schwefelsäure in der Siedhize nicht merklich angegriffen.

Anmerk. d. Verf.

|287|

Härte und chemische Cohärenz halten nicht immer gleichen Schritt, und müssen daher wohl unterschieden werden. Ich habe Trümmer von alten Glashäfen gesehen, welche fast so hart waren wie Feuerstein, und den Sauren, selbst den vegetabilischen nicht widerstanden.

Anmerk. d. Verf.

|287|

Ein merklich besseres Resultat hat die geschmolzene Hornblende gegeben.

Anmerk. d. Verf.

|287|

Zu dem Bittererde- und Kalk-Carbonat (Dolomit, Bitterkalk) gesellt sich auch oft Mangan und Eisenoxydul-Carbonat mehr oder weniger, und dieses Gemisch wird von den Mineralogen Braunspath genannt. Dieses Gestein war es ohne Zweifel, was Bergmann zum hydraulischen Mörtel empfohlen hat. Allein ohne Cement kann es doch keinen solchen Mörtel geben, wohl aber einen sehr guten gewöhnlichen Mörtel, wie ihn auch der reine Dolomit gibt, wenn er durch starkes Brennen seiner Kohlensäure völlig beraubt worden. Er löscht sich dann mit Wasser fast eben so gut, als der reine Kalk und verwandelt sich in einen eben so feinen und fetten Brei wie dieser. Diejenigen haben daher sehr Unrecht, welche meinen, daß die Bittererde den Kalk mager mache, oder gar den Thon beim hydraulischen Mörtel ersezen könne.

Anmerk. d. Verf.

|291|

Außer den schon angeführten Körpern können zu (Zementen benuzt werden verschiedene Abfälle in Gewerben und Haushaltungen, als: zerbrochene und durch Verschlakung zum gewöhnlichen Zwek unbrauchbar gewordene Ziegelsteine, Scherben von Glas und Töpfergeschirren, Steinkohlenasche, Torfasche, ausgelaugte |292| Holzasche etc. Dabei ist aber immer wohl zu bedenken, daß dergleichen Substanzen, welche gleiche Namen führen, gar oft nicht von gleicher Qualität sind, und daher nicht immer gleiche Dienste leisten können. Anmerk. d. Verf.

|292|

So lange man sich nur mit solchen und nicht mit Körpern von bestimmter und konstanter Mischung beschäftigte, konnte man auch nicht in's Reine kommen.

Anmerk. d. Verf.

|295|

Der französische Ingenieur en chef Hr. Vicat hat überhaupt über den Mörtel sehr viele lehrreiche Versuche angestellt, und darüber sehr werthvolle Erfahrungen gemacht, die ihm einen großen Ruf verschafften, den er auch vollkommen verdient. Allein es hat ihm nicht geglükt, eine Theorie über das Erhärten des Wassermörtels aufzustellen, welche die Bahn, die er übrigens mit so vielem Glük betreten hat, erleuchtet hatte. Wir dürfen uns daher nicht wundern, wenn wir ihn manchmal auf Irrwegen antreffen. Es ist, indem ich dieses bemerke, nicht meine Absicht, die Verdienste des Hrn. Vicat, welche kaum Jemand höher achten wird als ich, herabzusezen, sondern ich sage es nur, um den vorlauten Aeußerungen derjenigen zu begegnen, welche behaupten, durch Hrn. Vicat sey in Betreff dieser Materie schon langst Alles erschöpft worden, und nichts mehr zu entdeken übrig geblieben, wonach also meine Arbeit ganz überflüssig wäre, indem ich nichts Neues mehr zu Tage fördern könnte. Dieses wird gewiß Hr. Vicat selbst nicht behaupten, der in seinem neueren Werke: Resumé sur les mortiers et ciments calcaires pag. 131 sagt: Nous pensons avec M. Girard, qu'il est impossible de méconnaître une action chimique dans la solidification des ciments: mais nous pensons aussi, que la question, qui a pour objet de déterminer comment et entre quels principes s'opère particulièrement cette combinaison, est encore é résoudre.

Anmerk. d. Verf.

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