Titel: Ueber eine neue Art von Schlichte für die Weber.
Autor: Perrochel, Max
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XCV . (S. 451–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/ar049095

XCV. Ueber eine neue Art von Schlichte für die Weber. Von Hrn. Grafen v. Perrochel.97)}

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. April 1833, S. 115.

Man läßt 6 Unzen Leinsamen, von welcher Beschaffenheit derselbe seyn mag, zehn Minuten lang in 3 Liter Wasser kochen, und preßt die Abkochung durch ein starkes und dichtes Tuch, so daß die Samen allein in dem Tuche zurükbleiben. Dann rührt man 14 Unzen Weizenmehl mit einem Liter Wasser an, so daß dasselbe einen diken Brei bildet, den man in die eben beschriebene Leinsamenabkochung gießt. Dieses Gemisch läßt man auf einem gelinden Feuer gehörig kochen.

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Will man das Leinsamenmark anwenden, so muß man dasselbe vorher pulvern; denn ohne diese Vorsichtsmaßregel wird der schleimige Theil des Rükstandes nur sehr unvollkommen ausgezogen.

7 Pfunde dieser Schlichte reichen hin, um ein Stük feine Leinwand von 60 Ellen zu schlichten, wozu man sonst 9 Pfunde gewöhnlicher Schlichte, deren Preis viel höher käme, nöthig hätte.

Einer der größten Vortheile dieser Schlichte besteht aber darin, daß der Weber, der sich derselben bedient, ohne den geringsten Nachtheil für sein Fabrikat bei keiner Temperatur in den feuchten und ungesunden Kellern zu arbeiten braucht, wie dieß sonst geschehen mußte.

Zehn Fabrikanten zu Mans haben sich dieser Schlichte an Ketten von Baumwolle, Flachs und Hanf bedient, und das Resultat ihrer Versuche ist: 1) daß sich dieselbe wie ein Schleim auf der Kette auftragen läßt, und derselben mehr Geschmeidigkeit, Stärke und Elasticität mittheilt, als die gewöhnliche aus Mehl bestehende Schlichte; 2) daß der Kern der Leinwand eben deßwegen, weil er weniger mit Schlichte bedekt ist, hervorspringender, reiner und schöner erscheint; 3) daß sie nie jene bräunliche Färbung bemerken läßt, die man an den rohen Leinwänden so oft sieht, und daß sie auch den Durchgang der Faden zwischen den Weberkämmen begünstigt, ohne daß diese lezteren dadurch beschmiert würden; 4) daß jede Schlichtung weniger Schlichte verzehrt, ihre Frische länger erhält, und selbst noch 2 Tage später verwebt werden kann; 5) endlich, daß sie sich länger hält, ohne zu verderben.

Hr. Payen erstattete im Bulletin de la Société d'encouragement einen sehr günstigen Bericht über diesen Aufsaz des Hrn. Grafen v. Perrochel, der durch seine Erfindung der Gegend, in der er wohnt, und welche jährlich eine große Menge schöner Leinwand erzeugt, einen wesentlichen Dienst geleistet hat. Dieser Bericht enthält jedoch nichts Neues, und verweist bloß noch auf die Schlichte des Hrn. Morin, über die wir bereits im Polyt. Journ. Bd. XLI. S. 114 das Gehörige gesagt haben. Die Perrochel'sche Schlichte verdient bei übrigens gleicher Güte hauptsächlich deßwegen den Vorzug vor der Morinschen, weil der Leinsamen, der zu ihrer Bereitung genommen wird, überall leichter und viel wohlfeiler zu haben ist, als das isländische Moos, aus welchem die Morin'sche Schlichte besteht.

A. d. Ueb.

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