Titel: Ueber die Bereitung des Kastanien-Kaffee's.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XVII./Miszelle 23 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/mi049017_23

Ueber die Bereitung des Kastanien-Kaffee's.

Da sich der Gebrauch des Kastanien-Kaffee's in Frankreich immer mehr und mehr verbreitet, so dürfte es vielleicht manchem unserer Leser nicht unangenehm seyn, Einiges über die dortige Bereitung desselben zu erfahren, wenn auch hieraus nur hervorgeht, daß dieser Kaffee den sächsischen, preußischen und überhaupt norddeutschen Kaffee-Machwerken ganz ähnlich ist. Dieser sogenannte Kaffee wird nämlich aus Runkelrüben, Kastanien und Olivenöhl bereitet. Man nimmt gute und sauber gereinigte Runkelrüben, schneidet sie klein würfelig und troknet sie im Ofen. Ebenso nimmt man reife, unverdorbene Kastanien, schält sie ab, schneidet sie klein würfelig und troknet sie. Das Oehl muß sehr gut und sehr frisch seyn, und darf durchaus keinen Nachgeschmak haben. Man nimmt nun von den getrokneten Runkelrüben ein Pfund und erhizt sie in einem kupfernen Beken über einem mäßigen Feuer und unter beständigem Umrühren bis auf einen hohen Grad, so jedoch, daß sie nicht verkohlt werden; dann gießt man drei Quentchen Olivenöhl darauf, läßt sie noch 5 Minuten lang unter Umrühren auf dem Feuer, und mischt sie endlich mit einer Unze getrokneter Kastanien, womit man sie ganz nach Art des wahren Kaffee's röstet. Dieses Rösten erfordert jedoch sowohl in Hinsicht auf den Grad der Hize, als in Hinsicht auf die Dauer viele Sorgfalt; es darf anfangs nicht zu rasch betrieben werden, sondern unter beständiger Aufmerksamkeit auf Farbe und Geruch der zu röstenden Substanzen. Sobald der unangenehme Geruch der Runkelrüben nicht mehr bemerklich ist, sobald sich dafür der angenehme Geruch der Kastanien zu erkennen gibt, und sobald das ganze Gemenge eine dunkelbraune Farbe angenommen hat, soll man die Operation beendigen. Thut man dieß zu früh, so erhält der sogenannte Kaffee einen faden Geschmak, an welchem der Runkelrübengeschmak vorschlägt; röstet man die Masse hingegen zu lange, so wird das Arom der Kastanien verflüchtigt und der Kaffee wird bitter. Der geröstete Kaffee muß alsogleich, wie er abgekühlt ist, gemahlen und dann in gut verschlossenen irdenen Gefäßen aufbewahrt werden; er verliert aber selbst bei dieser Vorsicht mit der Länge der Zeit mehr an Güte. (Aus dem Journal des connaissances usuelles. April 1833, S. 213.)

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