Titel: Seidenraupen-Koth als Viehfutter empfohlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XVII./Miszelle 29 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/mi049017_29

Seidenraupen-Koth als Viehfutter empfohlen.

Ein Correspondent des Journal des connaissances usuelles hat im Maihefte dieser Zeitschrift auf die bekannte Thatsache aufmerksam gemacht, daß sowohl die Ziegen und Schafe, als auch das Rindvieh nicht leicht nach einer Nahrung gieriger sind, als nach den Abfällen, die sich bei der Seidenzucht ergeben, und welche bekanntlich aus angefressenen Maulbeerblättern und Raupenkoth bestehen. „Nur mit Mühe und Gewalt, sagt er, kann man im südlichen Frankreich die Schafe von dem Orte wegtreiben, an welchem diese Abfälle gewöhnlich aufbewahrt werden, und gibt man ihnen davon, so fressen sie selbst dann noch mit dem größten Behagen und ohne alle üblen Folgen, wenn diese Abfälle bereits einen so üblen Geruch verbreiten, daß Jedermann deren Nähe meidet.“ Diese Beobachtungen brachten nun den erwähnten Correspondenten auf die Idee, den Raupenkoth und die Blätter-Ueberreste, welche bisher nur als eines der kräftigsten Düngmittel bekannt waren, als Viehfutter zu benuzen, an welchem besonders in manchen südlichen Gegenden nicht selten Mangel ist. Das Verfahren, welches er hiebei anräth, ist folgendes: Man soll die Abfälle an der Sonne troknen, und die noch darunter befindlichen Raupen, welche durch ihre Fäulniß schaden würden, entfernen; dann soll man den eigentlichen Raupenkoth mittelst eines Siebes von den Blätter-Abfällen scheiden, und erstere in Sake eingepreßt, leztere hingegen in alten Fässern für den Winter aufbewahren. Von dem Raupenkothe soll man einem in Mästung stehenden Ochsen statt des Getreides Morgens und Abends einen bis zwei Liter geben; Schafe und Hammel erhalten natürlich eine verhältnismäßig geringere Portion. Die Blätter-Abfälle kann man als Heu verfüttern, jedoch immer in geringerer Menge, als dieses, da sie in geringer Menge schon ein sehr kräftiges Nahrungsmittel abgeben. – (Wir glauben nicht, daß die Seidenraupenzucht bei uns so bald solche Fortschritte machen wird, daß der Raupenkoth eine andere Benuzung, als jene auf Dünger zuläßt. Gesezt aber auch, wir kämen bald in diese glükliche Lage, so glauben wir doch vor dem Verfüttern dieses Kothes so lange warnen zu müssen, bis durch hinlängliche Versuche erwiesen ist, daß diese Art von Futter den Thieren auch durchaus keine Nachtheile bringt. Wir können uns nämlich, wenn wir die Sache der Analogie mit anderen ähnlichen Fällen nach beurtheilen, durchaus nicht der Sorge erwehren, daß eine solche Nahrung die Thiere vielleicht zu manchen Krankheiten und besonders zum Umsichgreifen mancher Seuchen geneigter machen könne und müsse.)

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