Titel: Nachrichten über den Dampfwagen, welchen Hr. Dietz, der Vater, zu Brüssel erbaute.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XVII./Miszelle 6 (S. 70–71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/mi049017_6

Nachrichten über den Dampfwagen, welchen Hr. Dietz, der Vater, zu Brüssel erbaute.

Der Recueil industriel, April 1833. S. 81 enthält folgendes Schreiben eines Correspondenten aus Brüssel über die Versuche, die kürzlich daselbst mit dem von Hrn. Dietz, dem Vater erbauten Dampfwagen angestellt wurden. „Der Versuch mit dem hier erbauten und zu Fahrten auf gepflasterten Straßen bestimmten Dampfwagen hatte am 29 März Statt; es geschah, wie ich vorausgesagt hatte: es brachen nämlich zwei Zähne einer Verzahnung, und man konnte daher nur eine kurze Streke in den der Baustelle zunächst gelegenen Straßen damit zurüklegen. Uebrigens ist aber so viel gewiß, daß die Maschine sehr gut arbeitet, und wenn es nöthig ist, auch eine große Geschwindigkeit und große Kraft erlangen kann. Die Einrichtung dieses Dampfwagens ist ganz neu: zwei senkrechte Kolben drehen zwei Kurbeln, und diese Kurbeln regieren direct zwei Rollen, in welche zwei Ketten ohne Ende eingreifen, die ihrerseits die beiden hinteren Räder, deren Achse unbeweglich ist, treiben. Vorne ist, wie an den Pariser Omnibus, nur ein einziges Rad zum Behufe der Direction des Wagens. Der Kessel besteht aus 6 elliptischen Südröhren, von denen je zwei über einander angebracht sind, so daß sie eine Heiz Oberfläche von 240 Quadratfuß darbieten. Die Maschine hat bei ihrer größten Geschwindigkeit eine Kraft von 22 Pferden; wird deren Geschwindigkeit jedoch vermindert, so läßt sich ihre Kraft bis auf 120 Pferdekräfte steigern, so daß man glaubt, daß der Wagen mit Hülfe seiner Räder, die mit Holzblöken besezt sind, auch bergan wird fahren können. Das Ganze hängt in ungeheuren Stahlfedern. In der Mitte zwischen den beiden Rauchfängen erhebt sich ein Dampf-Behälter; die Höhe des ganzen Wagens beträgt nicht weniger als 14 Fuß; sein Gewicht beläuft sich wenigstens auf 8 Tonnen, und dadurch wird der Widerstand erleichtert werden, indem die Räder dadurch beim Ansteigen eines Abhanges mehr Halt bekommen. Die Direktion des Wagens nach allen Richtungen kann auf die vollkommenste Weise geschehen. – König Leopold ist der erste und einzige unter den Fürsten, der sich lebhaft für die Dampfwagen interessirt, und der deren Ausbildung thätig unterstüzt. Der gegenwärtige Versuch, so unvollkommen er ist, hat das Vertrauen der Commission, |71| die aus dem Grafen Hompesch als Präsidenten, dem Grafen Vilain XIV, dem Banquier und Senator Engleo, dem Obersten Schenofsky und dem Mechaniker Jobard besteht, in das Gelingen der Unternehmung sehr erhöht. Man hat bei dem Baue dieses Wagens alle die Fehler, die dem bisherigen vorteilhaften Betriebe aller anderen Arten von Dampfwagen auf gewöhnlichen Straßen im Wege standen, sorgfältig vermieden; man hat viele neue Verbesserungen daran angebracht; allein, ob man dafür nicht in andere Fehler verfiel, ist eine andere Frage, die bald entschieden seyn wird. Man kann von der Gesellschaft wichtige Aufschlüsse hoffen, denn sie bezwekt keine Finanz-Speculation, sondern bloß die Lösung einer Aufgabe, an deren Möglichkeit man nicht mehr zweifelt. – Ich will nun nach Charleroy gehen, und daselbst den Wagen besichtigen, welchen Cochant nach einem ganz anderen Principe erbaut, und der in kurzer Zeit fertig werden soll. So viel ich jezt weiß, hat er vier Cylinder, von denen jeder ein Rad, dessen Umfang elastisch ist, treibt. – Ich bemerke nur noch, daß Cochant ein junger Mann von 23 Jahren, Dietz hingegen ein Mann von 58 Jahren ist; wir werden sehen, welcher von beiden bei diesem wahren Concurse die Palme erringt!“

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