Titel: Einiges über die neuesten Fabrikate aus Kautschuk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. XLIV./Miszelle 11 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/mi049044_11

Einiges über die neuesten Fabrikate aus Kautschuk.

Hr. Brockedon hielt in den Friday Evening Meetings der Royal Society am 14 Jun. einen sehr interessanten Vortrag über den Kautschuk, aus welchem das Repertory of Patent-Inventions, Jul. 1833, S. 46 einen Auszug gibt. Wir übergehen hier das bereits schon öfter Gesagte über die Geschichte dieser höchst wichtigen Substanz, so wie die längst bekannte Gewinnungs-Art derselben, und wollen unseren Lesern nur Folgendes mittheilen, da dieß weniger bekannt seyn dürfte. Hr. Brockedon legte der Versammlung nämlich eine Menge verschiedener Zeuge und Fabrikate vor, an denen die Kette oder die Längen-Faden aus Kautschuk, der Eintrag oder die Quer-Faden hingegen aus Baumwolle, Seide oder Leinen-Garn bestanden. Er zeigte ferner auch eine Maschine, in der elastische Gewebe verfertigt wurden, an denen ein Kautschuk-Faden mit Seiden- oder anderen Faden überzogen wird. Die Kautschuk-Faden werden gegenwärtig in einer eigenen Maschine mit größter Gleichheit und Leichtigkeit, und beinahe von jeder Stärke geschnitten. Ein Pfund Kautschuk gibt einen 8000 Yards langen Faden von No. 5, und ein solcher Faden kann sehr leicht wieder in vier andere zerschnitten werden, so daß ein Pfund Kautschuk also 32,000 Yards Faden geben kann! Die Maschine arbeitet mit solcher Leichtigkeit, daß 2 Mädchen täglich aus 30 Pfund Kautschuk 240,000 Yards Faden von No. 5 zu liefern im Stande sind! Bei der Bearbeitung der Kautschuk-Faden zeigt sich, daß dieselben, wenn sie eine längere Zeit über gespannt erhalten und der Kälte ausgesezt werden, diese Länge bleibend behalten und dann nicht mehr elastisch sind; läßt man aber wieder Wärme darauf einwirken, so erhalten sie wieder ihre ursprüngliche Länge und ihre frühere Elasticität. Die mit Kettenfäden aus Kautschuk gewebten Zeuge sind daher anfangs nicht elastisch, so daß man dieselben nicht dehnen kann; um ihnen Elasticität zu geben, wird mit einem heißen Eisen darüber gefahren, wodurch die Kautschuk-Faden wieder bis zu ihrer früheren Länge zusammenschrumpfen, und dadurch elastisch werden. In einigen Fällen, in welchen das elastische Fabrikat über die äußerste Elasticitätskraft des Kautschuks hinaus ausgedehnt werden könnte, werden nicht alle Kettenfaden aus Kautschuk, sondern die abwechselnden Faden aus Baumwolle, Seide oder Leinen-Garn aufgezogen. Auf diese Weise kann der Kautschuk nämlich nicht zu sehr ausgedehnt werden, indem die Ausdehnungskraft dann auf die Baumwoll-, Seide- oder Garn-Faden trifft, |236| welche keine weitere Dehnung zulassen. Was das Aufblasen von Kautschuk-Ballons betrifft, so bemerkte Hr. Brockedon, daß man es dahin gebracht habe, aus einem Stüke von der Größe einer Wallnuß einen Ballon von 50 Zoll im Durchmesser zu blasen. Auch er spricht sich dahin aus, daß es am Besten sey, den Kautschuk zu diesem Behufe vorher eine oder zwei Stunden lang in Wasser zu sieden, was andere verwerfen. Ueber die Auflösungsmittel desselben bemerkt er nichts Neues; auch er fand, jedoch nach Prof. Mitchel, daß das Sassafras-Oehl das beste Auflösungsmittel für den Kautschuk sey, indem sich dieses vollkommen verflüchtigt, und den Kautschuk ganz unverändert zurükläßt. Neu ist die Erfindung der HH. Cornish und Comp., welche eine Flüssigkeit ausfindig machten, durch welche verdorbener oder vermoderter Kautschuk, der seine Elasticität verloren hat, in ein Paar Minuten wieder vollkommen brauchbar und elastisch gemacht werden kann. Diese Flüssigkeit wird jedoch bisher von den Erfindern noch geheim gehalten. – Die Kautschukeinfuhr hat in lezter Zeit wegen der mannigfaltigen Anwendung, die diese Substanz zuläßt, außerordentlich zugenommen, und daher kommt es denn auch, daß dieselbe gegenwärtig im Handel um den vierten Theil wohlfeiler zu haben ist, als vor einigen Jahren. Man befürchtet aber leider ein baldiges Steigen im Preise, da die alles in die Länge ziehenden diplomatischen Conferenzen gegenwärtig eine ungeheuere Menge Gummi elasticum verbrauchen, und da namentlich in neuester Zeit mehrere Commissionen beinahe alle Vorräthe davon für sich in Beschlag genommen haben sollen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: