Titel: Die National Gallery of Practical Science zu London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. LXXIX./Miszelle 10 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/mi049079_10

Die National Gallery of Practical Science zu London.

Der Zwek dieses Institutes, welches vor einigen Jahren zu London, Adelaide-Street, Strand, errichtet worden, und von welchem wir schon einige Male zu sprechen Gelegenheit hatten, besteht darin, den Erfindern eine Gelegenheit zu verschaffen, mittelst welcher sie ihre Entdekungen auf die leichteste und bequemste Weise praktisch demonstriren und alte neuen Anwendungen bekannter Principien auf mechanische Verbesserungen in Modellen etc. vorzeigen können. Dieses Institut nun erhält sich nicht nur fortwährend, sondern gewinnt immer mehr und mehr an Aufschwung und Theilnahme, so daß man oft Mühe hat, sich durch die Masse der Besucher hindurch den Weg zu diesem oder jenem Modelle zu bahnen. Außerdem hält die Anstalt unter dem Patronate Sr. königl. Hoh. des Herzogs von Sussex Abend-Versammlungen, in denen oft die wichtigsten und interessantesten Gegenstände besprochen werden, und in denen auch bereits zu mehreren Versuchen von hohem Interesse Anlaß gegeben werde. Dahin gehören z.B. die Versuche über den Gewinn an Kraft bei großen Geschwindigkeiten der Zug-Bothe, wie dieselben vor einiger Zeit auf dem Paisley-Canale angewendet wurden. Es wurde nämlich behauptet, wenn auch nicht allgemein geglaubt, daß diese Bothe bei einer größeren |399| Geschwindigkeit, wie z.B. von 10 bis 12 Meilen per Stunde, weniger Widerstand darböten, als bei einer geringeren: eine Behauptung, welche natürlich alle Mechaniker und besonders die Teilnehmer an den Canalunternehmungen in große Aufregung brachte. (Vergl. Polyt. Journ. Bd. XLIX. S. 183.) Die Versuche, welche unter der Leitung des Hrn. Telford hierüber an dem Canale der National Gallery im Kleinen angestellt wurden, bewiesen auch wirklich, daß die Bothe bei der Anwendung von großen Geschwindigkeiten zum Theil aus dem Wasser emporgehoben würden, und in Folge hiervon weniger Widerstand darbieten. Das günstige Resultat dieser Versuche im Kleinen veranlagte eine Wiederholung derselben im Großen, und zwar auf dem Paddington-Canale. Man ließ die Bothe nämlich mit Geschwindigkeiten von 10 bis 15 Meilen per Stunde durch Pferde ziehen, und beobachtete auch hier, daß bei größeren Geschwindigkeiten eine verhältnißmäßig geringere Kraft zur Ueberwindung des Widerstandes erforderlich war. Man ist daher über die Vortheile größerer Geschwindigkeiten einig, so daß es sich gegenwärtig nur darum handelt, ob diese durch Pferde oder durch stationäre Dampfmaschinen vortheilhafter erzielt werden können. Eine Neue Reihe von Versuchen soll nun auch in dieser Hinsicht angestellt werden, so wie die Gesellschaft gegenwärtig gleichfalls mit Versuchen über die phantastische, undulirende Eisenbahn des Hrn. Bordnall beschäftigt ist, deren Resultate jedoch noch nicht bekannt sind. (Aus dem Repertory of Patent-Inventions. August 1833, S. 111.)

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