Titel: Schornstein, in dem sich der Ruß ablagert, und aus dem der Rauch ohne Ruß strömt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 49, Nr. LXXIX./Miszelle 6 (S. 394–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj049/mi049079_6

Schornstein, in dem sich der Ruß ablagert, und aus dem der Rauch ohne Ruß strömt.

Die Rheinstadt Düsseldorf hat eine technische Vorrichtung erhalten, welche, einzig in ihrer Art, den Herstellern viele Ehre bringt.

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Die königl. Ober-Postdirection hatte vor mehreren Jahren neben dem Posthause eine Werkstatt zur Ausbesserung der Postwagen errichtet, welche, nach dem steigenden Bedürfnisse und dem Baue der Schnellwagen, zu einer großen Wagenfabrik heranwuchs, wo jezt täglich einige siebenzig Arbeiter beschäftigt sind. Es wurde in einem besonders dazu errichteten Hintergebäude eine Schmiede von zehn Feuern, in der üblichen Bauform hergestellt. Rauch und Ruß drang in die Wohnungen der Nachbarn, machte sie unbewohnbar und nahm den Häusern den Miethwerth. Es erhoben sich Klagen und ein kostspieliger Proceß, welcher natürlich zum Nachtheil der Postbehörde ausfiel. – Nun wurden Versuche zur Läuterung des Rauches und zur Sonderung des Rußes angestellt: man beauftragte sogar den königl. preußischen Consul in dem erfinderischen England, nachzuforschen, ob dort nicht eine Vorrichtung bekannt sey, wodurch dem Uebel begegnet würde, aber es war nichts auszumitteln, und die gelehrtesten Sachkundigen zweifelten an der Möglichkeit, daß je eine Erfindung der Art gemacht werden könne, weil man glauben mußte, jede Sonderung des Rauches vom Ruße würde nur auf Kosten des Zuges möglich seyn. Der hiesigen Postbehörde lag sehr viel daran, die Nachbarn um jeden Preis zufrieden zu stellen, und sie fuhr fort, durch Verlegung der Schmiede in ein besonders dazu neuerbautes Mittelgebäude, durch Versuche mit den vorfindlichen Technikern einen Apparat zu erfinden, durch welchen es gelingen sollte, den Ruß zu verbannen. Es wurde um den Abzug des Rauches über dem Dache ein Kasten mit Wasser angebracht, welcher den Ruß, als schwereren Theil des Rauches, aufnehmen sollte; allein der Ruß dekte bald das Wasser krustenartig, der feinere Ruß ging zur Esse hinaus, bedekte die Garten der Nachbarn, und der Rauch verbreitete sich in den Schmiedewerkstätten auf eine für die Feuerarbeiter gefährliche und unerträgliche Art.

Um diese Zeit war in Berlin der Herr Architect Bernhardt aus Sachsen, welcher sein Leben vorzüglich der Feuermechanik gewidmet hatte, in den königl. Schlössern und im Generalpostgebäude beschäftigt, die Mangel in ähnlicher Beziehung zu verbessern. Seine Angaben hatten den besten Erfolg und erwarben ihm besonders das volle Zutrauen Sr. Excell. des Herrn von Nagler, Minister und Generalpostmeister des Staates, welcher Hrn. Bernhardt den ehrenvollen Auftrag ertheilte, auf seiner Reise nach Rotterdam, London, Paris und Wien, Düsseldorf zu besuchen und über die schwierige Aufgabe in der Postwagen-Werkstatt zu berichten. Der einsichtsreiche Tiefblik Sr. Excellenz hatte in dem praktischen Architecten den rechten Mann gefunden. – Herr Bernhardt erkannte die Mittel, den Zug des Rauches zu erzwingen und den Ruß davon zu sondern. Sein Bericht hatte die Ausführung zur Folge.

In kurzer Zeit, ohne Unterbrechung der Wagenfabrik, steht das Werk vollkommen erreicht da, der Rauch zieht aus zwei Zinkcylindern über dem Dache gereinigt ab, und der Ruß bleibt im Innern des drei Stok hohen Gebäudes, in besondern Canälen und Kammern zurük.

Merkwürdig ist es, den Ruß hier in verschiedenen Sorten, gröber und allmählich feiner, liegen, und den Rauch oben durch enge Drahtneze strömen zu sehen. In den Canälen der fünf Essen fand sich nach dreimonatlicher Reinigung eine Masse von 26 2/3 Kubikfuß Ruß, welcher sonst großen Theils über das Dach geführt wurde90).

Gern wollten wir eine genaue Beschreibung des Ganzen geben, wenn der bescheidene Erfinder, Herr Bernhardt, sich diese nicht zu seiner Zeit, mit einer Steinzeichnung belegt, vorbehalten hätte. Es ist sein Geheimniß und sein Eigenthum. – Das Ganze ist so einfach, wie die Natur, der es abgelauert: Luft, Feuer und Rauch sind gegenseitig im vorfindlichen Locale abgewogen, jedem sein physisches Recht gelassen, und das Problem ist gelöst.

Nach den vielseitigen Unterhaltungen, die wir mit dem technischen Künstler hatten, entwikelte er noch ganz andere, für das Allgemeine wichtige Kenntnisse |396| und Erfahrungen. Er ist nicht nur Meister des Rauches, sondern er construirt jede Art der Feuerung und kennt das Geheimniß der Brandersparniß. Gesundheit der Bewohner ist sein Hauptaugenmerk. Am merkwürdigsten erscheint an ihm die Sicherheit, der Muth, womit er dieses Alles, ohne Versuche, treibt. Seine Theorie ist die Praktik, den Uebeln in allen Fällen abzuhelfen; sein Universalmittel ist, wie bekannt, die Luft, welche er dem Feuer zuzumessen versteht. Er untersucht, wo er hinkommt, die Küchen, Stuben, Kamine und Oefen, die Fassung der Feuerung, die Schleifung der Schornsteine und die obern Theile derselben über dem Dache. – Ein Mittel was da hilft, würde dort schaden. – Oft will die Mode in der Baukunst etwas vom Feuer erzwingen; oft ist der Zug in den Feuerungen zu stark oder zu schwach; oft sind es andere Elemente der Natur und Baukunst und oft der Eigendünkel der Baumeister, das Erfundene, wie es auch sey, zu halten.

Herr Bernhardt hat seine Reise hauptsächlich vor, um die Beweise zu liefern, daß seine Wissenschaft wahr und sicher sey. Er will das Nüzliche und Gute der Welt an den Tag legen, und im Gedeihen desselben das Vertrauen der hohen Landesbehörden und des Publikums erwerben.

Carl Schäffer, Prof. der Baukunst in Düsseldorf.

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Diese Vorrichtung, den Ruß vom Rauch in dem Kamin abzusondern, ist von großer Wichtigkeit, und wird nun die Gründung mancher großen, mit Steinkohlen zu betreibenden Etablissements in Städten gestatten. Für Dampfmaschinen und Färbeanstalten, die sich in der Nähe von Bleichanstalten befinden, ist diese Erfindung von sehr großem Werthe.

A. d. R.

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