Titel: Versuch, die Selbstentzündung der Holzkohle zu erklären.
Autor: Davies, John
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. VIII. (S. 22–24)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/ar050008

VIII. Ein Versuch, die Selbstentzündung der Holzkohle zu erklären; von Hrn. John Davies.

Aus dem Philosoph. Magazine and Journal of Science. August 1833, S. 89.

Hr. Hadfield hat in der interessanten Abhandlung über die Selbstentzündung der Holzkohle, die er vor Kurzem bekannt machte3), es nicht versucht, eine Erklärung der von ihm beschriebenen Erscheinung aufzufinden: ich hielt es daher nicht für unpassend, einige Bemerkungen, welche bei der Discussion dieses Gegenstandes Berüksichtigung verdienen, gleichsam als Nachtrag zu seiner Abhandlung niederzuschreiben.

Wegen der unten folgenden Erklärung muß ich zuerst angeben, auf welche Art die fragliche Holzkohle bereitet wird. Kleine Holzstüke, wovon die Rinde in der Regel beseitigt ist, bringt man in eiserne Cylinder und sezt sie einer heftigen Hize aus, um die flüchtigen Bestandtheile behufs der Holzsäuregewinnung zu destilliren. Nun wandte aber Hr. Brunner ein ähnliches Verfahren an, um aus kohlensaurem Kali und Holzkohle das Kalium darzustellen, und da natürlich kohlensaures Kali durch das angewandte Holz geliefert werden kann, so haben wir bei dieser Fabrikation dieselbe Operation und dieselben Materialien wie bei Hrn. Brunner's Versuch, und dürfen daher auch dieselben Resultate erwarten. Der Unterschied besteht nur darin, daß Hr. Brunner, weil er viel kohlensaures Kali anwandte, auch eine große Menge seiner metallischen Basis erhielt, während in unserem Falle das Kalium nur in geringer Menge erzeugt werden kann, da nur so viel kohlensaures Kali vorhanden ist, als das der Destillation unterworfene Holz liefert: im Ganzen ist jedoch diese Quantität nicht unbedeutend, denn die Holzasche enthält bekanntlich ziemlich viel kohlensaures Kali.

Nachdem es nun höchst wahrscheinlich gemacht ist, daß die frische Holzkohle eine geringe Menge Kalium enthält, bleibt uns |23| noch übrig dessen Wirkungsart zu erklären; dieß ist leicht, wenn wir annehmen, daß das Metall in die Poren der Kohlen eindringt und in denselben eingeschlossen bleibt, bis es endlich der Einwirkung der atmosphärischen Luft und der Wasserdämpfe ausgesezt wird. Diese Ansicht wird durch die Thatsache wahrscheinlich, daß die Verbrennung in keiner beträchtlichen Tiefe unter der Oberfläche anfängt; und daß wenn ein Thermometer in die Masse eingeführt wird, die Entzündung gewöhnlich an dessen Stelle ihren Anfang nimmt; die Verbrennung findet nämlich gerade dort Statt, wo man sie erwarten muß, nämlich an dem Theile, welcher am günstigsten gelegen, am meisten der Einwirkung der Luft ausgesezt ist.

Meine Ansicht über die Selbstentzündung der Kohle steht auch mit Aubert's vortrefflichen Versuchen4) ganz im Einklang; derselbe zeigte durch eine Reihe entscheidender Versuche, daß nothwendig Luft und Feuchtigkeit von der Kohle verschlukt werden müssen, damit diese Erscheinung eintreten kann. Er bewies auch (was Hr. Hadfield auf einem anderen Wege bestätigte), daß sich keine Kohlensäure bildet, ehe die Entzündung eintritt; – diese Thatsache stimmt ganz mit meiner Hypothese überein: der Sauerstoff der Luft nämlich, anstatt mit dem Kohlenstoff eine Säure zu bilden, erzeugt durch seine größere Verwandtschaft zu dem Kalium ein Alkali. Hr. Aubert bemerkt dann, daß die Kohle im Verhältniß der Quantität von Luft und Feuchtigkeit, die sie absorbirte, an Gewicht zunahm; dieß muß nach meiner Erklärung auch der Fall seyn, weil das gebildete Alkali viel schwerer als seine metallische Basis ist. Es scheint, daß die Holzkohle, damit die Entzündung eintreten kann, nicht nur bald nach ihrer Bereitung gepulvert werden muß, sondern daß die Wirkung auch um so sicherer und beträchtlicher ist, je bälder sie gepulvert wird. Diese Thatsache stimmt auch ganz mit der Erklärung überein; denn wenn das Pulverisiren aufgeschoben wird, so erzeugen Luft und Feuchtigkeit allmählich das Alkali, und zwar durch einen nicht bemerkbaren Proceß, weil die kleinen Antheile von Kalium sich in verhältnißmäßig entfernten Zwischenräumen befinden und folglich an keiner Stelle in hinreichender Menge vorhanden sind, um eine merkliche Wirkung hervorzubringen.

Hr. Aubert pulverisirte ein Gemenge von Holzkohle und Schwefel; er fand, daß unter diesen Umständen durchaus keine Entzündung eintrat. Der Grund davon springt in die Augen; denn das Kalium, welches unserer Ansicht nach die Ursache der Entzündung ist, ging während des Zerreibens eine Verbindung mit dem Schwefel ein.

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Er zerrieb auch Kohle mit Salpeter, wobei er wieder fand, daß die Selbstentzündung verhindert wurde. Der Salpeter, indem er sich mit dem Kalium vermengt, verzögert nämlich dessen zu rasche Absorption von Sauerstoff, und dieß erklärt das Resultat des Versuches genügend.

Die Gegenwart des Kaliums scheint auch den Umstand zu erklären, daß die Kohle, wenn sie in feuchtem Zustande erhizt wird, Kohlenwasserstoffgas entbindet; das Wasser wird nämlich zersezt, der Wasserstoff entbunden und der Sauerstoff vereinigt sich mit dem Kalium zu Alkali. Bei fortgesezter Hize mußte Kohlenoxydgas entwikelt werden, indem der von dem Kalium absorbirte Sauerstoff sich wieder von ihm trennt. Bei einem solchen Versuche entbinden sich die Gasarten auch wirklich in der Ordnung, welche die Theorie angibt.

Alle von den HH. Hadfield und Aubert beobachteten Umstände scheinen daher erklärbar, wenn man annimmt, daß die Selbstentzündung der Holzkohle ganz von der Oxydation des Kaliums herrührt, welches während der Verkohlung aus dem Holz frei wird.

Dr. Thomson macht meine Erklärung in dem unlängst erschienenen zweiten Bande seiner Geschichte der Chemie noch wahrscheinlicher, indem er zu zeigen sucht, daß die Pyrophore ihre Eigenschaft Feuer zu fangen, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommen, ein wenig Kalium verdanken, welches während der Bildung des Pyrophors reducirt wird.

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Im vorhergehenden Hefte des Polyt. Journ., S. 426. A. d. R.

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Polyt. Journal, Bd. XXXIX. S. 121. A. d. R.

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