Titel: Nachträgliche Versuche über die Stärke und Festigkeit des Acacienholzes.
Autor: Barlow, Peter
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XXXIII. (S. 129–131)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/ar050033

XXXIII. Nachträgliche Versuche über die Stärke und Festigkeit des Acacienholzes. Von Hrn. Peter Barlow jun.

Aus dem London and Edinburgh Philosoph. Magazine and Journal of Science, No. 1. Julius 1832, S. 17.43)

Ich drükte in meiner lezten Abhandlung über die Stärke verschiedener Holzarten44) mein Bedauern darüber aus, daß die Versuche mit dem Acacienholze nicht genügender ausfielen. Da nun Hr. Bevan in seinen Bemerkungen über meine Versuche dasselbe Bedauern äußerte, so suchte ich das Stük Acacienholz auf, welches unversehrt geblieben war, und bei welchem, wie gesagt worden, der Strik während des Versuches brach, um mit diesem Stüke den Versuch auf eine vollkommnere Weise zu wiederholen. Leider konnte ich aber nur mehr ein kleines Stük von dem Baume finden, von welchem das erst erwähnte Stük abgeschnitten worden, und selbst dieses Stük war nicht aus dem Inneren, sondern mehr gegen die Rinde hin genommen. Es hatte eine specifische Schwere von 710, war 27 Zoll lang und hatte 1 1/2 Zoll im Gevierte; es wurde bei 25 Zollen gestüzt. Die Biegung betrug bei dem Auflegen der ersten 400 Pfd. |130| 0,075, wobei die Elasticität noch unverändert schien, indem die Biegung bis auf 0,125 zunahm, und so blieb, bis das Holz endlich bei einer Last von 896 Pfunden brach.

Nach diesem Resultate wird der Werth von 8 in meiner Tabelle S = 1w/4ad² = 1659 seyn, eine Zahl, die, obschon sie kleiner ist, als die für das Acacienholz angegebene, doch die Durchschnittsstärke des Eichenholzes übersteigt.

Die Elasticität dieses Holzes wird (w = 448 und δ = 0,3 Zoll angenommen) E = l³w/ad³δ = 4609000 betragen, mithin auch größer seyn, als jene des Eichenholzes. Nimmt man den Modulus der Elasticität nach Hrn. Bevan's Formel an, so erhält man m = l³H/4d²δ = 3738426, eine Zahl, die geringer ist, als jene, die Hr. Bevan aus seinen Versuchen über das Acacienholz berechnete. Das Stük, mit welchem ich meinen Versuch anstellte, war jedoch offenbar ein schlechteres Stük, als jenes, welches ich bei meinem ersten Versuche anwendete, indem es an einigen Stellen den Splint an sich trug.

Hr. Bevan drükte den Wunsch aus, daß ich lieber den Modulus der Elasticität als den Werth von E hätte angeben sollen, und sagte: „wäre dieß geschehen, so würde sich ergeben haben, daß die Zähigkeit des Memel-Tannenholzes im Vergleiche mir dessen Gewicht größer ist, als jene der übrigen Holzarten.“ Bei aller Achtung, die ich vor den Kenntnissen des Hrn. Bevan hege, sehe ich jedoch nicht ein, welchen Vortheil die Betrachtung des Gewichtes des Holzes gibt, ausgenommen es handelt sich um die Bestimmung der Biegung, die das Holz durch seine eigene Schwere erleidet: ein Fall, der sich bei Bauten doch selten ereignet.

Um ein Beispiel des Gesagten zu geben, will ich nur bemerken, daß der Werth von E oder die Elasticität des Tunkabohnenholzes 1 1/2 Mal größer ist als jene des Memel-Tannenholzes; d.h. es erforderte, um denselben Grad von Biegung zu erreichen, ein 1 1/2 Mal größeres Gewicht, und ist folglich in meiner Tabelle durch eine Zahl ausgedrükt, welche dasselbe Verhältnis trägt. Der Modulus ist jedoch geringer, wenn wir Hrn. Bevan's Formel anwenden.

Bemerkt muß jedoch werden, daß die beiden Formeln auf denselben Grundsäzen beruhen, nämlich darauf, daß die Biegung in dem Verhältnisse des Cubus der Länge getheilt durch die Breite in den Cubus der Dike abweicht; so daß man daher Hrn. Bevan's Zahl in allen |131| Fällen aus der meinigen erhalten kann, wenn man sie mit 576 multiplicirt und durch die specifische Schwere theilt.

Ein Fehler, der sich in die Formel in meiner früheren Abhandlung eingeschlichen hat, hat vielleicht Hrn. Bevan irre geführt. Im Kopfe der 6ten Columne der Tabelle soll es nämlich statt E = l³w/4ad³δ heißen: E = l³w/ad³δ. Die Zahlen in der Tabelle selbst sind jedoch sämmtlich richtig.

Die Fragen des Hrn. Bevan bin ich leider nicht vollkommen zu beantworten im Stande. Den Preis der verschiedenen Holzarten per Kubikfuß kann ich nicht angeben; eben so wenig kann ich die äußersten Biegungen angeben, da sie nicht für sehr wichtig gehalten, und folglich nicht registrirt wurden. Was die Zeit betrifft, so dauerte jeder Versuch 15–20 Minuten.

Unter dem Titel: The London and Edinburgh Philosophical Magazine and Journal of Science. Conducted by Sir David Brewster, Richard Taylor and Richard Phillips. Third Series, erscheint nun vom 1. Julius 1832 an die Fortsezung des ehemaligen Philosophical Magazine and Annals of Philosphy, in Verbindung mit dem Edinburgh Journal of Science, welches bisher Sir Brewster Quartalweise herausgab, und welches für sich aufgehört hat. Es ist dieß nun die dritte Modification, die dieses Journal erleidet; unserer Meinung nach hat es dabei durchaus nicht gewonnen, und besonders vernachlässigt Hr. Phillips sehr die chemische Literatur, für welche in der That gegenwärtig in England keine besondere Zeitschrift existirt; die Hefte jenes Journals sind größten Theils mit Artikeln gefüllt, die in die Lehre von der Elektricität und dem Magnetismus, und in das Gebiet der höheren Optik einschlagen.

A. d. R.

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Vergl. Polyt. Journal, Bd. XLIV. S. 381

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