Titel: Rutter's neue Methode Hize zu erzeugen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XLI. (S. 174–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/ar050041

XLI. Ueber Hrn. J. O. N. Rutter's neue Methode Hize zu erzeugen.

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 527, S. 426.

Wir haben kürzlich eine Notiz über die neue, von Hrn. Rutter erfundene Methode Hize zu erzeugen oder zu heizen mitgetheilt, und können unsere Leser nun mit einigen weiteren Details über diese Erfindung, die, wie einige Referenten in englischen Blättern prophetisch behaupteten, gemacht ist, das ganze äußere Aussehen unserer Welt zu verändern, bekannt machen.

Hr. Rutter ließ seine Erfindung patentiren; das Patent für England ist noch nicht bekannt gemacht, jenes für Schottland, welches wohl im Wesen nicht verschieden seyn wird, lautet aber folgender Maßen:

„Meine Erfindung, welche sich zum Heizen von Kesseln und Retorten sowohl, als in allen übrigen Fällen, in denen Hize erforderlich ist, anwenden läßt, besteht darin, daß ich bituminöse, öhlige, harzige, wachsartige oder fettige Substanzen in flüssigem Zustande und in Verbindung mit Wasser auf die weiter unten zu beschreibende Art und Weise als Brennmaterial benuze. Ich bringe diese meine verbesserte Heizmethode auf folgende Weise in Ausführung. Ich gestatte oder bewirke nämlich, daß eine oder mehrere der erwähnten bituminösen, öhligen, harzigen, wachsartigen oder fettigen Substanzen, wie z. V. Steinkohlentheer, aus einem eigenen Behälter oder sonstigen zwekmäßig angebrachten Gefäße durch eine Röhre oder irgend einen geeigneten Canal in einen Trichter oder in eine Röhre fließe, die mit dem Inneren einer geschlossenen Feuerstelle oder eines Ofens communicirt; und ich gestatte oder bewirke ferner, daß zu gleicher Zeit Wasser aus einem gehörig angebrachten Behälter oder Gefäße durch eine andere Röhre in den eben erwähnten Trichter oder in die Röhre abfließe, so daß dieses Wasser gleichzeitig mit den oben erwähnten Substanzen auf ein Feuer tropfe, welches vorher auf der angeführten Feuerstelle oder in dem erwähnten |175| Ofen angezündet worden, und welches sich auf die später zu beschreibende Weise reguliren läßt. Es ist nicht wesentlich nothwendig, daß der Kohlentheer oder die sonstige Substanz vorher in der Röhre, die mit dem Inneren der Feuerstelle oder des Ofens in Verbindung steht, mit dem Wasser in Berührung komme; ja ich halte es sogar für besser, wenn beide erst in einem Trichter oder in einer geringen Entfernung von dem Ofen zusammengerathen, und dann von hier aus gemeinschaftlich durch irgend einen geeigneten Canal an jene Mündung fließen, durch welche sie in das Innere der Feuerstelle oder des Ofens gelangen. Nein der Theer oder die sonstige Substanz und das Wasser müssen nothwendig vor oder bei dem Eintritte in die Feuerstelle oder in den Ofen mit einander in Berührung kommen, und gemeinschaftlich und gleichzeitig auf das in dem Ofen brennende Feuer fallen. Ist die Feuerstelle oder der Ofen groß, so müssen zwei oder mehrere Eintrittsmündungen für den Theer und das Wasser auf solche Weise und in solchen Entfernungen von einander angebracht werden, wie sich dieß als am zwekmäßigsten zeigen wird. Der Strom des eintretenden Kohlentheeres oder der sonstigen Substanz und des Wassers kann mittelst Sperrhahnen oder Klappen, die sich entweder an den Behältern oder Gefäßen, oder an den Röhren befinden, regulirt werden. Die Mündung oder der Canal, durch welchen der Kohlentheer oder die sonstige Substanz in Verbindung mit Wasser in das Innere der geschlossenen Feuerstelle oder des Ofens eintritt, soll offen gelassen werden, damit die Feuerstelle oder der Ofen dadurch gehörig mit Luft gespeist werden könne, wobei übrigens dafür zu sorgen, daß nicht zu viel Luft eintrete. Obschon ich nun der erhizenden, entzündenden und zersezenden Oberfläche eines Feuers, welches in einer geschlossenen Feuerstelle oder in einem Ofen brennt, zum Behufe der Ausführung meines Verfahrens den Vorzug gebe, indem dieselbe der vollkommenen Verbrennung des Kohlentheeres oder der sonstigen Substanzen in Verbindung mit Wasser am Zuträglichsten zu seyn scheint, so ist dieselbe doch nicht absolut nothwendig, indem diese Verbrennung auch in einem Ofen oder in irgend einem geschlossenen Gefäße geschehen kann, welches vorher erhizt wurde, und welches dann entweder durch Hize, welche sich innerhalb dieses Ofens oder dieses geschlossenen Gefäßes entwikelt, oder welche von Außen an demselben angebracht wird, auf dem gehörigen Grade von Hize erhalten wird. Es ist nicht durchaus nothwendig, daß das Nasser, welches bei meinem Verfahren angewendet wird, frisches oder reines Wasser sey; Seewasser und anderes unreines Wasser, wie das Nasser aus dem Kielraume der Schiffe und die ammoniakalische Flüssigkeit aus den Gaswerken entsprechen dem Zweke eben so gut. |176| Die respectiven Quantitäten oder Verhältnisse von Kohlentheer oder anderen Substanzen und Wasser, welche man in die Feuerstelle oder in den Ofen eintreten läßt, werden je nach Umständen und je nach den angewendeten Materialien verschieden seyn. Ein Verhältniß von Steinkohlentheer und Wasser, welches nach meiner Erfahrung sehr gute Resultate gewahrt, ist folgendes: Auf 1 Gallon Kohlentheer sollen 1 1/2 Gallons Wasser kommen, und diese Quantitäten sollen so regulirt werden, daß sie in nicht weniger Zeit, als zwischen 2 und 3 Stunden auf das Feuer oder die sonstige erhizte Oberfläche fallen. Das gehörige. Verhältnis läßt sich jedoch in jedem Falle aus der Beobachtung des Vorganges im Inneren der geschlossenen Feuerstelle oder des Ofens (welche Beobachtung durch die Eintrittsmündungen für den Kohlentheer und das Wasser, oder durch irgend andere zwekmäßig angebrachte Oeffnungen geschehen kann) abnehmen. Denn ist ein Ueberschuß von Wasser vorhanden, so wird die Flamme schwacher werden oder ganz auslöschen, und ist der Ueberschuß auf Seite des Theeres oder einer der sonstigen statt des Theeres angewendeten Substanzen, so wird die Flamme durch Rauch verdunkelt werden.“

Hr. Rutter macht nichts von den Apparaten oder Maschinerien, deren er sich bedient, als seine Erfindung geltend, sondern beschränkt seine Patentansprüche und Rechte auf Erzeugung von Hize durch die Entzündung, Verbrennung und Zersezung von bituminösen, öhligen, harzigen, wachsartigen oder fettigen Substanzen, oder eines Gemisches von zweien oder mehreren derselben, in Verbindung mit Wasser. Die Hize, die er auf diese Weise hervorzubringen im Stande ist, soll den Aussagen von Augenzeugen gemäß, äußerst intensiv, sehr gleichmäßig und vollkommen leit- und regulirbar seyn. Man befolgt das Rutter'sche Verfahren bereits seit der Patentirung desselben an den Gaswerken zu Salisbury, und eben so wurden auch bereits an Bord eines Dampfbothes zu Lymington günstige Versuche damit angestellt.

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