Titel: Bericht über den Pflug des Johann Joseph Grangé.
Autor: Grangé, Johann Joseph
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. LXXXIII. (S. 365–373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/ar050083

LXXXIII. Bericht über den Pflug des Johann Joseph Grangé von Harol in den Vogesen, erstattet vor dem landwirthschaftlichen Comité des Journal des connaissances usuelles.102)

Aus dem Journal des connaissances usuelles. Junius 1833, S. 308.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Schon seit einigen Monaten sieht man den neuen Pflug Grangé's in den Händen vieler Landwirthe an der Mosel, an der Meurthe und an der Meuse, und doch hat der Erfinder denselben erst im October 1832 zum ersten Male zu Bayon bei Luneville verfertigen lassen! Eine so außerordentlich gute Aufnahme eines neuen landwirthschaftlichen Instrumentes spricht um so mehr zu Gunsten desselben, als gerade in der Landwirthschaft bekanntlich jedes neue Verfahren 10 Jahre braucht, um nur eine Meile Wegs vorwärts zu kommen. Die Untersuchung, in die wir nun hier eingehen wollen, wird, wie wir hoffen, das Verdienst dieses Pfluges bestätigen, der, wie uns scheint, sowohl in gut als schlecht cultivirten Ländern, und hauptsächlich bei solchen Bauten, bei denen der Boden die Kraft von mehr als zwei Zugthieren erfordert, eine große Umwälzung in der Bestellungsart der Felder hervorbringen dürfte.

Wir müssen vorläufig in Erinnerung bringen, daß ein unbestreitbarer Vorzug der Pflüge ohne Vordergestell, der sogenannten Schwingpflüge (araires), vor den Pflügen mit Vordergestell darin besteht, daß unter übrigens gleichen Umständen weniger Kraft verbraucht wird, um sie in Thätigkeit zu sezen. Dieser Vortheil hängt |366| bloß von dem Nichtvorhandenseyn des Vordergestelles ab, und ist von der mehr oder weniger zwekmäßigen Einrichtung der Schar, des Streichbrettes oder des Pflugeisens ganz unabhängig. Der Grund hiervon ergibt sich, wenn man die Zertheilung der Kraft an den Pflügen mit Vordergestell erwägt.

Damit nämlich alle von den Pferden ausgeübte Zugkraft nüzlich verwendet würde, müßte der Zug in einer geraden Linie von den Schultern des Pferdes zum Haupte des Pfluges geschehen, oder die Zwischenpunkte müßten wenigstens unbiegsam, und auf eine unwandelbare Weise in ihrer Verbindung befestigt seyn. Dieß ist nun aber nicht der Fall; der Pflugbaum ist nur durch den Druk, den die Zugkette ausübt, auf dem Pflugstökchen festgehalten, und dieser Druk ist oft ein solcher, daß der Pflugbaum nicht selten bricht, obwohl man denselben fast durchaus aus Eichenholz und selbst von 6 Zoll im Durchmesser verfertigt. Ein anderer Nachtheil dieser Einrichtung ist jedoch folgender: die Kette und jener Theil des Pflugbaumes, der sich von dieser Kette bis zum Haupte erstrekt, bilden eine Kraft, die aber ihren Stüzpunkt nur in ihrer Verbindung mit dem Pflugstökchen durch den zweiten Theil des Pflugbaumes findet. Dieser Stüzpunkt ist nun aber gerade der schlechteste, den es geben kann, da er von dem zu überwindenden Hindernisse, d.h. von dem Boden, sehr weit entfernt ist. Hieraus folgt, daß, indem der oben Theil des Pflugbaumes und das Haupt viel länger sind, als der untere Theil, diese beiden Theile ihren Stüzpunkt auf der Kette nehmen, und ihrerseits einen Hebel auf dem Pflugstökchen bilden. Diese beiden einander entgegengesezten Wirkungen streben die Reibung der Räder auf dem Boden zu vermehren, und da die leztere derselben stärker ist, als die erstere, so würde der Pflug gar nicht in den Boden eindringen, wenn das Gleichgewicht nicht dadurch hergestellt würde, daß der Arbeiter beständig auf die Sterzen drükt, wo dann erst die überschüssige Zugkraft auf den Boden zu wirken beginnt. Wie viel Kraft hierbei rein verloren geht, wird Jedermann erkennen, und dieser Verlust an Kraftaufwand ist auch die Ursache, warum der Schwingpflug beinahe in allen gut cultivirten Ländern vorgezogen wurde. Dieser Pflug hat jedoch, obschon an demselben eine unbiegsame Zuglinie von der Schulter der Pferde ausgeht, um direct auf den Boden zu wirken, gleichfalls seine Nachtheile. Der Pflugbaum kann nämlich, da er durch kein Pflugstökchen festgehalten wird, theils in Folge eines natürlichen Hindernisses, theils in Folge eines Seitensprunges der Pferde, theils in Folge einer Unachtsamkeit des Arbeiters leicht nach Rechts oder Links ausweichen. Diesem Fehler wird zwar durch die Länge des Pflugbaumes zum Theil abgeholfen, |367| und wenn der Arbeiter ein Mal den Gang seines Instrumentes gut kennt, so wird er sich mit demselben weniger mühsam arbeiten, als mit dem Pfluge mit Vordergestell. Allein dessen ungeachtet ist hierbei eine stete und ununterbrochene Aufmerksamkeit des Arbeiters nöthig; seine Augen müssen beständig auf die Spize des Pflugbaumes gerichtet seyn, damit er selbst den geringsten Abweichungen desselben alsogleich abhelfen kann; auch muß der Arbeiter die gehörige Gewandtheit und Geschiklichkeit besizen. Der geringste Fehler endlich in dem Baue dieser Pflüge macht, selbst wenn er früher dem Auge kaum bemerklich war, den Gang desselben sehr unregelmäßig und selbst unmöglich, während das Vordergestell diesen Mängeln zum Theil abhilft.

Dieß möchten wohl die Hauptursachen seyn, warum die sogenannten Schwingpflüge weder in Frankreich noch in England allgemein angenommen wurden. Ein Mangel, der beiden Arten von Pflügen gemeinschaftlich zukommt, ist der, daß der Arbeiter beständig an den Sterzen seines Pfluges verbleiben muß. Es gibt zwar einige Pflüge, wohin z.B. der Versailler Pflug gehört, bei denen der Arbeiter seine ermüdende Stellung für einige Augenblike verlassen kann; allein selbst bei diesen muß er längstens nach einer oder zwei Minuten an seine Stelle zurükkehren, und überdieß darf der Pflug unterdessen durchaus auf kein merkliches Hinderniß gestoßen seyn. Ueberall und zu allen Zeiten, besonders aber in Frankreich seit den lezten 30 Jahren, haben sich gewandte Mechaniker mit der Ausmittelung eines Instrumentes beschäftigt, welches die Vorzüge der Pflüge mit Vordergestell und jene der Schwingpflüge in sich vereinigte; alle sind sie jedoch an dieser Aufgabe gescheitert. Einem einfachen Pflugknechte, dem Johann Joseph Grangé von Harol, war es vorbehalten, bloß durch sein natürliches Talent und mittelst seiner unbeugsamen Ausdauer dieses wichtige Problem zu lösen, und einen Pflug zu erfinden, der während des Pflügens nicht von Menschenhänden gelenkt zu werden braucht.

Der Pflug Grangé's arbeitet wirklich von selbst; der Arbeiter braucht nämlich nur die Höhe des Pflugbaumes M, Fig. 1 und 2, mittelst eines durch die Löcher der Pfosten C gestekten Bolzens und die Länge einer jeden der Ziehketten A je nach der Tiefe und Breite, die er seinen Furchen geben will, zu reguliren; dann die Pferde zu lenken, sie am Ende des Feldes anzuhalten, und dann einen leichten Druk auf den Hebel P anzubringen, wodurch die Spize des Pflugbaumes emporgehoben wird, so daß die Schar T aus der Erde herausgehoben wird. Das Ende des Hebels wird hierbei in den Haken |368| U gebracht, und erst dann wieder frei gelassen, wenn die Pferde am Anfange der neuen Furche angelangt sind.

Wenn die Neigung des Bodens den Arbeiter nöthigt, dem Körper des Pfluges eine andere Stellung zu geben, so geschieht dieß mittelst eines Regulators H, welcher an seinem unteren Ende auf der Achse, über die er um 8 Zoll hervorragt, befestigt ist. Dieser Regulator ist seiner ganzen Höhe nach mit löchern versehen, und geht gegen das linke Rad durch das Pflugstökchen. Dieses Pflugstökchen ist nur mittelst der Scharniergelenke Z an der Achse befestigt; man braucht also, um das Streichbrett gegen die rechte Seite zu neigen, das Pflugstökchen nur an der linken Seite emporzuheben, und es mittelst zweier, durch die Löcher des Regulators gestekter Bolzen auf der gewünschten Höhe zu befestigen. Man meinte, daß es gut seyn würde, wenn man den Körper des Pfluges eben so auf die linke Seite neigen könnte: eine Modification, die sich, wie wir glauben, sehr leicht anbringen ließe. Man brauchte nämlich zu diesem Behufe nur an der, rechten Seite einen zweiten Regulator anzubringen; dann würde aber jeder der Regulatoren ein Kreissegment bilden, dessen Radius in der Entfernung dieses Regulators von dem entgegengesezten Ende des Pflugstökchens sein Ende fände. Die Zapfenlöcher von diesem würden leicht schräg eingeschnitten seyn.

Man sieht hieraus, daß sich die Arbeit des Pflügers auf sehr wenig beschränkt, und daß selbst ein etwas verständiges Kind einen gewandten und geübten Arbeiter zu ersezen im Stande ist, und daß sämmtliche, von Hrn. Orange in Anwendung gebrachte Mittel eben so einfach als sinnreich sind. Doch darin besteht weder sein ganzes Verdienst, noch seine Erfindung selbst; denn alles dieses sind nur Nebensachen.

Die Achse des Vordergestelles ist mit einem Stüke Holz von 5 Zoll Höhe, 4 Zoll Breite und 19 Zoll Länge versehen. In dieses Stük Holz ist die Achse so eingefalzt, daß sich 4 Zoll von der Höhe des Holzes von Unten nach Oben an der Achse befinden. Auf diesem Stüke, welches wir im Gegensaze mit dem beweglichen Pflugstökchen das ruhende Pflugstökchen nennen wollen, ruht der Deichselhalter oder die Gabel L, des Vordergestelles. Diese Gabel hat beiläufig die Form eines geöffneten Zirkels; doch folgt ihr rechter Arm der Linie der Furche, während sich der andere Arm merklich dem linken Rade nähert, so daß er sich schief von seinem Vereinigungspunkte mit ersterem Arme trennt, und dabei einen Winkel von beiläufig 20 Graden bildet. Hieraus folgt, daß diese Gabel, deren Kopf 3 Zoll breit ist, während jeder Arm 2 Zoll Breite hat, an ihrem Ende eine Weite von 15 Zollen darbietet, welche bloß durch |369| die Abweichung des linken Armes entsteht. Diese Einrichtung ist deßwegen nöthig, damit der Körper des Pfluges der geöffneten Furche hinreichend genähert werden kann.

Unter dem linken Theile der Gabel, ungefähr 8 Zoll von einer senkrechten, durch den Mittelpunkt der Achse gehenden Linie entfernt, befindet sich eine Kette G, welche mittelst eines starken Hakens an dieser Gabel festgemacht ist. Unter dieser Kette befindet sich, auf gleiche Weise befestigt, eine 7 Fuß lange und 2 Zoll dike Stange, welche unter dem ruhenden Pflugstökchen durchgeht, daselbst ihren Stüzpunkt hat, und auf dem Griffe oder der Sterze I, auf der ihr zweites Ende mittelst einer ähnlichen Kette befestigt ist, einen Hebel bildet.

Man wird hiernach wohl selbst einsehen, daß die Pferde beim Ziehen die Gabel und die Achse emporzuheben trachten müssen, und daß sie dieselben auch wirklich nach einer Linie emporheben wurden, die von den Schultern der Pferde an die Ferse des Hauptes R liefe. Diese Wirkung wird aber zum Theil verhindert, und zwar zuerst durch den Druk, welchen der Zug der Ketten A auf das Pflugstökchen und mittelst des Pflugbaumes M auf die Achse ausübt, und dann durch das Drukgewicht, welches mittelst der Ketten G und D und des Hebels EF durch die Sterze, deren Richtung durch jene des Pflugbaumes fixirt ist, von Unten nach Oben auf die Gabel ausgeübt wird. Es sind also alle Theile des Pfluges durch Punkte gebunden, deren Anordnung das notwendige Resultat der gegenseitigen Verhältnisse ist, und die Wirkung des Zuges und der Widerstände, welche das Instrument erleidet, beschränkt sich darauf, diese Punkte unveränderlich und unbiegsam zu machen. Diese Unbiegsamkeit wird noch durch den Hebel B verstärkt. Dieser Hebel, der an Kraft dem Hebel EF gleich ist, ist nämlich mittelst eines Strikes BJ an der Stüze J befestigt, welche das Streichbrett S mit der Sterze vereinigt. Seinen Stüzpunkt erhält er mittelst eines an dem rechten Pfosten C des Pflugstökchens befestigten Hakens; er erhält die Gabel L durch die Kette LB in horizontaler Stellung, was besonders dann nöthig ist, wenn der Zug der Pferde eben aufgehört hat. Seine Wirkung ist eine doppelte; denn, da er seinen Stüzpunkt auf einem breiten Pfosten hat, so hindert er den Körper, sich auf die rechte oder linke Seite zu werfen. Man sieht also, daß die Harmonie der Theile nur mehr durch einen Druk auf den Hebel P aufgehoben werden kann.

Aus dem Gesagten läßt sich also mit der landwirthschaftlichen Gesellschaft zu Nancy schließen, daß dieser Pflug wirklich wie ein |370| sogenannter einfacher oder Schwingpflug arbeitet, daß die Räder nur als Regulatoren bei dem Beginne der Arbeit des Pfluges und zur Verhinderung des Schiefstehens desselben dienen, so zwar, daß sie oft die Erde gar nicht berühren. Der Theorie nach kann also ein solcher Pflug nicht mehr Zug geben, als ein Schwingpflug, und wenn er in der Praxis ja mehr gibt, so ist dieß lediglich der Einrichtung seines Pflugeisens, seiner Schar und seiner Streichbretter zuzuschreiben. Wir bedauern daher, daß wir keine Versuche über die Zugkraft, welche dieser Pflug im Vergleiche mit jenem des Hrn. M. de Dombasle vom Jahre 1832, beim Pflügen erfordert, anstellen konnten, eine Lüke, die wir später noch ausfüllen zu können hoffen.

Vielleicht könnte man den vollkommensten Pflug erhalten, wenn man de Dombasle'schen Schwingpflug vom Jahre 1832 mit dem Vordergestelle und den Hebeln des Grange'schen Pfluges verbände; denn ein auf diese Weise zusammengesezter Pflug würde, wie uns scheint, die Vortheile dieses lezteren gewahren, ohne dabei eine größere Zugkraft zu erfordern, als ersterer. Wir legen diesem lezteren Umstande besondere Wichtigkeit bei; man braucht nur Pflüge von verschiedener Bauart in einem und demselben Boden arbeiten zu sehen, um sogleich zu bemerken, daß der eine zur Ueberwindung eines und desselben Widerstandes einen größeren Kraftaufwand erfordert, als der andere, obwohl sich nur wenige von diesem großen Unterschiede etwas genaue Rechenschaft zu geben wissen. Wir fügen daher folgende Tabelle einiger Versuche bei, welche von der landwirthschaftlichen Gesellschaft zu Châteauroux angestellt wurden, und nach welchen jeder der erwähnten Pflüge auf jeden Kubikfuß gepflügten Bodens die angegebene Menge Kraft verbrauchte.

Textabbildung Bd. 50, S. 370

Reducirt man alle diese Geschwindigkeiten auf eine einzige, so ergibt sich:

|371|
daß der erste Pflug eine Zugkraft von 10 Kilogr. 699 Gr.,
zweite – – 6 – 173 –
dritte – – 4 – 122 –
vierte – – 4 – 861 –
fünfte – – 3 – 968 –
sechste – – 3 – 646 – erforderte.

Hieraus folgt also, daß der Pflug aus dem Berry, welcher die schlechteste Arbeit und Pflügung gibt, und der sogar Wurzeln und Stängel ganz und unzerschnitten läßt, unter gleichen Umständen eine beinahe drei Mal größere Zugkraft erfordert, als der Pflug des Hrn. Dombasle, und doch ist der gewöhnliche Berry'sche Pflug leider nicht bloß im Berry, sondern in vielen anderen Gegenden Frankreichs, und besonders im mittägigen Frankreich beinahe der allgemein gebräuchliche!

Erklärung der Abbildung in Fig. 1 u. 2.

A sind die Zugketten, welche beiläufig 2 Fuß lang sind. Sie sind mittelst eines Hakens an dem Ende der beiden Arme der Gabel L befestigt, und zwar sehr nahe an der Achse und an den Rädern. Beide Ketten sind gleich. Eine größere Breite kann man der Furche geben, wenn man die linke Kette verkürzt; die entgegengesezte Wirkung findet hingegen Statt, wenn man die rechte Kette kürzer macht.

B ist der Hebel, welcher die Deichselhälter oder die Gabeln trägt; er hat eine Länge von 7 Fuß und eine Dike von 2 Zoll. Der vordere Theil, an welchem die Kette BL hängt, ist 15 Zoll von dem Stüzpunkte entfernt, der sich selbst wieder 6 Zoll hoch über dem beweglichen Pflugstökchen befindet.

C sind die Pfosten, welche 2 Fuß Höhe, 2 1/2 Zoll Dike und 4 Zoll Breite haben, und welche in einer Entfernung von 3 Zoll 1 Linie von einander durch Zapfenlöcher in dem beweglichen Pflugstökchen befestigt sind. Sie werden oben durch ein Querholz O, welches bloß durch Punkte angedeutet ist, in eben derselben Entfernung von einander erhalten, und sind ihrer ganzen Länge nach mit Löchern versehen, welche im Verbande gestellt sind, und zur Aufnahme eines Bolzens dienen. Der rechte Pfosten ist nur 3 Zoll weit von dem Ende des beweglichen Pflugstökchens entfernt.

DE ist die Widerstandskette.

EF, der Drukhebel von 7 Fuß Länge und 2 Zoll Dike.

G, die vordere Kette an diesem Hebel.

H, der Regulator des beweglichen Pflugstökchens. Mittelst dieses Regulators und zweier Bolzen, von denen der eine oberhalb, der andere unterhalb des beweglichen Pflugstökchens durch die Löcher des |372| Regulators gestekt wird, kann das Pflugstökchen, welches 15 Zoll lang und 7 Zoll hoch ist, nach Belieben gehoben werden. In Folge hiervon neigen sich die beiden Pfosten gegen die rechte Seite; der Pflugbaum, welcher unbeweglich zwischen den beiden Pfosten befestigt ist, folgt dieser Bewegung, wodurch dieselbe dem ganzen Körper des Pfluges mitgetheilt wird.

I, die Sterze oder der Griff von 4 1/2 Fuß Länge und 2 oder 3 Zoll Dike, je nachdem der Theil mehr oder weniger weit von dem Haupte entfernt ist. Sie bildet mit dem Pflugbaume, von Unten gemessen, einen Winkel von 45°. Das Zapfenloch, durch welches dieselbe mit dem Pflugbaume in Verbindung steht, ist beiläufig 20 Zoll von dem Haupte entfernt.

J, die Stüze oder der Fuß.

K, der Regulator des Zuges.

L, der Deichselhälter oder die Gabel von 3 Fuß Länge, 30 Linien Dike; ihr Kopf mißt 3 Zoll, die Entfernung der Arme von einander 11 Zoll, und die Breite der Arme 2 Zoll.

M, der Pflugbaum, welcher 6 1/2 Fuß lang, 3 Zoll dik, gegen die Sterze 4 und nach Oben bloß 3 Zoll hoch seyn muß. An jenem Theile, der sich zwischen den Pfosten bewegt, ist derselbe mit einer Doppelung von beiläufig 3 Zoll Dike auf 14 Zoll Länge verstärkt. Dieses Stük dient dazu, um dem Pflugbaume eine unwandelbar parallele Stellung mit den Pfosten zu geben.

N, die Kette des oberen Hebels P.

O, das obere Querstük der Pfosten C, welches nicht nur dazu dient, die Pfosten in einer und derselben Entfernung von einander zu erhalten, sondern welches auch den Stüzpunkt für den Hebel P bildet. Es ist zu diesem Behufe in der Mitte so abgerundet, daß das Spiel des eisernen Bügels 00, welcher durch Punkte angedeutet, und mittelst zweier Schrauben in dem Hebel P befestigt ist, dadurch erleichtert wird.

P, der obere Hebel, dessen Länge 2 1/2 Fuß auf 1 1/2 Zoll Dike beträgt. Der vordere Theil desselben, an welchem die Kettet N hängt, ist, von dem Stüzpunkte aus gerechnet, 14 Zoll lang.

R, das Haupt, welches unten mit einer starken Eisenplatte besezt ist.

S, das Streichbrett.

T, die Schar.

U, der Haken des oberen Hebels P, welcher in einer Entfernung von 3 1/2, Fuß von dem Stüzpunkte O in dem Pflugbaume befestigt ist, und der von dem Pflugbaume aus gerechnet 11 Zoll hoch ist.

Y, das Pflugeisen.

|373|

Z, die Charniere des beweglichen Pflugstökchens.

Die Räder haben 2 Fuß im Durchmesser und 2 1/2 Fuß Geleisweite.

Die Commission sah später Hrn. Grangé mit seinem Pfluge bei dem am 2. Junius zu Grignon gehaltenen Concurse für Pflüge und Pflüger arbeiten. Der Pflug war mit zwei Pferden bespannt, arbeitete in einem ziemlich schweren sandigen Thone 9 Zoll tief mit größter Leichtigkeit, und gab Furchen von 13 Zoll Breite. Grangé trat hier nicht als Concurrent auf, weil er die Pferde, die man ihm gab, nicht kannte. Bei diesem Concurse zeigte sich aber die oben aufgestellte Bemerkung bestätigt, denn den ersten Preis erhielt Hr. Pluchet, der mit einem Pfluge arbeitete, welcher aus einem Schwingpfluge und einem Brabanter Vordergestell zusammengesezt war, und der bei den Messungen mit dem Dynamometer durchaus keine größere Zugkraft zeigte, als sie bei dem Schwingpfluge nöthig ist. Eben dieß wird also auch bei dem nach unserer Angabe modificirten Pfluge der Fall seyn, weil auch an diesem das Vordergestell, welches auf eine unbiegsame Weise mit dem Körper des Pfluges verbunden ist, nur als Regulator dient: Wir haben uns davon überzeugt, daß die Räder oft den Boden gar nicht berührten. Die Erfindung Grangé's verdient übrigens noch um so mehr Lob und Empfehlung, als dieselbe bei ihrer Einfachheit an jedem Pfluge mit sehr geringen Kosten, und bei einem Pfluge mit Vordergestell selbst für 15 Franken angebracht werden kann.

Dieser Pflüg gehört zu jenen Erfindungen, die von dem einfachen, unverdrehten, aber praktisch beobachtenden Verstande eines in Mechanik und aller Theorie gänzlich Unerfahrnen ausgingen. Grangé ist nämlich nichts weiter, als ein junger, armer Bauernknecht, der bei dem Pflügen, welches einen großen Theil seiner Beschäftigung ausmachte, auf die Unvollkommenheiten des Instrumentes, welches man ihm in die Hand gab, aufmerksam wurde, und denselben abzuhelfen trachtete. Das Resultat seines Nachsinnens war nun der Pflug, dessen Beschreibung wir hier geben wollen, indem derselbe wirklich mannigfache Vortheile zu gewahren scheint, und von beinahe allen landwirthschaftlichen Gesellschaften Frankreichs sehr günstig beurtheilt wurde, namentlich von dem landwirthschaftlichen Comité des Journal des connaissances usuelles, welches Hrn. Grangé seine große silberne Medaille ertheilte, und von der landwirthschaftlichen Gesellschaft zu Nancy, welche ihm eine ähnliche Ehre erwies. Auch die Société d'encouragement zu Paris wird nächstens ihr Urtheil über diesen Pflug, welches wir seiner Zeit nachtragen werden, bekannt machen. Man hat übrigens, da Grangé, obwohl er arm und mittellos ist, auf die Sicherung seiner Erfindung durch ein Patent freiwillig Verzicht leistete, auch bereits eine Subscription für denselben unter den Oekonomen veranstaltet. Möchte diese Art von Belohnung, die gewiß am meisten aufmunternd wirkt, und die in neuerer Zeit in England und Frankreich immer häufiger in Anwendung kommt, auch bei uns Wurzel fassen.

A. d. Ueb.

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