Titel: Ueber die Bereitung des berüchtigten Racahout.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XXXVIII./Miszelle 10 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050038_10

Ueber die Bereitung des berüchtigten Racahout.

Man verkauft in Frankreich, und besonders in Paris, seit einigen Jahren unter dem Namen Racahout, Racahout de l'Orient, Racahout du Serail, eine Substanz, welche besonders als Frühstük oder Nahrungsmittel für Kinder und für Leute, deren Verdauung sehr geschwächt ist, empfohlen wird, und von |158| der man, um ihren Absaz desto sicherer zu machen, behauptet, daß die Odalisken der Serails durch ihren Genuß ihre körperlichen Reize in voller Jugendfrische erhalten. Diese Substanz nun, welche zu Paris in kleinen Fläschchen zu 7 bis 8 Franken verkauft wird, und welche allerdings ein sehr leicht verdauliches, und doch sehr nahrhaftes, und daher zwekmäßiges Frühstük gibt, scheint sich gegenwärtig auch in Deutschland immer mehr und mehr zu verbreiten. Wir finden uns daher veranlaßt. Einiges über die Bestandtheile derselben bekannt zu machen, damit unsere Damen weniger trostlos seyn können, wenn ihnen zuweilen ihr Pariser-Racahout-Vorrath ausgeht. – Das Journal des connaissances usuelles, August 1833, S. 106, gibt nämlich folgende drei Vorschriften zur Bereitung desselben, No. 1. Man nehme 1 Pfund feines Hafermehl, eben so viel Chocoladepulver und 1/4 Pfund gepulverten Vanillezuker, menge Alles gut durch einander, siebe es zwei Mal durch, und bewahre es in einer luftdicht verschlossenen Flasche. – No. 2. Man nehme 1/2 Pfund Erdapfel-Stärkmehl und eben so viel feines Weizenmehl, 4 Pfd. Chocolade, 1/4 Pfd. Zuker, 10 bis 20 Gran Zimmt, und verfahre damit auf dieselbe Weise. – No. 3. Man nehme Reißmehl, feines Gerstenmehl, fein gepülvertes Kastanienmehl, von jedem 4 Pfund; 1 1/2 Pfd. Chocolademehl, 2 Unzen gepulverte, in Zuker geröstete Veilchenblumen, eine halbe Unze eben solche Orangeblumen, 1/2 Pfund Zuker, und siebe dieß mehrere Male durch, bis das Pulver äußerst fein und gleichmäßig ist. – Hr. Miguel gibt in seinem Bulletin de la Thérapeutique mehrere ähnliche Vorschriften; nur verordnet er statt der Chocolade gerösteten Cacao; um dem Gemenge einen angenehmen Geruch zu geben, empfiehlt er auch die Anwendung von Storax und rothem Sandelholze; man kann übrigens hierzu auch Zuker mit Rosenöhl, Zuker mit Pomeranzenöhl etc. benuzen, so wie man auch Cachou unter das Gemenge mischen kann – Man rührt den Racahout mit einer gehörigen Quantität Wasser an, und kocht ihn dann unter beständigem Umrühren. Leute mit stärkerer Verdauung können ihn auch mit Milch gekocht genießen. Die Fläschchen mussen jedes Mal gut verschlossen werden, und kein Fläschchen soll mehr enthalten, als man in einer Woche verbraucht, weil sich alle Gemenge, unter denen sich Chocoladepulver befindet, Unter dem Luftzutritte schnell zersezen. – Welchen Gewinn die Racahout-Fabrikanten zu Paris machen, mag daraus hervorgehen, daß sie das Fläschchen, welches ihnen mit dem Glase höchstens auf 1 1/4 Fr. zu stehen kommt, zu 7 bis 8 Fr. verkaufen!

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