Titel: Die Errichtung einer Kreis-Gewerbs- und landwirthschaftlichen Schule in Augsburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XXXVIII./Miszelle 4 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050038_4

Die Errichtung einer Kreis-Gewerbs- und landwirthschaftlichen Schule in Augsburg.

Mit Genehmigung Sr. Majestät des Königs wird in Augsburg eine Kreis-Gewerbs- und landwirthschaftliche Schule errichtet.

Die Eröffnung der Gewerbs- und landwirthschaftlichen Kreisschule wird mit dem Anfange des kommenden Monats November geschehen. Die Bedingungen zur Aufnahme der Schüler sind nach den Bestimmungen der Vollzugsvorschriften vom 28. März d. J. §. 12.:

1) das zurükgelegte 12te Lebensjahr, oder die erlangte Dispensation der königl. Kreisregierung zu einer früheren Aufnahme, 2) für jene Gewerbschüler, welche den Realunterricht an den Gymnasien hören, das Absolutorium über den mit Erfolg vollendeten Besuch der lateinischen Schule; 3) für die übrigen Schüler ein Zeugniß über die gründliche Befähigung in der Religionslehre, im fertigen Lesen und Schreiben, in der Anfertigung eines sprachrichtigen und orthographischen Aufsazes, und über die Kenntniß der vier Rechnungsspecies und ihrer Anwendung auf das bürgerliche Leben, 4) der legale Nachweis der bisherigen obrigkeitlichen und Schulbehörde über vollkommen reinen untadelhaften moralischen Wandel.

Die Aufnahme in den IIten oder IIIten Curs bedingt das durch eine abzulegende Prüfung zu beurkundende Erlernthaben der Lehrgegenstände des vorhergehenden Curses. Das jährlich zu entrichtende Schulgeld beträgt vier Gulden Unbemittelte Individuen sind von dessen Entrichtung befreit, wenn sie sich durch gerichtliche Zeugnisse über ihre Dürftigkeit auszuweisen vermögen.

Die sämmtlichen Unterrichtsgegenstande der Gewerbs- und landwirtschaftlichen Schule sind nach den Bestimmungen der Vollzugsvorschriften vom 28. März d. J. §. 7. auf drei Jahrescurse wie folgt:

Ister (unterer) Curs.

1) Arithmetik. Rechenkunde bis einschlüßig der Bruchrechnung. 2) Planimetrie. 3) Zeichnungsunterricht. 4) Naturgeschichte. Anfangsgründe derselben. 5) Encyclopädie der Gewerbe resp. Uebersicht der Gewerbe und Productenlehre, mit Angabe der für jedes Gewerbe vorzüglich nöthigen Stoffe, und deren Erzeugungsart und Erzeugunsorte.

IIter (mittlerer) Curs.

1) Arithmetik, sämmtliche Anwendungen derselben auf Handels- und Geschäftsrechnungen. 2) Stereometrie. 3) Zeichnungsunterricht. 4) Naturlehre. |154| 5) Naturgeschichte. 6) Fortsezung der Encyclopädie der Gewerbe.

IIIter (oberster) Curs.

1) Arithmetik und Algebra. Vollendung des arithmetischen Unterrichts in der Algebra bis einschlüßig der Logarithmen und Gleichungen des zweiten Grades. 2) Descriptive Geometrie. 3) Zeichnungs-Unterricht. 4) Chemie, Vorbegriffe der Chemie mit technischen Andeutungen. 5) Encyclopädie der Gewerbe etc., Fortsezung. 6) Buchhaltung in Verbindung mit stylistischen Uebungen.

Endlich wird in den 3 Cursen Unterricht im Bossiren und Modelliren, dann in den Anfangsgründen der Maschinenlehre (Mechanik) gegeben.

Die Schüler der Landwirthschaft nehmen Antheil an folgenden Lehrstunden der Gewerbsschüler.

Im Isten Curse.

Arithmetik, (Geometrie, Naturgeschichte, Zeichnen und Mechanik mit den Gewerbschülern des ersten Curses, bann Naturlehre mit den Gewerbsschülern des zweiten Curses.

Im IIten Curse.

Arithmetik, Stereometrie, Fortsezung der Naturgeschichte, Mechanik mit den Gewerbschülern des zweiten Curses, Chemie und Buchhaltung mit den Gewerbschülern des dritten Curses.

Eigene Vorträge erhalten die landwirtschaftlichen Schüler:

a) Im Isten Curse. Encyclopädie der Landwirthschaft nach ihrem vollen Umfange, und Uebersicht der verschiedenen landwirthschaftlichen Systeme.

b) Im IIten Curse. Den ersten Theil der Productionslehre, der landwirthschaftlichen Oekonomie und der landwirthschaftlichen Technologie.

c) Im IIIten Curse. Den zweiten Theil der oben genannten Gegenstände.

Ein Veterinärarzt gibt in dem dritten Curse die Grundmomente der thierischen Anatomie und der Thierarzneikunde.

Als Attribute erhält diese Anstalt:

1) Eine Sammlung entsprechender Zeichnungsvorlagen. 2) Eine Sammlung von Vorlagen zum Bossiren. 3) Eine Sammlung der nöthigen Naturalien. 4) Eine Sammlung von Rohstoffen und Producten. 5) Einen geeigneten physikalischen, und 6) einen passenden chemischen Apparat.

Der Tag des Anfangs des Unterrichts wird durch das Rectorat dieser Anstalt besonders bekannt gemacht werden, bei welchem sich die betreffenden Individuen wegen der Aufnahme zu melden haben.

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