Titel: Verfahren dem Leinenzeug schottischen (Atlas-ähnlichen) Glanz zu ertheilen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XXXVIII./Miszelle 5 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050038_5

Verfahren dem Leinenzeug schottischen (Atlas-ähnlichen) Glanz zu ertheilen.

Oeffentlichen, im Nürnberger Correspondenten von und für Deutschland (No. 193 den 12. Julius 1833) enthaltenen Nachrichten zu Folge, ist gegenwärtig in Amerika, und namentlich in Mexiko, Leinwand ein sehr gesuchter Handelsartikel; jedoch nur jene hat dort Handelswerth, welche den sogenannten englischen Glanz besizt. Den lebhaftesten, in Absicht auf schönes und gefälliges Ansehen den des Atlas bei Weitem übertreffenden Glanz, ertheilt man dem Leinenzeug, zumal dem Tafeltuch, in Schottland in der Gegend zwischen Perth und Scoone-Palace. Das daselbst befolgte Verfahren ist eben so einfach als leicht ausführbar, und beeinträchtigt die Dauerbarkeit der Leinenfaser keineswegs, sobald es nur von geschikten Arbeitern vollzogen wird. Man rollt nämlich die zu appretirende Leinwand vermittelst eines Treibwerks von einer großen hölzernen Walze auf eine dergleichen zweite; zwischen beiden hölzernen Walzen befindet sich eine zinnerne. Die mit gehörigem Kraftaufwande gleichförmig durchgezwängte Leinwand bietet, sobald sie die Zinnfläche berührt hatte und |155| um die zweite hölzerne Walze gewunden wurde, ein höchst lebhaftes, schwach bläuliches Weiß dar, welches in der That hinsichtlich des beliebten, gefälligen Ansehens nichts zu wünschen übrig läßt. Ohne Zweifel kann man denselben Glanz auch mit Langmeyer's, vor mehreren Jahren zu Schmiedeberg in Schlesien erfundener Glättmaschine erreichen, wenn man dieselbe einer zwekmäßigen Abänderung unterwirft.50) Die Zinnwalze darf aber hiebei, als bläulichweißen Metallschimmer ertheilende Glättvorrichtung, nicht fehlen. Ja schon das Ersezen der beim gewöhnlichen Kalandern in Gebrauch genommenen eisernen oder stählernen Cylinder, durch zinnerne, oder mit Zinn plattirte bleierne, dürfte hinreichen, der deutschen Leinwand den erwähnten schottischen Glanz zu ertheilen. (Kastner's Archiv Bd. VII. S. 161.)

|155|

Die Schotten bedienen sich höchst wahrscheinlich einer Mange (oder eines Kalanders), welche (nicht aus zwei hölzernen, sondern) aus zwei Papiermaché-Walzen besteht, zwischen denen sich eine Zinnwalze von kleinerem Durchmesser befindet.

A. d. R.

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