Titel: Ueber einige Weinkrankheiten und deren Behandlung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XXXVIII./Miszelle 7 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050038_7

Ueber einige Weinkrankheiten und deren Behandlung.

Die Burgunder-Weine, und besonders gewisse Gewächse derselben, sind einer eigenen Krankheit unterworfen. Diese Krankheit, die dem Werthe der Weine bedeutend schadet, ist das Bitterwerden; man nennt solche bitter gewordene Weine auch Wermuthweine (vins absinthés). Das Uebel besteht darin, daß die Weine nicht nur bitter werden, sondern daß sie zugleich ihren Weinstein, und wenn sie roth sind, ihren Farbestoff fallen lassen; die weißen Weine werden hierbei gelb. Um nun solchen Wein wieder herzustellen, soll man ihn auf folgende Weise behandeln. Man nehme auf einen Hectoliter Wein 1 1/2 Quentchen Weinsteinsäure, löse diese in einer geringen Menge,. Wasser auf, und tränke mit dieser Auflösung einiges ungeleimtes Papier. Dieses Papier zerreiße man in kleine Stükchen, die |156| man, nachdem sie troken geworden, in das Weinfaß bringt, und mit einem Stoke darin umrührt. Nach zehntägiger Ruhe klärt man den Wein dann mit einem Gemenge, welches man aus einer Unze Blut, einem Quentchen aufgelöster Hausenblase, dem Eiweiße von drei Eiern und einer Handvoll Quarzsand bereitet, indem man diese Substanzen gut mit einander abklopft. Ist der Wein klar geworden, so zieht man ihn in Flaschen ab; er wird nach dieser Operation beinahe ganz hergestellt seyn, muß aber doch schnell getrunken werden, weil sich die Krankheit leicht neuerdings wieder entwikelt. Vermengt man solchen hergestellten Wein mit Wein, der nicht krank war, so hält er sich länger, und kann selbst einen längeren Transport erleiden. – Die weißen Weine werden nicht selten gelb; um ihnen nun ihre frühere Weiße wieder zu geben, soll Folgendes eines der besten Mittel seyn. Man nehme 2 Quentchen Weinsteinsäure, 3 Quentchen Hausenblase, und löse leztere mittelst der Weinsteinsäure in Wasser auf. Dann nehme man eine Unze Blut, das Eiweiß von drei Eidottern, eine Handvoll Quarzsand und 3 bis 4 Unzen sehr reine thierische Kohle. Alles dieß klopfe man gut unter einander, und gieße es, nachdem es gehörig mit Wasser verdünnt worden, in ein Faß von 2 Hectoliter Wein, um es in diesem gut unter einander zu rühren. Nach einigen Tagen Ruhe wird der Wein wieder seinen früheren Glanz erhalten haben. – Die weißen Weine werden auf verschiedene Weise geklärt oder geschönt; in Burgund wendet man, wenn das gewöhnliche Verfahren mißlungen ist, häufig Weingeist hierzu an, der aber auch manchmal versagt. Ein ausgezeichneter Oenolog befolgt seit einigen Jahren mit bestem Erfolge folgendes Verfahren. Er sezt auf 2 Hectoliter Wein 1 1/2 Pfd. ungeleimten Papierzeug zu, rüttelt das Ganze gut unter einander, und läßt den Wein hierauf durch ein Filter laufen. Weine, die sonst immer schillernd blieben, sollen bei dieser Behandlung vollkommen klar geworden seyn. (Aus dem Journal des connaissances usuelles. September 1833, S. 142.)

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