Titel: Außerordentliche Größe der Handmaschinen zur Tull-Fabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XLIX./Miszelle 5 (S. 233)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050049_5

Außerordentliche Größe der Handmaschinen zur Tull-Fabrikation.

In Hrn. Drinkwater's Aussagen über die englischen Fabriken, welche in dem vor dem Parliamente erstatteten Factory-Report abgedrukt sind, befindet sich folgende merkwürdige Stelle, die einen neuen Beweis der großen Anstrengung liefert, mit der der englische Arbeiter arbeitet: „Die Einführung der sogenannten Kunst, oder Kraftstühle in den Bobbinnet- oder Tull-Fabriken, sagt Hr. D., kann bis jezt noch nicht als vollkommen betrachtet werden; gegenwärtig hält der Handarbeiter noch immer mit Erfolg mit den Maschinen Concurrenz. Das Fabrikat des Handarbeiters ist zugestandener Maßen nicht schlechter, und der Hauptvortheil, den der Eigenthümer der Kraftmaschinen hat, ist der, daß er keine andere Arbeit als die Oberaufsicht hat. Jugendliche Arbeiter werden bisher nur wenige in diesem Zweige der Fabrikation verwendet, weil die Maschinerien, deren man sich bei derselben bedient, so complicirt sind, daß sie im Allgemeinen selbst nicht von 14 bis 15jährigen Knaben geleitet werden können, ohne daß sie dabei von einem erfahrneren Arbeiter beaufsichtigt werden. Die Arbeit beim Betriebe der Handmaschinen muß äußerst hart seyn, und da man fortwährend noch neue Versuche über den Grad von Anstrengung, den das menschliche Gerippe zu ertragen im Stande ist, macht, so sind einige der neuesten Maschinen wahrhaftig von der Art, daß sie nur von athletischen Individuen betrieben werden können. Im Jahre 1829 war die breiteste bekannte Maschine 12 Viertel breit, d.h. man konnte auf ihr ein Stük Tüll von 3 Yards Breite verfertigen. Seit dieser Zeit hat diese Breite aber sehr zugenommen, und ich selbst sah einen Mann an einer Handmaschine arbeiten, welche die ungeheure Breite von 20 Viertel oder 5 Yards hatte. Wenn man bedenkt, daß der Arbeiter, welcher in der Mitte dieser Maschine sizt, nicht bloß die ungeheure Maschine mit Händen und Füßen in Bewegung sezen, sondern jeden Faden durch eine Streke Nez führen muß, welches sich aus beiden Seiten bis auf 7 1/2 Fuß erstrekt, so kann man sich einen Begriff von der Mühseligkeit dieser Arbeit machen. Bis jezt gibt es zum Glüke nur zwei Maschinen von solcher enormer Breite, und wie man glaubt, dürfte dieses Maß doch endlich das Non plus ultra seyn!“ (Mechanics Magazine, No. 527.)

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