Titel: Ueber eine neue Rasirmethode ohne Rasirmesser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XLIX./Miszelle 7 (S. 234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050049_7

Ueber eine neue Rasirmethode ohne Rasirmesser.

Der Paisley Advertiser und aus diesem das Mechanics' Magazine No. 527 enthält folgenden Artikel: „Es wurde kürzlich eine Entdekung gemacht, die uns in Zukunft um alle stumpfen und bartausraufenden Rasirmesser unbekümmert und von den Schleifern und Abziehern derselben unabhängig machen dürfte. Vor einigen Monaten beschmuzte sich nämlich ein Hund an den Gaswerken zu Johnstone zufällig am Rüken mit etwas wenigem von dem Irländischen Kalke, durch welchen das Gas zum Behufe der Reinigung geleitet wird. Der Eigenthümer des Hundes, Hr. Blair, nahm einen Holzspan, um den Hund damit zu reinigen, und fand zu seinem Erstaunen, daß sich der Kalk mit sammt den Haaren von der Haut des Hundes abnehmen ließ. Sein erster Gedanke war, daß, wenn diese Masse die Hundshaare abfallen macht, sie wohl auch zum Abnehmen des Bartes taugen möchte. Er entschloß sich daher zu einem Versuche, den er jedoch zuerst an einem seiner Arme vornahm; das Resultat war so günstig, daß er sogleich auch sein Gesicht auf dieselbe Weise behandelte, und seither nie mehr ein Rasirmesser anwendete. Er bestreicht nämlich sein Gesicht, so weit der Bart reicht, mit dem zur Rahmdike angemachten Kalke, läßt denselben 3 bis 4 Minuten lang auf der Haut, und scheert dann den Bart sammt der Composition mit einem Messer, wie man es zum Bücheraufschneiden hat, oder mit einem scharfkantig zugeschnittenen Stüke Holz ab. – Diese neue vortreffliche Methode sich zu rasiren dürfte vor der Hand nur in dem üblen Geruche, den der in den Gaswerken gebrauchte Kalk von sich gibt, ein Hinderniß ihrer allgemeinen Verbreitung finden. Man wird aber bald Mittel finden, den Kalk nicht nur hiervon zu befreien, sondern ihm auch verschiedene Wohlgerüche mitzutheilen; wahrscheinlich besizt jedoch der Kalk allein, und ganz unabhängig von dem Gase, diese Eigenschaft.“ Wir wundern uns sehr, daß das Mechanics' Magazine diese Bartscheermethode als neu mittheilt, da es doch allgemein bekannt ist, daß die Söhne Israels, denen der Gebrauch der Rasirmesser untersagt ist, nebst der Scheere seit undenklichen Zeiten in vielen Gegenden auch eine eigene Composition, den sogenannten Rusmar, anwenden, um sich ihres Bartes zu entledigen. Dieser Rusmar, welcher hauptsächlich aus Aezkalk und Opperment besteht, nimmt die Haare vollkommen ab, hat aber das Nachtheilige, daß er von keiner empfindlichen Haut gut vertragen wird, und bei fortgeseztem Gebrauche selbst allerlei Flechten etc. im Gesichte erzeugt. Wahrscheinlich dürften auch nur tüchtig gegerbte Häute den aus den Gaswerken kommenden Kalk längere Zeit über ohne Nachtheil vertragen.

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