Titel: Ueber die englischen Brillen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. LXIX./Miszelle 8 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050069_8

Ueber die englischen Brillen.

Hr. Hudson macht in seiner Spectaclaenia, einem originellen und interessanten Werkchen, folgende Behauptung: „Die in England verfertigten Brillen oder Augengläser sind, wie selbst Ausländer anerkennen, die besten auf der ganzen Welt. Als Beweis hiefür kann ich anführen, daß viele Ausländer, und selbst solche, die in ihrem eigenen Vaterlande sehr gute Optiker besizen, ihre Brillen von London beziehen. Der selige Kaiser Alexander ließ seine Augenglaser bei einem englischen Optiker machen, der noch in lezter Zeit zu London, Kirby-Street, lebte. Diese Gläser hatten 14 Zoll concaven Radius, und das Gefäß derselben bestand aus Schildpad, welches auf Seiner Majestät ausdrükliches Gebot eine Farbe haben mußte, die bei uns in England am wenigsten geachtet wird: d.h. es mußte lichtroth oder fuchsfarb seyn. Alexanders Nachfolger, Kaiser Nicolaus, folgte seinem Vorgänger nicht nach, sondern trägt andere Augenglaser, weil er nicht durch englische Brillen sehen will.“ Uebrigens gesteht Hr. Hudson an einer anderen Stelle, daß in England auch Dinge als Brillen verkauft werden, |315| die man nicht leicht irgendwo schlechter finden kann. Die Hausirer in London tragen nämlich häufig Brillen mit Gefäßen aus Horn oder Glas herum, deren Gläser nichts weiter als gewöhnliche Fenstergläser sind, welche auf der einen Fläche vollkommen eben, auf der anderen hingegen etwas abgeschliffen sind, um ihnen das Aussehen zu geben, als hätten sie einen Focus; 144 Paare solcher Glaser, mit denen reiner, die Augen verderbender und den Geldbeutel beeinträchtigender Betrug getrieben wird, kosten bei den englischen Glasschleifern 12 bis 14 Shill. (7 fl. 12 kr. bis 8 fl. 24 kr.), während sie die Hausirer den Unwissenden um schweres Geld anhangen.

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