Titel: Säulen aus Malachit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XC./Miszelle 23 (S. 399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050090_23

Säulen aus Malachit.

Ich sah kürzlich, schreibt Hr. Graf Hawks Le Grice aus Rom, zwei acht Fuß hohe, canelirte, corinthische Säulen mit Capitälern und Basen aus Malachit, die wohl die größte Arbeit seyn dürften, welche je aus diesem Materiale verfertigt wurde. Der berühmte Künstler Francesco Libitio arbeitete dieses Kunststük für den Russen Demidoff, der das Material dazu von seinen ungeheuren Kupferbergwerken aus Sibirien nach Rom schaffen ließ. Der Künstler wählte die Malachitstüke je nach ihrer Schattirung aus, und sezte sie so künstlich zusammen, daß man die Fugen selbst bei genauer Besichtigung nur mit Mühe entdeken kann, und daß die Säulen aussehen, als bestünden sie nur aus einem einzigen Stüke. Noch überraschender aber ist unter diesen Umständen die vollkommene Gleichheit der beiden Säulen in Hinsicht auf Schattirung und Glanz. Die reichen corinthischen Capitäler sind vortrefflich gearbeitet, und jedes Acanthus-Blatt sieht, obschon es aus mehreren 100 Stüken zusammengesezt ist, aus, als wäre es aus einem Stüke. Die einzelnen Stüke der Säule sind um eine Säule aus Travertin, an welchem der Kitt wegen der schwammigen Natur seines Gesteines sehr fest anklebt, mittelst eines sehr festen und dauerhaften Kittes so befestigt, daß die Säulen bedeutende Stöße und einen großen Druk aushalten können, ohne dadurch beschädigt zu werden. Der Kitt wird erst bei einer Temperatur von 149° F. weich, so daß die Stüke also wohl nicht bei der Sommerhize irgend eines Klima's oder bei der Wärme eines Zimmers los werden können. – 18 Arbeiter arbeiteten ein Jahr und 9 Monate lang an diesen Säulen, und die Kosten der Arbeit allein beliefen sich auf 8000 römische Kronen! Hr. Demidoff scheint seinen Hang zum Luxus auf eine andere Weise zu befriedigen, als einer seiner Vorfahren, der die größten Orangenbäume, die er in Italien fand, auf der Art aus Italien nach Moskau führen ließ, um sie daselbst in seinen riesenhaften Glashäusern zur Schau auszustellen. (Repertory of Patent-Inventions Oct. 1833.)

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