Titel: Außerordentliches Programm über zwei den Krapp betreffende Preisaufgaben, worüber in der Generalversammlung der Société industrielle zu Mülhausen, im Monat Mai 1835 entschieden werden wird.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XC./Miszelle 3 (S. 389–391)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050090_3

Außerordentliches Programm über zwei den Krapp betreffende Preisaufgaben, worüber in der Generalversammlung der Société industrielle zu Mülhausen, im Monat Mai 1835 entschieden werden wird.

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Erster Preis.

Ein Preis von 16,000 Franken105)wird demjenigen zuerkannt, welcher ein Mittel ausfindig macht, wodurch man bei bloß einmaligem Färben allen Färbestoff des Krapps oder wenigstens ein Drittel mehr, als man bisher beim Färben nach der gewöhnlichen Weise daraus erhielt, auf gebeizten Baumwollenzeugen befestigen kann.

Alle Farben, deren Basis Alaunerde und Eisenoxyd ist, müssen, so wie man sie durch die neuen Verfahrungsarten erhält, dieselbe Intensität, Lebhaftigkeit und Haltbarkeit wie die jezt gebräuchlichen Krappfarben haben und das Passiren durch Chloralkalien, Säuren und Alkalien, so wie die Einwirkung des Sonnenlichts aushalten.

Die für Weißboden nicht mit Mordant bedrukten Theile, so wie diejenigen, welche auf gebeizten Stüken weiß geäzt wurden, müssen sich wenigstens eben so gut wie bei den gewöhnlichen Verfahrungsarten erhalten und beim vollständigen Ausbleichen nicht mehr Schwierigkeiten darbieten. Die Verfahrungsarten beim Schönen der Krappfarben müssen dieselben seyn, welche man bis jezt angewandt hat, oder dürfen wenigstens nicht kostspieliger und nicht schwieriger seyn.

Die neuen Verfahrungsarten beim Färben müssen dieselben Vortheile für das Türkischrothfärben der geöhlten Zeuge darbieten, so wie für die gemischten Böden, wobei man außer Krapp auch noch Quercitronrinde oder Wau anwendet.

Auch darf man beim Färben nicht mehr Zeit als gegenwärtig brauchen und eben so wenig mehr Brennmaterial; das Färbeverfahren muß auch auf den Avignon-Krapp eben so gut wie auf den Elsasser Krapp anwendbar seyn.

Zweiter Preis.

Ein Preis von 16,000 Franken wird demjenigen zuerkannt, welcher ein Krapp-Tafelroth darstellt, zu welchem kein anderer Färbestoff als Krapp kommt, das dieselbe Intensität, Lebhaftigkeit und Haltbarkeit, wie das schönste mit Krapp gefärbte Roth oder Rosenroth hat, eben so gut auf der Walzendrukmaschine wie mit dem Model gedrukt werden kann, und zwar auf weiße Baumwollenzeuge, die keine Vorbereitung erhielten; auch darf nach dem Druken keine andere Operation nöthig seyn, als das Auswaschen in Wasser oder Dämpfen. Dieses Tafelroth muß der Einwirkung der Sonne, der Chloralkalien, der Seifen, der Säuren und der Alkalien eben so gut widerstehen, wie das mit Krapp gefärbte Roth. Mit demselben muß man auch alle Farbenabstufungen vom Dunkelroth bis zum hellen Rosenroth erhalten können.

Der Preis von 2 Liter dieser Farbe darf nicht über 10 Franken betragen.

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Seitdem man weiß, daß der Krapp, welcher schon zum Färben gedient hat, noch eine große Menge rothen Färbestoff zurükhält, die durch heißes Wasser oder unsere gewöhnlichen Verfahrungsarten beim Färben nicht ausgezogen werden kann, wünscht man ein Mittel zu besizen, wodurch man diesen verlorenen Färbestoff benuzen kann. Verdünnte Schwefelsäure ertheilt ihm die Eigenschaft, wieder wie frischer Krapp zu färben, nur mit dem Unterschied, daß diese Farbe gar nicht mehr solid ist. Die Flüchtigkeit dieser Farbe rührt nicht von einer Veränderung des Färbeftoffs her, denn man kann sie durch mehrere Mittel haltbar machen, welche aber entweder zu kostspielig oder zu langwierig oder auch oft in ihren Resultaten wandelbar sind, besonders wenn man sie im Großen anwendet. Man |391| kann aus dem Krapp, welcher schon zum Färben gedient hat, und dann mit Schwefelsäure behandelt wurde, noch zwei Fünftel von der Quantität Färbestoff, die er beim ersten Färben abgegeben hatte, ausziehen, ohne daß er deßhalb ganz an Färbestoff erschöpft würde, und es läßt sich daher ohne Uebertreibung annehmen, daß man aus dem Krapp wenigstens um die Hälfte mehr Färbestoff erhalten sollte, als man bei den jezt gebräuchlichen Verfahrungsarten beim Färben aus ihm auszieht.

Da der Krapp bereits von mehreren Chemikern untersucht wurde, so wollen wir ihre. Versuche nicht resumiren und verweisen diejenigen, welche sich mit der Lösung dieser Preisaufgaben beschäftigen wollen, auf die Bulletin der Société industrielle zu Mülhausen No. 3, 17 und 22106)und auf die Abhandlung der Herren Gautier de Claubry und Persoz in den Annales de Chimie et de Physique. September 1831. S. 69.107)

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Den Abhandlungen, Zeichnungen, Proben und Mustern muß ein versiegelter Brief, welcher den Namen des Verfassers enthält, beigelegt werden und dieselben müssen portofrei vor dem 16. December 1834 an den Präsidenten der Société industrielle zu Mülhausen eingeschikt werden.

Im Falle die zum Concurse eingesandten Abhandlungen nur einen Theil der Bedingungen des Programms erfüllen würden, behält sich die Société industrielle vor, den Verfassern goldene, silberne oder bronzene Medaillen zuzuerkennen, je nach dem Nuzen, welchen ihre Abhandlungen für die Kottonfabriken darbieten.

Wenn die Preisaufgaben bei dem Concurse im Jahre 1835 nicht gelöst sind, so werden sie noch ein Mal, und zwar zum lezten Mal ausgeschrieben und es wird dann im Mai 1836 darüber entschieden.

Der Verfasser, welcher den Preis erhält, kann weder über seine Abhandlung noch über seine Erfindung mehr verfügen; er darf sie nämlich nicht mehr bekannt machen und auch nicht mehr verkaufen.

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Die Preise wurden durch eine Subscription gegründet, welche sich bis jezt auf 32,000 Franken für beide Preise beläuft; da die Subscription aber noch nicht beendigt ist, so wird die Société industrielle später die definitive Summe, welche sie für beide Preisaufgaben bestimmt, so wie das Verzeichniß der Subscribenten bekannt machen.

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Sie finden sich im polytechnischen Journale Bd. XXIII. S. 73. Bd. XXIV. S. 275. 530. 553. Bd. XXVII. S. 200. 218. 228. Bd. XXXIII. S. 158. Bd. XXXIX. S. 385. 392.

A. d. R.

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Im polytechnischen Journal Bd. XLIII. S. 581. Man vergleiche damit auch Robiquet's Bemerkungen in unserem Journale Bd. XLVI. S. 123.

A. d. R.

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