Titel: Weitere Notizen über die Fahrten der Dampfwagen auf gewöhnlichen Straßen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1833, Band 50, Nr. XC./Miszelle 6 (S. 392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj050/mi050090_6

Weitere Notizen über die Fahrten der Dampfwagen auf gewöhnlichen Straßen.

Nachdem Sir Charles Dance die Probefahrten, die er mit seinem modificirten Dampfwagen zwischen London und Brighton anstellte, glüklich vollendet, beschloß er regelmäßig zwischen Waterloo-Street und Greenwich hin und her zu fahren, und zwar täglich drei Mal. Der Dampfwagen legte auf diese Weise innerhalb 8 Tagen gegen 250 engl. Meilen zurük, wobei er im Durchschnitte mit einer Geschwindigkeit von 10 engl. Meilen in der Stunde fuhr. Die Fahrten gingen ohne allen Unfall von Statten, obschon sich eine solche Masse von Zuschauern herbeidrängte, daß von Seite des Wagenlenkers und der Maschinisten die größte Sorgfalt nöthig war. Das Fuhrlohn betrug 2 Shill. 6 Den. (1 fl. 30 kr.) Sir Dance soll diesen, gegen das Fuhrlohn der auf gleichem Wege fahrenden Eil- und Landkutschen hohen Preis, dem Repertory of Patent-Inventions, November S. 298, zu Folge, nur deßwegen festgesezt haben, damit ihm die Kutschen-Inhaber und deren Anhänger keine Hindernisse in den Weg legen, und damit er auf diese Weise widerlegen könne, daß im Publikum durchaus kein solcher Widerwillen gegen die Dampfwagen herrsche, als man dieß zu verbreiten bemüht ist. Andere Blätter, und besonders das Mechanics' Magazine, sind jedoch geneigt, diesen hohen Preis anderen Ursachen zuzuschreiben. Der Wagen war im Durchschnitte jedes Mal mit 14 Personen besezt, und unter diesen befanden sich ein Mal auch Hr. Telford, Hr. Macneil und andere berühmte Mechaniker. Auf Andringen dieser Herren soll sich Sir Dance entschlossen haben, zur vollen Beweisführung der Möglichkeit und Zwekmäßigkeit der Dampfwagen auf den gewöhnlichen Straßen, eine Fahrt von London nach Birmingham zu unternehmen; und gab daher die Fahrt zwischen London und Greenwich einstweilen auf. Andere Blätter äußern jedoch, daß dieß nur ein neuer Dekmantel für das Mißlingen der Dance'schen Versuche seyn dürfte. Der Referent im Repertory bemerkt, daß er den Dance'schen Dampfwagen auf seinen Fahrten beobachtet, und die Leichtigkeit seiner Bewegung bewundert habe. Er glaubt, daß der neue Wagen, welchen die HH. Mandslay und Field gegenwärtig bauen, wohl mit einer Geschwindigkeit von 15 engl. Meilen in der Stunde fahren würde; indem an dem Dance'schen Wagen nur der Dampfkessel von diesen Fabrikanten verfertigt ist, und indem dieser Dampfkessel hier nicht seine volle Kraft äußern kann, weil viele Theile des Wagens zu schwach, andere hingegen zu schwer sind. Der Dance'sche Wagen verbrauchte bei seinen Fahrten, seit er mit dem neuen Dampfkessel ausgestattet ist, beinahe einen halben Bushel Kohks in der englischen Meile. Die Resultate der Fahrt zwischen London und Birmingham sollen nächstens vorgelegt werden.

Hr. Hancock ist, wie der Brighton Herald schreibt, am 7. October mit seinem neuen Dampfwagen Autopsy zu Brighton angefahren, und hat daselbst mehrere Tage lang zum Vergnügen der Einwohner ohne allen Unfall verschiedene Fahrten unternommen, um hierauf wieder nach London zurükzukehren. Die Autopsy soll dem Dampfwagen Infant ähnlich seyn, und von Anfang November an regelmäßig zwischen Finsbury-Square und Pentonville hin und her fahren.

Die Subscribenten der Heaton'schen Dampfwagen-Compagnie zu Birmingham hielten kürzlich eine Versammlung, bei welcher innerhalb 24 Stunden nicht weniger als 3000 Actien zu 10 Pfund verkauft wurden, obschon der Prospectus der Compagnie nur auf 2000 Actien berechnet war. Die HH. Heaton arbeiten nun in Folge dieses günstigen Resultates an 4 Dampfwagen, welche vom nächsten März an in verschiedenen Gegenden um Birmingham fahren sollen. (Aus der Birmingham Gazette im Mechanics' Magazine No. 532.)

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