Titel: Hare's Benuzung des Galvanismus zum Sprengen von Felsen.
Autor: Hare, Robert
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. V. (S. 16–19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/ar051005

V. Ueber die Benuzung des Galvanismus zum Sprengen von Felsen. Von Hrn. Dr. Robert Hare, Professor der Chemie an der Universität zu Pennsylvania.

Aus dem Franklin Journal im Mechanics' Magazine, S. 266.

Die vielen Unglüksfälle, welche sich bei der gewöhnlichen Methode Felsen zu sprengen, ereignen, veranlaßten mich zu einigen Untersuchungen über diesen Gegenstand, in Folge deren ich nun ein Verfahren bekannt machen kann, durch welches der Sprengproceß beinahe sicherer und gefahrloser werden dürfte, als das Abfeuern einer Flinte. Meine Erfindung besteht in einer neuen Anwendung des Galvanismus, auf die mich die Patent-Sprengmethode des Hrn. |17| Moses Shaw, nach welcher die Entzündung durch den elektrischen Funken einer Leidner-Flasche bewirkt wird, brachte.4)

Hr. Shaw schrieb mir nämlich am 1. Junius 1831: „Ich habe mehrere Male Felsen mit Vortheil gesprengt, indem ich in mehrere in die Felsen gebohrte Löcher ein Zündpulver brachte, und alle diese Bohrlöcher mittelst eines elektrischen Funkens gleichzeitig und mit einem Male entzündete. Ich erhielt auf diese Weise Massen von weit größerem Umfange und von einer Form, die sich zu mannigfaltigen Zweken besser eignet, als die Form jener Stüke, die man gewöhnlich nach der alten Methode erhielt. Leider gelang mir diese Methode jedoch nicht immer; denn einen großen Theil des Jahres über war ich wegen des ungünstigen Zustandes der Witterung nicht im Stande, durch die Elektricität eine Entzündung zu bewirken, auf welche Weise ich dieselbe auch anwendete. Ich habe mehrere ausgezeichnete Gelehrte und Chemiker gefragt, wie diesem unangenehmen Umstande abgeholfen werden könne, allein vergebens.“

Diese Mittheilung brachte mich alsbald auf die Idee, daß die Entzündung des Schießpulvers zu dem Behufe, zu welchem sie Hr. Shaw brauchte, durch eine galvanische Entladung eines Deflagrators oder Calorimotors bewirkt werden könne, gleichwie ich auf diese Weise bei meinen eudiometrischen Versuchen die explodirenden Gasgemische entzündete. Dieses Verfahren ist vollkommen sicher, und man kann ihm durchaus nicht die Ungewißheit vorwerfen, die man bei der Anwendung der mechanischen Elektricität zu ähnlichen Zweken immer mehr oder weniger zu befürchten hat. Meine Erwartung wurde durch die Erfahrung vollkommen bewährt. Ich habe 12 Ladungen Schießpulver in einer Entfernung von 130 Fuß durch eine galvanische Batterie entzündet, – eine Entfernung, die weit größer ist, als sie für die Sicherheit des Operateurs nöthig ist, indem der Deflagrator leicht so geschüzt werden kann, daß der Arbeiter durch die Explosion keinen Schaden leidet. Man kann den Deflagrator mittelst Hebeln und Rollen in jeder Entfernung, die man für nöthig hält, wirken lassen, und die Zahl der Ladungen, welche auf ein Mal entzündet werden sollen, erleidet nur durch die Kosten, die man auf den Apparat verwenden kann oder will, eine Beschränkung. Diese Bemerkungen beziehen sich hauptsächlich auf das höchst wichtige Project des Hrn. Shaw: nämlich auf die gleichzeitige Entzündung einer größeren Anzahl nach einem bestimmten Plane angebrachter Bohrlöcher. Auf diese Weise könnten die Steine nämlich in |18| große prismatische oder tafelförmige Stüke gesprengt werden, während man gegenwärtig nach der alten Methode bei undeutlich geschichteten Felsen nur unregelmäßige und kleinere Stüke erhält.

Ich habe mir jedoch vorgenommen, hier hauptsächlich auf eine Modification des gewöhnlichen Sprengprocesses mit einem einzigen Bohrloche aufmerksam zu machen, – auf eine Modification, durch welche dieser Proceß vollkommen sicher und gefahrlos gemacht werden dürfte.

Die meisten Unglüksfälle, die beim Sprengen Statt finden, ereignen sich, wie ich vorläufig bemerken muß, auf folgende Weise:

1) Die Explosion erfolgte zu früh, ehe der Arbeiter noch Zeit hatte, sich gehörig zurükzuziehen.

2) Die Explosion erfolgte zu früh, indem sich beim Schließen des mit Pulver gefüllten Bohrloches mit Ziegelmehl oder Sand ein Funken erzeugte.

3) Das Feuer erreicht ungewöhnlich lange Zeit die Ladung nicht; der Arbeiter nähert sich dem Bohrloche, um die Ursache hiervon zu erfahren, wo dann die Explosion oft plözlich erfolgt, und den Unvorsichtigen tödtet.

Die Mittel, wodurch die Entzündung nach meiner Methode bewirkt wird, sind nun folgende. Zwei eiserne Drähte, der eine von der feinsten, zu Drahtgeweben gebräuchlichen Art, der andere von No. 24, wie ihn die Kellner anwenden, werden fest zusammengedreht. Dieß geschieht am Besten, indem man sie an dem Mittelpunkte der Doke einer Drehebank befestigt, während man sie am anderen Ende während des Umdrehens der Doke mit einem Schraubestoke faßt, um sie auf diese Weise gespannt zu erhalten. Wenn die Drähte auf diese Weise zusammengedreht worden, so dreht man sie eine kurze Streke weit wieder auf, indem man die dikeren Drähte mittelst einer Zange so von einander trennt, daß die metallische Verbindung der dikeren Drahtwindungen nur durch den dünneren Draht vermittelt ist. Diese dikeren Drähte liegen in einer Sägekerbe verborgen, welche so in einem Stüke Cornelkirschenholz angebracht ist, daß sich die Drähte nicht bewegen können, weil sonst die dünneren Drähte allein brechen würden. Das eine Ende der zusammengedrehten Drähte wird an den Boden einer blechernen Röhre gelöthet, welche Röhre von solcher Größe ist, daß sie das in den Felsen gebohrte Loch bis zur gehörigen Höhe ausfüllt. Wenn diese Röhre mit Schießpulver gefüllt worden, so verschließt man deren Mündung mit einem Korke, der so durchbohrt ist, daß der zusammengedrehte Draht durch denselben treten kann, ohne daß er die Röhre an irgend einem Punkte berühren kann, der sich oberhalb jener Stelle befindet, |19| an welcher der dünnere Draht allein die Vermittelung bildet. Außen an die Röhre wird ein Kupferdraht von beiläufig No. 16 angelöthet, welcher Draht so lang seyn muß, daß er sich bis an einen kupfernen oder bleiernen, aus einem der Pole eines galvanischen Deflagrators oder Calorimotors hervorragenden Stab erstrekt, und der dann, nachdem er durch den Kork an die innere Seite der Röhre gelangt ist, auf gleiche Weise mit dem anderen Pole in Verbindung gesezt wird. Die Verbindungen zwischen den Drähten, Stäben und Polen sollen mittelst einer weichen Löthung veranstaltet werden, nachdem die Röhre in das Loch gebracht, welches zu ihrer Aufnahme in den Felsen gebohrt wurde.

Die blecherne Röhre kann auf die gewöhnliche Weise durch Einrammen mit Ziegelmehl oder Sand in dem Bohrloche befestigt werden; man kann sich hierzu eines Bunzen bedienen, in welchem zum Schuze der Verbindungsdrähte gehörige Löcher angebracht sind. Wenn der Apparat auf diese Weise zugerichtet worden, so wird der feinere Draht durch eine Bewegung des Hebels um den vierten Theil eines Kreises an jener Stelle entzündet, an welcher er bloß im Umfange die Vermittelung bedingt, so daß das ihn umgebende Schießpulver auf diese Weise entzündet wird. Da das Schießpulver, indem es bei dieser Einrichtung in eine Röhre eingeschlossen ist, unmöglich durch einen allenfalls beim Einrammen erzeugten Funken entzündet werden kann, und da die Entzündung überhaupt auf gar keine andere Weise als durch die galvanische Entladung bewirkt werden kann, so ist es unbegreiflich, wie bei dieser Sprengmethode ein Unglük geschehen kann, ausgenommen man will absichtlich einen Mord begehen, oder man läßt sich die unverzeihlichste Nachlässigkeit und Unwissenheit zu Schulden kommen. Ich brauche wohl nicht zu bemerken, daß die Anwendung der blechernen Röhre und die Entzündung durch den Galvanismus beim Sprengen von Felsen unter Wasser ganz vorzüglich tauglich seyn müßte.

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Wir haben über die Methode des Hrn. Shaw bereits im Polyt. Journale Bd. XLII. S. 387 eine kurze Notiz mitgetheilt. A. d. R.

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