Titel: Fabrikation, Anwendung und Wiederbelebung der thierischen Kohle.
Autor: Clémandot, G.
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. IX. (S. 35–57)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/ar051009

IX. Ueber die thierische Kohle, ihre Fabrikation, Anwendung und Wiederbelebung. Von Herrn G. Clémandot, Runkelrübenzuker-Fabrikanten und Mitgliede mehrerer gelehrten Gesellschaften.

Aus dem Journal des connaissances usuelles. October und November 1833, S. 192.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die thierische Kohle oder die Knochenkohle spielt eine sehr wichtige Rolle in der Zukerfabrikation und Raffination. Dieß veranlaßte |36| mich alles das Wesentliche, was über dieselbe gesagt worden, zu sammeln, und es im Interesse der Runkelrübenzuker-Fabrikation in gegenwärtiger Abhandlung zusammenzustellen. Mein Zwek hierbei ist bloß der den Fabrikanten nüzlich zu werden, und daher beschränke ich mich auch bloß auf die Anführung dessen, was zu wissen unumgänglich nothwendig oder nüzlich ist. Technologische Schriften sollen immer so kurz als möglich seyn, und nicht mehr Worte enthalten, als nöthig sind, um sich allgemein verständlich zu machen.

Die Betrachtung und Untersuchung der vegetabilischen Kohle als Entfärbungsmittel ist jener der thierischen Kohle um mehrere Jahre vorausgegangen. Lowitz, ein Chemiker zu Petersburg, zeigte im Jahre 1791 zuerst, daß die vegetabilische Kohle nicht nur die Eigenschaft besizt, thierischen, in Fäulniß gerathenen Körpern den üblen Geruch zu benehmen, sondern daß dieselbe auch auf die Farbe der Flüssigkeiten, die man mit ihr behandelt, einen bedeutenden Einfluß ausübe. Die Angaben Lowitz's zogen bald die Aufmerksamkeit der Chemiker auf sich; man wiederholte seine Versuche, fand deren Resultate bestätigt, erkannte deren Wichtigkeit, und veranlaßte die Gewerbsmänner dieselben im Großen zu benuzen. Die Erfolge waren bald sichtbar; mehrere Gewerbe, und vorzüglich die Zukerraffination machten in Folge der Anwendung der vegetabilischen Kohle mächtige Fortschritte.

Im Jahre 1810 machte Hr. Figuier, Apotheker zu Montpellier, vergleichsweise Versuche über die entfärbende Eigenschaft der vegetabilischen und thierischen Kohle, aus denen unbestreitbar die größere Wirksamkeit der lezteren hervorging. Er machte seine Arbeiten bekannt, und von diesem Augenblike an verdrängte die thierische Kohle die vegetabilische. Hr. Derosne war der erste, der die Anwendung der thierischen Kohle speciell bei der Fabrikation und Raffination des Runkelrübenzukers in Vorschlag brachte, und der sich durch die Einführung dieser Substanz bei diesem Fabrikationszweige außerordentliche Verdienste erwarb. Die HH. Bussy und Payen 6) gaben in den von der Société de Pharmacie zu Paris gekrönten Preisschriften eine vollkommene Theorie über die Wirkung der thierischen Kohle, auf welche ich später zurükkommen werde. Endlich darf ich die Verdienste des Hrn. Dumont, der die Anwendung der thierischen Kohle nach mehr rationellen Principien regelte, nicht übergehen.

Von der Fabrikation der thierischen Kohle.

Obschon auch die Muskeln, die Sehnen, Häute etc. der Thiere bei der Calcination in verschlossenen Gefäßen gleichfalls eine kohlige |37| Substanz geben, so ist es doch nicht diese Kohle, die man in der Zukerfabrikation anwendet. Diese Kohle ist nämlich wohl leicht und glänzend schwarz; allein ihre Molecule oder Theilchen besizen eine solche Aggregation oder Dichtheit, daß sie sich nicht leicht mit den Färbestoffen, auf welche man sie einwirken läßt, verbinden. Die im Handel vorkommende thierische Kohle wird aus den Knochen der Thiere bereitet, wobei man auf folgende Weise verfährt.

Man reinigt die Knochen sorgfältig von allem Fleische, allen daran hängenden faserigen Theilen, und zerschlägt sie in kleine, 1–2 Decimeter lange Stüke. Mit diesen Knochenstüken füllt man gußeiserne Gefäße bis oben voll, worauf man sie dann mit einem Dekel verschließt, gut verkittet, und so viel davon in einen Ofen bringt, als darin Plaz haben. Nach diesen Vorbereitungen wird Feuer gegeben. Die in den Knochen enthaltenen, fetten und organischen Substanzen, wie das Mark und die Gallerte, erhizen sich hierbei bald; einige ihrer Bestandtheile verwandeln sich in Dämpfe und entweichen durch die Risse, welche in dem Beschlage entstehen. Diese Dämpfe entzünden sich schnell, erhöhen dadurch die Hize und beschleunigen auf diese Weise die Operation, die gewöhnlich nach 12 bis 15 Stunden beendigt ist. Matt erkennt dieß an dem Aufhören der Flamme, wo man dann die Thüre des Ofens öffnet.

Wenn die Temperatur des Ofens so weit gesunken ist, daß man sie zu ertragen vermag, so nimmt man die Gefäße oder Töpfe heraus, um die verkohlten Knochen auszuleeren. Sollten einige der Knochen zum Theil der Einwirkung des Feuers entgangen seyn, was man leicht an ihrer weißlich-röthlichen Farbe erkennt, so müßte man diese ausscheiden, um sie neuerdings wieder zu calciniren. Manchmal geschieht es wohl auch, daß einige Knochen ganz weiß gebrannt werden. Dieß ereignet sich, wenn Luft in die Brenngefäße eindringt; denn der Sauerstoff der Luft verbindet sich mit dem Kohlenstoffe und der Knochengallerte, wodurch diese Substanzen in Kohlensäure verwandelt werden und vollkommen verschwinden. Die weißgebrannten Knochen müssen sorgfältig entfernt werden, denn sie sind zur Entfärbung ganz untauglich.

Bei dieser Umwandlung der Knochen in thierische Kohle geht nun Folgendes vor. Die Knochen bestehen hauptsächlich aus zwei Substanzen, 1) aus einer erdigen salzigen Masse (phosphorsaurem und kohlensaurem Kalke), der im Feuer beinahe keine Veränderung erleidet, und 2) aus einer organischen thierischen Substanz (Gallerte), welche die erdige Substanz umgibt, und die Knochen in der ihnen eigenen Form erhält. Bei der höheren Temperatur wirken die Bestandtheile der Gallerte auf einander ein, und hierdurch entstehen einerseits flüchtige Stoffe, |38| welche durch die Fugen der Gefäße entweichen und verbrennen, andererseits ein fester Körper, der Kohlenstoff, welcher innig mit den erdigen Substanzen vermengt bleibt, und dieses Gemenge ist es, welches die käufliche thierische Kohle bildet.

Die Fabrikation der thierischen Kohle gewährt, wenn man den Fabrikanten, die sich mit ihr beschäftigen, glauben darf, geringe Vortheile; auch müssen bei ihr alle Producte, die die Knochen geben, auf das Sorgfältigste benuzt werden. So sucht man jene Knochen, die etwas mehr Fett und Mark enthalten, vor dem Calciniren aus, zerschlägt sie, siedet sie einige Stunden lang mit Wasser aus, und nimmt dann nach dem Erkalten das auf der Oberfläche angesammelte Fett ab. Dieses Fett, welches ziemlich fest ist, eignet sich zu verschiedenen Zweken; so dient es, wenn es mit Mohn- oder Repsöhl halb flüssig gemacht worden, sehr gut zum Einfetten von Maschinen, Räderwerken, indem es wohlfeiler zu stehen kommt, als das Klauenfett. Eben so läßt sich dieses ausgekochte Fett zur Fabrikation von Seife, Kerzen u. dergl. benuzen.

In der Gegend von Lille, wo man nichts von dem, was als Dünger verwendet werden kann, unbenuzt verloren gehen läßt, verwendet man die Knochenbrühe als Düngmittel, wozu sie sehr gute Dienste leisten soll. Ein Fabrikant thierischer Kohle versicherte mich, daß der Ertrag der Knochenbrühe, welche er verkaufte, die Kosten der Kohlen und des zur Gewinnung des Fettes nöthigen Arbeitslohnes vollkommen ersezt, so daß ihm das Fett auf diese Weise nichts kostet, obschon er 5 Procent davon gewinnt. Das Kilogramm dieses Fettes verkauft er zu 80 Cent., wodurch die Anschaffungskosten der Knochen merklich vermindert werden.

Die Knochen verlieren bei der Calcination oder bei der Umwandlung in thierische Kohle beiläufig 40 Procent ihres Gewichtes. Am meisten werden die Knochen aus den Küchen geschäzt. Die Röhrenknochen und die compacten Knochen überhaupt, wie z.B. die Schenkel- und Unterschenkelknochen, gelten mehr als die Kopfknochen, und als die Knochen der übrigen Theile, die gewöhnlich mehr oder minder große schwammige Höhlen enthalten, und daher bei der Calcination auch einen großen Gewichtsverlust erleiden.

Alte Knochen, die lange Zeit über der Luft ausgesezt, oder in der Erde vergraben waren, taugen nicht zur thierischen Kohle, indem sie bereits den größten Theil der in ihnen enthaltenen Gallerte verloren haben. Knochen dieser Art erkennt man sehr leicht an ihrem matten und rauhen Aussehen, so wie an ihrer größeren Leichtigkeit. Die Zähne der Thiere endlich geben, da sie nur wenig Gallerte enthalten, gleichfalls keine thierische Kohle; sie sind es, die die weißen matten Theilchen bilden, die man in dem käuflichen Fabrikate bemerkt; |39| denn obschon die Fabrikanten die Untauglichkeit der Zähne sehr wohl wissen, so scheuen sie doch die Ausscheidung derselben wegen des Gewichtsverlustes, den sie sonst erleiden würden.

Wir haben schon oben bemerkt, daß man alle fleischigen und faserigen Theile sorgfältig von den Knochen trennen muß, und können den Fabrikanten diese Vorsichtsmaßregel nicht genug empfehlen; vernachlässigt man sie, so erhält man eine thierische Kohle, welche mit einer bedeutenden Menge glänzender, gar nicht entfärbender und vollkommen unnüzer Kohle vermengt ist.

Die thierische Kohle muß, wenn sie gut bereitet ist, eine schwarze, matte, sehr dunkle Farbe haben; hat die Farbe einen Stich ins Röthliche, so ist dieß ein Zeichen, daß die Calcination nicht vollkommen genug geschehen. Findet man weiße Punkte in ihr, so rühren dieselben entweder davon her, daß die Zähne nicht ausgesucht worden, oder daß man einige weiß gebrannte Knochen unter den übrigen ließ.

Ich hatte mir, um diesem Aufsaze mehr Vollkommenheit zu geben, vorgenommen auch den Preis anzugeben, auf welchen diese entfärbende Substanz zu stehen kommt; ich erkundigte mich daher zur Ergänzung meines eigenen Wissens in dieser Hinsicht bei mehreren Fabrikanten, muß aber gestehen, daß ich nicht im Stande war, mir die gehörige Aufklärung hierüber zu verschaffen. Bei allen Fabrikanten, bei denen ich anklopfte, fand ich Mund und Thüre verschlossen. Sie behaupten zwar sämmtlich, daß ihre Fabrikation ihnen nur einen sehr geringen Gewinn abwerfe; allein aus der Geheimnißkrämerei, mit der sie alle ihre Operationen umgeben, läßt sich gerade das Gegentheil vermuthen. Ich glaube daher, daß dieß ein Grund mehr seyn dürfte, der die Runkelrübenzuker-Fabrikanten zur eigenen Bereitung ihres Bedarfes an thierischer Kohle bestimmen sollte. Sie werden ganz gewiß ihren Vortheil dabei finden; die Kohle wird ihnen wohlfeiler zu stehen kommen; sie werden die oft nicht unbedeutenden Transportkosten ersparen, und immer von der Güte und Beschaffenheit ihres Fabrikates überzeugt seyn. Die ganze Fabrikation ist zuverlässig nicht so schwierig, als man es allgemein glauben machen möchte; einige wenig kostspielige Versuche werden, ich bin es überzeugt, schnell zur wünschenswerthen Vollkommenheit führen.

Von dem Pulverisiren der gebrannten Knochen.

Die Knochen haben, wenn sie aus den Calcinirgefäßen kommen, noch dieselbe Form, die sie vor der Calcination hatten; man muß sie daher, um sich ihrer bedienen zu können, mahlen oder auf andere Weise zerkleinern. Die Methoden, deren man sich hierzu bedient, sind folgende.

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Die Knochen haben vor dem Calciniren eine bedeutende Härte, und lassen sich nur schwer zerkleinern; durch die Einwirkung des Feuers werden sie aber sehr brüchig und zerreiblich. Dessen ungeachtet sind ziemlich starke Maschinen nöthig, um die gebrannten Knochen so zu zermalmen, wie man sie zur Zukerfabrikation braucht. Die geeignetste dieser Maschinen scheint mir eine Art von Mühle, in welcher man einen senkrechten Mühlstein mittelst eines gehörigen Triebwerkes in einem Beken aus Stein umtreibt. Man bringt die gebrannten Knochen unter den Mühlstein, und sammelt von Zeit zu Zeit die auf diese Weise gemahlene Kohle. Die Stüke, welche zu groß bleiben, werden mit der Hand ausgesucht und noch ein Mal in die Mühle gebracht; die kleineren Stüke hingegen wirft man auf ein Sieb aus Metalldraht, dessen Maschen der Feinheit der Körner, die man bezwekt, angemessen sind.7) Statt der Siebe kann man auch eine Beutelvorrichtung anbringen, deren Cylinder in seiner Breite mit einem Drahtgewebe von verschiedener Weite ausgestattet ist. Zum Umdrehen dieser Beutelvorrichtung kann man sich, wenn man will, desselben Triebwerkes bedienen, welches den Mühlstein in Bewegung sezt.

Einige Fabrikanten, denen der eben beschriebene Apparat zu kostspielig und zu complicirt vorkommt, wenden eine Mühle an, die in ihrem Baue den gewöhnlichen Kaffeemühlen ähnlich, aber weit stärker ist. Man hat bemerkt, daß die Knochen die Theile, gegen welche sie gerieben werden, bald abnüzen; dessen ungeachtet sieht man aber diese Art von Mühle in vielen Fabriken, obschon jede Zukerfabrik ein Triebwerk besizt, dessen sie sich nach Beendigung der Zukerfabrikation zum Zerkleinern der Knochen bedienen könnte.

Die thierische Kohle, die ihrem Zweke am besten entspricht, soll ein grobes, dem Schießpulver ähnliches Pulver bilden; es darf weder mit zu feinem Staube, noch mit zu groben Theilen vermengt seyn.

Von der Behandlung der thierischen Kohle zur Verstärkung ihrer entfärbenden Kraft.

Ich habe bereits oben bemerkt, daß die Knochenkohle die Eigenschaft zu entfärben im höchsten Grade besizt; man muß mit den Ursachen hiervon bekannt seyn, um die Operation, die ich weiter unten beschreiben werde, gehörig verstehen zu können.

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Die weichen thierischen Theile geben eine Kohle, welche reiner ist als die Knochenkohle, und doch wirkt dieselbe weniger entfärbend, weil deren einzelne Theilchen nicht getrennt oder aufgeschlossen sind, und durch nichts veranlaßt werden sich mit dem Färbestoffe zu verbinden oder ihn anzuziehen. Es scheint, daß diese kohligen, dicht an einander gedrängten Theilchen wegen ihrer gegenseitigen Anziehungs, kraft alle Wirkung auf die sie umgebenden Substanzen hemmen.8)

Bei der Knochenkohle hingegen verhält sich dieß ganz anders, hier ist die Kohle, welche von der Verkohlung der Gallerte herrührt, durch den phosphorsauren Kalk vertheilt, und folglich zur Entfärbung ganz geeignet, indem die moleculäre Attractivkraft der Kohlentheilchen unter einander hier nicht mehr Statt findet, und indem sich die Kohle unter Verhältnissen befindet, welche der Anziehung des Färbestoffes und der Verbindung desselben mit der Kohle günstig sind. Betrachtet man jedoch das dichte Gewebe der Knochen, so wird man finden, daß die durch die Calcination daraus gewonnene Kohle gleichfalls sehr compact seyn muß, und daß dieselbe daher auch nicht alle die Kraft auszuüben im Stande ist, die man von ihr wünschen könnte. Dieß brachte mich auf die Idee die Kohle mit einem Mittel zu behandeln, wodurch deren Poren mehr geöffnet, und sie selbst zur Entfärbung tauglicher wird. Das Verfahren hierbei ist folgendes.

Man gießt in eine hölzerne Kufe, welche 3 Hectoliter fassen kann, einen Hectoliter Wasser, und mengt unter dieses Wasser mittelst eines hölzernen Rührstokes 10 Kilogramme Salzsäure. Mit dieser sauren Flüssigkeit vermengt man unter beständigem Umrühren 100 Kilogr. thierische Kohle. Man läßt die ganze Masse 48 Stunden lang welchen, wobei man sie den Tag über 4 bis 5 Mal umrührt. Ist dieß geschehen, so schüttet man die über der Kohle stehende Flüssigkeit als unbrauchbar weg, während man die Kohle in die Dumont'schen Filter oder in andere ähnliche Vorrichtungen bringt, und sie daselbst so lange mit reinem Wasser auswäscht, bis dieses ganz geschmaklos durchläuft. Zum Auswaschen von 100 Kil. Kohle sind 2 1/2–3 Hectoliter Wasser nöthig. Wenn die Kohle |42| gut ausgewaschen ist, so troknet man sie, indem man sie an einem warmen luftigen Orte in dünnere Schichten ausbreitet.

Die Salzsäure löst bei dieser Operation einen Theil des phosphorsauren und kohlensauren Kalkes auf, erhöht die Porosität der Kohle, und verstärkt dadurch deren entfärbende Wirkung dergestalt, daß man mit 100 Theilen der auf diese Weise zubereiteten Kohle wenigstens eben so viel ausrichtet, als mit 200 Theilen Kohle, die nicht mit Salzsäure behandelt wurden. Es ergibt sich also bei diesem, durchaus nicht umständlichen Verfahren ein wesentlicher Vortheil, indem der Preis der thierischen Kohle im Vergleiche mit den daraus erwachsenden Vortheilen nur unbedeutend erhöht wird. Wenn nämlich 100 Kilogr. gewöhnlicher thierischer Kohle 20 Franken kosten, so werden 90 Kilogr. präparirte Kohle nur 23 Fr. oder 100 Kilogr. nur 25 Fr. 50 Cent. kosten.

100 Kilogr. gewöhnliche Kohle kosten nämlich 20 Fr.
10 – Salzsäure kosten 2 –
Der Arbeitslohn kostet 1 –
––––––
Summa 23 Fr.

Man erzielt aber hierbei auch noch einen anderen Vortheil, der den Fabrikanten gewiß nicht entgehen wird; denn je weniger thierische Kohle man bei gleichen Resultaten anwendet, um so besser fährt man dabei, weil das Auswaschen der gebrauchten Kohle weniger schwierig ist, und weil weit weniger Syrup verloren geht.

Ich habe die Berechnung der Kosten für 90 Kilogr. angestellt, weil sich, wenn man mit den oben angegebenen Verhältnissen arbeitet, durch die Behandlung der Kohle mit Salzsäure ihr Gewicht um 10 Procent vermindert, indem die Salzsäure dem Gewichte nach so viel phosphorsauren und kohlensauren Kalk auflöst, als sie selbst wiegt. Will man sich von der Richtigkeit dieser Angaben überzeugen, so muß man die präparirte Kohle so weit austroknen, als sie es vor der Behandlung mit Salzsäure war, denn sie kann, wenn sie auch ganz troken aussieht, doch immer noch an 10 Proc. Wasser enthalten. Man muß daher auch, wenn man thierische Kohle kauft, immer einen Versuch damit anstellen, um zu sehen, wie viel Wasser in ihr enthalten ist.

Bei dem Untertauchen der Kohle in das gesäuerte Wasser bläht sich das Gemenge auf, und es entwikelt sich ein unangenehmer Gestank, der in einem eingeschlossenen Raume schädlich werden könnte; man muß diese Arbeit daher in freier Luft oder wenigstens an einem Orte vornehmen, an welchem ein guter Luftzug Statt findet. Die Gase, die sich während der Operation entwikeln, bestehen aus einem Gemenge von Kohlensäure und Schwefelwasserstoff.

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Von der Wirkungsart der Kohle als Entfärbungsmittel.

Obschon der Gegenstand, dem dieser Paragraph gewidmet ist, mehr in das Gebiet der Zukerfabrikation, als in jenes der Fabrikation der thierischen Kohle einschlägt, so wird der Nuzen, den vielleicht mancher daraus ziehen dürfte, doch gewiß diesen Abstecher, den ich mir erlaube, entschuldigen.

Die Erfahrung hatte gelehrt, daß die Kohle, dieser vollkommen schwarze Körper, gewisse Substanzen entfärbt. Man wußte dieß; lange Zeit aber blieb es unbekannt, auf welche Weise die Kohle hierbei wirkt. Einige Chemiker glaubten zwar, daß die Kohle gleich der Thonerde eine eigene Anziehungskraft für die Färbestoffe besize; allein diese Eigenschaft wurde erst in neuerer Zeit von den HH. Bussy und Payen studirt und in ihren gediegenen Abhandlungen hierüber beleuchtet.

Wenn man einen aus gefärbtem Zuker und Wasser bestehenden Syrup unter den der Entfärbung günstigen Umständen mit der thierischen Kohle in Berührung bringt, so verbindet sich der Färbestoff dieses Syrupes sehr innig mit der thierischen Kohle, und eben so bleibt auch die gummige Substanz, welche sich immer in Gesellschaft der gewöhnlichen Zukerarten befindet, daran kleben. Der Geschmak des Syrupes wird dadurch angenehmer, und wenn die Kohle in gehöriger Menge angewendet worden, so wird die Entfärbung vollkommen erreicht. Die Kohle ist hierbei eine wahre chemische Verbindung mit dem Färbestoffe eingegangen, und diese Verbindung kann nur durch kräftige chemische Agentien oder durch die Einwirkung einer bis zur Rothglühhize gesteigerten Temperatur wieder aufgehoben werden. Die gummige Substanz bleibt nur auf mechanische Weise an der Kohle hängen, und kann daher auch durch wiederholtes Auswaschen wieder entfernt werden.

Hat man es nicht mit einem einfachen Syrupe zu thun, sondern handelt es sich um die Entfärbung von Runkelrübensyrup, der bloß mit Kalk geklärt worden, so befinden sich in dem Syrupe nicht bloß färbende und gummige Bestandtheile, sondern auch eine mehr oder minder große Menge Kalk9), wodurch der Syrup sehr deutliche |44| alkalische Eigenschaften erhält.10) Die Kohle zieht nun glüklicher Weise auch diese alkalische Substanz an, und verbindet sich innig mit ihr. Diese Eigenschaft, in deren Folge ihre Einwirkung auf den Zuker selbst aufgehoben wird, ist um so schäzenswerther, als man deßhalb die Schwefelsäure entbehren kann, deren Anwendung der großen damit verbundenen Nachtheile ungeachtet unvermeidlich war, so lange man die thierische Kohle nicht in so großer Menge benuzte, als dieß heut zu Tage geschieht.

Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, daß die thierische Kohle drei äußerst schäzenswerthe Eigenschaften besizt, die man in keiner anderen Substanz auf solche Weise vereint findet; sie entzieht nämlich 1) den gefärbten Syrupen ihren Färbestoff; sie benimmt den Syrupen 2) den Schleim oder den gummigen Bestandtheil, der die Krystallisation des Zukers hemmt; und sie verbindet sich 3) mit dem Kalke, welcher immer in dem Runkelrübensyrup enthalten ist, und dessen Gegenwart bei dem Versieden des Syrupes so lästig ist. Diese Vortheile, die den Zukerfabrikanten nun nicht mehr fremd sind, führten nothwendig zur Anwendung einer größeren Menge thierischer Kohle, so zwar, daß man bald nicht mehr im Stande gewesen wäre, den Bedarf an Kohle zu deken, wenn man nicht daran gedacht hätte, die gebrauchte Kohle wiederzubeleben, d.h. ihr ihre früheren Eigenschaften wiederzugeben. Diese Wiederbelebung erfordert, wie man gleich sehen wird, ein verschiedenes Verfahren, je nachdem man es mit Kohle, die bloß zur Entfärbung einfacher, aus Zuker und Wasser bestehender Syrupe, oder mit Kohle zu thun hat, die zur Entfärbung der alkalischen Runkelrüben-Syrupe diente.

Von der Wiederbelebung der thierischen Kohle.11)

Wenn man die Wirkungsweise der thierischen Kohle auf die gefärbten Syrupe gehörig erwogen, so wird man von selbst zu dem Verfahren geleitet, welches bei der Wiederbelebung der Kohle befolgt werden muß. Die gebrauchte Kohle enthält nämlich immer einen Färbestoff, einen schleimigen Bestandtheil, und in gewissen, oben angeführten Fällen auch Kalk. Das Wasser kann, in gehöriger Quantität |45| angewendet, den Schleim entfernen; der Färbestoff kann durch ein starkes Ausglühen zerstört werden, der Kalk endlich, der sich mit der Kohle verband, läßt sich dadurch beseitigen, daß man die Kohle in ein mit Salzsäure gesäuertes Wasser bringt. Dieß sind die von der Theorie angedeuteten Grundlagen des Verfahrens; je genauer man denselben folgt, zu um so besseren Resultaten wird man gelangen.

Wenn man also gebrauchte thierische Kohle wiederbeleben will, so muß man dieselbe zuerst und so lange mit viel Wasser auswaschen, bis das Wasser ganz ungefärbt von derselben abfließt12); dann läßt man die Kohle abtropfen, und hierauf bringt man sie in eine Trokenstube, in der man absolut alle Feuchtigkeit aus ihr austreibt. Hierdurch werden der Kohle alle schleimigen und zukerigen Substanzen benommen, die in ihr enthalten waren. Der Schleim und der Zuker könnte zwar auch durch die Calcination zerstört werden; allein dadurch würde auch eine nicht unbedeutende Menge vegetabilischer, glänzender und zur Entfärbung untauglicher Kohle erzeugt werden, so daß es weit besser ist die Kohle vor dem Glühen gehörig auszuwaschen.

Wenn nun die Kohle ausgewaschen und getroknet worden, so muß man ihr den Färbestoff entziehen, und zu diesem Behufe muß man zu einer kräftigen Einwirkung der Hize seine Zuflucht nehmen. Die Calcination allein würde jedoch nicht hinreichen, wenn sie nicht noch durch andere Umstände unterstüzt würde.

Die thierische Kohle ist ein ziemlich schwerer Körper, dessen Theilchen also schwer auf einander drüken; sie ist ferner ein schlechter Wärmeleiter, denn die erhizten Theilchen geben den Wärmestoff, womit sie durchdrungen sind, nur schwer an die benachbarten Theilchen ab. Wenn man z.B. einen mit Kohle gefüllten Tiegel von einiger Größe mitten in ein ziemlich starkes Feuer bringt, so werden die mit den Wänden des Tiegels in Berührung stehenden Schichten schon sehr heiß seyn, während die Hize der in der Mitte befindlichen Schichten noch nicht bedeutend ist. Diese Betrachtungen mußten die Fabrikanten bei den ersten Versuchen zur Wiederbelebung der Kohle |46| leiten; wenigstens läßt sich dieß aus den Methoden schließen, die sie zu diesem Behufe befolgen.

Man verfährt nach zweierlei Methoden; bei der einen bedient man sich verschiedener Instrumente, mit deren Hülfe man der Kohle während des Glühens eine kreisende Bewegung mittheilt, so daß die erhizten Oberflächen oft verändert werden, und daß der Wärmestoff folglich sämmtliche Theile der Kohle erreichen kann. Dieses Verfahren ist die Wiederbelebung in den Cylindern.

Nach der zweiten Methode bringt man gewisse fremde Körper in die Kohle, wodurch dieselbe ohne eine Veränderung ihrer Natur zu erleiden, vertheilt und gehoben wird, so daß die Hize selbst bis in die innersten Theilchen eindringen kann. Dieß ist die Wiederbelebung in Tiegeln mit Dazwischenlegung von Knochen. Wir wollen beide Methoden im Detail betrachten.

Von der Wiederbelebung der Kohle in den Cylindern.

Nach dieser Methode wird die gebrauchte Kohle in gußeiserne Cylinder gebracht, die der Form nach den Cylindern, in denen man den Kaffee brennt, ähnlich sind. Diese Cylinder werden in einem Ofen stark erhizt, nach 3–4 stündigem Glühen herausgenommen, und durch neue ersezt. Während der Calcination oder des Glühens müssen die Cylinder mehrere Male alle 20 bis 25 Minuten umgedreht werden, damit die Oberflächen der Kohle mehr verändert werden.

Diese Methode hat mehrere Nachtheile; man verbraucht eine zu große Menge Brennmaterial; die Cylinder zerspringen oft wegen des Wechsels von Hize und Kälte, Trokenheit und Feuchtigkeit, und dadurch werden die Kosten mehr vermehrt. Ich selbst bediente mich sehr lange Zeit dieser Methode, und eben deßwegen kann ich mit allem Rechte rathen dieselbe aufzugeben. Man könnte statt der gußeisernen Cylinder zwar Cylinder aus Eisenblech anwenden; allein diese kommen zu hoch, und verursachen immer noch einen größeren Verbrauch an Brennmaterial, und mehr Arbeit.

Von der Wiederbelebung der Kohle mit Dazwischenlegung von Knochen.

Man nimmt frische Knochen, und reinigt und zerkleinert sie, als wenn es sich um die Fabrikation ganz frischer thierischer Kohle handelte. Von diesen Knochen wird auf den Boden der Tiegel oder der eisernen Töpfe eine Schichte gelegt; auf diese Schichte Knochen legt man eine ziemlich dike Schichte der wiederzubelebenden Kohle; und auf diese Weise fährt man mit abwechselnden Schichten Knochen und Kohle fort, bis die Tiegel gefüllt sind: die lezte Schichte muß aus Kohle bestehen. |47| Die auf diese Weise gefüllten Tiegel werden mit Thon verkittet und in einen Ofen gebracht, in welchem man dann Feuer gibt. Wenn die Dämpfe zu brennen aufgehört haben, wenn die Tiegel ganz glühend geworden sind, so läßt man das Feuer ausgehen, und nimmt die Tiegel heraus, wenn die Temperatur erträglich geworden. Dann werden die Tiegel ausgeleert, die groben Knochenstüke von den feineren Körnern gesondert, und in die Mühle gebracht.

Die Kohle erleidet unter diesen Umständen einen bedeutenden Grad von Hize, bei welchem gewiß aller in ihr enthaltener Färbestoff zerstört wird. Für Fabrikanten thierischer Kohle, welche großen Absaz haben, ist diese Methode nicht mit den geringsten Schwierigkeiten verbunden; ja sie verursacht ihnen sogar, wie ich weiter unten zeigen werde, beinahe keine Auslagen.

Nicht so verhält sich dieß hingegen bei dem Zukerfabrikanten, für welchen die Fabrikation und Wiederbelebung der thierischen Kohle nur Nebensachen sind. Der Zukerfabrikant, der diese Methode befolgen wollte, würde durch das Vermengen der gebrauchten Kohle mit frischen Knochen am Ende eine größere Menge Kohle erhalten, als er für seinen Bedarf nöthig hat, so daß er am Ende selbst Kohle verkaufen müßte. Dieser Fall ist aber nach meiner Meinung zu vermeiden; denn der Zukerfabrikant soll, wie ich glaube, weder Kohle kaufen, noch verkaufen, und sich mit der Fabrikation seines eigenen Bedarfes begnügen. Um aber zu diesem Resultate zu gelangen, soll der Fabrikant, der mit einer hinreichenden Menge Kohle versehen ist, diese Kohle vollkommen wiederbeleben können, ohne daß deren Quantität dadurch vermehrt wird, und ohne daß es mit vielen Kosten verbunden wäre.

Wenn nun die Knochen selten werden und zu hoch im Preise steigen sollten, wäre es da nicht von großem Nuzen, wenn man dieselben bis zum Eintritte günstigerer Umstände entbehren könnte? Ich glaube, daß folgende Methode allen diesen Bedingungen entsprechen dürfte.

Von der Wiederbelebung der Kohle mit Dazwischenlegung von Holz.

Man nimmt sehr trokenes Buchen-, Hagebuchen- oder Ulmenholz, und sägt und spaltet es in Stüke von beiläufig 10 Zoll Länge und 2 Zoll Breite. Diese Stüke Holz legt man auf solche Weise auf den Boden der Tiegel oder Gefäße, die zur Aufnahme der Kohle bestimmt sind, daß so viel Zwischenräume als möglich zwischen ihnen bleiben. Wenn in jeden Tiegel beiläufig ein Duzend solcher Stüke Holz gelegt worden, so füllt man sie mit Kohle und schreitet dann zur Calcination.

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Die Details, in die ich nun in Bezug auf diese Operation eingehen will, können bis auf einige wenige Modificationen, die ich andeuten werde, bei Allem, was bei ähnlichen Calcinationen zu beobachten ist, als Wegweiser dienen.

Wir wollen annehmen, daß man sich eines Ofens bedient, wie man ihn in der beigefügten Zeichnung abgebildet sieht. Ein solcher Ofen kann beiläufig 60 Tiegel von der aus der Abbildung ersichtlichen Form fassen. Die Tiegel sind etwas über 10 Zoll hoch; ihr Durchmesser beträgt an der weitesten Stelle etwas über 13 Zoll; ihre Mündung hat etwas über 10 Zoll im Durchmesser; sie fassen außer dem Holze 20 bis 22 Kilogramme Kohle.

Wenn sämmtliche Tiegel mit Kohle gefüllt sind, so stellt man rings um die Wände des Ofens, ausgenommen dem Thürchen gegenüber, eine Reihe davon. Auf diese erste Reihe stellt man dann eine zweite Reihe, worauf man alle Oeffnungen, welche an den Stellen, an welchen die Tiegel einander berühren, bestehen, mit Thon verkittet. Auf diese Weise fährt man so lange fort, bis der Ofen voll ist; die Töpfe der obersten Reihe müssen sorgfältig mit einem Dekel verschlossen und mit Thon verkittet werden. Zwischen die Töpfe oder Tiegel muß ziemlich trokenes Brennholz von verschiedener Dike und Länge gebracht werden. Wenn der ganze Ofen gefüllt ist, so verschließt man die Ofenthüre mit Ziegeln und Thon, und gibt dann Feuer.

Beiläufig 5 Stunden nach dem Beginne der Feuerung fängt das Holz im Ofen zwischen den Tiegeln zu brennen an; die Tiegel kommen zum Rothglühen, und man sieht aus deren Fugen ziemlich häufig lebhafte Flammen entweichen. In diesem Zustande erhält man den Ofen beiläufig noch 5 Stunden, indem man von Zeit zu Zeit Kohlen nachschürt. 2–3 Stunden später, d.h. 13 Stunden nach dem Beginne der Operation, öffnet man die Thüre des Ofens, und wenn die Temperatur desselben nach 9–10 Stunden gehörig herabgesunken ist, so nimmt man die Tiegel heraus, um sie sogleich durch eine neue Tracht zu ersezen.

Die aus dem Ofen genommenen Tiegel läßt man noch einige Zeit über abkühlen, bevor man deren Inhalt auf einen eisernen Durchschlag, dessen Löcher ein Paar Centimeter im Durchmesser haben, leert. Die thierische Kohle fällt hierbei durch die Löcher, während das Holz, welches man zugleich mit der zu belebenden Kohle in die Tiegel brachte, in ganzen verkohlten Stüken zurükbleibt. Die auf diese Weise erhaltene Holzkohle ist von ausgezeichneter Güte, und kann zu allen Zweken, zu welchen die Holzkohle dient, verwendet |49| werden; sie enthält gar keine Brände, wenn die Calcination weit genug getrieben worden.

Wenn man mit den oben angegebenen Verhältnissen arbeitet, so wird man etwas weniger als 2 Hectoliter Steinkohlen und beiläufig 14 Scheiter Holz von der Dike eines Armes und 15 Zoll Höhe, und außerdem beiläufig 2 Hectoliter kleines Holz, welches in die Tiegel gelegt wird, verbrauchen.13) Ein Taglohn reicht für die ganze Arbeit hin.

Um vollkommen genau zu seyn, müssen hierzu noch die Kosten der Unterhaltung und der Abnüzung des Ofens, so wie der Verlust, der durch das Zerspringen der Tiegel entsteht, geschlagen werden. Ich kann zwar hierüber keine ganz bestimmten Daten angeben; allein ich bin überzeugt, daß die Operation, bei welcher ich immer 1200 bis 1400 wiederbelebte Kohle erhalte, sehr vortheilhaft ist.

Das in die Tiegel gelegte Holz spielt eine sehr wichtige Rolle; es hindert, daß sich die Kohle nicht fest an einander legt; die Dämpfe, die sich in der Hize aus dem Holze entwikeln, zertheilen die Kohle, durch welche sie sich einen Weg bahnen müssen, und entzünden sich, sobald sie in den Ofen gelangen, wo sie dann die Hize des Feuers bedeutend erhöhen.

Das Holz hat einen Vortheil vor den Knochen voraus, den wir nicht umgehen dürfen; es verbreitet nämlich beim Beginne der Operation keinen so unangenehmen ammoniakalischen Geruch, so daß die Wiederbelebung aller Orten geschehen kann, ohne daß Jemand dadurch belästigt würde.

Wenn die Tiegel nur mit Knochen allein gefüllt sind, wie dieß bei der Fabrikation der thierischen Kohle der Fall ist, so entwikeln diese Knochen offenbar eine außerordentliche Menge brennbarer Gase oder Dämpfe. Die Quantität Brennmaterial, welche nöthig ist, um diese Dämpfe zu entwikeln und deren Entzündung zu bewirken, braucht in diesem Falle nicht groß zu seyn, und daher braucht man auch zwischen die Tiegel im Ofen kein Holz zu bringen. Dieses Holz ist hingegen unumgänglich nothwendig, wenn die Wiederbelebung mit Dazwischenlegung von Holz geschieht; denn in diesem Falle |50| geben die Dämpfe, die sich entwikeln, weniger Hize. Bei der Wiederbelebung der Kohle mit Dazwischenlegung von Knochen müßte man nur dann Holz zwischen die Tiegel legen, wenn die Knochen nur in geringer Menge angewendet wurden.

Um zu erfahren, ob die Kohle vollkommen calcinirt ist, muß man die Knochen oder die Stüke Holz, die man dazwischen legte, untersuchen, und sehen, ob diese gehörig verkohlt sind. Fände man mehrere Stüke, die sowohl auf der Oberfläche, als auf dem Bruche keine vollkommen ausgesprochene schwarze Farbe zeigten, so müßte man daraus schließen, daß nicht genug Brennmaterial angewendet wurde, und daß dieses bei der nächsten Calcination vermehrt werden müsse.

Man wird sich erinnern, daß wir bereits oben bemerkten, daß die durch die Calcination wiederbelebte Kohle von zweierlei Art ist, je nachdem sie vorher zu einem Zweke gedient hat. Hat man nämlich thierische Kohle ausgeglüht, die bloß zum Entfärben einfacher Syrupe gedient hat, und ist die Calcination vollkommen geschehen, so wird diese calcinirte oder ausgeglühte thierische Kohle alle Eigenschaften einer frisch bereiteten Kohle besizen, und eben so entfärbend wirken, wie diese. Hat man hingegen Kohle ausgeglüht, über welche alkalischer Runkelrübensyrup filtrirt worden, so wird dieselbe nach dem Ausglühen, wegen der Verbindung des Kalkes mit der thierischen Kohle noch nicht zum Entfärben taugen; sondern es ist nach meiner Meinung unumgänglich nöthig, die Kohle dann auf dieselbe Weise, die ich bereits oben angegeben habe, mit verdünnter Salzsäure zu behandeln, um ihr wieder ihre entfärbende Kraft zu geben. Der ganze Unterschied besteht in diesem Falle darin, daß man hier nicht 10 Proc., sondern nur 3 Proc. Salzsäure anzuwenden hat, da diese Menge hinreicht, um der Kohle die alkalische Substanz, die sie aufgenommen haben könnte, wieder zu entziehen.

Man kann die thierische Kohle so oft ausglühen oder wiederbeleben, als man will, und sie wird jedes Mal wieder gut seyn. Da die Calcination, deren man sich hierzu bedient, jedoch wegen der dazu erforderlichen Apparate eine kostspielige Operation ist, so trachtete man eine Methode ausfindig zu machen, nach welcher man auf eine leichtere und wohlfeilere Weise zu demselben Zweke gelangen könnte. Man hat daher in dieser Absicht die Gährung in Vorschlag gebracht, indem, wie man sagte, der Färbestoff hierdurch zerstört werden würde, so daß die Kohle sicher wieder ihre früheren Eigenschaften erlangen müßte. Wenn diese Methode aber auch im ersten Augenblike einige günstige Erfolge hoffen läßt, so wird man doch bei einigem Nachdenken gleich finden, was man von ihr zu erwarten |51| hat. Die Gährung wird zwar den Zuker und den schleimigen Bestandtheil,14) die bloß auf der Oberfläche der Kohle haften blieben, zerstören, keineswegs aber den Färbestoff; denn dieser ist eine innige Verbindung mit der Kohle eingegangen, zu deren Zerstörung die Gährung nicht hinreicht, sondern die nur durch die kräftige Einwirkung eines lebhaften Feuers wieder aufgehoben werden kann.

Ich dachte, daß sich die gebrauchte Kohle auch dadurch wieder beleben ließe, wenn man sie abwechselnd mit Aezkali und Salzsäure behandelte, habe aber später dieses Verfahren wieder aufgegeben. Man erhält auf diese Weise zwar eine Kohle, die alle ihre entfärbende Kraft wieder erhalten hat; allein das ganze Verfahren ist mühsam und kostspielig.

Von den künstlichen Kohlen.

Man wußte die großen Dienste, welche die thierische Kohle bei der Zukerfabrikation leistet, schon seit langer Zeit zu schäzen; man fühlte, daß es nöthig sey, sie in großer Menge anzuwenden, fürchtete aber zugleich auch die Kosten, die daraus erwachsen konnten, und noch mehr den Mangel an Knochen, der in Folge des größeren Verbrauches eintreten könnte. Man kam daher auf die Idee eine künstliche Kohle zu bereiten, und fragte sich hierbei: Was ist denn eigentlich die thierische Kohle? Die Antwort war: die thierische Kohle ist nichts weiter, als Kohlenstoff, welcher durch die in den Knochen enthaltenen salzig-erdigen Theile höchst vertheilt ist; und hieraus schloß man, daß sich die thierische Kohle leicht künstlich nachmachen ließe. Man stellte verschiedene Versuche in dieser Hinsicht an; die einen vermengten Thon so innig als möglich mit einer bestimmten Quantität Repsöhl oder Melasse, und glühten den hierdurch erhaltenen Brei, so wie man es mit den Knochen zu thun pflegt, in verschlossenen Gefäßen. Die Kohlen, die man auf diese Weise erhielt, gaben aber nichts weniger als jene Resultate, die man sich davon versprach.

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Andere hielten sich für klüger, und vermischten den Thon nicht mit vegetabilischen Substanzen, sondern mit Blut, einer wässerigen Gallerte- oder Leimauflösung u. dgl. Ihre Bemühungen hatten aber keinen besseren Erfolg, und konnten ihn auch nicht haben. In den Knochen ist nämlich die Gallerte, welche eigentlich allein die Kohle bildet, äußerst fein in der erdigen Masse vertheilt; jedes Atom Gallerte ist so zu sagen durch ein beinahe unfühlbares Theilchen erdiger Substanz von dem nächsten Atom geschieden, und eine solche Beschaffenheit ist, wie es scheint, nöthig, um eine entfärbende Kohle zu erhalten. Bei der künstlichen Masse, die man bereitete, ist das Gemenge zu grob; es entfernt sich zu weit von jener innigen Aneinanderreihung der Bestandtheile in den Knochen. Die Versuche, die man in dieser Hinsicht anstellte, blieben daher sämmtlich erfolglos, und wurden aufgegeben, ohne daß man deßhalb aus den Augen verlor, wie nothwendig es sey, ein Mittel ausfindig zu machen, welches eine größere Anwendung der thierischen Kohle möglich machte. Dieß führte zur Wiederbelebung der bereits gebrauchten Kohle, deren Wichtigkeit aus Obigem hinreichend hervorgeht.

Mit Stillschweigen übergehe ich jene Substanzen, denen einige Fabrikanten fälschlich entfärbende Eigenschaften zuschreiben, wie z.B. die ausgelöschte Steinkohlengluth oder ausgelöschte Holzkohlen; alle diese Substanzen sind zwar im Stande aus dem Syrupe verschiedene nicht darin aufgelöste, sondern bloß darin schwebende Substanzen abzuscheiden, wenn man ihn über dieselben filtrirt; sie haben aber durchaus keine Wirkung auf dessen Färbestoff, und können denselben daher auch nicht beseitigen.

Bemerkungen über die Ausmittelung der Güte der thierischen Kohle.

Nicht selten beklagen sich die Zukerfabrikanten über die schlechte Beschaffenheit der Kohle, die ihnen geliefert wird; und machen sie den Kohlenfabrikanten hierüber Vorwürfe, so schieben diese die Schuld auf die geringe Sorgfalt, mit der die Zukerfabrikanten verfahren, oder auf irgend andere bei der Fabrikation begangene Fehler. Beide Theile können hier Recht haben.

Wenn die Kohle schlecht in die Filter eingerichtet wird; wenn die Syrupe, die man auf die Hohle gießt, sehr viel Schleim enthalten oder sehr alkalisch sind, so wird die Kohle, wenn sie auch noch so gut ist, doch nur schwach entfärben, und dann muß der Zukerfabrikant, wenn er gerecht ist, gestehen, daß die Schuld an ihm liege.

|53|

Geschieht es aber nicht auch den Kohlenfabrikanten, daß sie wiederbelebte, mit frischer Kohle vermengte Kohle verkaufen, und daß die gebrauchte Kohle nicht so vollkommen geglüht wurde, als es nöthig ist? Wir wollen nicht in eine Untersuchung dieser Fragen eingehen, sondern uns mit der Angabe der Mittel, deren sich die Fabrikanten zur Erforschung der Güte der thierischen Kohle bedienen können, begnügen.

100 Theile thierische Kohle bestehen im Allgemeinen, wenn sie gut bereitet ist, aus 90 Theilen salzig-erdiger Substanzen und aus 10 Theilen eigentlicher Kohle. Diese Verhältnisse können um nicht mehr als 2 Hunderttheile wechseln, und um sich zu versichern, daß diese Verhältnisse auch wirklich bestehen, braucht man bloß folgendes Verfahren einzuschlagen.

Man gibt 10 Gramme sehr fein gepülverte Kohle in eine Phiole, übergießt sie in dieser mit 30 Grammen Wasser und 10 Grammen Salpetersäure, und sezt die Phiole dann auf einem eisernen Löffel oder auf eine andere Weise auf eine dünne Schichte Sand. Diese ganze Vorrichtung bringe man über ein ziemlich lebhaftes Feuer, damit die Flüssigkeit zum Sieden komme; nach viertelstündigem Sieden nehme man die Phiole vom Feuer und gieße deren Inhalt so wie auch das Wasser, womit man sie auswäscht, auf ein Filter aus Fließpapier. Wenn das auf dem Filter zurükbleibende schwarze Pulver gehörig ausgewaschen und getroknet worden, so nimmt man es mit Hülfe eines Messers sorgfältig von dem Papiere ab, und behandelt es noch ein Mal auf dieselbe Weise. Das auf dem zweiten Filter zurükbleibende Pulver gibt, wenn es gehörig getroknet worden, das Gewicht des in der thierischen Kohle enthaltenen Kohlenstoffes,15) welches einen Gramm betragen muß. Wäre das Gewicht des Kohlenpulvers größer, so könnte man daraus schließen, daß Sand oder irgend eine andere in Salpetersäure unauflösliche Substanz unter die thierische Kohle gemengt sey.

Ich empfehle noch folgenden Versuch. Man bringe einen kleinen Tiegel zwischen brennende Kohlen, werfe 10 Gramme höchst fein gepülverte thierische Kohle in denselben, und fahre dann, während man die Masse von Zeit zu Zeit mit einem eisernen Stabe umrührt, so lange zu feuern fort, bis das in dem Tiegel enthaltene Pulver ganz weiß wird. Dieses Pulver muß nun durch das Calciniren |54| ein Zehntel seines Gewichtes verloren haben; ergäbe sich ein anderes Verhältniß, so könnte man daraus schließen, daß die thierische Kohle verfälscht sey. Bei diesem Versuche werden nämlich alle kohligen Theile verbrannt, während die salzig-erdigen Substanzen, auf welche das Feuer keine Wirkung äußert, unverändert in dem Tiegel zurükbleiben.

Einige Fabrikanten haben behauptet, daß man betrügerischer Weise auch gebrauchte Kohle in den Handel bringe, die nicht wiederbelebt worden. Mir ist ein solcher Betrug nie vorgekommen; geschähe er aber wirklich, so ließe er sich leicht auf folgende Weise erkennen.

Man bringe die verdächtige Kohle, nachdem man sie drei oder vier Mal in Wasser ausgekocht, neuerdings in ganz reines Wasser, seze ihr auf 10 Gramme Kohle 2 Gramme Aezkali (sogenannten Aezstein) zu, lasse das Gemenge eine Viertelstunde lang sieden, und filtrire es durch Fließpapier, welches vorher mit heißem Wasser ausgewaschen worden. Wenn die durch das Filter laufende Flüssigkeit gefärbt ist, so ist es gewiß, daß die fragliche Kohle bereits gebraucht, und nicht wiederbelebt worden, oder daß die Wiederbelebung schlecht geschah, und daß die Kohle folglich nicht zum Entfärben tauge.

Ich glaube hiermit Alles berührt zu haben, was dem Fabrikanten zu wissen nöthig oder nüzlich ist, und will das Wesentliche nur noch ein Mal in wenigen Worten zusammenfassen:

Die thierische Kohle wirkt unter allen Substanzen, welche die Eigenschaft zu entfärben haben, am kräftigsten auf die Syrupe, und kann daher weder bei der Zukerraffination, noch bei der Runkelrübenzukerfabrikation auf irgend eine andere Weise ersezt werden.

Die Knochen, aus denen die Kohle bereitet werden soll, müssen sorgfältig von allen mit ihnen vermengten Substanzen gereinigt werden. Das Calciniren der Knochen muß in verschlossenen Gefäßen geschehen.

Durch gehörige Behandlung der thierischen Kohle mit Salzsäure wird deren entfärbende Kraft bedeutend erhöht.

Die Wirkung der thierischen Kohle beruht darauf, daß sie sich innig mit dem Färbestoffe verbindet, und daß sie den Syrupen ihre alkalische, beim Versieden so nachtheilige Eigenschaft benimmt.

Die Wiederbelebung der Kohle ist eine sehr vortheilhafte Operation, welche von den Zukerfabrikanten selbst betrieben werden soll, und eine starke Calcination ist das einzige Mittel, wodurch sich eine vollkommene Wiederbelebung erzielen läßt.

Um die Wiederbelebung leicht und sicher zu machen, muß die |55| gebrauchte Kohle mit Knochen oder mit Holz vermengt werden; oder wenn man dieß nicht will, muß man sich beweglicher Tiegel, d.h. Cylinder bedienen, bei denen die Arbeit jedoch höher zu stehen kommt.

Wenn man Kohle, die zum Entfärben alkalischer Syrupe gedient hat, wiederbeleben will, so reicht die Calcination allein nicht aus, sondern die ausgeglühte Kohle muß auch noch mit einer geringen Menge Salzsäure behandelt werden.

Die künstlichen Kohlen sowohl, als die vegetabilische Kohle ersezen die thierische Kohle bei Weitem nicht, weil sich die Theilchen dieser Kohlen in einem zu dichten Aggregatzustande befinden.

Gelöschte Steinkohlen- oder Holzgluth wirkt nur filtrirend, aber nicht entfärbend.

Zur Ermittelung der Güte der thierischen Kohle muß man sie mit Salpetersäure behandeln, oder in einem offenen Tiegel ausglühen; und bei der Behandlung der thierischen Kohle mit verdünnter Salpetersäure muß dieselbe ein Zehntel unauflöslichen Rükstandes geben.

Gute Kohle verliert beim Calciniren den zehnten Theil ihres Gewichtes.

Wenn man frische oder wiederbelebte Kohle mit Aezkali siedet, so erhält man beim Filtriren eine farblose Flüssigkeit; stellt man den Versuch aber mit gebrauchter oder unvollkommen belebter Kohle an, so erhält man, wenn die Kohle auch noch so gut ausgewaschen worden, immer eine gefärbte Flüssigkeit.

Bemerkungen über den Bau des Ofens.

Die Deke des Ofens ist nicht gewölbt, sondern sie besteht aus flachen Eisenschienen, auf welche Baksteine zu liegen kommen, die dann mit Dachziegeln belegt werden. Die flach gelegten Eisenschienen werden von Eisenstangen getragen, welche auf die Kante gelegt sind, und von Schlaudern, welche an irgend einem fixen Punkte unter dem Ofen befestigt sind.

Die Flamme und die Hize soll, wenn sie aus dem Ofen austritt, nicht gleich in den senkrechten Rauchfang gelangen, sondern man soll sie in einen Feuerzug leiten, welcher mit dem Ofen parallel läuft, und eben so breit ist, wie der Ofen selbst. Dieser Feuerzug muß von Eisenstangen getragen werden; da die Hize in demselben jedoch nicht so groß ist, so bedarf es hier keiner auf die Kanten gelegten Stangen und keiner Schlaudern. Man erhält auf diese Weise eine Fläche, auf der man die ausgewaschene Kohle troknen kann; und dieser Trokenherd wird um so größer werden, je weiter der Rauchfang von dem Ofen entfernt ist.

|56|

Wenn man den Herd und das Aschenloch unter der Erde anbringt, so wird der Trokenherd eine tiefere Stellung erhalten, so daß man die auf denselben gebrachte Kohle leichter umrühren kann.

Die Thüre, bei welcher man die Töpfe oder die Tiegel in den Ofen bringt, muß, wenn der Ofen gefüllt ist, mit Ziegeln und Thon verschlossen werden. Gut ist es, wenn man in der Mitte dieses Mauerwerkes, welches bei jeder Operation erneuert werden muß, einen schmiedeisernen Ring von einigen Zollen im Durchmesser anbringt. Durch diesen Ring, welcher mit einem starken Eisenbleche verschlossen werden muß, kann man nämlich in das Innere des Ofens sehen. Manchmal wird auch die ganze Oeffnung mit einem Ofenthürchen aus Eisenblech verschlossen, wo jedoch mehr Hize verloren geht.

Damit der Ofen schneller auskühlen kann, muß an der der eben beschriebenen Thüre gegenüber liegenden Seite des Ofens eine zweite Thüre angebracht seyn. Wenn man nämlich diese zweite Thüre gleichfalls öffnet, so entsteht ein Luftzug im Ofen, in Folge dessen die Temperatur weit schneller sinkt. Die in der Zeichnung dargestellten Töpfe oder Tiegel sind etwas zu hoch; ihre Größe soll von der Art seyn, daß man vier solcher Tiegel auf einander stellen kann.

Erklärung der Abbildung.

Fig. 20 ist ein Durchschnitt des Ofens nach der Linie AB.

Fig. 21 ist ein Durchschnitt nach der Linie CD.

Fig. 22 ein Grundriß in der Höhe von EF.

Fig. 23 ein Grundriß über dem Ofen genommen.

a ist eine zum Feuerherde f führende Stiege.

b sind die Gewölbe, auf denen die Töpfe oder Tiegel ruhen.

c, die Räume, durch welche die Flamme und der Rauch dringen.

d, der in den Rauchfang führende Feuerzug.

e, die Thüre des Feuerherdes.

f, der Feuerherd.

g, gußeiserne Roststangen.

h, das Aschenloch.

i, ein freier Raum vor dem Ofen.

j, der Raum, in welchem die Tiegel untergebracht werden.

k, die Thüre, bei welcher die Tiegel eingesezt und herausgenommen werden.

l, der Trokenherd.

m, Canäle aus Eisenblech, bei welchen die getroknete Kohle herausgeschafft wird.

n, eiserne Stangen, auf denen die Baksteine und Dachziegel, die den Trokenherd bilden, ruhen.

|57|

o, eiserne, auf die Kante gelegte Stangen, auf denen die Stangen n ruhen.

p, Schlaudern, welche mittelst Haken an den Stangen o befestigt sind.

q, eine der Thüre k gegenüber angebrachte Thüre, welche zur Beschleunigung des Erkaltens des Ofens geöffnet wird.

r, ein Pfropf, der zum Verschließen des Gukloches dient, welches in dem Mauerwerke der Thüre gelassen ist.

|36|

Polyt. Journal Bd. IX. S. 206.

|40|

Eine Kohle, die zu fein gemahlen ist, macht bisweilen beim Filtriren Schwierigkeiten, besonders wenn sie in großer Menge unter die Kohlenkörner gemengt ist, und wenn man mit sehr trüben Syrupen zu thun hat. Diesen Unannehmlichkeiten läßt sich jedoch abhelfen, wenn man auf den Boden der Filter eine Kohle bringt, die nur sehr wenig Kohlenstaub enthält, und wenn man die zunächst darauf folgende Kohle nicht eindrükt, sondern loker läßt. A. d. O.

|41|

Die thierische Kohle ist unter den entfärbenden Reagentien nicht das einzige, bei welchem der festere Aggregationszustand der Entfärbung hinderlich ist. Die Thonerde, deren große Neigung mit den Färbestoffen Verbindungen einzugehen allgemein bekannt ist, besizt diese Eigenschaft nur im Zustande der feinsten Zertheilung, in der Gallerteform, in welcher ihre Theilchen durch eine große Menge Wassers so vertheilt sind, daß dadurch deren Wirkung zum Vorschein kommt. Wenn die Thonerde nicht mehr so fein vertheilt ist, so wird sie, wie fein gepülvert sie auch seyn mag, doch keine Verbindung mit den Färbestoffen eingehen; ja ihre Eigenschaft sich mit den Färbestoffen zu verbinden, wird unter diesen Umständen ganz null und nichtig werden. A. d. O.

|43|

Wenn man einen Strom kohlensaures Gas durch geklärten Runkelrübensaft strömen läßt, so fällt kohlensaurer Kalk nieder, aus dessen Gewicht sich ergibt, daß jeder Hectoliter Saft noch 55 Grammen Kalk enthält. Wiederholt man diesen Versuch aber mit geklärtem und durch thierische Kohle filtrirten Safte, so wird man nur mehr halb so viel Kalk erhalten, als bei der ersten Operation; und dikt man den geklärten und über Kohle filtrirten Saft zu Syrup ein, und filtrirt man den Syrup neuerdings durch Kohle, so wird derselbe bei dem angegebenen Verfahren nur mehr Spuren von Kalk andeuten. Hieraus erhellt also offenbar, daß die thierische Kohle nicht nur die Eigenschaft besizt, den Flüssigkeiten, auf welche man sie wirken läßt, den Kalk zu entziehen, wie dieß Payen |44| zuerst bemerkte, sondern daß die Anwendung von Salzsäure unumgänglich nothwendig ist, wenn man der gebrauchten Kohle wieder ihre entfärbende Kraft geben will. A. d. O.

|44|

Ich glaubte lange, daß in dem Runkelrübensyrupe Potasche enthalten seyn und erklärte durch diesen Kaliachalt selbst mehrere Erscheinungen, die bei der Fabrikation von Zuker aus demselben Statt finden; bei genauerer Beobachtung fand ich jedoch, daß ich mich in dieser Hinsicht getauscht hatte. A. d. O.

|44|

Ueber die Wiederbelebung der thierischen Kohle wurden im polyt. Journal sehen mehrere schäzbare Abhandlungen mitgetheilt; man vergl. besonders Bd. XLI. S. 56 und 419, Bd. XLIII. S. 300, Bd. XLIV. S. 187. A. d. R.

|45|

Dieses Auswaschen der Kohle muß in dem Maße geschehen, in welchem die gebrauchte Kohle aus den Filtern herausgenommen wird. Man bedient sich zu diesem Behufe alter Fässer, deren Dekel man herausgenommen und deren Boden man durchlöchert hat. Auf den durchlöcherten Boden breitet man ein nicht zu dichtes Tuch, welches mit Nägeln an den Wänden des Fasses befestigt wird, und auf dieses Tuch schüttet man die auszuwaschende Kohle, auf welche man endlich das Wasser gießt. Gebrauchte Kohle, welche mehrere Monate lang liegen geblieben, braucht nicht ausgewaschen zu werden; denn es entsteht dadurch eine Gährung, durch welche alles Fremdartige, mit Ausnahme des Färbestoffes und des Kalkes, zerstört wird. A. d. O.

|49|

Das zwischen die thierische Kohle gelegte Holz verliert, wenn es beinahe ganz troken angewendet wurde, bei der vollkommenen Verbrennung beiläufig 4/5 seines Gewichtes; sein Volumen vermindert sich aber nur um 2/5. Wenn die 12 Stüke Holz, die man in einen Tiegel bringt, 1250 Grammen (beiläufig 40 Unzen) wiegen, so werden diese 1250 Grammen genau die Stelle von 1250 Grammen trokener Kohle vertreten. Die thierische Kohle verliert bei der Wiederbelebung 6 Proc. ihres Gewichtes, ein Verlust, der größten Theils der Feuchtigkeit zugeschrieben werden muß, die in ihr enthalten ist, wie troken sie auch scheinen mag. A. d. O.

|51|

Hr. Crespel, Sohn des Hrn. Crespel Dellisse, hat diese Eigenschaft der Gährung den Schleim zu zerstören zur Reinigung der Säke, in welchen der Runkelrübensaft ausgezogen wird, und welche die Arbeiter fette Säke (sacs gras) nennen, benuzt. Er taucht diese Säke nämlich in eine Flüssigkeit, welche aus Melasse und Wasser besteht, und am Aräometer 8–10° zeigt, und läßt sie dann an einem warmen Orte einige Tage lang gähren. Der Schleim, das sogenannte Fett, wird hierbei zerstört, so daß man die Säke nur mehr mit Wasser auszuwaschen braucht, um sie vollkommen zu entfetten. Hr. Crespel wird mich entschuldigen, daß ich diese Notiz über sein Verfahren, welches wahrscheinlich manchem Fabrikanten wünschenswerth und nüzlich seyn dürfte, bekannt machte, ohne seine Ermächtigung hierzu eingeholt zu haben. A. d. O.

|53|

Die wiederbelebte thierische Kohle zeigt, obschon sie eine etwas größere Menge kohlige Theile enthalten zu müssen scheint, als die frische Kohle, bei der Analyse doch keine größere Menge davon; es läßt sich daher hieraus schließen, daß schon eine sehr geringe Menge Färbestoff zur Sättigung oder Abstumpfung der entfärbenden Kraft der Kohle hinreichend sey. A. d. O.

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