Titel: Ueber die Bereitung der Tusche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. X. (S. 57–61)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/ar051010

X. Ueber die Verfahrungsarten der Chinesen bei der Bereitung der Tusche; aus der Encyclopédie japonaise ausgezogen von Hrn. Stanislaus Julien.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. Julius 1833, S. 308.

Ehemals bereitete man die Tusche mit schwarzer Erde16), daher das Zeichen, dessen man sich noch heut zu Tage für dieselbe bedient, aus zwei über einander stehenden Buchstaben besteht, wovon der eine schwarz und der andere Erde bedeutet.

Man bereitet eine sehr geschäzte Tusche mir Ruß. Man wendet Fichtenruß an, welchen man mit dem Safte der Rinde des Baumes Kin vermengt und mit thierischem Leim, um ihn zu binden und ihm Consistenz zu geben. Einige sezen auch ein wohlriechendes Präparat zu.

Gewöhnlich bringt man in einen Ofen Ruß, den man zwei oder |58| drei Mal mit Hanföhl knetet (nach Du Halde mit Sesamöhl) und macht dann daraus kleine Brode, die man bakt.

Es war unter der Dynastie Thang (von 618 bis 904), daß man anfing Tusche mit Ruß (Fichtenruß) zu bereiten. Li-Tingkouei, welcher unter dieser Dynastie lebte, gelang es sie so hart wie Stein zu machen.

Unter der Dynastie der Song (von 960 bis 1278) fing Tchang-in an vom Kampher und Moschus bei der Tuschebereitung Gebrauch zu machen. Er war auch der erste, welcher die Tuschtäfelchen mit Blattgold verzierte.

Wenn die Tusche zu alt ist, verschwindet der thierische Leim gänzlich und die Züge haben dann keinen Glanz; ist sie zu neu, so waltet der Leim vor und verunreinigt den Pinsel. Damit man sich derselben mit Erfolg bedienen kann, muß sie wenigstens drei oder fünf und höchstens zehn Jahre alt seyn. Erst in der lezteren Zeit gelang es Kan-lou ihr alle wünschbaren Eigenschaften zu ertheilen.

Ehemals bewahrten die Tuschfabrikanten die Tusche in Säkchen aus Leopardhäuten auf, um sie gegen die Feuchtigkeit zu verwahren; auch in gefirnißten und luftdicht verschlossenen Kästchen, um ihren Glanz zu erhöhen.

Bemerkungen des japanischen Schriftstellers.

Ehemals war die Tusche, welche man von Nan-king bezog, die geschäzteste; sie ist es auch noch heut zu Tage. Unter den verschiedenen Arten von Tusche, die aus diesem Lande kommen, behauptet diejenige, welche mit dem Ruße des Oehles von Hou-ma (jesamum orientale) verfertigt wird, den ersten Rang. Man sezt ihr auch Kampher und Moschus zu, ferner Saft von Hong-hoa (carthamus tinctorius), um ihr Glanz zu ertheilen. Man erhält diesen Ruß des Oehles mittelst mehrerer hundert Lampen, über welchen ein metallener Dekel angebracht ist, um ihn zu sammeln. Von dem Dekel nimmt man den Ruß mittelst einer Feder ab.

Man bereitet auch Tusche mit Fichtenruß, dieß ist aber eine viel geringere Sorte.

Die Tusche in Kugeln (Wan-mé) ist von derselben Art wie diejenige, welche man Thai-phing-mé nennt. Diese beiden mit Fichtenruß bereiteten Sorten bezieht man aus der Umgegend von Nietcheou und Ngao-tcheou. Man kann sie zum Färben der Zeuge anwenden. Den Fichtenruß erhält man aus einem Orte Hiong-ye genannt, in der Nähe von Ki-theou, wo man ihn durch Verbrennen der Fichtenknoten bereitet. Die Tusche in Kugelform benuzt man zum Letterndruk oder zum Zeichnen der Ballen oder Kisten von Handelswaaren.

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Vorschriften.

1) Um auf einen seidenen Stoff zu schreiben, vermischt man ein wenig Ingwersaft mit dem Wasser, worin man die Tusche aufweicht.

2) Bei sehr kalter Witterung weicht man die Tusche in Wasser auf, dem man etwas Saft von Fan-tsiao (piper nigrum) zugesezt hat; man kann dann schreiben ohne daß sie gefriert.

3) Wenn man sehr altes Papier hat, worauf schwer zu schreiben ist, vermischt man die Tusche mit Saft von Sung-kan (einer Fichtenart); das Papier saugt dann nicht ein, daher die Schriftzüge reiner werden.

4) Wenn man sich versichern will, ob die Tusche von guter oder schlechter Qualität ist, bringt man einige Tropfen davon auf eine schwarz gefirnißte Büchse; sie ist vortrefflich, wenn sie eine mit derjenigen des Firnisses genau übereinstimmende Farbe darbietet.

5) Man kann sich der Tusche vortheilhaft zum Heilen der Brandmale bedienen; zu diesem Ende weicht man sie in ein wenig Wasser auf, so daß daraus ein diker Brei entsteht, welchen man auf der verbrannten Stelle ausbreitet; der Schmerz mindert sich sogleich.

Fortsezung über die chinesische Tusche.

(Aus der Encyclopédie des arts et métiers, genannt Tian-kong-kai-we.)

Jede Art von Tusche bereitet man mit verdiktem und in Brode geformtem Ruß. Der zehnte Theil aller Tusche, welche man in China fabricirt, ist mit dem Ruße von Tongöhl (Oehl von bignonia tomentosa), reinem Oehl und Schweinefett bereitet. Neun Zehntheile der chinesischen Tusche macht man mit dem Ruße des Baumes Song (Piuus sylvestris, gemeine Fichte).

Die beste und geschäzteste Tusche verfertigt man heut zu Tage in der Gegend von Hoei-tcheou, welche zur Provinz Kiang-nan gehört. Da das Oehl schwer zu transportiren ist, so schiken einige Fabrikanten Leute in die Districte King-siang und Ching-zouen, die das Oehl des Tong (bignonia tomentosa) wohlfeil aufkaufen und an Ort und Stelle daraus den Ruß brennen, welchen sie dann mitnehmen.

Wenn die mit diesem Ruß bereitete Tusche auf Papier ausgebreitet und den schiefen Sonnenstrahlen ausgesezt wird, reflectirt sie dieselben glänzend roth, vorausgesezt daß der Docht der Lampe (in welcher das Tongöhl verbrannt wurde) mit dem Saft der Pflanze Thse-tsao (cercis siliquastrum?) getränkt worden ist.

Wenn man das Oehl verbrennt, um dadurch den Ruß zu bereiten, erhält man aus dem Pfund ungefähr eine Unze Ruß von erster Qualität. Man sammelt ihn in dem Maße als er sich bildet. Eine gewandte |60| und geschikte Person kann zweihundert Lampen versehen. Sammelt man den Ruß aber zu langsam, so verbrennt er, und man verliert dann das Oehl und den daraus zu erhaltenden Ruß zugleich.

Die gewöhnliche Tusche bereitet man mit Fichtenruß folgender Maßen. Zuerst reinigt man die Fichte von allem ihrem Harze und fällt dann den Baum. Wenn die geringste Menge Harz zurükbliebe, könnte die mit dem Ruße dieses Holzes bereitete Tusche sich in Wasser nicht vollkommen auflösen und würde den Pinsel schmierig machen.

Will man eine Fichte von ihrem Harze befreien, so macht man an dem Fuße des Baumes ein concaves Loch und stellt eine Lampe hinein. Das Holz erhizt sich allmählich und bald läuft alles Harz des Baumes durch einen Einschnitt, den man machte, ab.

Die Fichtenstüke, welche man verbrennt, um daraus den Ruß zu erhalten, müssen dünn und ungefähr einen Fuß lang seyn. Die zum Aufsammeln des Rußes bestimmte Stelle ist ein langer Käfig aus geflochtenen Bambusrohren, ähnlich der Koje, worin sich die Seeleute in ihren Fahrzeugen gegen den Regen schüzen. Er muß ungefähr hundert Fuß lang seyn. Man überzieht ihn innen und außen mit Blättern von geleimtem Papier. Wenn diese Arbeit beendigt ist, bringt man mehrere mit kleinen Löchern versehene Scheidewände an, damit der Rauch austreten kann. Den Boden pflastert man mit Erde und Mauersteinen und nachdem der Canal, durch welchen der Rauch bis zur lezten Scheidewand gelangen muß, beendigt ist, verbrennt man am Eingange mehrere Tage lang Fichtenstüke. Wenn das Feuer ausgelöscht ist, geht man in diesen langen Käfig, um den Ruß zu sammeln. Sobald das Feuer angezündet ist, dringt der Rauch von der ersten Scheidewand bis zur lezten. Der Ruß, welcher sich an die Seiten der ersten und zweiten Scheidewand (vom Ende angefangen) anlegt, ist der leichteste und zarteste; man verfertigt daraus die beste Fichtenrußtusche. Der Ruß an der mittleren Scheidewand ist sehr dik und wird zur Verfertigung der ordinären Tusche benuzt. Der an der ersten und zweiten Scheidewand (vom Eingange an gerechnet) wird an die Buchdruker verkauft, welche ihn zerreiben und dann anwenden. Der Rükstand, welcher nicht in Pulver verwandelt werden konnte, dient für die Firnißbereiter und Maler der geringsten Classe.

Um die Güte der mit Fichtenruß bereiteten Tusche zu ermitteln, braucht man sie nur einige Zeit lang in Masser weichen zu lassen; sie ist mittelmäßig, wenn sie auf demselben schwimmt und desto besser, je mehr sie darin untersinkt.

Nachdem die Tusche mit thierischem Leim vereinigt und hinreichend troken geworden ist, zerschlägt man eine Stange davon mit einem Hammer, um die Härte nach der Anzahl von Stüken, in welche sie sich zertheilt, |61| zu beurtheilen. Einige vergolden die Tusche und vermengen sie auch mit Moschus. Dieser Zusaz, welcher von dem Belieben des Fabrikanten abhängt, trägt zur Güte der Tusche nichts bei.

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Mit Unrecht glauben einige Personen, daß man die Tusche mit der Flüssigkeit des Dintenfisches oder des Achtfußes bereitet. Mit dieser Flüssigkeit, welche schwarz wie Dinte ist, kann man allerdings schreiben, nach Verlauf eines Jahres verschwinden die Schriftzüge aber gänzlich und das Papier bleibt ganz weiß zurük. (Encyclopédie japonaise liv. LI, p. 19.) Hr. Cuvier theilte sein ganzes Leben lang diesen Irrthum des chinesischen Schriftstellers. Wir lesen in seinen Abhandlungen über die Geschichte der Mollusken: „Diese Flüssigkeit (die des Achtfußes) ist von derselben Art wie die ächte chinesische Tusche und kann leztere ersezen. Swammerdam hatte schon vermuthet, daß die Tusche nichts Anderes als die Dinte des Dintenfisches ist; und bekanntlich bereitet man auch jezt in Italien daraus eine Tusche, welche sich von der chinesischen bloß dadurch unterscheidet, daß sie nicht ganz so schwarz ist. Hr. Bosc versichert, daß die Chinesen ihre Tusche mit der Flüssigkeit der sepia rugosa bereiten. Ich habe mich durch Versuche überzeugt, daß die Flüssigkeit des Achtfußes und der Seekaze sich der chinesischen Tusche mehr nähert als die des Dintenfisches. Man preßt sie aus dem Zellengewebe aus, worin sie im Zustande eines etwas diken Breies enthalten ist; sie weicht sich aber im Wasser auf und färbt eine große Menge davon sogleich schwarz. Man könnte aus der Bereitung von Tusche mit dieser Flüssigkeit leicht einen kleinen Industriezweig machen, besonders an den Küsten, wo diese Thiere sehr zahlreich sind. Da die gute Tusche sehr theuer ist und bei einem niedrigeren Preise derselben gewiß eine größere Anwendung davon gemacht würde, so läßt sich erwarten, daß ein solcher Fabrikationszweig vortheilhaft wäre.“ Anm. des franz. Ueb.

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