Titel: Die im Jahre 1833 zu London ausgebrochenen Feuersbrünste.
Autor: Baddeley, William
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LXXVIII. (S. 346–352)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/ar051078

LXXVIII. Ueber die im Jahre 1833 zu London ausgebrochenen Feuersbrünste. Von Hrn. William Baddeley.

Im Auszug aus dem Mechanics' Magazine, No. 546. S. 274.

Indem ich dem Publikum hiermit einen Bericht über die im Jahre 1833 zu London ausgebrochenen Feuersbrünste vorlege, muß ich vorläufig bemerken, daß das abgelaufene Jahr außerordentlich |347| reich an Unglüksfällen dieser Art war, indem sich die Zahl der Feuerlärme beinahe auf 600 belief.

Ich habe alle diese Unfälle zu leichterer Uebersicht in folgende Tabelle gebracht:

Textabbildung Bd. 51, S. 347

Bei diesen verschiedenen Feuersbrünsten brannten

31 Häuser ganz aus;
135 wurden bedeutend beschädigt;
292 wurden leicht beschädigt. Dazu kommen noch
134 blinde Lärme, so daß die Feuerlösch-Anstalten also in Summa
–––––
592 Mal in Anspruch genommen wurden.

Von den 31 ganz ausgebrannten Häusern waren 7 so weit entferne, daß es nicht wohl möglich war, daß die Londoner Feuersprizen große Dienste leisten konnten; 7 brannten aus, bevor man sich Wasser zu verschaffen im Stande war; 7 waren Häuser von Tischlern, Wagnern, Zimmermeistern oder Häuser, welche eben in Baue begriffen waren, und in denen sich also eine so große Menge Brenn material angehäuft befand, daß das Feuer nur äußerst schwer zu bändigen war. 4 dieser 31 Häuser waren ferner so klein, daß sie auch schon gänzlich in Flammen standen, als das Feuer ausbrach; 2 fielen vor Wer ein, bevor das Feuer noch große Fortschritte gemacht hatte, und bei den 4 lezten endlich war die Brunst, bevor noch Feuerlärm entstand, auch schon so weit gediehen, daß die Sprizenleute ihrer auch bei der größten Anstrengung nicht mehr Meister werden konnten. – In den meisten dieser Fälle hat sich das Feuer auf die benachbarten Gebäude verbreitet, in denen es jedoch durch die Sprizenleute schnell unterdrükt wurde; nur in 2 Fällen brannten auch solche Häuser, in denen der Brand nicht ausgebrochen war, gänzlich aus.

|348|

In Hinsicht auf die Inhaber der Wohnungen, in welchen sich Feuersbrünste ereigneten, ergibt sich folgende Tabelle:

Transport 297
Auctionatoren u. Schäzmeister 3 Krämer 9
Bäker 18 Haar-Händler 1
Bankiers 1 Friseur 2
Grobschmiede 1 Hutmacher 6
Buchbinder 4 Eisenhändler 4
Buchhändler und Papierhändler 3 Juweliere 1
Schuhmacher 6 Lederbereiter 1
Messing- und Eisen-Gießer 5 Leinwandhändler 4
Brauer 4 Maschinenbauer 3
Ziegeldeker 2 Malzhändler 3
Tröbler 3 Galanteriewaarenhändler 3
Bürskenmacher 2 Fabrikanten musikalischer Instrumente 1
Baumeister 1 Bureau's 3
Fleischer 6 Maler und Anstreicher 9
Tischler und Tapezierer 9 Pergamentmacher 1
Zimmerleute und Kistler 12 Pfandverleiher 1
Schizer und Bergolder 2 Schreibfeder-Händler 1
Kerzenfabrikanten 7 Bleiarbeiter und Spiegelmacher 2
Käsehändler 6 Geflügelhändler 1
Chemiker und Materialisten 6 Buchdruker 4
Kirchen und Kapellen 7 Lumpenhändler 3
Tuchmacher 6 Sailer 3
Kutschen-Fabrikanten 1 Sattler 1
Kohlenhändler 8 Seidenarbeiter 3
Caffe- und Traiteur-Häuser 10 Schiffe 1
Kornhändler 3 Schiffbauer 4
Zukerbäker 1 Ställe 8
Messerschmiede 1 Schnürbrustmacher 1
Branntweinbrenner u. Rectificirer 2 Strohhutmacher 3
Farbenfabrikanten 1 Zukerbäker 1
Miethleute 130 Mundärzte 2
Kupferstecher 1 Schneider 9
Pächter 6 Talghändler 4
Federhändler 1 Gastwirthe 7
Fenerwerker 3 Theater 1
Fischhändler 5 Spielwaaren-Händler 1
Pelzhändler 1 Dreher 2
Gaswerke 2 Regenschirm-Macher 1
Gasbereiter 1 Victualien-Händler 28
Glashütten 2 Watt-Fabrikanten 1
Glasschneider 1 Werste 1
Grünzeug- und Obsthändler 4 Weinhändler 5
Gewürz- und Theehändler 8 Wollenhändler 1
–––––
Summa 458
|349|

Nach den Stunden des Tages beobachtet fielen diese 458 Feuersbrünste zu folgenden Tageszeiten vor:

1 Uhr. 2 U. 3 U. 4 U. 5. U. 6. U. 7. U. 8. U. 9. U. 10. U. 11. U. 12. U.
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Vormittag. 25 34 13 17 10 15 8 9 10 11 13 11
Nachmittag. 5 21 14 18 13 14 15 26 31 42 49 34

Es wird gewiß von großem Interesse und Nuzen seyn, die Veranlassungen zu diesen Feuersbrünsten zu kennen, insofern dieselben bei der genauesten Nachforschung ausgemittelt werden konnten; denn eine genaue und sorgfältige Erwägung dieser Umstände wird gewiß vielen zur Belehrung dienen. So z.B. namentlich denen, die sich mit dem Baue der Oefen und Feuerzüge etc. beschäftigen, indem der unzwekmäßige Bau derselben eine ergiebige Quelle von Unglüksfällen ist. Man wird sich ferner aus einer solchen Zusammenstellung überzeugen, wie nothwendig es ist, auf das Licht und besonders auf die Kerzenlichter Acht zu haben, indem die größte Anzahl von Feuersbrünsten immer zu jenen Stunden Statt fand, zu welchen Licht gebrannt zu werden pflegt; eben so werden sich aus dieser Betrachtung manche Mißbrauche ergeben, die man meistens zu wenig zu beachten gewohnt ist. Man wird sich wohl nicht über die große Zahl von Brünsten, deren Veranlassung unentdekt bleibt, wundern, wenn man bedenkt, daß die Individuen, die oft am meisten Aufschluß darüber geben könnten, aus Furcht vor Strafe ein Interesse haben, die wahre Ursache zu verheimlichen.

Von den oben erwähnten 458 Feuersbrünsten sind also entstanden:

durch Unvorsichtigkeit mit Kerzenlichtern 56
durch Unvorsichtigkeit mit Gas 20
durch Entzündung von Schießpulver 3
durch Fahrlässigkeit (carelessness) 28
durch Kamine, welche Feuer singen, und dann das Gebäude in Brand sezten 12
durch schlechte Feuerzüge, durch Ueberhizen derselben 59
durch Feuer, welche auf Herden oder an ungeeigneten Stellen angemacht wurden 7
durch unzwekmäßige Anwendung von Feuer in Fabriken 31
durch schlechten Bau von Oefen, Ueberhizen derselben 24
durch Selbstentzündung von Kohlen 1
durch Selbstentzündung von Heu 3
durch Selbstentzündung von Lumpen 3
durch Brandlegung 3
durch verschiedene nachgewiesene unglükliche Zufälle 83
aus unbekannten Ursachen 125
–––
458

Mit dem 1. Januar 1833 begann die Wirksamkeit der Löschanstalt, die sich durch Vereinigung von 10 der bestehenden Versicherungs-Anstalten gebildet hatte; im Junius vereinigte sich auch noch die Phönix-Gesellschaft und eine andere Compagnie mit ihr, und in Verbindung mit diesen |350| unterhielt sie 15 Stationen, außer welchen noch 4 andere Stationen von Versicherungs-Anstalten, die der Vereinigung nicht beitraten, bestanden. Alle die Vortheile, die ich von einer derlei Vereinigung der vielen einzelnen, ohne Zusammenhang und manchmal sogar feindselig wirkenden Unternehmungen vorhersagte, haben sich im abgelaufenen Jahre vollkommen bewahrt. Die Hülfe wurde schneller geleistet, als bisher, und der Erfolg der Hülfeleistung war ein größerer, als man ihn erwarten konnte. Ich war ein sorgfältiger und aufmerksamer Beobachter der Thätigkeit der auf diese Weise vereinten Kraft, und habe mit großer Freude manche Beweise der Unerschrokenheit und Gewandtheit des Corps der Sprizenleute mit angesehen, Das Geheimniß des großen und beinahe gleichförmigen Gelingens der Anstrengungen dieser Leute beruht darauf, daß immer einige derselben, sowohl bei Tage, als bei Nacht auf der Wache oder im Geschäfte sind; und ferner auf der von Hrn. Braidwood verbesserten Methode, das Feuer in engen Wohnungen zu bekämpfen. Statt daß diese Leute nemlich wie früher mit einer 7 Fuß langen Röhre in der Straße stehen, und mit dieser auf Gerathewohl durch die Fenster des brennenden Hauses sprizen, wodurch das Gebäude begossen wird, ohne daß das Wasser auf die brennenden Stellen selbst gelangt, befestigen sie gegenwärtig eine zwei Fuß lange Röhre an dem Schlauche, und steigen damit über die Treppe bis an die Gemächer empor, in denen das Feuer seine Verheerungen anrichtet, so daß sie auf diese Weise das Wasser direct auf die brennenden Körper und in die Gluth zu sprizen im Stande sind. Da die Sprizenleute bei dieser gefährlichen und mühsamen, aber höchst nothwendigen Arbeit durch die Hize und besonders durch den Rauch sehr belästigt werden, so knieen sie sich gewöhnlich nieder, oder sie legen sich ganz auf den Boden; sie athmen bei dieser Stellung doch eine weit reinere Luft, während sie, wenn sie aufrecht stehen bleiben würden, unfehlbar erstiken müßten. Die Leute haben in der kurzen Zeit, seit welcher sie diese Methode befolgen, außerordentliche Fortschritte in derselben gemacht, und ihre Gewandtheit, so wie der Erfolg ihrer Leistungen stiegen mit ihrer Zuversicht. Auf diese Weise wird nicht mehr so viel Wasser unnüz verschwendet, wie früher, und es wird auch nicht mehr Wasser auf und in das Gebäude geschleudert, als unmittelbar zum Löschen des Feuers nöthig ist. Es freut mich hier Jedermann versichern zu können, daß diese neue und verbesserte, dem Anscheine nach so gefahrvolle Methode im ganzen vergangenen Jahre auch nicht einen einzigen Unglüksfall veranlaßte. Damit dieselbe jedoch mit Vortheil in Ausführung gebracht werden könne, ist es durchaus nöthig, daß die Hülfeleistenden so schnell als möglich an dem Orte |351| eintreffen, an welchem das Feuer ausbrach; und in dieser Hinsicht sind die gegenwärtigen Einrichtungen im Ganzen auch sehr gut, ohne daß dadurch auch nur im Geringsten unnöthiges Gerenn erzeugt würde. Wenn bei irgend einer der Stationen der Löschanstalt Nachricht von dem Ausbruche eines Feuers eintrifft, so wird dieß alsogleich allen, die es angeht, mitgetheilt; zeigt sich aber bei der Ankunft der ersten Feuersprize an Ort und Stelle, daß der Lärm falsch war, oder daß das Feuer so unbedeutend ist, daß es keine weiteren Hülfsmittel erfordert, so wird sogleich ein Bote abgesendet, der die Ankunft weiterer Maschinen hindert, und dieselben in die Stationen zurükweist. Der sicherste Beweis für die Geschwindigkeit, mit welcher die Maschinen der Lösch-Anstalt an Ort und Stelle anlangen, ist der, daß beiläufig 2/3 der Belohnungen, welche für die drei zuerst ankommenden Feuersprizen75) ausgesezt sind, von den Sprizenleuten der Anstalt errungen wurden, obschon sie beiläufig mit 200 der sogenannten Pfarrei-Feuersprizen und mit den Maschinen mancher anderer Gesellschaften zu wetteifern hatten. Die Feueranzeigen geschehen zuweilen von der Polizei, gewöhnlich jedoch von Unbekannten. Die Wächter auf den Brüken entdeken die Feuersbrünste sehr häufig in großen Entfernungen zuerst, und haben es durch die Uebung dahin gebracht, daß sie den Ort der Brunst gewöhnlich aus dem Widerscheine derselben am Horizonte so ziemlich genau anzugeben wissen.

Man hat der neuen Löschanstalt den Vorwurf gemacht, daß sie mehr für die Verbesserung ihrer Maschinen, die zum Unterdrüken des Feuers bestimmt sind, als für die Apparate zur Rettung der Menschen aus Feuersgefahr zu thun bemüht sind. Dieser Vorwurf ist durchaus ungegründet; denn die Maschinen sind nicht nur mit den vorzüglichsten und bewährtesten der vorgeschlagenen Rettungs-Apparate ausgestattet, sondern man hat erst neuerlich wieder jede derselben mit zwei 8 Fuß langen Sturmleitern versehen, und diese Leitern so eingerichtet, daß sie schnell zu einer Leiter von beliebiger Länge mit einander verbunden werden können. Mit diesen Leitern wurden bereits in diesem Jahre mehrere Menschenleben gerettet, und nicht selten gelang es den Sprizenleuten, mit deren Hülfe in Wohnungen zu dringen, zu denen sie wegen Verbrennung der Stiege auf leine andere Weise mehr gelangen konnten. Es ist zwar wahr, daß in London allein im Jahre 1833 wieder 12 Menschen verbrannten; |352| allein es ist auch richtig, daß alle diese Unglüklichen bereits verloren waren, ehe die Löschanstalten noch etwas zu ihrer Rettung zu thun im Stande waren.

Ich habe daher die Ueberzeugung, daß das Publikum die Verdienste des Hrn. Braidwood, dem wir die neue Anordnung der vereinten Löschanstalten verdanken, dankbar anerkennen, und dem Eifer und der Unerschrokenheit der Sprizenleute; die sich in so kurzer Zeit so große Gewandtheit in der Ausführung ihrer neuen Vorschriften erwarben, volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Das Publikum sowohl, als die Anstalt hat gegründete Ursache mit den Leistungen im Jahre 1833 vollkommen zufrieden zu seyn; Vieles wurde bereits verbessert, und dieß wird hoffentlich ein Beweggrund mehr seyn, auf der eingeschlagenen Bahn unermüdet fortzuschreiten.

|351|

Die Belohnungen, welche durch eine Parliamentsacte für die drei zuerst anlangenden Feuersprizen ausgesprochen sind, sind folgender Maßen festgesezt: für die erste Maschine 50 Schill. (18 fl.); für die zweite 20 Schill. (12. fl.) und für die dritte 10 Schill. (6 fl.). Die Person, welche die Brunst zuerst anzeigt erhält gewöhnlich 1 Schill. (36 kr.) A. d. O.

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