Titel: Verbesserungen an den Maschinen zur Tull-, Bobbinnet- oder Spizennezfabrikation.
Autor: Lefort, Louis Paul
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LXXX. (S. 358–363)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/ar051080

LXXX. Verbesserungen an den Maschinen zur Tull- oder Bobbinnet- oder Spizennezfabrikation, worauf sich Ludwig Paul Lefort, Kaufmann, ehemals zu Grand Couronne bei Rouen in Frankreich, dermalen in Cornhill, City of London, am 17. Mai 1833 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Januar 1834, S. 291.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Meine Erfindungen, sagt der Patentträger, beziehen sich auf jene Arten von Bobbinnet- oder Tullmaschinen, die nach dem sogenannten Levers'schen Principe erbaut sind, und bestehen: 1) in einem eigenen Apparate zum Theilen der Spulenwagen in jenem Zeitraume der Bewegungen der Maschine, in welchem die Wagen in zwei Reihen getheilt werden sollen; 2) in einem eigenen Apparate zum Bewegen der Spizenstangen, welche die halben Maschen des Nezes, so wie dieselben erzeugt werden, aufnehmen; und 3) in einem eigenen Mechanismus, durch welchen die allgemeinen Bewegungen der Maschine durch eine kreisende Triebkraft hervorgebracht werden.

Fig. 1 ist ein Fronteaufriß einer Levers'schen Maschine in |359| Verbindung mit den von mir daran angebrachten Verbesserungen. Fig. 2 ist ein Aufriß des rechten Endes der Maschine. Fig. 3 ist ein Aufriß des Rükens des Gestelles mit jenen der von mir verbesserten Theile, die vom Rüken her sichtbar sind. Fig. 4 ist ein Querdurchschnitt durch die Maschine, woraus man die Verbindung der neuen Theile mit den alten, und die Art und Weise ersieht, auf welche sie mittelst der Hauptreibwelle, die durch Dampf oder irgend eine andere Kraft betrieben wird, die verschiedenen Bewegungen vollbringen. Fig. 5 und 6 sind Durchschnitte des Inneren der arbeitenden Theile des Mechanismus in zwei verschiedenen Stellungen; beide Figuren sind in einem etwas größeren Maßstabe gezeichnet, damit man die Theilung der Spulenwagen und auch die Operationen der Fangstangen, welche die Wagen hin und her bewegen, deutlicher ersieht. An allen diesen Figuren beziehen sich gleiche Buchstaben auf gleiche Gegenstände.

Wenn die am Rüken der Maschine befindliche Hauptwelle a, a, a in kreisende Bewegung versezt wird, so pflanzt sich diese Bewegung an die an dieser Welle befindlichen Winkelhebel b, b fort, welche ihrerseits die sich schwingenden Arme c, c, an denen sich die arbeitenden Theile des Mechanismus befinden, in Bewegung sezen, und mittelst der Krummhebel d, d jene abwechselnden Bewegungen hervorbringen, die zum Betriebe der ganzen Maschinerie nöthig sind.

Da alle Spizenfabrikanten den Bau und die Art der Thätigkeit einer Levers'schen Maschine ohnedieß genau kennen, so brauche ich nur die Verbindung der Verbesserungen mit den ursprünglichen Theilen der Maschine zu beschreiben.

Die Landungsstangen der gewöhnlichen Levers'schen Maschine sieht man in den Durchschnitten bei e, e; die Kammstangen bei f, f, und die Landungsstangen bei g, g. Alle diese Theile haben ihre gewöhnliche Stellung, und werden auch auf die bekannte Weise in Anwendung gebracht. Unter den Fangstangen befindet sich auf jeder Seite eine Reihe von Fingern oder Haken i, i, welche an einer der lange nach laufenden Stange k, k, die ich die Trennungsstange (separating bar) nennen will, aufgezogen sind. Diese Trennungsstangen kk ruhen mit Zapfen in Zapfenlagern, welche, wie der Fronteaufriß Fig. 1, und auch der Durchschnitt Fig. 5 und 6 zeigt, in Zapfenlagern, die an den Landungsstangen befestigt sind, ruhen.

An dem einen Ende einer jeden Landungsstange k befindet sich eine Verlängerung oder ein hervorragendes Stük, welches den Arm lf führt, und an diesem Arme ist ein Zahn m (Fig. 5 und 6) angebracht, der auf ein Muschelrad oder auf ein Rad mit einem Ausschnitte n wirkt, welches an der Achse der Dawson'schen Räder, |360| die an der gewöhnlichen Levers'schen Maschine zum Lüpfen der Fang- und Stößerstange dienen, befestigt ist.

Statt daß die Wagen wie an den gewöhnlichen Levers'schen Maschinen, durch das Vorwärtstreten der Stößer getrennt werden, fällt hier die Reihe der Finger oder Haken i, i herab, und faßt die Rippen jener Wagen, die an jeder Seite aus der Mitte entfernt werden sollen. Die an den Trennungsstangen k, k angebrachten Arme l haben eine solche Form und Stellung, daß der Zahn m eines jeden Armes auf dem Umfang des Muschelrades n aufrecht steht. Wenn daher der kreisförmige Theil des Rades umläuft und sich mit dem Zahne m in Berührung befindet, so sind die Finger, wie man aus Fig. 6 sieht, frei über die Ohren der Wagen emporgehalten. So wie aber der Ausschnitt oder der excentrische Theil des Rades n unter den Zahn m gelangt, so fällt der Zahn gegen die Achse des Rades ein, und dadurch fällt auch die Stange k herab, so daß die Reihe der Finger i in die Ausschnitte herab gelangt, die sich hinter den Ohren der Wagen befinden, auf welche sie wirken sollen, wenn die Landungsstangen und mit ihnen auch die Reihe der Finger, die die Wagen aus einander ziehen sollen, durch die Oeffnung der schwingenden Arme c, c nach Auswärts bewegt werden.

Unmittelbar nachdem die Finger i in die Ausschnitte der Spulenwagen gefallen, werden die Stößer o, o durch die gewöhnlichen Bewegungen der Finger in jede der abwechselnden Mündungen der Kämme vorwärts getrieben, wo sie als Wächter dienen und hindern, daß beim Trennen der Wagen niemals zwei Wagen von einem einzigen Finger herausgezogen werden. Wenn die Finger oder Haken i, i die entsprechenden Reihen der Spulenwagen auf dieselbe Weise, auf welche dieß sonst durch die gewöhnlichen Fangstangen zu geschehen pflegt, auf jeder Seite nach Auswärts gezogen haben, so werden die Finger oder Haken beim Schließen der schwingenden Arme c, c zu Stößern, welche die Wagen gegen die Mitte der Kämme zurüktreiben, wo dann die Fangstangen, indem die Trennungsstangen emporsteigen, und die Finger herausziehen, alsogleich in die Ausschnitte einfallen, und alle Wagen zum Behufe der nächsten Bewegung in eine gleichförmige Reihe zusammendrängen.

Zu größerer Deutlichkeit, und um deren Gestalt anschaulicher zu machen sind die Finger oder Haken, die man auch die Hohler (fitchers) nennen kann, in Fig. 7 und 8 in größerem Maßstabe abgebildet. Fig. 7 ist ein Durchschnitt oder eine Seitenansicht einer solchen Finger- oder Hohlerplatte mit einer Reihe von Fingern i. Fig. 8 zeigt die untere Fläche einer solchen Platte, oder jene Fläche, die mit der oberen Fläche der Trennungsstangen k in Berührung gebracht |361| wird. In Fig. 9 und 10 sind ähnliche Finger- oder Hohlerplatten abgebildet, die für eine Maschine gehören, in welcher mehrere schmale Spizenstreifen, die an den Rändern dann durch einen einfachen Faden mit einander verbunden werden, verfertigt werden sollen. Fig. 9 ist die Trennungsplatte für die hintere Stange der Maschine; Fig. 10 hingegen jene für die vordere Stange; an ersterer sind zwei Finger mit einander vereinigt; an lezterer hingegen ist ein Finger weggenommen: wozu dieß ist, wissen alle Spizenfabrikanten.

In Fig. 11 sieht man die Räder mit den Ausschnitten, welche an der horizontalen Welle in der Nähe des Endes der Maschine befestigt sind, und die Dawson'schen Räder genannt werden. A ist das Sperrrad, durch welches die Welle und die Räder in Bewegung gesezt werden. B ist das Rad, welches zum Betriebe der Stößerstange dient. C ist das Rad, welches die Trennungsstange, die in den anderen Figuren mit m bezeichnet ist, in Bewegung sezt. D endlich ist das Rad, durch welches die Fangstange bewegt wird. Alle diese Räder sind an den entsprechenden Stellen angebracht.

Ich muß hier in Hinsicht auf das Stoßen der Wiederkehrstange (turnagain bar) beim Verfertigen der Breiten mit dieser verbesserten Maschine bemerken, daß diese seitliche Bewegung Statt finden muß, wenn die Wagen zur Schließung zurükkehren, und unmittelbar, bevor sie in die Kettenfäden eintreten. Es wird dieß durch die Stellung des Muschelrades, welches die stoßende oder schüttelnde Bewegung mittheilt, bestimmt.

Die verbesserte Maschinerie, welche das Aufnehmen oder die Thätigkeit der Spizenstangen bewirkt, wird durch die Hauptkurbelwelle a in Bewegung gesezt. An dieser Kurbelwelle befindet sich ein Sterngetriebe p mit zwölf Zähnen, welches durch eine Kette mit dem 48zähnigen Sternrade q in Verbindung steht, so daß dieses leztere Rad durch die Umdrehung dieser Welle oder des Getriebes in Bewegung gesezt wird. An der Achse des Rades q befindet sich auch ein Getrieb mit 30 Zähnen, welches in ein 60zähniges Rad r eingreift; und dieses Rad befindet sich am Rüken der Maschine an der oberen Welle s, die die Muschelräder führt, welche, auf die Schwanzstangen (tail poles) v, v der Spizenstangen wirken. Diese Muschel- oder Klopfräder sieht man in Fig. 4 bei t, t, und in Fig. 12 und 13 in verschiedenen Stellungen.

Gesezt das Muschelrad t, t, Fig. 12, habe bei seiner Umdrehung in der Richtung der Pfeile auf die an der unteren Seite der Schwanzstange v 1 befindliche Gegenreibungsrolle u gewirkt, und folglich diese Schwanzstange emporgehoben und die hintere, an dem entgegengesezten |362| Ende des Hebels angebrachte Spizenstange herabgedrükt, so wird, wenn der höchste Punkt des Muschelrades an der Rolle vorübergegangen, die Schwanzstange in die aus Fig. 4 ersichtliche horizontale Stellung herabfallen, und dadurch werden die hinteren Spizen die halben Maschen des Nezes aufnehmen. Nachdem dieß geschehen, wird das andere Muschelrad t 2 auf die andere Schwanzstange v 2 zu wirken beginnen, und auf gleiche Weise bei seinen Umdrehungen die vordere Spizenstange herabdrüken und wieder emporheben.

Damit die Spizen die Maschen des Nezes mit gehöriger und regelmäßiger Spannung aufnehmen, gerathen, so wie sich die Muschelräder umdrehen, kleine, gekrümmte, hohle Klopfer (tappets) w, die an der Welle s angebracht sind, auf die Rolfen u, und dadurch werden die Schwanzstangen, die die Rollen führen, etwas Herabgedrükt, und die mit den entgegengesezten Enden verbundenen Spizen so emporgezogen, daß die erforderliche Spannung entsteht. In Fig. 13 sieht man, wie dieser Klopfer w eben auf die Rolle u der Schwanzstange v1 einwirkt. Der andere Klopfer wirkt, wenn er empor gelangt, ganz auf dieselbe Welse auf die Schwanzstange v2.

Im Falle diese Maschine durch Dampf oder eine andere Triebkraft in Bewegung gesezt wird, muß an der Hauptwelle a ein Nigger angebracht werden, der durch ein von dem ersten Treiber herlaufendes Band in Bewegung gesezt wird. Soll die Maschine hingegen mit Menschenarmen betrieben werden, so kann man ein Paar gleiche Räder anwenden, von denen sich das eine an der Kurbelwelle befindet, während sich das andere in einem gehörigen Zapfenlager mit einer Kurbel dreht, und beide durch eine Kette oder durch ein Laufband mit einander verbinden, wie man dieß aus der Endansicht in Fig. 2 ersieht.

Zum Betriebe der Dawson'schen Räder, die die schaukelnden oder seitlichen Bewegungen der verschiedenen Stangen bewirken, ist ein excentrisches oder muschelförmiges Rad x an der Kurbelwelle angebracht, wie aus Fig. 2 ersichtlich. Dieses Excentricum wirkt, so wie es sich umdreht, auf zwei Gegenreibungsrollen, welche am Scheitel des Schwunghebels y, y, y an einem Ringe befestigt sind. Ein Arm z, der von dem Scheitel des Ringes oder des Hebels ausgeht, und durch Führer geht, führt einen Sperrkegel, welcher in das Sperrrad an der Welle der Dawson'schen Räder eingreift, so daß die Dawson'schen Räder durch die auf einander folgenden Schwingungen des Hebels y herumgetrieben werden, und die Bewegungen der Stangen bewirken. Ich muß endlich noch bemerken, daß die Breite |363| der oben beschriebenen Finger oder Haken i so groß seyn soll, daß sie zwei Kämme und einen Wagen bedeken, damit sie sich nicht leicht zurükziehen können, ohne die fraglichen Wagen mit sich zu führen.

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