Titel: Verbesserungen der Räderfuhrwerke auf den Eisenbahnen.
Autor: Winans, Ross
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LXXXIX. (S. 406–407)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/ar051089

LXXXIX. Verbesserungen, durch welche die Reibung der Räderfuhrwerke auf den Eisenbahnen und auf anderen Straßen vermindert wird, welche Verbesserungen sich auch zu anderen Zweken benuzen lassen, und auf welche sich Ross Winans von Vernon, New Jersey, Ver. Staat., dermalen zu London, am 28. Mai 1828 ein Patent ertheilen ließ.85)

Aus dem London Journal of Arts. Vol. IX. Supplement. S. 171.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Hr. Winans will durch seine, unter obigem Patente begriffenen Erfindungen zweierlei Zweke erreichen: 1) will er die Reibung an den Achsen der auf den Eisenbahnen fahrenden Wagen und Karren vermindern, indem er die Reibung der Achsen in ihren Zapfenlagern oder innerhalb der Büchsen oder Naben der Räder verhindert; und 2) will er jener Reibung vorbeugen, die dann entsteht, wenn sich die Peripherien der Räder der Eisenbahnkarren beim Fahren über gekrümmte Bahnen an den Schienen reiben.

Den ersten dieser Zweke sucht nun der Patentträger zu erreichen, indem er statt der stritten Zapfenlager für die Achsen Gegenreibungsräder anbringt, in welchen die Enden der Achsen laufen. Fig. 5 zeigt eines der verbesserten laufenden Räder für Eisenbahnwagen. a ist das Rad, welches an der Achse b befestigt ist, und welches sich folglich mit derselben dreht, indem der äußere Theil der Achse, wie |407| man bei c sieht, verlängert ist. Der Körper des Wagens oder Karrens wird von dem Gestelle d, welches rings um denselben läuft, getragen; und an dem unteren Theile des Gestelles sind zwei Blöke angebracht, die die Achse des Gegenreibungsrades führen. Diese lezteren Theile sind in der Zeichnung im Durchschnitte abgebildet.

In dem Gegenreibungsrade f befindet sich eine Aushöhlung, in welche das Ende der Achse c hineinragt, so daß also das Ende der Achse, welches in dem inneren Ringe des Gegenreibungsrades läuft, das Gewicht des Wagens oder Karrens und seiner Ladung trägt.

Hieraus erhellt also, daß, indem das Ende der Achse c nicht in einem fixirten, sondern in einem beweglichen Zapfenlager läuft, alle Reibung, welche aus der Berührung, in der die Achse mit ihrem Zapfenlager steht, erfolgen könnte, durch das Gegenreibungsrad, welches durch die Reibung der sich umdrehenden Achse herumgetrieben wird, aufgehoben werden muß.

Da das Ende der Achse und die Aushöhlung des Gegenreibungsrades dem Einflüsse des Standes und Koches ausgesezt seyn würden, so schlägt der Patentträger vor, diese Theile unter gewissen Umständen in ein eisernes Gehäuse einzuschließen. Die Art und Weise, auf welche dieß geschehen soll, ersieht man aus Fig. 6, in welcher das Gegenreibungsrad f und dessen Gehäuse g im Durchschnitte dargestellt sind. Das Ende der Achse c geht durch eine Oeffnung in dem Gehäuse, welche Oeffnung durch einen an der Achse angebrachten Halsring geschlossen ist. Dieses eiserne Gehäuse, in welchem sich das Gegenreibungsrad und dessen Achse f befindet, kann einen Theil des eisernen Gestelles bilden, welches statt des oben beschriebenen hölzernen Gestelles e rings um den Wagen oder Karren läuft, und das Gehäuse kann, wenn es gehörig verschlossen ist, mit dem Oehle gefüllt werden, welches nöthig ist, um die sich drehenden Theile gehörig schlüpfrig zu erhalten.

Was den zweiten Theil der Erfindung betrifft, so schlägt der Patentträger vor, den Umfang der laufenden Räder kegelförmig zu machen, damit an jenen Theilen der Eisenbahn, die eine Krümmung erhalten sollen, der größere Durchmesser des Rades an der einen Seite auf der größeren Krümmung laufe, während sich der kleinere Durchmesser des entgegengesezten Rades längs der kleineren Krümmung bewegt.

Endlich bemerkt Hr. Winans noch, daß sich die oben beschriebene Methode, die Reibung an den Räderfuhrwerken zu vermindern, auch an den Wagen im Allgemeinen, sie mögen auf gewöhnlichen Straßen oder eigenen Bahnen fahren, so wie auch an den Wagen, deren man sich in den Mulespinnereien bedient, benuzen lassen.

Wir haben bereits im Polyt. Journale Bd. XXXV. S. 318, XXXVI. S. 83, und XXXVII. S. 312 das Resultat, der Versuche, welche mit den Rädern des Hrn. Winans angestellt wurden, mitgetheilt, und geben nun auch eine Beschreibung und Abbildung dieser Räder, die jezt zum ersten Male in den englischen technischen Journalen erschien. Wir bemerken nur noch, daß, das London Journal den Patentträger überall Winaus statt Winans schreib. A. d. R.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: