Titel: Eine neue Dampfwagen-Compagnie für gewöhnliche Straßen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. XIII./Miszelle 3 (S. 69–70)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051013_3

Eine neue Dampfwagen-Compagnie für gewöhnliche Straßen.

Das Repertory of Patent-Inventions, Dec. 1833, S. 369, enthält eine Anzeige einer neuen Gesellschaft zur Einführung der Dampfwagenfahrt auf den Landstraßen, die sich unter dem Namen der London, Holyhead and Liverpool Steam Coach and Read Company zu London gebildet hat, und auf welche nun die Aufmerksamkeit aller Mechaniker gerichtet ist. Die Gesellschaft verspricht ein günstigeres Resultat, als alle übrigen, theils weil sie Männer wie Thomas Telford Esq. und John Macnall Esq. als ihre Ingenieure gewählt hat, theils weil sie sichs zur Aufgabe machen will, die Straße, auf der ihre Dampfwagen fahren sollen, beständig in einem solchen Zustande zu erhalten, wie er erforderlich ist, wenn die Fahrten einen guten Fortgang haben sollen. Die Gesellschaft ist der Ueberzeugung, daß die Dampffahrt auf den Landstraßen vollkommen |70| und mit Vortheil möglich und thunlich sey, und daß die wenigen Hindernisse, die ihr noch im Wege stehen, in den Händen von tüchtigen Praktikern bald verschwinden dürften. Sie hat unter den vielen Dampfwagen, die man im Laufe der lezten Jahre in England erscheinen sah, ihr Augenmerk hauptsächlich auf jenen des Sir Charles Dance geworfen, der sich durch seine früheren Fahrten von London nach Cheltenham, und durch seine neueste Fahrt von London nach Brighton berühmt gemacht. Sie ersuchte daher den ehrenwerthen Sir Charles mit seinem Dampfwagen eine neue Probefahrt von London nach Birmingham anzustellen, der er sich auch unterzog, obwohl er der Gesellschaft vorgestellt haben soll, daß diese Fahrt höchstens das Princip seines Wagens als tauglich bewähren, wegen der geringen Kraft des Wagens, des schlechten Zustandes der Straßen und des Wagens selbst aber keineswegs zu einem ganz günstigen Resultate führen dürfte. Ueber diese Fahrt nun, über welche sich das Mechanics' Magazine, wie es scheint mit einiger Parteilichkeit, lustig macht, enthält das Repertory folgenden Bericht, gegen den sich nichts einwenden läßt, da er von den HH. Thomas Telford, John Rickman, C. W. Pasley, Bryan Donkin, Timothy Bramah, John Thomas, Josua Field, John Macneill, Alexander Gordon, Wm. Carpmael, I. Simpson unterzeichnet ist.

Der Dampfwagen mit dem Wasser, den Kohks und drei
Personen wog

3 Tonnen

5 Cntr.
Das Gewicht des dem Dampfwagen angehängten Omnibus
betrug

1 –

0 –
Das Gewicht der Passagiere, ihres Gepäkes und einiger
Kohkssäke belief sich auf

1 –

15 –
–––––––––––––––
Totalgewicht 6 Tonnen 0 Cntr.

Die Triebkraft bestand aus einer Dampfmaschine mit zwei Cylindern von 7 Zollen im Durchmesser und 16 Zollen Kolbenhub. Der Druk des Dampfes auf die Röhren, in denen der Dampf erzeugt wurde, wurde nicht höher als auf 100 Pfd. auf den Quadratzoll getrieben.

Mit diesem Zuge fuhr die Gesellschaft am 4. Novbr. von Gray's Inn Road ab. Nach einer Fahrt von beiläufig 6 Meilen zeigte sich aber, daß eine der Röhren, aus denen der Kessel bestand, so viel Wasser aussikern ließ, daß sie durchaus reparirt werden mußte. Auch war es offenbar, daß die Maschine nicht stark genug war, um eine so bedeutende Last mit einer etwas bedeutenden Geschwindigkeit auf einer nicht sehr festen, durch mehrtägigen Regen erweichten, und hier und da frisch beschütteten Landstraße fortzuschaffen. Aller dieser Hindernisse ungeachtet langte der Zug jedoch glüklich zu Stoney Stratford an, welches 52 1/2 Meilen von London entfernt ist. Die Geschwindigkeit der Fahrt betrug im Durchschnitte und nach Abzug der zum Anhalten verwandten Zeit 7 engl. Meilen in der Stunde. Die oben erwähnten Mechaniker erklärten nach reiflicher Erwägung aller der Umstände und Resultate dieser Fahrt, haß sie vollkommen überzeugt seyen, daß ein gut gebauter Wagen von größerer Kraft die Fahrt von London nach Birmingham mit einer Geschwindigkeit, die mit Pferden nicht erreichbar wäre, und die überhaupt bloß wegen der Sicherheit eine Beschränkung erführe, zurüklegen könne. Sie erklärten sich ferner für überzeugt, daß ein Unternehmen dieser Art zum Vortheile des Publicums und der Unternehmer ausfallen müsse, besonders wenn ein Theil der Landstraße immer in einem für die Dampfwagenfahrt tauglichen Zustande unterhalten würde, was sehr leicht geschehen könnte.

Ob die Gesellschaft hiernach weitere Verbindungen mit Sir Charles Dance einging, ist nicht bekannt; nur so viel erhellt aus dem Morning Herald, daß dessen Wagen gegenwärtig wieder von Wellington Street aus regelmäßig seine Fahrten vollbringt, und zwar mit einer Geschwindigkeit von 10 Meilen per Stunde.

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