Titel: Notiz über einen merkwürdigen artesischen Brunnen in der Nähe von Perpignan.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. XIII./Miszelle 9 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051013_9

Notiz über einen merkwürdigen artesischen Brunnen in der Nähe von Perpignan.

Hr. Vicomte Hèricart de Thury verlas in einer der lezten Septembersizungen der Société d'encouragement zu Paris einen Brief des Hrn. Jaubert de Passa, in welchem sich eine merkwürdige Notiz über einen kürzlich gebohrten artesischen Brunnen befindet. Dieser Brunnen wurde nämlich in der Gemeinde von Bages, 2 Stunden südwestlich von Perpignan auf Kosten des Hrn. Durand gebohrt; die Bohrarbeiten wurden von Hrn. Fabre zu Perpignan geleitet. Man bohrte anfangs 80 Fuß tief; der Bohrer drang, nachdem er durch mehrere abwechselnde Schichten Mergel und Thon gesezt, durch eine 3 Fuß dike Schichte eines sehr sandigen Mergels, wo dann ein nicht sehr reicher Strahl eines klaren Wassers zum Vorscheine kam. Dieses Wasser, welches zwar einen eigenen Geschmak besaß, aber dennoch als Trinkwasser brauchbar war, hatte eine Temperatur von 14,5° R., und erhob sich 3–4 Fuß über die Erde. Bei einem zweiten, in einer Entfernung von 6 Fuß angestellten Bohrversuche kam man in derselben Tiefe gleichfalls auf springendes Wasser. Durch die Eröffnung dieses Bohrloches nahm jedoch der Wasserstrahl des ersteren ab; ja beide Bohrlöcher zusammen lieferten nicht ein Mal so viel Wasser, als früher das erste Bohrloch allein emportrieb. Man fuhr daher in dem zweiten Bohrloche zu arbeiten fort, und hier begann die Sonde, nachdem sie bis in eine Tiefe von 145 Fuß eingedrungen war, von selbst einzusinken. Die Sonde wurde nun schnell zurükgezogen, und sogleich sprang 5 Fuß hoch ein Wasserstrahl empor, der durch seine Menge und seine Kraft alle Anwesenden in Staunen versezte, und der von dem Augenblike seines Erscheinens an durch kein Hinderniß zurükgehalten werden konnte. Man hat zwar bis jezt noch keine directen Versuche über die Höhe, auf welche hier das Wasser steigen kann, angestellt; allein gewiß dürfte es nicht zu viel gesagt seyn, wenn man diese Höhe auf 50 Fuß angibt. Seit dem 28. Aug. 1833 behielt nun dieser Wasserstrahl immer gleiche Höhe und Stärke, ja es scheint sogar, daß das Volumen des ausströmenden Wassers seit seinem ersten Erscheinen |73| zugenommen habe. Es bildet gleich beim Austritte aus der Erde ein Bächlein von 63 Centimeter Breite und 1 Decimeter Tiefe. Das Wasser durchläuft in einer Minute 32 Meter; dieß gibt also für die Minute beinahe 2000 Liter, und für den ganzen Tag beiläufig 2880 Kubikmeter Wasser. Ein bleiernes Gewicht von 8 Pfunden wird, wenn man es an einer Schnur in das Bohrloch bringt, schnell wieder aus demselben herausgeworfen. Das Wasser hatte anfangs einen eigenthümlichen Geschmak, der es jedoch nicht untrinkbar machte; jezt ist es sehr klar und rein und nur etwas fader, als das gewöhnliche Quellwasser. Seine Temperatur beträgt 15° R. Die ganze Ausgabe für das Bohren beider Bohrlöcher belief sich nicht höher, als auf 263 Franken. (Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. September 1833, S. 328.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: