Titel: Einiges über den Pflug Grangé's und über die dem Erfinder zu Theil gewordenen Belohnungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1834, Band 51, Nr. LIV./Miszelle 13 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj051/mi051054_13

Einiges über den Pflug Grangé's und über die dem Erfinder zu Theil gewordenen Belohnungen.

Wir haben, als wir Band L. S. 365 unseres Journals eine Beschreibung und Abbildung des vortrefflichen, von dem Pflugknechte Grangé erfundenen Pfluges bekannt machten, versprochen, nachträglich auch noch den Bericht mitzutheilen, der vor der Société d'encouragement darüber erstattet werden sollte. Wir haben diesen Bericht, der von dem Hrn. Grafen Lambel vor der Gesellschaft vorgetragen wurde, so wie auch jenen, den Hr. Molard vor der königl. Akademie der Wissenschaften zu Paris erstattete, seither im Bulletin de la Société d'encouragement eingesehen, und glauben uns auf eine Hinweisung auf beide beschranken zu können, da das Wesentliche bereits in dem von uns mitgetheilten Aufsaze enthalten ist, und da Grangé's Pflug unterdessen auch durch ein eigens darüber erschienenes Werken, welches bereits die zweite Auflage erlebte, in Deutschland bekannter geworden. Die Berichterstatter waren einstimmig der Meinung, daß das Ziehen des Pfluges durch das Grangé'sche System, wodurch ein Theil des Gewichtes des Büchergestelles auf die Ferse der Pflugschar übergetragen wird, bedeutend erleichtert wird; daß der neue Pflug, selbst wenn er mit 4, 6 oder gar 8 Pferden bespannt werden muß, doch von einem einzigen Menschen dirigirt werden kann, der überdieß weniger Körperkraft, als Besonnenheit zu haben braucht; daß mit diesem Pflage selbst Landereien, die bisher mit den gewöhnlichen Pflügen unmöglich umgebrochen werden konnten, leicht zu bestellen sind, und daß mithin manche unbebaute Streken nun gehörig bewirthschaftet werden dürften; daß in Ländern, wo man bisher mit einem Gespanne zu pflügen im Stande war, dieses Pflügen in Folge der Erfindungen des Hrn. Grangé nun weit leichter, mit weniger Mühe, und selbst bei solcher Witterung geschehen kann, bei welcher es bisher wegen Härte über Nasse des Bodens nicht möglich war; so daß die Feldwirthschaft auf diese Weise bedeutend erleichtert und vervollkommnet ist. Sechs der östlichen Departements Frankreichs, in welchen das Pflügen wegen der Schwere des Bodens so äußerst beschwerlich war, haben den Pflug Grangé's schon ziemlich allgemein angenommen, und genießen in Folge dieser Verbesserung bereits wesentliche Vortheile. Mehrere der landwirthschaftlichen Vereine dieser Gegenden haben daher dem Pflugknechte Grangé in Anerkennung seiner Verdienste um den Akerbau bereits Medaillen und Belobungen ertheilt; die Commission der Société d'encouragement hat ihn für eine der großen Medaillen der Gesellschaft, und jene der Akademie für einen der Preise, welche der wakere Montyon stiftete, vorgeschlagen, die ihm wahrscheinlich auch wirklich zu Theil werden dürften. Die französische Regierung endlich ließ ihm auf diese Berichte hin 3000 Franken überreichen, die ihm Theils als Aufmunterung zum Fortschreiten auf der begonnenen Bahn dienen, theils auch als Entschädigung für die Aufopferung gelten sollten, die er dadurch bewies, daß er, um der schnelleren Verbreitung dieser wichtigen Erfindung keine Hindernisse in den Weg zu legen, auf ein Patent auf dieselbe verzichtete. Möge diese ehrende Anerkennung, welche die französische Regierung dem Erfindungsgeiste und dem uneigennüzigen Streben eines einfachen Bauernknechtes zollte, dazu beitragen, diese Classe von Leuten zu belehren, was sie zu leisten vermögen, wenn sie über die in ihrem Berufe gelegenen Arbeiten nachdenken; möchte man aber auch andererseits das von der französischen Regierung gegebene Beispiel anderwärts befolgen, und das Verdienst oder Talent gehörig lohnen, in welcher Classe oder in welchem Stande es sich auch zeigen mag.

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